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Jüdische Volksstimme · 1918-09-25 · Heft 21-22 (25.9.1918) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIX (1918)
Issue
Heft 21-22 (25.9.1918)
Date
1918-09-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 21-22. S*n»|K«m* eines Staates immer führen mutz. Richtig ist wi-r zwar kein eigenes Staatswjesen gebmuchen, m dem Vorwwvf »des genannten Politikers nur. daß un-s häuftzg der Wille und die Kraft fehlt, an der ׳eigenen jüdischen Zukunft zu Baum Wir bauen immer an der Zukunft anderer. Jüdische Gelehrte, jüdische Künstlern, jüdische Techniker, jüdische Volkswirtschaftler erfüllen »die Welt mit ihrem Ruhm, aber was sie erreichen, kommt nW uns Juden zugute, sondern den anderen. Die Sorge» für andere ist eine lobenswerte Eigenschaft, aber derjenige, der über der Sorge für andere seine eigane Existenz vernachlässigt oder qm vergißt, wird überall i,n ׳dm Schatten gestoßen. Erst kommt die Sorge für dos eigene Haus, dann erst für das Haus andomr. Wie können wir vilso für unsere eigene Zn kun-ft bauen? Unser Streben darf es — dlgrüber kann es unter aufrechtein Juden nur eine Meinung geben — nicht sesn, iin!anderen Völkern aufzugehen. Auch d.i>e Gleichberechtigung als solche!darf höchstens ׳ein Mittel zum Zweck, nicht den Zweck selbst dilldlen. Wir müssen darnach trachten, eine Möglichkeit zu schaffen, uns als Juden m unseren, jüdischen Eigenschaften auszulegen, eine eigene jüdische Kultur, ein eigenes jüdisches Geistesleben׳, ein. jüdisches Wirtschaftsleben, mit einem Wort M jüdisches Kultnv- und Wirtschaftszentmm zu schassen. Wi,r Juden leben in der Diaspora überall gegen!- über den Angehörigen der WüvtschastsvölM in der Mindiavhoit. In der Mitndovheit aber!, den unausgesetzten EiNslüffeln Msbesonder-e des mchtjüdi'schein Wirtschaftslebens ausgesetzt, aber ׳ist die Schaffung ei!geum jüdischen Lebens unmöglich Wir können׳ daher ein solches Leben nur auf einem Gebiet führen-, auf welchem wir Juden die Majorität der Bevölkerung Mden!, 'i!n dem wir selbst die׳ Gesetze des Geistes- und, Wirtschaftsl'ejbens vorschreiben. Dies ist aber nur in Palästina möglich, im Lande unserer Väter,!daß!ein jeder Jude als solcher mit allen Fasern seines Herzens lieben und verehren muß. Der Aufbau eines jüdischen Geistes- und Wirtschaftslebens in Palästina mutz daher für einen jeden Juden die FoMrung des Tages ׳bilden. Hierbei dürfen Uniterschiedle in jüdisich^politilscher und Mssisch-relWöfer Anschauung keine Rolle spielen. Der Zionnst mag in Palästina mit seiner zionistischen Organisation arbeiten, die Orthodoxie möge, sich ihre eigene Organisation für Palästina schaffen, der liberale Altizionist möge ein gleiches tun!. Auf all diese Unterschiede kommt es erst! ׳in zweiter Linie an; die Hauptfache ist und bleibt, dlatz überhaupt Arbeiit in Palästina geleistet wüird. Wem: aber solche Arbeit geleistet wird!, barm können wir hoffen, datz der Weltkrieg ,nicht vergebens feinen Jammer über die Judenheit ausgesAeut halt. Der Weltkrieg mutz uns zu der Erkenntnis führen׳, dajß es so, wie es bisher .geschehen ist, nicht weitongehen׳ kann, datz Ich will nicht gesagt haben, datz wir die Gebete oder Ucherlieferungen dev heiligen Schristen ändern, oder die Sitten und Gebräuche der Juden verletzen sollen. Es kann ja jeder Jude seiner, Religion, seinem Volke und dessen Trabition treu bleiben; nur sollte »0r es unterlassen, zwischen Gott und Menschen als Richter aufzutreten. Es bleibe jedem Menschen überlassen, nach foinom Ermessen für sein Soelonsheil zu sorgen. Wenn unsere frommen Juden, die sog. Orthdoxie sich mit dieser Ansicht befreunden, daun wird es ein geeinigtes Judentum, aiin geschlossenes Volk geben׳, ohne Brüderhatz, ohne Zwiespalt. Dann wird es ein gesunder Körper miilt gesunden Gliedem. In dieser Beziehung kann ich dir auch nicht Unrecht geben, mein Sohn. Doch will ich dir noch eines sagen: du kannst dir denken unid Handeln und forschen, wie.du willst. Allein das Judentum ist eine nach festen Regeln aufgestellte Rechnung, derciw Resultat für die Ewigkeit unumstötzlich ist- Es bleibt jedermann amhsi'm gestellt, nach seinem Ermessen!diese Rechnung zu überprüfen und die einzelnen Posten zu verschieben; doch mutz er immer beim Z-ufammenzählen zum selben Resultate g-elanWw, wenn seine Rechnung richtig sein soll. Stellt sich aber ein anderes Ergebnis heraus, so war seiv» Rechnen falsch und er muß sich entweder der Mühe neuerlich unterziehen, bis sich die richtige Summe ergibt, oder aber die Rechnung in ihren ursprünglichen Posten unabgeändert lassen und sonne Mangelhaste Arbeit aufgöben. um uns ajn imjiMscher Machtpolitik zu beteiligem» dlatz wir aber. eiin jüdisches Geistes- und Wirtschaftszentrum schaffen -müssen, das Ummer wieder sich emponrichtet, mögen auch -noch so viele Stürme idphnnbvausen׳. Außerhalb PaläskmvO ist dies deshalb nicht möglich, weil selbst m den jüdischen Zentren Polens und Südrußlcm'ds, durch den Krieg beschleuni'gt, der Kapitalismus als Wivtschaftsordnung eiindringt und weil der Kapitalismus wie mit schwingender Naturgewalt alle» Wihtschaftsindividuellein in, seine DÜsnste zwingt und sie mit »dem Geiste erfüllt, ׳der ׳herrschend in dem betreffenden Wirtschaftsgjbiiete ist. Die jüdischen Zentren Polens und SüdrNtzlands bilden aber kein eigenes Wirtschaftsgebiet. Sie wsrdien׳ m.i't Naturnotwendigkeit in ihrem Geistesleben durch das in ihnen sich ausbreMnde Wirtschaftssyste,m dies Kapitalismus sich allmählich dom Geistesleben ihrer russischen und polni,schiein» Wirtschafts- Völker assimilii'ieren, wie di!e westeuropäischen Juden dies hinsichtlich ihrer Wirtschaftsvölker bereits getan haben». Diese Entwicklung ist unausbleiblich, mag man auch noch so viele Mittel und Mi'ttelchen dagegen, versuchen. Gelingt es aber nicht, ein eigenes jüdisches Wirtschastszentrum zu schaffen, so Wird der Kapitalismus zur Folge haben, datz die Judenheit dar Diaspora!nach und nach von nicht» M scher Geisteskultur d-urchtränkt wird und so allmählich zugrunde ׳geht. Die Judsenheit und, da sie dli-e Trägerin des Judentums ist, auch das Judentum ׳Men vor «der Gefahr des Unterganges- DaheN, Ihr Juden, schafft Euch ein eigenes Wirtschaftszentrum, damit nicht Ihr den anderim, son!d»er>n. die anderen Euch assinnliert werden! Wenn dies der Weltkrieg dar JMnheit ins Gedächtnis hämmert und an diesem Punkt das durch den WeMrileg leider auch zum Teil zertrümmerte Gemeinschaftsbewußtsein׳ der JuAenheit sich wieder aufri'chte-t an gemeinsamer Arbeit für die jüdische Zukunft, dann wirjd sich einst das Jammern und Klagen, das der Weltkrieg über uns gebracht hat, umwan dein zur Freude und zum Jauchzen. Meine Sukkoh. Nach dem Jüdischen von S. Frug. Mein' liebe, schöne, teure, Mein» herzig gute Seele, Nun will -ich dir bald z'iwmern 'Ne Sukkah, eine Helle. Jlvstrnmente brauch' ich -nicht — Hacke, Säge, Hammer; -Vier- Stangen, ein paar Tücher Und auch »die Tür der Kammer. Ein Tischbrett unid ein Kuchenbrett, Dazu noch ein paar Laden, Und we-M auch bleibt ein Löchelchen. Es ist doch kei>n Schaden. Nur soll das Dach, das über uns, Mt Laub bedeckt wohl werden.. Und Mahlen soll durch unsere Deck' Der Himmel mit den Sternen. Und Löcher sind doch Nebenisach' — Sie seien hier und dort. Im Herzen sind doch »größere, Und sieh', man lebt doch fort!.... Bon der Gleichgiltigkeit. (Aus dem demnächst im ״Jüd.. Buch- und Kunst- Verlag" M. Hickl, erscheinonidsn Buche: ״Chassidische Mysterien.) Leitwort: ״. ... Bin ich doch Wurm und nicht Mensch." (Psalm XU, 7.) Eine große L-sbensregel, die der Bal-Schem aufHestKllt, ist die von der Gleichgiltigkeit und des Sichgleichbleibens. Der Mensch soll in seinem Innern sich gleich bleiben, ,gleichviel, ob weM hält oder für ungelehrt. Au dieser Stufe kann der Mensch nur durch die ״Dwekut"*) gelangen, denn! wenn des Menschen Streben dar-!nach geivichtet sein wird, Gott zu finden und mit Gott zu sein, so wi.rd ihm keine Mutze Ehr bleiben, sich mit seiiner Ehrsucht zu befaßen. Alles Handeln. des Menschen geschehe nur zum Zwecke des Wohlgefallens dar Schechinah und nicht zum Zwecke des eigenen Genußes. Auch wenn der Mensch sich anschickt und Vorbereitnngen trifft, um Gott in Dwekut zu dienen-, so soll er, bei diesem Tun» keinen Genuß unpfijnßjen, sonst diene er sich selbst und nicht Auch beim ״Gottdienen" darf keine Ehrsüchteliei obwalten. Der Mensch darf nicht deinlken, er steh« höher wie ein andisrer Mansch oder sogar wie ein anderes Geschöpf, weil er Gott in größerer Inn-Wett zu dienon permag. Denn alle Menschen und alle Kreaturen!, soigpL Aar Wurm, sind dazu geschaffen, um Gott zu verehren, ein jedes nach dem Grade seiner Vernunft- Und wenn, »des Menschen Gotteserfaßenr Und ׳Gotteshuldigen höher steht, als die des Wurmes und alle« Kreaturen, so geschieht dies ja nur vepmiöge idjes dem Menschen von Gott verliohonen höheren Versianides. Die Juden im Komitate Maramarosßiget. Marmaros-Sziget, i»m Tischei 6679. Die Bevölkerung des Komitates Mairmaros besteht aus drei Hauptschichteu: Nuthenen, Rumänen und Juden. Die hier wohnenden wonnigen Ungarn leben zumeist in den Städten. Die Gesamtbevölherung des Komitates :nacht 320.000 Seelen aus, wovon! einen Witten 'Teil düs Juden billde'n, die -i»n einer Zahl von über 100.000 vorhanden ftrtibu Sie leben zerstreut im ganzen Komitate, bild-an aber ׳in mehreren» Ortschaften hije Majorität der Bevölkelriung, wie zum Beispiel in Falusz-latina, Tiszakaratschonifalu, Nagybocsko, Felsövitfe, Szaploneza und in anderen. In der Hauptstadt dies Komitates, in Sziget, wohnen zirka acht- bis zehntausend Juden, biilei iirti allen Erwierbszwei'gen tätig sind. Unter denen gibt es viele! Wal׳djm.anip!ula1n!ten, Waldarbeiter, Flößer und Leute ähnlicher Berufe; es sind auch hier jüdische Maurer, Hand- Werker und Tagjlöhner zu ftindon. In Sziget sind sämtliche Trägeiv. Juden, »die auch die schwersten Arbeiten verrichten. In den Städten und insbesondere ׳i»n der Hauptstadt des Komitates, in Sziget, betreiben» sie auch freie Berufe, somit finden wir hic/v mehrere jüdische Advokaten, »Aerzte, Jngeniisuve Wdi Beamte. Mt desonderer Vorliebe Widmen sich die Jrchon des Komitates landwirtschaftlichen Arbeiten, und es bietet geradezu einen ganz erhebende An»blick, den langbärtitzen und sogar,grauen, alten Juden mit der Hand die Sense schwingen zu sehM. In mehreren Dörfern des Komitates wohnenfast lauter Juden, die sich ausschließlich vom Ackerbau ernähren. Diese Dörfer Weifen sowohl in bezug auf Getreide als auch auf Früchte einen großen Reichtum auf. Auch Frauen und K-iNdsr gehen gerne -an die land!- und haus-wirtschaftlijche Arbeit. So oft man in ׳eines dieser Dörfer» kommt, gewinnt man »den Eindruck, daß man sich in einer unserer Kolonien, im Lande unserer Väter, in- Palästina, befindet. Wenn wir die jüdischen Landwirte i»w diefen Dörfern beobachten, ko:nmen wir zur Ueberzrugung, daß die Meinungen und Beweise üben die Unfähigkeit der Juden zur Landwirtschaft grundfalsch sind. In Nagybocsko, etneM Dorfe unweit von Szigeit, habe i-ch selbst mehrere Juden gesprochen, die sich mit großer GenMtuung, Freude und Begeiste- 0 Das Ehassidifche דבקות ד u.עבודת ה• בדבקות ist ein terminus techn., der sich schwer auSdrücken lüßk. Schon das einfache (!עסדד) N עבודה bedeutet in der Hast. Mystik ,an» was Anderes, als die wörtliche Ubersetzung. ES ist vielmehr eine mystisch-gedankliche Goltverehrung. Ost ist unter dem Begriffe עבודת nicht ״Gottbienen" allein gemeint, eS ist darunter auch da» ״Sottfinden" subsummiert. Da» richtige עבידת ת *fr in der Dwekut und es soll da» Streben sein, diese Stufe zu erlangen. Dwekut laßt sich mit ״Bereinigung mit Sott" und mit ״bas sich Vergotten" (d. christl. 'Mystiker) übersetze«. Diese »«SdruckSweise laßt aber lange noch nicht die Defi« man ihn lobt oÄer tadelt und ob man ihn füvnition dieses Begriffes ersch einen.

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