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Jüdische Volksstimme · 1918-09-06 · Heft 19-20 (6.9.1918) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIX (1918)
Issue
Heft 19-20 (6.9.1918)
Date
1918-09-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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5^' WU MM I ״Mische B.tt-fti««," .20־10 .« scheute vor den äußersten Konsequenzen in der pietätlosesten Weise nicht zurück. Die Taufe hatte RiesenMgrn zu verzeichnen. All dies geschah nicht nur aus Verlogenheit und Sucht nach materieller Verbesserung, bisweilen auch aus -ernster Gesinnung, beeinflußt vom damaligen deutschen Leben, wo die Romantik, eine Bewegung, dis im dunklen, Mittelalterkichen, weihrauchatmenden Katholizismus mündete, herrschte. Damals entstand auch jener westjüdische Intelligenzler, der ei!n schmarotzendes Jourua kistenleben führt um sich in geistreichel-nder, nmuschelnder Moralphrase erschöpft. Die Redaktionen wurden von Juden angefüllt. In der Literatur begann es von jüdischen Tagesgrößen zu wimmeln. Zwar machte man ihnen die Sache nicht sehr leicht, mit dem Tauf- -eitel im heir Hand ging es schließlich doch. Damals wurde Berlin das literarische Delphi Deutschlands, wohin mall pilgerte, wo jene Goethe verherrlichenden, für das Christentum begeisterten Literatursaloue entstanden, die sämtlich von getauften Jüdinnen begründet und judenMndlich gesinnt Waran. Und jeder wurde von diesem Strome, der der Zersetzung und den! Abfall das Wort sprach, mitgerissen. Nur einer hielt anfangs stand, ließ sich sein Judentum von keinem wegklügeln, bis auch ihn das tragische Geschick erfaßte; es v.v>: Heinrich Heine. Der ewige wird regieren! Einst sind unsre Väter durchs dräuende Meer — Ein Wunder Gottes — gezogen, Und hinter ihnen der Feinde Heer Verschlangen die donnernden Wogen. Da sang ganz Israel am Meevesstrand Zu Cymheln, zu Harfen und Lyren: O Herrwi׳e mächtig ist DeineHand, Der Ewige, er wird regieren! * * Es führte uns Gott mit gnädigem Sinn Durchs feindliche Meer der Zeiten, Uns macht kein Wunder zur Siegerin, Wir müssen das Leben erstreiten. Doch wird dieser Kampf durch finstere Nacht Zum Lichte der Freiheit uns führen, Dann jubeln wir wieder: ״Dein, Herr, ist die Macht, Der Ewige, er wird regieren!" ...... H.K. Die Newyorker jüdische Gemeinde-Konvention. Die Demokratisierung der jüdischen Gemeinde in Newyork. — Eine Rede von Schiff über Palästina. — Das Jüdische Preßbureau in Stocck- Golm berichtet: Der diesjährigen Konvention der jüdischen Gemeinde Newyorks, die am 2. Juni statlfand, wird besondere Bedeutung beigemessen. Die Konvention befaßte sich hauptsächlich mit er Reorganisation der Gemeinde und nahm diesbezüglich tiefgreifende Beschlüsse an. Zun! Vorständnäs dieser Frage sei vorausgeschickt, daß die jüdischen Gemeinden in Amerika nicht den Zwangscharakter haben, wie in den meisten Ländern Europas, so daß sie eigentlich freiwillige Verbände, die auf Grund des Vüreinsrechtes gegründet sind, darstellen. Die jüdische Gemeinde in Newyork, die führende Gemeinde im Lande, stellte bisher eine -ganz lose Vereinigung vieler Organisationen dair; von ihreir Existenz hörte impn eigentlich mit -auf ihren Jahresversammlungen. Die Verwaltung der Gemeinde war zur Deckung ihres Budgets auf die Unterstützung einer gang engen Gruppe von Philanthropen angewiesen, wodurch sie in vollständiger Abhängigfeit von ihnen geriet. Das hat zu großen Mißständen und Konflikten geführt. Nach langen Kämpfen, die Es der diesjährigen Konvention ihren vovläufigen Abschluß fanden, hat Ae Gemeinde eine Verfassungsänderung vorgenommen Die Gemeindeverwaltung wird bestrebt sem, sich mehr auf die Massen des Volkes zu stützen um auch ihre Mittel größtenteils von diesen zu erhalten. Zu diesem Zwecke wurde beschlossen, eine großzügige Propaganda zu entfalten, um 100.000 Mitglieder zu gewinnen, Ae durch eiüe prvgressive Selbstbesteuerung die Gesamtsumme von 200.000 Dollars jährlich, also im Durchschnitt 2 Dollar pro Kopf, aufbringen sollen. Ferner wurde ein Antrag am׳geno!mmcn, eine Monatsschrift ״The Jewish Comun-al Noview" herauszugeben. Sehr bezeichnend für die jüdischen Vcrhältniss-e in Amerika ist die Resolution, sobld die Kviegsumstände es gestatten, auf die Einführung einer ötägigen Arbeitswoche in den Jndm striezweigen hinzuwirken, in -denen das jüdische Element überwiegt. Wie bekannt, wird in An!erika in den Industriebetrieben Samstag nur vormittags gearbeitet. Nun hat vor einigen Jahren unter der jüdischen Bevölkerung in Newyork eine Bewegung für die Einführung einer zweitägigen Arbeitsruhe, d. h. für die Abschaffung' der Samstagsarbeit, die durch eine entsprechende Verlängerung der Arbeitszeit an An Wochentagen, eingesetzt. Diese Bewegung ging Ursprunglich von orthodoxen Kreisen aus, Ae um die Heitighaltung des Sabbats besorgt sind. Sie fand aber auch zahlreiche Anhänger in den anderen Klassen der jüdischen Bevölkerung, die sich ihr aus nationalen und sozialen Motiven anschlossen. -- Im Anschlüsse an die Gemeindctagung fanid in Carnogie Hall -eime Masscn-Versammlun-g statt, auf der der Philanthrop Jakob Schiff eine viel bejlnjerkte Rede hielt. Nach der Schilderjung der!großen politischen Dienste, die die Juden dem Lande während des Krieges erwiesen, sagte er: ״Und auch in einer anderen großen und bedeut- ( samen Angelegenheit haben sich jüdische Einheit! und Solidarität als unmittelbares Ergebnis dieser Prüfnnigszeiten erwiesen. Die Hoffnung auf den Wiederaufbau des Landes unserer Ahnen für d-ie verstreuten Söhne Israels hat die VorstellungskraftallerJudem beflügelt und ihren Herzschlag beschleunigt״ wenigstens der großen Mehrheit, die Ae geistige Erbschaft unseres Volkes fortzusetzen gewillt ist. Auch hier können wir abweichende Aluisichten über die verschiedenen Seiten der großen Aufgabe, vor der wir stehen, haben, wir stimmen aber alle in der Hauptsache überein, daß «es höchst wünschenswert ist, den! jü- Aschen Volke eine sichere Stütze in Palästina, dem Land unserer geistigen Geburt unid Ent- Wicklung, zu geben." — Louis Marschall beklagte in seiner Rede die Lage der Juden in den Nußland entrissenen Provinzen und drückte Ae Hoffnung aus, daß ׳der Friedenskongreß Ae Zerstückelumig Rußlands, Ae auch eine Zerstückelung eines so großen Teiles des jüdischen Volkes bedeute, nicht gestatten werde. Als Vertreter׳ der Arbeiter sprach auf der Versammlung Josef Schloßberg, der Führer der jüdischen Herren- Schneider-Organisation. Er betonte, daß es viele Fragen gäbe, in denen Juden verschiedener Klassen zusammenarbeiten müssen. Die jüdischen Arbeiter haben bereits, sagte er, A!e Wichtigkeit der Anteilnahme gm, jüdischen Gemeindeleben einzu sehen begonnen und die jüdischen Gewerkschasten werden sich in Hinkunft immer mehr daran beteiligen. Die jüdischen Arbeiter werden auch, sagte er, darauf bestehen, daß Ae Gemeinden demokratisch organisiert und geführt werden. itiiiulfdiaii. Die Zukunft der Juden in Polen. * Der bekannte Mitarbeiter des ״Berliner Tageblattes", Erich Dembowsky, veröffentlicht in einem Artikel den Inhalt von Erklärungen, dis ihm von der polnischen Regierung über die Grundsätze der künftigen Polnischen Innenpolitik abgegeben worden sind. Es heißt in dem Artikel: Di׳e Regierung will, wie mir erklärt Wurde, dabei vom Grundsätze der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung.ausgehen. Das schließe, sagt sie, nationale Sonderrechte aus. Das Verlangen der jüdischen Nationalisten, die sich allerdings eines wachsenden Anhanges erfreuen, nach einer nationalen Sonderstellung sei schon deshalb nicht berechtigt, weil die Juden in Polen weder räumlich, noch sozial sin geschlossenes Gemeinwesen /m'it einer Ln sich ausgeglichenen Berufsgliederung bilden. Einen Staat im Staate könne man nicht dulden. Praktisch werde sich die Verleihung dar staatsbürgerlichen Rechte so vollziehen, daß jeder Einwohner ekren staatsbürgerlichen Ausweis, einen Paß,erhalte. Wer sich dabei als Pole bekenne, übernehme mit diesem Paß alle Rechte u. Pflichten eines polnischen Staatsbürgers, wer nicht, werde fortan als Ausländer betrachtet werden. Die Religionsfreiheit werde nach jeAr Richtung hin unangetastet bleiben. In das jWische Sandevschulwesen werde man nicht sofort regulierend eingreifen. Man gedenke die Chederschulen noch 15—20 Jahve! fortbestehen zu lasten, bis da׳.׳ staatliche und kommunale Schulwesen vollständig ausgebaut sei. Aber man Werde das Polnische als Pflichtsprache in sämtlichen Schulen!des Landes verlangen, und Mn Examen, kein Zeugnis, keine Lehranstalt werde staatlich ansrkanm-t werden, das nicht das Polnische zur Voraussetzung habe. Auf diese Weise hoffe man die Juden allmählich sozial in den polnischen Staat einfügen zu können. Wirtschaftlich Wolle man dem Gm ostenschaftswesen Ae größte Fürsorge angedeihen lassen, um,dadurch indriekt Ae Juden nach und nach auch im! Ae anderen Berufe Hineinzurängen Und so eine gleichmäßigere Verteilung auf Ae verschi-edenen Erwerbschichten zu erzielen. Die Auchgehende ,geschäftliche Tätigkeit der Juden am Sonntag, die von den polnischen Geschäftskreisen stets als -eine sehr unbequeme Konkurrenz empfunden wurde, glaubt man durch eine teilweise obligatorische Sonntagsruhe wenigstens am Vormittage in den Stunden von 0—12 Uhr, enschränken zu können. — Wenn diese Mitteilungen authentisch sind, so erfordern sie die volle Aufmerksamkeit auch der orthodoxen Kreise sr■־ lens. Wenn diese sich zweifellos in ftaatsbüvgerlicher Hinsicht gern als Polen bekennen werden und wenn sie auch ferner Ae Pflege der polnischen Sprache in den Chederschuln als berechtigte Forderung akzeptierenso wird!mjan doch keines- Wegs damit einverstanden seim, daß die Chadorim!nach einer vernünftigen Reform dennoch als eine zum Aussterben bestimmte Schulgattung betrachtet werden. Hierüber dürfte noch nicht das letzte Wort gesprochen sein. Die berufliche Umschichtung der Juden in Polen kann nur dann ohne Schädigung, ihrer religiösen Jnteresten vor sich gehen, wenn man dabei auf orthodoxer Seite Ae Augen offen hält und bei allen dahinzielenden Unternehmungen in der kräftgsten Meise mitwirkt. Endlich ist zu hoffen, daß aus dem Gebiete der Sonntagsruhe ein Kompromiß erzielt werden kann. Zum mindesten müßten demjenigen, welche ihre! Betriebe nachweislich 25 Stunden am S-amstag geschlossen halten, der SonntagsbetrieV gestattet sein. Denn daß diese Kreise keime ung-erechtfertigte wirtschaftliche Konkurrenz für die polnischen Geschäftsleute bedeuten, liegt auf der Haud. Zur rumänischen Jndensrage. Ueber die Aufnahme der Judenemanzipm tion in den politischen und Volkskreisen Rumänions wird von gutunterrichteter Seite im Bukarest denn ״Berliner Tageblatt" geschrieben: ״In der Judenfrage wollen einige deutsche Blätter -die Anregung des Vierbundes als schweren Fehler betrachten, da sie die angesehensten Bürger Rumäniens vor den Kopf gestoßen habe. Das ist zum mindesten stark tendenziös gefärbt. Bereits die Abstimmung i-m Senat straft diese Auffassung Lügen. Die öffentliche Diskussion in der Kamu!er, die am 30. August stattfinden soll, wird als weiitar-er Gegenbeweis dienern-. Und wenn Urion! erklärte, daß die rinmänische Regierung dein Verlangen des Vienbundes gern entgegen»- gekommen sei-, so -ist das von seiten eines weitblickenden, gerechten, Staatsmannes glaubhaft und einleuchtend. Gewiß werden sich manche sinden, denen, das neue Gesetz unbequem ist, w!je es immer Leute gibt, die mit Scheuklappen -an! den Forderungen des Tages vorübergehen und nicht Ansehen wollen, daß die Zeit ungerechter Unterdrückung im Leben der Völker zusammenbrechen wird und!muß, so unangenehm auch die Neuerung gewissen selbstherrlichen undegoistischen Kreisen sein mag. Das Sematsmitglied Pilesko hat den Nagel -auf den Kopf getroffen mit der Bemerkung, daß das Gesetz wegen der Stellung Rumäniens Europagegenüber eine Notwendigkeit sek"

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