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Jüdische Volksstimme · 1918-07-12 · Heft 15-16 (12.7.1918) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIX (1918)
Issue
Heft 15-16 (12.7.1918)
Date
1918-07-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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HStzrscheS.tt-»iM«e» Rr. 16-16. Zelt auch in -ilMMfchen Rochen Nsk-nahe Mode wurde — gehen Vrele verlo-mn und nicht gera.de immer die schlechtesten Teile. Auf alle dijese Juden verzichten und sich auf die Hoffnung verlassen: ״Scheer joschub!" Aber wenn nWs dergleichen geschieht, ,dürfte auch!dieser Rest immer kleiner Werden. Noch hats Zieiit, noch ist die Gefahr nicht vorhanden. Aber m<m sehs sich vor. Die Assimilation auch der Ostjuden macht erhebliche Fortschritte. Wird -noch größere mpchen, Wenn -das Mpublikanische Rußland, wenn die republikaimsche Ukraine den Juden Zone Rechte einräumen wird, -die ihnen gobühven. Wie es das Könitzvsich Polen haltsn wird, lehren uns Vorkommniisse iin Krakau, dem übrigen Galißien und Polen. ,Die Halizische Assimilation ist schon so wei-t -gediehen, daß Polonklubsj-uden die polnischen Legionäre — die am 17. Februar 1918 bei Luzan — Neumamajestie — Altmamajestie überlaufen sind und dabei von eiinem k. u. k. Jnft.-Regmt. gefangengenommen wmden, — in ihrem Prozeß verteidigten. Schon vor cilrca 3 Monaten habe ich diesen Vevmt -dies k. u. k. Polnischen Hilfskorps iin diesem Blatte angedeutet und Galiziens Juden davor gewarnt, politischen Partei'en, die sich kompromittierten, Gefolgschaft zu leisten. Galiziens Juden lassen sich noch! immer Abgeordnete, wie Dv. Ritter von Löwenstein und Dr. Liebermann — wie? auch dieser nicht einmal jüdischer Sozialist — Seperatist? — gefallen, durch deren Tätigkeit -em Teil Oesterreichs Juden kompromittiert und zur Rechenschaft gezogen werden wird — wenn die niederen Instinkte inichtjüdischer Völker ihre Orgien fei-erinwerden, ist uns ton kein- Mittel gegeben, wie wir die Herren Ritter von Löwenstein, Dr. LisKermann, Diamant und Konsorten los weren? Die nationale Autonomie! ist diese eingeführt, können Juden m!ur auf Grund der n-ationalen Matri-k wählen und gewählt werden; dann wird sich autch der Polenklub hüten, Juden in seine Mitte aufzunehmen, die er heute dulden muß, weil sie ihm die Herrschaft in Galicien sichern, die .er dann ,aber offonikuMg! verachten wird, wie -er dies heute hinter ihrem Rücken tut. Denn, -es bildet sich doch ,um Gotteswi-llen heutzutage kein Jud-e Ga-lilziens ein, daß ihn die Schlachta und' die polnische Intelligenz liebe, dien:: der gehörte ja in ckne Kviogsausstellung. Die nationale Autonomie umfaßt sämtliche Juden Oesterreichs, soweit sie sich jüdisch nennen und bekennen, soweit sie in jüdischen Mlcvtriken eingetragen sind. Die Juden köimen durch ihre Gemeinden — ton nach zionistischer Ansicht sollen aus Kultusgemeinden- Volksgememden werden- — -alle ihre kulturellen Zwecke befried!!- gen; und bilden in diesen Gemeinden gleichzeitig ein wichtiges Organ für ihre politischen Rechte Es wird mit einemmale die Ungeheuerlichkeit eines deutschen, tschechischen oder polnischen Inden verschwinden; -es wird nicht mehr Vorkommen, daß deutsche oder! tschechische Politiker, weil sie Juden sind-, durch,ihre Stellung oder Handlung dem jüdischen Volke Schaden zufügen, weil ja doch alles, was diese Politiker tun oder sagen, was sie veranlassen oder unterlassen, auf das Schuldkonto des jüdischen Volkes gebucht wird. Sind die Juden anerkannte jüdische Nation — wofür sie im Kriege kämpfen -und bluten —, gleichberechtigt den übrigen souveränen Völker!» der Monarchie; sind die Juden gerüstet und stark genug die nationale Autonomie ihres Volkes — also ihr Selbstbiestimmungsrecht — durchzusehen, dann werden sie überall Bundesgenossen finden, auch für ihre sozialen und wiLtschastlichen Forderungen. Bis nun sind die Jungjuden allein ohne Mittel, ohne Bundesgenossen, ohne Macht im eigen,e!n. Volke. Der jüdische Volkswille nicht or- «ganisiert, nicht geeinigt, sondern in packikularistischen Bestrebungn zerspalten. Nun ist es an uns, das jüdische Volk national zu samimckn, aufzukläron; ihm die Wichtigkeit, Bedeutung und Notwendigkeit einer völkischen Selbstbestimmung einznmnpfen, das Unkraut aus den Gehirnen auszujäten. Moralisch und ethisch zu stärken. Di-e Verworfenheit einzelner Elemente zu geißeln u. zu brandmarken. Und aus dem geläuterten Nest eine Elitetruppe bilden, für die politische Arbeit hierzulande, welche Garde, Triazier nannte sie Theodor Hckizl, auch für Palästina vom größten Werte sein wird. Vom größeren. Werte als viele derer, di!e da glauben, -tmrch Geldspenden allein die Renaissance des Judentums zu verwirklichen. Nicht Geld allein —׳ wenn es auch! viel bedeutet — wtrd Palästina zu unserer zukünftigen, Hei- -nzat verwandeln, sondern die Erneuerung des jüdischen Volkes. Die Erneuerung im ethischen, moralischen, sozialen und politischem Sinne. Und mit dieser Erneuerung muß hier begönnen werden; und!ein gewaltiger Schritt dazu ist die politische Schulung und Erziehung. Man vernachlässige sie nicht. Spreche ihr die Bedeutung, die sie verdient, nicht -ab; denn sie ist ein Hauptfaktor im Leben und Weben der Völker. Daher erhebe man das Panier to jüdisch-nationalen Politik in Oesterreich. Lassa Judas Banner hoch flattern und wehen auch in,den Stürmen öfterreichilscher Politik; verbleibt es fleckenlos und unvorsehrt, das muß es — dann haben wir ein ,groß Stück Weges zurückgel-ogt auf der Bahn uw s-erer Höher-Entwicklung. Balak und Bileam. Von- Dr. Max Steif, Nen-NauMitz. Sosehr! sich die eigentlichen Endabsichten und Ziele der Judenfeinde aller Zeiten auch gleichen mögen, die Art ihres Vorgehens, wie die Anlage ihrer Pläne, die sie böswilligen Herzens ersinnen, zeugen dafür von einer umso bunteren Mannigfaltigkeit, und machen ihrem Erfindergeiste -alle Ehre. Da wendet ein Pharao beispielsweise sein nichts weniger als liebevolles Augenmerk den neugeborenen Kindern Israels zu; ein Amalek nimmt die Schwachen und Wehrlosen, die Kranken und Nachzügler zur Zielscheibe seiner hinterlistigen Angriffe; ein Haman wiederum plant einen heimlichen Vernichtungsanschlag auf alle -an einem bestimmten Tage, und schließlich ein Balak scheut alle Mühen und Kosten nicht, um sich von weither seinen Mann herbeizuholen, mit dessen Hilfe und Zungen fort igelt or! sich das ihm so verhaßte jüdische Volk,am!besten und schnellsten vom Halse schaffen zu können vermeint. — Der erste Anstoß geht hier, wie man sieht, von den Führenden, an der Spitze Stehenden aus. Ganz besonders aber wird dies von Balia-k betont: וירא בלק בן צפור vor allem und zunächst ist es Balak allein!, dev mißgünstigen Auges alle Erfolge Israels betrachtet, und da sich die Menge gern in ihrem Tun und ihren Gesinnungen nach den Oberen richtet, so dauert es nicht lange, daß auch ריגר מואב -alsbald ganz Moab vom ״Grauen." gegenjenes Volk erfaßt wird, unddaß zu idem Grauen sich folgegerecht ויקץ מואב auch der Abscheu und Hatz gesellt_Und merkwürdig ist es dann, wie schnell man! hiebei von!allen Seiten Bundes- und Gesinnungsgenossen erhält, wie sich selbst diejenigen jetzt einig zusammenschließen, die sich noch kurz zuvor bis aufs Blut gehaA, um, wo es gilt, einen vermeintlichen gefährlichen Nebenbuhler zu beseitigen, mit vereinten Kräften Vorgehen und umso trefflicher! den Schlag führen zu können ויאמר מיאב אל זקני מרין aus Moab und Midjan werden nun die besten Frermide, nachdem sie eben erst die erbittertsten Gegner gewesen. Brüderlich vereint geht rnan daran, den gemeinsamen Feind aus dein Wege zu räumen, und alle, Spitzen und Volk, sind von den: gleichen Gedanken beseelt, Israel zu ver- Nichten. Aber während das Volk, der große Haufen, seinen diesbezüglichen Gedanken mehr unverhüllten Ausdruck veirleiht, und seine Anklage in die tob drastischen Worte kleidet: ״-nun verzehrt jene fremde Menge alles in unserer Unrgebung, wie der Ochs verzehrt das Grün des Feldes", wäre Balak kein König, wenn er es nicht verstünde, seinen niedrigen, selbsüchtigen Absichten hübsch zu dmppieren mit dem klingenden Pathos feinerer, wohlgesetzter Redensarten, demgemäß er dem Bileam folgende Mitteilung zukommen läßt: ״Siehe, da ist ein Volk ausgezogen aus Egypten und bedeckt der: Schein de!r Erde." Mit Absicht nennt er keinen Namen: es ist ein ״Volk", nicht der Rede wert, es näher zu bezeichn men, das den ״Schein der Erde bedeckt", d. h. das durch seine ihm angeborene, rein materialistische Denkungsart alles, was inder Welt leuchtend nnd strahlend ist, was die Menschheit als groß und schön anzusehen gewohnt ist, in den Staub zieht. Und! darum, fährt Balak fort, ״komm mir zu Hilfe, und t^erfluche -mir dieses Volk, vielleicht אילי אובל נמרי. בו werde ich dann imstande sein, den entscheidenden Schlag gegen dasselbe zu führen". Diese letzten Worte Balaks mögen für den ersten Anschein eigentlich widerspruchsvoll bedi'mken: -denn ist Bileams Fluch so mächtig und wirkungsvoll, daß er denjenigen, Von er trifft, sofort zu Boden schmettert, was soll es dann bedeuten, daß Balak dann noch weiter gegen dasselbe auftreten muß. um ,-es zll schlagen". Aber die Politik desselben war -eben schon damals gem.au die gleiche, wie wir sie heute zu sehen Gelegenheit finden. Zunächst mußte,nämlich das Volk, von dem es hieß: ״es hörten von ihm die Völker und zitterten", in den Augen der Welt herabgesetzt, es mußte von seiner Stvahlenkrone der weithin leuchtende Glanz benommen werden, dann konnte man sich umso leichter an dasselbe heranwagen, es umso gewisser vernichten. Das gehässige Wort, die gistsprühende -Feder, die sich nicht -genug tun kann in! der VerunglimpfunO und Herabsetzung des Judentums, sie müssen vorangehen, und ist durch sie genügende Vorarbeit geleistet, dann kann der entscheidende Stoß Nachfolgen, der jenes an seinen empfindkichsten Stellen, i!n> stiinem Lebensnerv treffen soll. Mail sieht, der Plan war Wohl ausgeklügelt, und jetzt galt es nur, einem Bileam dafür zu ge- Winnen, damit er seine begnadete Beredsamkeit in den Dienst des Menscheichasses stelle und die Giftpfeile seines Mundes zeitlicher abschnelle. Welcher Art nun sind aber die Mittel, durch die ein Manu wie Bileam, am zuverlässigsten gewonnen werdeii kann? Da hören wir vor allem, daß die Leute, die als Abgesandte zu ihm, hingeschickt werden, ״Zaubermittel in ihren Händen" mitfülMN. Einem Bileam, der doch selbst ein, Zauberer gewesen, war es, so könnte man glauben, überflüssig, -erst solche aus der Fremde mitzubriugen, wenn es nicht eben Zaubermittel ganz besonderer Art waren, wohlbewährte underprobte Dinge, mit denen sogar -noch heute immer neue Anhänger für die Judenfeindschaft gewonnen werden, Locknüttel, die oftmals schon die ehrsamsten Charaktere ins Wanken zu bringen, die festesten Grundsätze Wer den Haufen zu werfen vermochten. Und daß in der Tat auch hiev das Geld in erster Reihe seine lockende, werbende Nolle zu spicken hatte, erfahren wir indirekt aus einer der späteren Antworten Bileams, dem das erste diesbezügliche Angebot vielleicht nicht hoch genug erschienen sein mochte. Balak läßt ihm -nämlich beim zweitenmale sagen: ״Ich will dir die höchsten Ehren erweisen". Und was erwidert ihm Bileam hierauf: ״Wenn mir Balak auch sein Haus ungefüllt mit Geld und Silber geben würde." Da hören wir es also ganz unzweideutig heraus, worauf für Leute vom Schlage Bileamß ihr Sinn zu allererst gerichtet ist. Ehren und Auszeichnungen sind ja ganz nett und schön, aber Gold und Silber doch auch nicht verachtenswerte Dinge, und die ersteren insoferne begehrenslvert, als sich ans ihnen möglichst viel Kapital herausschlagen läßt. Und wem braucht es besonders gesagt zu werden, daß die Judenfemdschaft ihren Mann allezeit reichlich ernährt hat, daß neben Aemter ar.nb Würden, auch Reichtum und Wohlleben in den Schoß derjenigen gefallen, die sich im Erdichten von Lügen und falschen, grundlosen Anklagen am findigsten gezeigt?! Die Judengemeinden und ihr Friedhof. In nächster Nähe Preßburgs, fast noch im Bannkreise Wiens liegt an der westungarischen Grenze Stampfen. Vor inehr als 21/2 Jahrhundecken bestand dort bereits eine Judenansiedlung, denn zufolge der Forschung des Bezirks-Rabbiners in Stampfen indem Gemeindearchive datirt die älteste erhaltene Urkunde der süd. Gemeinde Stampfen aus dem Jahre 6128 (1068), der älteste Glvabstein! vom Jahre 6107 (1612). Spärlich fließen die Quellen die uns über die Gemeinde und ihr Entstehen Aufschluß geben könnten. — Stumme Zeugen der Entstehung und- Entfaltung der Wechselfälle dieser Gemeinde sind die Grabsteine des dortigen Judenfriedhofes. An Hand der wichtigsten Grabinschriften und auf Grund

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