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Jüdische Volksstimme · 1918-07-12 · Heft 15-16 (12.7.1918) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIX (1918)
Issue
Heft 15-16 (12.7.1918)
Date
1918-07-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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mh i. Nr. 1&46. einschlägiger Literatur entwirft uns Bezirks- Rabbiner Moritz .Herzog,!in dem im Verlage Ad. Alkalay und« Sohn, Preßbuyg, eben erschienenen ״Koroth Botenn" auf 160 Quartdruckseiten das Bild des jüd. Gemeinwesens Stampfen. Er wendet, und nicht nitit Ungeschick, »die Methode der Geschichtsbildeiv an, und in deren Rahmen! beriichtet er uns, was er uns über Stampfen zu sagen hat. Er begnügt sich aber damit nicht, nur das Wissenswerte über Stampfens Jüdengemjeinde uns zu melden, vielmehr deckt er all die geistigen Beziehungen, Stampfens zu den verschiedenen Judengemoi'nden und rabbinischen führenden Männern auf. In 14״ Bildern" führt uns der Verfasser!durch den Lauf dev Zeiten, von Stampfens Urzeit bis in der KclMo jüngste Dergangeinheit. Abseits ' der großen HeereHstraße spielen sich in diesem Orte keine weltbewegenden! Din,ge ab, ist auch der Olvt nicht Saatboden für Lcigendenbildung wie das große goldene Prag, doch die Wellenschläge der geschichtlichen Ereignisse sind hier greifbar zu verspüren, ebenso wie die religiösen Parteifragen, die Prags raMnischeu Köpfe erhitzten, auch hier ihre Pro- und Kontramänner finden. Napoleons Söldner schleppen angesehene jüd. Bürger am! Kol-Nidre >ini Spangen! weg. Die Fehde um Eibenschüh's Amulette spaltet die Gemeinde in zwei Heerlager. Kein Wunder, da ja in der Gemeinde nahe Angehörige Eibeirschütz sich niederließen. Auf Gründen ׳der Pallfy'schen Herrschaft haben die ersten Ansiedler sich niedergelassen, Leute, die als Exu׳ lauten aus dem nahen Wien,!aus Mähren usw. von den Grun'dhsriven ausgenommen u!nhj menscheinfreundlich behandelt worden sind. Sie haben aber den Besitz dein Grundherrschast im Werte gesteigert, durch Entrechtung von Pachtzinsen, und den Ort zum Ansgangspunkte von Handelsbezichungen gestattet. Im Großen und Ganzen war der wirtschaftliche Aufschwung der Gemeinde nicht!gehemmt, »doch ist auch sie nicht von Schicksatsschlägen verschont geblieben, durch innere und äußere Ursachen, Bankerott eines MatlMe-s, dem die Gemeinde blindes Vertrauen schenkte, Brandt schaden, die kriegerischen Ereignisse in der napoironischen Zeit usw. Gleich der erste Mann, über dessen Leben und Wirken uns ausführlich berichtet Wird, ist ein Exulant »ckus ׳Eisenstadt, der berühmten Familie Katzenellenbogen, angehörcnd. In dieser Beschreibung sind auch wichtige Bemerkungen für den Bibliographen ׳eingefügt. Der Mann ist Kabbalist und findet sich im Irrgarten des ״Pardes" oder der vierftlchen Schriftauslegung vom Offenen und Einfachen bis zum Geheimnisvollen und Verborgenen, zurecht. Enge verwandschaftliche Bande mit Hoffaktor Samson Wertheimier verknüpfen Jakob Eskeles, der uns im 2. Kapitel׳ vorgesührt wird. Hier werden schon die besonderen Beziehungen Wien—Stampfen offenbar. Ueber diese zweit Rabbmen und über den im 3. Kapitel Besprochenen sind wenig Nachrichten in der Gemeinde erhalten und, es ist ein Bcirdienst des Verfassers, wenn, es ihm gelingt, ein abgerundetes Bild uns zu liefern. In Nr. 4 ist der erste Rabbiner besprochen, dessen Grabstatte auffindbar war. Er wiird in einer im Br^ dapester Landesarchiv befindlichen Urkunde des Jahres 1735 unter 36 Familien, die -aus 128 Personen Lestanden, genannt. In Nr. 5 Eisik Kalisch erblickt unser Verfasser den Stammvater der weitverzweigten Familien Kalisch und Kolisch In seine Zeit fällt eine Bezirkskonserenz der um׳ liegenden Gemeinden wegen der ״Malke-Gelder". Wir hören von einer minoiromien Waisen, die sich ohne Wissen der Vormünder verehelicht und diese wollen gegen diese Eheschließung Einspruch erheben. Die Zahl der Steuerträger beläuft sich auf 60—66 Personen. Wr, hören von Exulanten aus Ofen und Wien. Ein Sohn Jonathan Eibenschützs läßt sich in Stampfen nieder. Im Jahre 1760 verheert ein Brand den ganzen Ort und die blühende Gemeinde und wird m\ den Bettelstab gebracht. Der Rabbiner beschließt bei seiner Gemeinde auszuharren, bis sie sich von! diesem Schlage erholt hat. Im Jahre 1762 scheint wieder Wohlstand in die Gemeinde eingekchrt zu sein׳, denn nun nimmt er das ihm angebotene Rabbinat der Gemeinde Teplitz-Schönau an. Unter dessen zweiten Nachfolger komimt die Gemeinde aus ihrem finanziellen Gleichgewichte. Der Urheber wird lebenslänglich des Wahlrechtes beraubt. Im Jahre 1803 wird der Tempel'bau in Angriff genommen!, und derselbe einem besonderen Fachmann übertragen. Nr. 10 wird als Volsredper gerühmt. In dar obenerwähnten Angelegenheit der Wegschleppung vornehmer zwei. Bürger hat sich ein Mann als Schtadlen hervorgetan, für diese Dienste bei Gefährdung seines eigenen Lebens erbittet er sich nur eine von ihm bezeichnet«: Grabstätte. Es ließe sich noch so manches aus diesem Werke anführen, das der Verfasser über Derlaa-. gen Pietätvoller Stampfener und Freunde der Wissenschaft, mit Mühe und Sorgfalt zusammengestellt und herausgegetben hat. Nennen wollen wir nur noch jene Familien, deren Nachkommen noch heute in den verschiedenen Gegenden der Monarchie leben und mehrfach im Werke erwähnt sind.!Geiring, Ullmann! (R. Scholem Charis), Reich (R. Koppel Charis) Frei, Frach, Modern, Kann, Halle, Fürth, Pessl, Brunner, Rosenfeld. Von Ortschaften seien genannt Hamburg, Posen, Preßburrg, Lakenbach, Verbo, Groß-Mardein, Mako, Tritsch, Holleschau, Pilsen usw., außer den im Laufe dieser Besprechung Erwähnten. Trotz Ungunst der Zeiten hat der Verfasser sein Werk dem Drucke übergeben. Möge es die verdiente Beachtung finden. Ben Aron. Israelitische Allianz zu Wien. Der 46. Jahvosbelricht dieser Körperschaft, deren 46. General-Versammlung am 10. Juni stattgefunden׳, liegt uns, Heuer wegen dies Papier- Mangels und typographischer Schwierigkeiten ein. wenig leingeschränkt, vor. Wir entnehmen demselben, daß die Hilfsaktion! dev ״Allianz" auch im vierten Kriegsjahre ׳mtit seiner immer drückender gewordenen Not ihrer schwierigen Aufgabe zu entsprechen bemüht war, wenngleich sie auch nicht die vorjährige Höhe erreichte und auch nicht er׳ reichen konnte, da die Wichen amerikanischen Hilfsquellen mit dem Eintritte der Vereinigten Staaten in den Weltkrieg völlig versiegten. Dank ׳dem Umstande aber, daß kurz vor! dem Abbruche »der diplomlatischen Beziehungen mis Amerika vom ״Joint Distribution Colnmittoe" in Niewyork eine letzte Widnmng von mehr als 2 Millionen Kronen noch anher gebracht werden konnte, dermochten -in der Zeit vom Mai! 1917 bis zum Mai 1918 über eine halbe Million Kronen an die Flüchtlinge ׳in: Westen, ungefähr K 1,700.000— ,an 246 notlieidende jüdische Gemeinden in Gali- -zien und der Bukowina und ungefähr 1 Million Kronen an circa 160 notleidende Gemeinden, der okkupierten Gebiete zur Verteilung gelangen, im ganzen seit dem Aktionsbeginne für die Flüchtlinge K 4,100.000, für die Gemeinden in Galizien und der Bukowina, K 4,400.000, für die okkuvierten Gebiete K 2,800.000 zusammen daher: K 11,300.000 — eine ansehnliche Leistung als Ergebniis privater Wohltätigkeit, aber zu gering angesichts des schrecklichen umfangreichen Elends, das vierjähriger Weltkrieg verursachte; gleich- Wohl bleibt es ein unvergängliches Verdienst dieser!großzügigen!jüdischen Organisation von sich sagen zu können: wir haben vielen Tausenden unserer allerärmsten Brüder und Schwestern Nahrung und Obdach, Greisen und Kranken eine. Stütze in ärgster Not und vielen Hunderten derlassenev und verwahrloster Kinder Schutz und Erziehung gewährt. Nach der amtlichen Ausstellung des Ministeriums des Innern, bezifferte sich die Anzahl der mittellosen jüdischen Flüchtlinge in׳ Oesterreich ׳am 1. Juli 1917 auf 177,116, u. z׳W. in Wien Niederöfterreich Oborösterveich Salzburg Steiermark Kärnten Böhmen Mähren Schlesien Galizien 41213 364 9410 2066 3028 8 71240 29031 12864 7858 Auch in den sieben westlichen Komitaten Ungarns befanden sich größere! Gruppen galizischer Flüchtlinge. Mit besonderer Genugtuung wird des Edelsinnes unserer Glaubensgenossen in den neutralen Ländern gedacht, da sich in der bei der ,jetzigen Lebensnüttelnot nicht hoch genug zu schätzenden Spende von 2 Waggons bester dänischer gezuckerter Kondensvollmilch knndgab, welche das Hilfskomite in Kopenhagen zugunsten der annen Flüchtlingskinder ׳gesandt. Die Heranbringung dieses Wichtigen Nährmittels erforderte vielfache Korrespondenzen mit Ministerion,, militärischen Zentralstellen und diplonmtischien VeivtretuiMn in, Auslande, die beinahe das ganze verflossene Jahr hiudurch andauerten. Galizien und die Bukowina betreffend, kon׳ statiert der Bericht sine wesentlich erhöhte Fürsorge infolge der Rückgewinnung Ostgaliziens u. der Bukowina. Die Aufwendungen im Berichtsjahre betragen K 1,613.700.—, für verwaiste und verlassene Kinder K 216,994.01, im ganzen, seit Aktionsbeginn K 4,337.890/11. In Russisch-Polen und Wolhynien hat sich die Wirtschaftslage der Juden verschlechtert, i,nden, der noch vor dem Kriege au gefachte antiselnitische Instinkt die herrschenden Kreise! erfüllt und zu gewerblichen Erschwernissen der Juden führt, -die überdies durch die Ausgabe jüdischer Brotmarken׳ in Lublin soziale Herabsetzung erfahren. Leider zeigte es sich auch, daß die amorikanische Hilfe, selbst für die okkupierten Gebiete auf Schwierigkeiten stößt, um deren Behebung sich der königl.-uiederl. Minister des Aeußeren, Dr. London׳, besonders dankenswerte Verdienste erwarb. Direkte Unterstützungen nach Russisch-Polen seit Juni 1917 Vis zur Vereinbarung »mit djmn Komite in Haag betrugen: Für den Bezirk Lublin K 332,617.08 ״ ״ Radom K 217,206.60 ' ' ־ ״! ״ ״ -Kieloe K 141,961.70 ״! ״ ״ Piotrkow K 76,000.— zus. K 766,686.28 seit Beginn der Aktion K 2,266,446.21. Hiezu kommen noch Unterstützungen von! K 39,600_an die notdürftigen Gemeinden in Wolhynien und vier der holländischen Gesandtschaft seit Februar d. I. zur Verfügung gestellte nwnatliche Zuschüsse von! je K 62,000.—, worin die Subventionen für zahlreiche Schulanstalten enthalten sind!.! Nebst den von der Kriegsnot heimgesuchten Glaubensbrüdern in! Rumänien und Serbien hat sich auch die Fürsorge dev ״Allianz" jenen in Palästina und den ׳türkischen Gemeinden׳ zugewendet, wobei sich dev Verband B'naii B'rith und das zionist. Exekutivkomite verdienstlich mitVetätigt haben. Die Inschutznahme der »rumänischen Juden — ein Problem, das die ״Allianz" seit ihrer Begründung vielfach beschäftigte, bildete auch neuerlich nach dein ' Friedensschlüsse mit diesem Feindoslande die bedeutsame Aktion wirksamen Eingreifens zur Erlangung der bisher blos derbrieften bürgerlichen und politischen Rechte unserer rumänischen Glaubensgenossen, deren Los der Ausgang des Weltkrieges hoffentlich endlich doch zum Bessern, gestalten! dürfte. Aus Anlaß der durch die Abtrennung des Cholmer Kreises künstlich erzeugten Aufregungen bei einem Teile »der polnischen Jugend, die an wehrlosen Juden ihr Mütchen kühlen wollte und gewaltsame Exzesse horvorrief, denen ein Menschenlcben in Krakau zum Opfer fiel und die arge Mißhandlungen und Plünderungen im Gefolge hatten, wurde der Präsident der ״Allianz" Dr. Stern und eine Abordnung des Polenklubs beim Miinister dps Innern, Gva׳fen Toggenburg, »indringlichst vorstellig, worauf!alsbvld die gestörte Ruhe wieder hergestellt wurde. Durch Mdmungen und Legate sind der ״Allianz" im Jahre 1917 zugeflossen K 10,000 — vouHermann Back von Begavav, K 5000—, von Edmund Kohn!, K 4000—, von Bernhard! Goldstein, K 1000—, von Karl Rosenmann, K 1000—, von Eugen Quittner, K 600—, von Jmre Leitner, K 200.—, von Kms. Rat Siegrnund Rosner an neuen Mitgliedern sind 376 zu verzeichnen u. 225 frühere Mitglieder Habel: ihre Jahresbeiträge um K 1917.— (hievon, entfallen K 1482.— auf Wien) erhöht. Viel zu,gering ist die Teilnähme und Förderung dieser in ihrer Art einzig dastehende segensreiche jüdische Organisation seitens »der jüdischen Welt, die sonst einst fehlt, wo es gilt, Barmherzigkeit zu üben. Die Israelitische Allianz braucht eine viel größere Anzahl von Mitgliedern, Gemeinden,und Korporationen, um ihren- Aufgaben in der schweren KrieMoit und nachher, wenn die Wunden des Weltkrieges zu heilen sein werden, satzungsge-mäß Nachkommen zu können. _

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