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Jüdische Volksstimme · 1918-07-12 · Heft 15-16 (12.7.1918) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIX (1918)
Issue
Heft 15-16 (12.7.1918)
Date
1918-07-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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R. IMG f• MhtfA• H tf 11t - NlIipillP . Jedes Juden heilige Ehrenpflicht sei es, der ״Allianz" anMgehöven, für sie eifrigst zu werden, um an dem -nottvendigon« Werke der Selbst- Hilfe kräftigst mitzuwirken und der Abwehr Wider Bedrückung, Hatz und Niedertracht wirksanrst zu begegnen!. A. L. Prager Brief. Prag hat nicht nur eine große Reihe foeut־ scher Dichter und Schriftsteller man denke nur an die Jungpmger Schule, deren Kreis fast unübersehbär ist, es hat auch eine große Reihe Mischer Schriftsteller, die scheinbar jetzt mit einem Schlage alle flügge geworden sind und ihre Leistungen in alle möglichen jüdischen Blätter ablegem-. Schade nur, daß sie ihren Eifer nicht Dingen zuwenden, die des Schweihas dieser Edlen« wert sind, statt daß sie sich darüber verbreiten ob ein Rabbiner, der sich konservativ nennt, auch wirklich konservativ ist und ob ein Rabbiner der gerade seinen Geburtstag feiert, der bedeutendste jüdiische Ge- Lehrte Oesterreichs oder gar ganz Europas ist. Und doch gäbe es so manches zu besprechen und aufzuklaren, was die Prager jüdische Oeffentlichkeit in der letzten Zeit beschäftigt. Bor allem die Frage der Leichenvorbreinnung. Vor einigen Wochen wurde die Prager Chewra Kadischa von der ersten Instanz dazu verurteilt, die Uxm eines Verbrannten im Familiengrabe beisetzen zu lassen. Das Urteil ׳und seine Begründüng war mehr als sonderbar und es dürfte falls die BeerdiWngAbrüderschaft den Prozehweg wei,- ter beschreitet nicht dabei bleiben.Äusschlaggebend für diese erstrichterliche Entscheidung war ein Gutachten der Prager Kultusgomeinde, daß sie gegen die Beisetzung von Aschenurnen auf dem jüdischen Friedhofe keine Bedenken habe. Die Prager Kultusgemetnde ist sich im großjen und ganzen gleich geblieben, ihre Repräsentanten sind nach wie vor -indifferent geblieben. Solange Dr. Rosenbacher an der Spitze!stand sagten die Repräsentanten zu allem, was dieser konservative Präsident wünschte Ja und Amen und jetzt wo ein liberaler Präsident am Ruder ist, ist es nicht viel anders. Begreiflicherweise fehlt es da stark an Stabiltät und Kontinuität und dajmiit ist Wohl auch zur Genüge erklärt, warum vor einigen Jahren Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld in einer «Erklärung in den Tagesblättern gegen chenverbrennunig -auftrat, während sein Nachfolger, so oft ihm in den letzten Wochen auch die Gelegenheit geboten wurde, ja sogar die Pflicht erwuchs sich zu äußern den besseren Teil erwählte, das Schweigen. Doch zu unserem Gegenstände. Kaum hatten die Prager Zeitungen das Urteil gegen die Chewra mit allem Tamtam veröffentlicht, als der Advokat, dev den Prozeß in erster Instanz gegen die Chewra,gewonnen hatte starb und letztwillig die Verbrennung seiner Leiche anordnete. Herr Dr. B. war ein sehr wohltätiger Mensch, ein hervorragender Jurist, Mitglied aller jüd.- hum. Vereine gewesen, als Stütze des ״Freien Gedankens" der ״Freien Schule" u. der- ״Flamme" ׳gewiß alles eher als ein Jude im religiösen Sinne. Dessenungeachtet machte es sehr viel böses Blut als die Leiche Dr. B., da die Beerdigungsbrüderschaft jede Mitwirkung, -abgelchut hatte, in einer kirchlichen Leichenhalle aufbewahrt und in einem mit einem Kreuze versehenen Leichenwagen zur Bahn befördert wurde. Von gewisser Seite wurden tagtäglich in die deutschen Blätter Prags Notizen lanziert, über die Unduldsamkeit der Beerdigungsbrüdsrfchast, der gegenüber die Toleranz des Pfarrers von St. Stephan hervorgehoben wurde. Und doch weih dieser Pfarrer׳, der nebenbei ein sehr toleranter Herr sein kann, nicht wie er zu diesem guten Rufe kommt. Denn die Leidtragenden haben mit der Aufbahrung und Uebsrführuug der Leiche einfach eine Leichenbestattungsanftalt betraut,die sie einfach ohne viel Federlesens in die einzige städtische Leichenhalle in der Stadt brachten, eben in die Kirche zu St. Stephan. Hätten die Leidtragenden sich den Schmerz ersparen wollen die Ueberführung in einen: Wlagen mit Kreuz an,sehen zu müssen, so wäre es ihnen ein leichtes gewesen, einen Leichenwagen ohne kirchliche Embleme zu erlangen. Statt dessen aber haben sie ihre Erbitterung und Empörung seit Wochen mindestens einmal in der Woche in die Zeitungen lanziert ׳und bemühen sich unablässig, eine künstliche Entrüstung gegen die Beerhigmigsbrüderfchaft wachzurufen. Mit welchen Mitteln da gecwbeitet wird — von den lächerlichen, daß jonmnd behailptet, durch sein« Vorgehen habe .der heilige Verein sich selbst entheiligt, will ich «absehen — aber, daß man wagte gewiß gegen die bessere Ueberzengung, die Mutinastung zu veröffentlichen, die Chewra habe sich in der ganzen Sache nur an ihrem toten Gegner rächen wollen, das verdient niedriger gehängt zu werden. Ueber all das schweigen die Prager jüd. Korrespondenten, der neue konservative Verein ״Sinai" scheint sich hier auch nicht seine Sporen verdienen zu wollen. Will ors nicht an den Toten, vielleicht könnte er sich den Dank der Lebenden verdienen, wenn er ernstlich daran ginge dem Unfuge der beim Koscherfleichverkcmf sich ab spielt, zu steuern. Ist, schon die Fleischratian an und für sich so klein, so ist es fast mit Lebensgefahr verbunden, koscheres Fleisch zu beziehen, man muß viele Stunden warten, um dann oft «nichts zu bekommen, einfach darum, weil bei den Koscherste! schläden der Verkauf zu einer Zeit beginnt, wo er überall beendet ist, und sich Hunderte von Inden und Nichtjudcn die nicht auf Koschcrfleisch sondern nur auf Fleisch reflektieren dort drängen. Abhilfe wäre wohl leicht, wird aber nicht so bald geschaffen werden, weil gewissen privilegierten Herrschaften das Fleisch ms Hans getragen wird oder zumindest im« Laden aufgehoben wird. Interessant ist auch, daß man Koscherfleisch ,unter der Hand zu allerdiugs unerfchjwi'N'glichen Preisen bekommen kann, wäre es nicht Sache der Kultusgemeinde vom rein rituellen Standpunkte aus zu erforschen, ob dieses Fleisch wirklich koscher ist eventuell wie es dom allgemeinen Verkehr entzogen werden konnte? Im nächsten Briefe mehr darüber! HANDELS- & KOZAK t. J. SCHULE DDflNN (g*g*nöber dem Stadttheater) zlhlt zu den besuchte- *"‘ייי״י •ten und vornehmsten Anstalten Oesterreichs. Aufnahmen tlgllah. Prospekt und Jahresbericht Nr. 9 frei. Über Einladung der Berbandsleitung verfaßtes Memorandum, bezüglich der System isionmg der Religionslehrerstellan, an den Mittelschulen und Penstonszusicherung der gegen Reinuneration unterrichtenden Religionslehrer zur Verlesung. Der Vorsitzende dankte unter allgemeiner Znstimmung dem Verfasser für sein vortreffliches Elaborat und wurde beschlossen zur Moi.terleitung desselben das Nötige zu veranlassen. Ueber Antrag des .Herrn Prof. M. Kanitz wird dem Obmann Rabbiner Dr. M. Rofenmann» für seine Mühewaltung in: Interesse des Sta׳n,des einstimmig ׳Dank gezollt. Uug.-Brod. Am 15. Juni verschied hier der Lehrer des Ruhestandes Herr׳M. Thorz im patrialchalischen Alter von 88 Jahren und wurde am 17. Juni unter Beteiligung der gesamtein« Gemeinde, des isr. Kultus- und politischen Genuindeausschusses, des Ortsschnlratcs, einer Lehrerdeputation der hies. böhmischen Volks- und Bürgerschnle und der Schuljugend der deutschen isr. Volksschule auf den: hies. Friedhöfe zur ewigen Ruhe bestattet. In dem Verstorbenen ist eine von seinen Schülern, dreier Generationen aufs innigsie verehrte und geliebte Persönlichkeit edlen Chnrakters und verdienstvoller Berufstätigkeit aus unserer Mitte geschieden«, die mit dem Sm«n für Freiheit und Fortschritt religiöses Gefühl und Kenntnis der jüdischen Glaubenslehre und! Literatur innig verband und sich durch strenge Gewlssenhaftigkeit, Pflichteifer -die Herzen aller, die ihn kannten, gewann. Herr Oberlehrer und Sekretär der isr. Kultusgomeiiide in M.-Weiißjkirchen Berthold Thorz beklagt in dem. Verstorbenen den Heimgang seines unvergeßlichen Vaters. An der Bahre verabschiedete sich in: Namender Kultusgemeinde Herr Jakob H. Glück, in: Name«!!! der Schülerschaft Herr Ingenieur und Sägewerksbesitzer Karl Klein und am Grabe der Bürgermeister der isr. Kultusgmeinde, deren lcmgjähriges verdienstvolles Ausschußmitglied der Verftorbcne war, Herr Leopold I. Schön. Kunäfekau. Ehrentafel für Gefallene! Der diesjährige Hickl's Kriegskalender enthält als Anhang eine Ehrentafel für -Gefallene. — Es wird um, Angabe der Namen, Adresse, Beruf, Charge, Tag des Todes, sowie die Adressen der Angehörigen an Redakteur M a x H i ck l, Wien, 8., Lerchengasse Nr. 6a, gebeten. Nachtrag. Durch ein Berschen des Setzers, wurde in dom, in der vorletzten Nummer unseres Blattes-erschienenen Artikel ״Ein Judenfriedhof" dev Name des Autors de sWerkes Dr. Wachstein, Inschriften des alten Judenfriedhofes!in Wien, Verlag Braumüller, Wien, ׳nicht ׳angeführt warden, was hienrit nachgeholt wird. Korrefponäeazen. Wien. Die Adas Jisroel -(Schiffschul) hat das neben dem bisherigen Bethlause gelegene ,Haus 2., Große Schiffgafse 10, angekauft. Hiermit ist in den Vorarbeiten zu den: so dringenden Umbau der SchWchnl ein wesentlicher Fortschritt zu verzeichnen. Es steht nun zu wünschen, daß um weiterhin die Beschaffung der Mittel zun: Bau in ein rasches Tempo gelangen. Wien. (Verband der isr. Religionslehrer an den österr. Mittelschulen.) Montag, den 10. Jm:i fand eine Ausschuß-Sitzung unter dem Vorsitze des Herrn Obmannes Rabbiner Dr. M. Rosenmann statt. Derselbe widmete zunächst Worte ehrenvollen Gedenkens dem» dahingeschiedenen Ausschuß,mitglied,s Rabbiner Prof. Dr. Adolf Brach in Brüx, in dem die Lehrerschaft eine Zierde ihres Standes verloren hat. Sodann berichtet -der Obmann über die von der Verbandsleitung unternommenen Schritte bezüglich Erwirkung einer Teuerungszulage für die im Nebenamte beschäftigten isr. Religionslehrer an Mittelschulen, sowie über die Audienz, die er zu diesen: Zwecke Donnerstag, den 6. Juni bei׳ Se. Exzellenz den: Herrn Unterrichtsminister unternommen hatte. Herr Schulrat Prof. Dr. A. Weiß brachte fein Virovitica. Schon zum zweitenmale komme ich in die Lage, das Grab eines Christen mit einem Strauß der ehrenden Erinnerung zu schinücken. Hier handelt es sich nicht um einen ׳rechtsgelehrten Parlamentarier, der keine Inteloranz gegen Andersgläubige duldete; hier Hanbeite es sich nicht um einen Mann, der mitten im tosendenGewnhle des Glaubenshasses eine verfolgte Minorität, die jeder wegen ihres jüd. Glaubensbekenntnisses zu verleumdensich bercchtigt fühlt, in Schutz zu nehmjen, nein, hier ist vielmehr von einem christlichen Manne «die Rede, der sein ganzes Leben aus den ländlichen Mauern feiner Behausung nicht herausgekommen ist — und dennoch der Mitelpunkt des gesellschaftlichen und geistigen- Lebens unseres Ortes und Bezirkes gewesen ist_Was dem Schreiber dieser Zeilen veranlaßt in einem jüdischen Blatte dieses Wackeren christlichen Mannes ehrend zu gedenken, ist der Umstand, daß der Verewigte, der mehr als eine Lokalgröße war, dem jüdischen Volke nicht nur ein ideales Interesse entgegengebracht hat, sondern daß er auch tief in die Tasche griff, wenn es galt jüdische Interessen zu fördern. I. K. Beß, hieß der edle Wohltäter, der nach einen: der Arbeit, der Wissenschaft, der Wohltätigkeit und Menschenliebe gewidmeten Leben seinen Geist ausgehaucht hat. Boß war hiev über 60 Jahre Apotheker, hat jüdischen Armen Monatsgagen ausgesetzt, den jüdischen Nationalfond, so oft mjan für denselben gesammelt hat, Spenden zugewendet und auch das jüdische Vereiusleben in Virovitica gefördert. Ta am Purim beim hiesigen Rabbiner alljährlich ein jüdisches Kinderfest veranstaltet wird, hat der verewigte Beß für die jütische Schuljuge,:d jedes Jahr Himbeersaft und sonstige Süßigkeiten geschickt, während er der reifere!: jüdischen Jugend Champagnerwein unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat. In seineu: Testament hat er auch die Chewra Kadischa in Virovitica mit einem Legate bedacht. Der Verewigte, der ein bekannter Chemiker lvar, hat auch einen Namen als Metrologe in Fachkreisen genossen und hat in dieser Eigenschaft auch während des Krieges beachtenswerte, auf Wissenschaftlicher Basis beruhende Statistiken geliefert. Sem Testament leitete der Verewigte mit einem Vers ans Koheleth über die Eitelkeit und Nichtigkeit irdischen Daseins ein. An der Leichenfeier, die sehr imposant war, hat sich auch die jüdische Gelneinde Viroviticas korporativ beteiligt. Beß er-

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