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Jüdische Volksstimme · 1918-09-25 · Heft 21-22 (25.9.1918) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIX (1918)
Issue
Heft 21-22 (25.9.1918)
Date
1918-09-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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MH 4. ״My«, v-rr,in«M* T 21«. rung über ihre FeMKbeiten äußerten und tm Wunsch ausdrückten, nach Kriegsende nach Palä stina zu gehen, um dort mit eigenen Händen das jüdische Land zu bebauen. Der. Führer dieser jüdischen Gemeinde ist der dortiige Sta tronsvorstand Jdchvk Singer, ein eifriger und aufopferungsvoller Zionist, der damach strebt, Itt Erez Israel eine eigene Kolonie zu gründen. Mit ihm zusammen sollen auch alle Juden dieses Dorfes noch Palästina auswandern. Das Singsrsche Haus kann׳ für die Juden UnWrins als Muster dienen. Die Umgangssprache im Hause ist die hebräische. MsS spricht nur von! Judentum, von seinem Schmerz und Elend, von seinen Freuden mH Lei/den, von seiner schönen Vergangen,heit urrd von seiner glorreichen Zu kunft. Die Zahl.'der jüdischen Bauern im Komi tatze beläuft sich auf zirka 20.000 Seelen. Die Juden des Komitates MarmaroS nehmen im ungarischen Judentum eine besonkere Stellung ein und sind als spezieller Typ unter dem Nastien ,,Mavmaroser Juden," bekannk. Sie unterscheiden sich von allen anderen ungarischen Juden durch ihre altmodische Kleidüng und durch ihre Denkungsart. Die ersten Juden des Komitates waren WWenteils aus Galizien eingewandert und haben daselbst. Dank dem Anschluß an die hies. gleichgesinnten Juden und den hier herrschenden Verhältnissen, ihr galiizitschss Wesen nicht nur Weiter erhalten, sondern auch auf ihre Nachkommen weiter verpflanzen können. Im Komitate lebien aber auch viele gal!!-- zische Juden, welche sich den Verhältnissen der hiiss. ruth. und rmm. Bevölkerung derart an,gepatzt haben, daß sie in ihr ganz aufgegangen sind, und bei! ihren Kindern die galizifche Herkunft ganz verwischt und überhaupt nicht mehr merkbar ist. Ist religiöser Hinsicht bildet das Judentum von Manam'aros die stärkste und kompakteste Masse der jüNsch-.ungarischen Orthodoxie und blüht hier verhältnismäßig am stärksten der Chassidismus. Es gibt hier!sine hübsche Zahl von Wunderrabis, von. denen jeder mehrere Anhäniger, nicht!nur im eigenen Komitate, sondern auch in ganz Ungarn und insbesondere m Siebenbürgen hat. Wuniderrabis gibt es in Hußt, Szaploncza, Felsövitse, Tißakariatschonifalu und in noch anderen! Orten. Die Hauptstadt des Komitates Sziiget, hat ihren eigenenWunderrabi, der auch der Führer ׳der hies. streng orthodoxen Kehilla ist. Neben dieser gibt es hier auch eine moderne sephardische Gemeinde, deren Führet Obervabbiner Dr. Samuel Dcmzfg ist. Diese Gemeinde gewinnt allmählich ׳mehrere Anhänger. In Szijgpt gibt es gegen 16 kleinere und größere Bethäuser >un<d Beth-hamidrcrschiM, an!die gewohnlich Talmud-Dhoraschulen anigegliiedort sind. Es sind hier auch mehrere Chassidim der galizischen Wündervabbis vorhanden und zwar des Belzisr, Wischniher, Otinier mlnd Tschortkower. In den ReffideiHstädten der! ungarischen Wundevvcchbis ׳befinden sich Jeschiwoth, tn wel chen Hundjerte von jüdischen Jüinglingen, Bachurim, sich Tag und Ncht ׳dem Thorastudium widnven. Die Zahl dieser Nachuritm hat .unmittelbar vor Ausbruch des Krieges, und insbesondere während desselben, bedeutend adgenotmtmen. Ungeachtet dessen ist das Komtiitat MaraMaros noch heute die Quelle der Rabbonim, Schochtim, Bodkim, Bal-Tefiloth. usw. Kulturell sieht zwar Ntz jüdische Bevölkerung höher als di!e athenische und rumänische, aber im allgemeinen steht sie auf dem niedrigsten kulturellen Niveau der ׳ganzen indischen Bevölkerung Ungarns. In letzter Zeit ist auch m Bezug auf Kultur ein Fortschritt zu verzeichnen, in dem man schon jetzt in vNen Familien Söhne mit absolvierten Mittelschulen findet, während es früher eine Seltenheit war. Die Umgangssprache Äer Juden im Komitate ist die jüdische; es gibt aber auch einen Teil tum׳ magyaristerten Jupmj, welche nur ungarisch denken und sprechen. Zwischen den magpavtsierten und den gewöhnlichen ungarischen Juden kommen im alltäglichen Leden große Meinungsverschiedenheiten und Miß- Verständnisse vor. Die magyadisierten Inden sind ganz assimiliert, während die anderen sich in ihrer ursprüngkilchen, unverfälschten! und altmobischen jüdischen Form vollkommen ausleben. Das Verhältnis zwischen der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung ist ein ziemlich fvenndliches, aber in den letzten zwei Kriegsjahren macht sich eine antisemitische Bewegung bemerkbar, die mit jedem Tage größere Dimensionen annimmt. Dieser Dswsgmtzg, entgegen zu treten, ist eine de bvennsnjdsten Aufgaben der Führer des «Ungar. Judentums. Die ungarischen Juden müffen zur Ueberzeugung kommen, daß ihre Landeszugehörigkeit in gar keinem Widerspruche zu ihren! jMschen Nakiionalbewußtsein stehen muß. Dies Haben auch «die Führer der jmrgjüdischen, zonisti׳ schen Bewegung «!ingesehen und sind an den Ausbau einer Ortgcmisatioin der ungarländischen Zignisten gegangen, die vor kurzem ihre 12 Landeskonfarenz abgehalten haben. Auch in der Hauptstadt hes Komitates in Sziget besteht eine zionistische Ortsgruppe, die Dank dem unsrmüdlichen Fletße ihres Führers, dem Aldvokate Dr. Jlles Blank große Erfolge ausweisen kann. Uebev seine Initiative wurde auf der 12. Laudeskonferenz der ungarländischen Zionisten eine ungarisch-jüdische Devlagsgesellschaft gegründet die bereits einen! Hunderttausendkronen^Fonds hat und' schon in den nächsten Wochen ihre erspriehliche Tätigkeit zwecks Weckung des jüdischen Bewußtseins und Verbreitung jüdischer Wissenschaft und Kultur beginnen Wird. Dr. Israel Hammer. JtiiitdMiau. Zionistische Jugendkonserenz in Krakau. Für die Halbfeiertage des heurigen Laubhüttensostes wurdeini ׳durch den zionistischen Jugendverband im Krakau, dorthin eine Konfe.ysnz einberufen, «ist welcher die Frage der Schaffung einer starken jüdischen Jugsndon1gani.s!ati!on erörtert werden wird. Die Konferenz wird sich auch mit Fragen über! di!e Verbreitung der hebräiffichjüdischen K«ult!u!v und Mit d>e!r Erziehung vier Jugend befassen. An derselben werden sich Delegierte aller igp-liziM-r Ortschaften beteiligen. Bis alle Inden in Rußland hingerichtet werden. ״Associiatsd Preß" bringt charakteristische Nachrichten über das Verhalten Rußlands den Juden gegenüber: Trotzki ließ dem Führer der Tschechoslovaken, de« Weißen GaM und der Kosiaken in Sibirien, -den General Alleres ew verständigen, daß für jeden ermordeten Bolschewibeachtet werden, daß der erwähnte Vorfall keimen der jüdischen Vertreter jsm. Staatsrat zu einem Protest gegen die polnische Regierung veranlaßt hat, und daß diese Vertreter in ihren Programmrohen bei der Enöfstaumg sich aus den Boden der polnischen Staatlichkeit und der völligen Loyalität gegenüber der polnischen Regierung gestM haben. Das Departement arbeitet an der Hmmsgäbe eines Buches Wer die jüdische Frage in deutscher und französischer Sprache. Es soll Ne TolkMrnz der polnischen Regierung darlsgen und ihren jeden Chauvinismus odgensigten Stand- Punkt beleuchten. Gezeichnet sind Prinz Radzi- Will, Abtsilungschsf, BaÜgn. Die PalLstinafrage. ״Allgemeein Wndelsblad", schreibt über die Frage der Zukunft PalästmvS: In der Politik der Mittelmächte spielt der Zionismus eine untengeordnete Rolle. Nachdem das englische Angebot an Pie Zionisten i,n den jüdischen Kreisen große Sympathien für die Entente!geweckt hat, ist man «im» Deutschland und ist der Türkei notgedrungen dazu übergangen, Paläftinja einen Platz in! der jüdischen Politik zuzuorkennon. Di!e Sym- -pathieäußerungen von deutschen, allerdings -außerhalb der Regierung stehenden Politikern und Ais Aktion Älingsl-ner jüdischer Organisatiorien in Deutschland haben Talaat Pascha voranlaßt, Vertreter der deutschen Juden zu dem Zweck jnjach Konstantinopel «einzulaiden um c'r Progmm der jüdisch-türkischen Palästtnapolititk zu entwerfen. Ueber die Resultate!ist noch nichts bekannt, doch ist das Zeichen, daß sich der Kurs der Türken! gejgenüiber den Juden geändert hat, nicht ohne Belvng. Mhrend des ganzen Krieges haben die türkischen Behörden alles getM, was im ihrer Macht stand, um das Aufblühen des jüdischen Lebens in PialäMna zu veriniWen. Sie haben die jungtürkische Politik, Ne jeder nationalen nichtosmanffchen Sttriömüntz feti'ndlick! a״!- 'innt ist, den Judem! ׳gegenüber auf Nieselbe Weile Wie gjegen idis Armenier und Araber antgewamdt. Erfolgreicher Kaperkrieg eines jüdischen Schifsskommandanten. In der Schilderung der Kämpfe, welche im Anfang des 17. Jahrhunderts zwischM Spanien und Marokko stjattfanden׳, ist auch vvn׳, einem ken er einerseits den Befehl erlassen wW die ] jüdischen Schiffskommandanten die Rede, her im Offiziere Mexchews zu erschießen. Darauf ent-! Jahre 1614 einen erfolgreichem Kaperkrieg gegmete Alexej'SW, daß sobald sich ein derartiger! führte. Sein Name ist uns leider nicht über- Fall eveiaMn Wird, «er nilcht ruhen Werde, bis liefert,!doch wird uns über sisine Tätigkeit folzur Hinrichtung aller Judem. in Rußland, Trohki genipes erzählt: Er befehlilgte einen maxokkanä- NbelgriffsN. , schein Kreuzer und hatte den Auftrag, spanische Schiffe aufzubrilngen. In -den Niederlanden ge- Die Judensrage im Königreiche Polen. ״Kurser Warßawski", vom 13. d., bpistgt unter der Überschrift: ״Die jüdische F-raae" folgende größere Notiz: Das Komite ׳de!r׳ Ostjudsn wamdte sich uinlängst anläßlich der im Warschau und Lodz durch die geheimnisvolle ״Armee 'der Befreiu!n«g" verbreiteten Ausrufe, hie zu antijüdischen Exzessen aufsorderten, an den Grafen Rexrikier, -den Vertrauensmann der polnischen RoBewng in Berlin, mit der Bitt!׳ um Eimholung von JnformationM in Warfcba״ üher den Charaktelr un>d Verlajuf d!er letzten Vorfälle sowie über den Standpunkt der Regierung. Zu Händen des Grafen Rotnlkiisr gelangte folgende Antwort des Departements für amswärtige Ainigelepenheiten: Auf Ne wiedlsrholte Anfrage gestattet sich das Departement, dem Start׳- Punkt hinsichtlich der letzten Vorfälle auf dem Gebiete der jMischen Fw!a«e lMsführlich darzulegen, wobei es kathelgorisch feststem, daß der polnischen Regierung ׳alle «antisemitischen Tendenzen fremd sind und daß sie auf Basis völliger Gleichbereck^ tiaung der Bürger des polnischen Staates ohne Rücksicht ׳auf Abstammung unjd Bekenntnis steht. HWichtlich der im Reichstag emgebrachten Interpellationen betreffend die Pogrom-Aufrufe ist Warschau und Lodz D zu beachten, daß solche Aufrufe tatsächlich erschienen sind, daß sie aber bei «der erdrückenden Mebrbkit sowohl der christlicken wie auch bei ׳der jMschen Gesellschaft kenne Beachtuna, ,gefunden haben. Hinter diesen Aufrufen steht keine!ernst zu ׳nehmende Partei odev politische Grupps, und in! «der Sitzung des Wiarschauer! Stadtvades vstwden sie offen als provokcvtorische Arbeit gebraMnarkt. Es mujtz ferner. lang es ihm, eine hinreichende Anzahl von Seeleutsn -anzuwerben, mit «denen er! alsdann in See stach, um den Feiistd aufzusuchan,. Gleich bei! sejiner ersten Fahrt brachte er drei spanische Schiffe auf, mit denen er im׳ einen eniglffchen Hafen einfmhr. Dasich England damals mit Spanten nicht iw Kriegszustände befand, wurde er verhaftet, und die englische RejMerumjA hatte die Absicht, ihm! seine drei Prisen abzunehmen, -amgeblich, um sie den ursprünglichen SchiffseigMtümevni zurückzuerstatten. Indes wußte der tapfere Kapitän d'i-e Engländer an -ihrer schwächsten Stelle, nämlich am Geldbeutel, zu fassen, und! es gelang ihm unter Ausnützung oer Habgier! Königs Jakob des Ersten, für klingende Münze «einen Freibrief zum ungehmderten Aus- und Anlaufen der englischen Hafen- Plätze zu erhaltem!- Infolgedessen mußten ihn disi Behörden von Plymouth, wo er mit den gekaperten Schifftm. vor Anker gegangen war, mit seiner Beute ruhig ziehen lassen. ״Diese geschichtliche AneMte," so bemerkt hierzu «ein jüNscher Schvilftstellsr, der sie im Jähste 1868 dem englischen We!rk ״«Oomirt ׳andl times at James׳ I ", Band I, S. 352 ,London, 1848, nacherzählt, ״beweist jedmfalls, daß schon damals den Juden der ״kriegerische Mut", Welchen -ihre Feindle thnem abspwchen wollene keineswegs mangelte." Nach Ansicht unseres Gewährsmannes scheinen die Beziehungen, Ne der jMsche Schiffskomman- Äant,gerade zu Marokko und den Niederlanden hatte, wohin bekanntlich viele Mamannen geflüchtet waren, ihafür zu sprechen, daß es sich, um einen spanischen Flüchtling oder um einen Nachkommen eines solchen handelte. A. M.

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