Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIX (1918)
- Issue
- Heft 15-16 (12.7.1918)
- Date
- 1918-07-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Fahrg.M. Füt Oesterreich-Un-arn, halbjährig , Krone« 7*20 ganzjährig Kronen 14׳— Deutschland, gangjichri, Mar! 12 — Rußland, ganzjährig Rubel 6׳— Balkan, Arankreich Frank» 14׳— Redaktion: - Wie« VIII. Lerchengasse 6 a. Redaktion und Ud«inistratton: Brün«, Adl«M-e » BuchhLnblerische Vertretung: Otto Me»», LMßiO Inserate: die 6-spaMge Petitzeile 50 h. Unverlangte redaktionell« Beiträge »erde« nicht hono» riert. — Manuflripten ist Rück»«» beigufllge«, Wien—Brün«. 12. Juli 1918. 3. Ab 5678. Prag—Lemberg. iMWGMGMNNGlGlGlDlGlIMGMlGl Der heutigen Nummer liegen Post, lerlagscheiue bei. Die P. T. Empfänger!werden »m gefl. umgehende Bezahlung!deS Abonnementsbetrages ersncht. Die Administration. | ,©K®i®l®ll®B®M®ll©B0B@ll®B®8®ll®B©ff©il®fc Zur innerpolitischen Tätigkeit. Moi 1918. v— n . > In dev ״Jüd. Zeitung" vom, 8. Mai befaßt sich Hevv Dr. Leon Reich mit der Frage der!inner- ,politischen Avboit des jüdischen Volkes. So selbstverständlich -diese Forderung ist, so wird sie dvch noch immer in! weiten׳ Kreisen des Wischen Volkes, ja sogar in den Reihen der Zionisten derkannt. Daß Herr Dv. Osias Thon, der seinerzeit-ige Reichsvatskandidat von Kolomsa, daß Herr Adolf Böhm -gegen diese Arbeit der Zionisten auf-- treten, ist deshalb bedauerlich, weil beide Manner weit über die schwarz-Alben Grengpfähle bekannt sind — hochgeachtet und — geschätzt. Die Motive diesen Männer zu untersuchen ,steht uns nicht zu, weil wir von dem heiligen Ernste beider tief durchdrungen sind. Wir können nur ihre Stellungnahme tief bedauern. Bedauern deshalb, weil dadurch dem!jüdischen Volke in Oesterreich großer Schaden zugefügt werden könnte. Wie ist -es möglich, daß noch immer Sttrw men gegen politische Betätigung sich erheben? Steht diese im Gegensätze zu den zionistischen Grundsätzen? Kann, wer sich Politisch betätigt, nicht Zionist sein? Glaubt man allgemein mit Dr. M. Buber, daß wer die Juden, -in Oesterreich, Femkletvn Am Grabe Herzls. Bon W. SchaboLinski. Er starb nicht toie einstens Moses vor Jahren Am Eingang des lang verheißenen Landes, Als freudig den Staub des Wüstengewandes Zum Einzug geschüttelt des Volkes Scharen. Er lehrte uns stolz die Häupter erheben 9lach zwei taufendjäh ri gev Go lusd auer — Doch war ihm! keine Erfüllung gegeben: Und wird einst ein Tag erfüllen sein Streben: Wir tragen des Meisters Staub dann in. Trauer. Nuu erst versteht man den Sinn der׳ Legende, Das während des Wanderms durch sand'ge Wüsten Richt Feiglinge bloß mit kleinen Gelüsten, Und Sklaven, denen gefesselt die Hände, lind zaghaftes Volk am Wiege gefallen, Sandern auch Kämpfer in heimfremder Ferne Sanken in Sand, wie glänzende Sterne, Und viele Helden! voll Schufucht im Horzim Als Opfer fielen dem Tod in die Krallen. Erhellt ist der Sinn! des alten Berichtes Durch Wüsten des Lebens wandern und, gehen. Wir wieder vierzig — dvch jetzt Jubileen, — | Als schrecklich Opfer dos Weltengerichtes. 1 wer die Juden im Gvluth, an- Rechten den andereu Völkern gleichmachen will, daß derjenige assimilatomisch kr weiteren Sinne sich betätigt? Wie wollen wir denn durch die Gleichberechtigung die Juden -anderen Völkern anpassen? Oder aber steht man etwa bereits heute!allgemein auf dem Standpunkte Dr. Felix Theilhabers, daß Deutsch lands, West-Europas und! somit auch Wsest- Oesterreichs Juden auf das Aussterbe-Etat zu setzen wären,? - Theodor Hevzl hat darüber nicht viel gesagt — was ja für Buiberianer nicht maßgebend ist, soll doch angeblich die jüdische Jugend nicht mehr Herzls Bahnen Wandeln — arme jüdische Jugend! Soviel ist jedoch aus Herzls Aussprüchen aus seinem Kampfe gegen Mansche!, gegen׳ die Kultusg-emeinden, Börse aus seinen Aufsätzen über Politische Ereignisse in Oesterreich zu ersehen, daß er — Hjerzl nämlich — eine politische Betätigung nicht!ausgeschaltet wissen wollte. Der § 2 dev Biel-itzer Statuten lautste: ״Zionisten ist der Beitritt zu fremdnationalon Vereinen derboten״. Aus dieser negativen Formel konkludiert mit logischer Notwendigkeit der Satz, daß Zion-isten!jüdisch-national fühlen, jüdisch-national politisieren sollen. Der Prager Parteitag 1968׳, unseligen Au- -gedsnkens, hat diesen § gestrichen, und somit die Verwirrung in unsere Reihen gebracht, hat dem jetzt bestehenden Chaos Tür und Tor geöffnet, hat die zentrale Organisation der österreichischen Zionisten durchbrochen und -einem Partikularismus die Wegs geebnet, der das organische Gebilde der österreichischen Parteileitung zertrümmerte. Vor bereits 4 Jahren habe ilch auf diese Wurzel aller! unserer Krankheiten und Schäden hingewiLsen. Immer wieder betont und gefordert, daß nur eine zentrale Reichsleitun'g — diie auch Ungarn-Kroatien umfassen könnte — die Auf- Und jener Große, den heut' wir beklagen, Er war kein Sklave mit feigem Gehirne, Den blutig Egyptens Peitsche geschlagen: Sein Geist war von Adlersflügeln getragen Und Adlertrauev -ihm tag auf der Stirne. Sein Herz, es war stolz, sein Geist war! erhaben Und glockentonartig scholl seine Stimme: ״Vorwärts und ostwärts den Weg jetzt g-egrabem! Den Spaten zur Hand! Im Munde die Hymne!" Er Malte der Zukunft herrliche Wunder, Wenn fern von -des Golms Sorgen und Plunder Wir leben in Freiheit als einige Brüder... Und da gestorben auf he im fernen Grund er: Wir setzen in Tat um seines Mund's Lieder. Mögen uns ewig des Jochs Ketten drücken. Die Blätter der Thora im Sturm verwehen Und unsere Söhne aus Mordwegen gehen!, Mütter die Töchter ins Freudenhaus schicken. Wir selbst sein verächtlich-schmähliche Knechte, In jener finsteren traurigen StunL>!e, . Wo uns den Söhnenvom alten Geschlechte Fremd schon ׳das Lied, das entquoll seinem Mrmde! aS er uns sagte, war himmlisches Mahnen-, Er gab -uns die Hoffnung, die Macht wich dem Dämmer: Der Hammer entfiel der Hand des Titanen,, Doch Hunderttausende schwingen jetzt Hämmer. Die Schmerzen wird ihr Gestampfe betäuben. Hebung des Chaos, die Heilung der Krankheit bedeuten würde. Schon hat sich der vor wenigen Wochen in Wien tagende Parteikongreß mit dieser wichtigen Frage beschäftigt. Leider liegt ein vollkommenes Protokoll -dieser Tagung noch nicht vor, und die Zeitungsberichte darüber waren magerer, denn die über -djen Jugendtag — ׳weil vielleicht Dr. M. Buber dort nicht anwesend war? Welche Beschlüsse gefaßt wurden, wie weit die Frage eines!allgemeinen Judenkongresses OeWreichs beantwortet wurde, wir Wissens zur Stunde nicht, doch wollen wir die Verschwiegenheit — sollte sie -im Sinne der guten Sache nötig sein — ehren. Soviel jedoch steht fest, daß die alte Streitfrage: hie politische Arbeit, hie Palästinaarbei-L: immer noch ,gegensätzlich wirkt. Sie ist es nicht. Dp-nn die Avbe-iten brauchen einander nicht über- oder untergeordnet, sie können ruhig einander beiigeordnet werden. Es kann die gegenwartsarbeitende Politik eine Phase, eine Etappe aus dem! weiten Wege der zionistischen Evolution sein:!djvrgestalt, daß die Juden hierzulande politisch, moralisch, ethisch gebildet werden, für jenen Schlußstein!unserer Schöpfung, der in der urhei!- mailichen Scholle Palästinas gelegt werden soll und wird. Wir politischen Juden hierzulande ftnb keineswegs Gegner -einer ׳Palästmaarbeit. Können es gar nicht sein, , weil Wir auf Herzels Bahnen -wandeln, wei-l ja unsere jüdisch-nationale Arbeit -nur ei!n Ausfluß unserer zionistischen Ueberze,ugung ist. Weil wir aber gleichzeitig fragen: Das Palästinawevk in seiner Gänze u. Größe braucht mehrere Menschenalter zu einer VerWwklWung: -was soll nun mit den Juden bis dahin geschehen? So weiter fortvegetieren lassen? Durch Abfall und Mischehe — welch letztere ja in jüngster Das grausige Weh' in Atome zerstäuben; Und Wir werden gehn durch Arbeit und Mühen, Die Steine am Wege mit Zähnen zernagjen Und kriechen, wenn unsere Füße versagen Bis getreu seinem Lied wir heimwärts ziehen. Ermattet befand sich auf WandorwegLU Der -Ahnherr Jakob vor tausenden Jahren Und Gott, selbst stellte sich feindlich entgegen. Doch Jakob trotzte auch göttlichen Scharen, Wir wurden gequält, wir haben gelitten, Doch ließen wir niemals uns niederzwingen. Gegen Gott hat Jakob sie-g-veich gestritten, Drum müssen auch wir den Sieg wohl erringen! Möge Gott selbst den Mg uns vervammen, Gekämpft wird zu End', gesiegt wird zuisammeiß! Schlaf toter Adler! Du König der Mühen! Erscheinen wird einst die herrliche Stunde, In mächtigem, Schaven Volksmassen ziehen Zur Heimlat lenkend die wegmüden! Schritte. Es Hallen des Volkes dröhnende Tritte Am Weg -nach Hause zum heinMchen Grunde; Es knivrschen Räder und wehen Standarten Und Lieder fröhlich die Lüfte durchfliehen. Von Dan bis Ber-Schewas weitesten Grenzen Wird man zum Grabe des Helden Wallfahrten, Und Klagelieder, sie werden erklingen. Die Töchter Zions, sie werden bekränzen Dein Grab und in jedem Auge erglänzen Tränen, himmelwärts schallt des Volkes Singen! (Aus dem Russischen übertragen vonl M. W.).!erbreitet ״Ms WM Mskckilber". w