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Jüdische Volksstimme · 1918-09-06 · Heft 19-20 (6.9.1918) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIX (1918)
Issue
Heft 19-20 (6.9.1918)
Date
1918-09-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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19-20 ^Uwische 4- h*T‘וי^׳י■ ■^■־ Gei« s. ו״וייי״יז* Geheimnisvolles Verschwinden jüdischer Arbeitersührer in Warschau. Dem jüdischen Preßbureau in Stockholm zufolge brachte die jüdische Poesie in Warschau fol- «ende vielsagende Nachricht: ״Jaden Kreisen der jüdischen Arbeiterschaft m Warschau hat die Tatsache großes Aufsehen erregt, daß 19 Mngl,^׳e>. des Zentralburjecyus der jüdischen gewcrkschaftlichen Vereine plötzlich verschwunden sind." Das fragliche Zmtralbureau ist eine der zwei jüdischen Gewerkschaftszentvalen, die in Warschau ׳bestehen. Es u in faßt 13 gewerkschaftl i ch organisierte Berufe, die unter dem Einflüsse der Jüdischen So ziaidemokraten poale-zionistischer Richtung stshen. Es unterscheidet sich von .der bundistischen gewerkschaftlichen Zentralstelle, die den Namen Jnformationsbuveau fiihrt, durch den unparteiischen Charakter seiner Leitung. Das geheimniZvolle Verschwinden der 19 Mitglieder des Zentralbureaus, der meisten Mitglieder der Vsrwaltuug dieses Bureaus, steht offenbar in engsten Zusammenhang mit den Verfolgungen gegen die Poale-Zion si-tens dor Behörden, die seit Monaten in Warschau, Berlin, Wien, Lemberg, an der Tagesordnung sind. Es wird die Aufgabe der demokratischen Kreise, namentlich der Sozialdemokratie in Deutschland sein, von der deutschen Regierung Aufklärung über Ne Umstände des ״Verschwindens" der genannten Personen zu fordern und sich für deren Befreiung einzusetzen. Die Lösung der Wasserfrage in Jerusalem. Tie ״Times" veröffentlicht in ihrer Nummer vom 10. August einen Bericht ihres Jerusalemer Korrespondenten vom 26. Juli, aus «dem׳ hervorgeht, daß es den Ingenieuren der britischen Arrnee gelungen ist, das schwierige Problem der Versorgung der Stadt Jerusalem mit Wasser einer glücklichen und raschen Lösung entgagenzuführen. Nachdem der Koroospondent diebisher:- gen ungünstigen Wasierverhältnisie iin Jerusalem ausführlich geschildert hat, berichtet er folgendes: ״Die Ingenieure unserer Armee fanden eine Gruppe von Quellen mit einem absolut reinen Grund auf den Hügeln, die ungefähr 14.000 Gallonen Wasser Pro Stunde ergeben, da bisher ungenützt floß und jetzt in ein Hochgelegenes Neservoir gehoben wird, von wo aus es auf demWege der Gravitation vermittels einer langen Röhrenleitung nach Jerusalem fließt. Die Leitungen gehen zu den Hospitälern und durch die ganze Stadt und die Einwohner entnehmen so viel Wasser, als sie wünschen. Der Wasse'rlveirbrauch der Bevölkerung ist jetzt lOnml so groß wie i;m letzten Jahre. Die einleitende Untersuchung und die Aufnahme des Geländies wurden am 14'. Februar gemacht und ein Plan, wurde vier Tage d-- - rauf entworfen. Aus Mangel an Trausportnntteln und infolge des schlechten Wetters konnte mit der Arbeit erst am 12. Apvil begonnen werden. Viele Meilen von Röhren sind gelegt und eine mächtige Pumpbrunnenanlage ist errichtet worden, aber mit!der Lieferung des Wassers an die Bevölkerung von Jerusalem wurde erst an, 18. Juni begonnen." Jüdischer Verein zur Erforschung Palästinas. Am 14. Juli fand in Warschau eine interne Vsrsomlung statt, auf der die Gründung eines ״jüdischen Vereines zur Erforschung Palästinas" beschlossen wurde. Das einleitende Referat hielt Dr. Poznanski. Er betonte die Wichtigkeit gernde der wissenschaftlichen Erforschung Palästinas von jüdischer Seite i!m Hinblick auf die praktische Tätigkeit d-e!r Zukunft. Vor allem müßte man die geeigneten jüdischen Kräfte der ganzen Welt für diese Arbeit,nutzbar machen, um eine wirkliche Systematisierung der jüdischen Palästinasorschung zu erzielen. In jedem Lande mit einer größeren jüdischen Bevölksvuntz müßten derartige Vereine entstehen, die das.gleiche Programm haben und die Probleme, die zur Erörterung stehen, wissenschaftlich behandeln. Die Vielsprachigkeit, die die jüdische Arbeit überhaupt erschwere, müsse später dadurch zu überwinden gesucht werden, daß eine mehrsprachige groß angelegte wissenschastliche Zeitschrift gemeinsam herausgegeben werden. Dr. Poznanski zeigte an einem Beispiel, wie wichtig auch füv die Praxis diese scheinbar theoretischen Vorarbeiten wären. Der zweite Redner Dr. Curt Nawratzki, führte dann weiter aus, welche Arbeiten bisher von nichtjüdischer Seite auf diesem Gebiete geleistet worden wären und in wie engen Grenzen sich bisher die jüdische wissenschaftliche Betätigung iin Palästina gehalten hat. Um zu konkreten Ergebnissen zu kom msn-, schlug er die Gründung eines Vereines vor mit einem noch zu bestimmenden Mitgliedbetz trag mit bam Ziel, eigene Publikationen jährlich herauszugeben, di'e rein wissenschaftliche Spezialarbeiten der verschiedenen Fachgebiete umfaßen sollen. Dr. Bychowski warnte vor einer zu einfestigen und theoretischen Auffassung und betonte vor allen: die Notwendigkeit der praktischen Arbeit, wünschte aber vor allen! Dingen eine Berücksichtigung der Untersuchung der hygienischen Verhältnisse. An der Diskussion beteiligten sich dann fast alle Anwesenden; es ergab sich eine fast völlige Uebereinstiimnnung irr den dargelsgiten Zielen, und es Wunde beschlossen, in nächster Zeit an die definitive Gründung des Vereines heranzugehen. Um die Einzelheiten festzusehen, wurde eine sechsgliedrige Kommission gewählt, an deren Spitze DÜ. Poznanski steht. Es Wunde auch angeregt, um eine Zersplitterung der Arbeit zu derhin denn, gerade da noch eiin׳ Mangel an wirklichen Fachleuten vorhanden ist, auch den neu gegründeten Verein zur technischen Erschließung Polostinas, dev durch Herrn Ingenieur Kerner vertreten war., in irgend einer Form mit der neuen Gesellschaft zu verbinden. Ein Lehrstuhl fürjüdische Apologethik. Laut Berliner Mitteilungen soll am orthodoren Nabbin orseminar ein Lehrstuhl für jüd. Apologethik begründet werden. Die Mittel für die neue Dozentur hat Herr Mar Jaffa (Berlin) durch eine Spende von 100.000 Mark zur Verfü- .gung gestellt. Wie wir hören, wird von der Leituug des Rabbiner-Seminars beabsichtigt, Nabbiuer Dr. Carlebach, jetzt in Warschau, auf den neuen Lehrstuhl zu berufen. Erste jüdisch-orthodoxe parlamentarische Fraktion. ׳Dem I. P. B. Z. wird berichtet: Im Polnischen Staatsrat 1-n Warschau wurde eine jüd.- orthodoxe Fraktion gebildet, die mit Hilfe einer außerparlamentarischen orthodoxen Kommission für Regelung der religiösen Angelegenheiten sorgen soll. In die Kommission. wurden gewählt die Rabbiner aus Kali sch, Lodz und Zaviarcie. Es ist zu bemerken, daß diese Fraktion die einzige jüdische im Polnischen Parlament ist. Die Grundsteinlegung der-hebräischen Universitat in. Jerusalem. Reuters Bureau verbreitet folgenden ausführlichen Bericht über die am 21. Juli erfolgte Grundsteinlegung für die hebräische Universität in Jerusalem: An der Feier nahmen die Mitglieder der Zionistischen Kommission, der britische Obsr-Kommandiierende von Palästina, der Mi'litärgouverneur von Jerusalem, Vertreter der fvanz. und ital. Militärabteilungen, der Mufti, der englische Bischof von Jerusalem, Ver״ tveter der armenischen und griechischen Kirche, d. Bürgermeister und Vize-Bürgermeister von Jerusalem und viele andere Notablen teil. Mehr als 6000 Menschen wohnten d>er feierlichen Zeremonie bei. Die Universität wird am Ostabhange des Scopusbergies errichtet, von wo aus man das Jordantal und die Mündung des Jordan in das Tote Meer deutlich überblicken kann. Dr. Weizmann, der Führer der Zionistischen Kommission führte in seiner Ansprache aus. daß die hebräii'ck׳״ Universität, obwohl sie in erster Linie für die Juden bestimmt ist, den Mitgliedern jeder Raste und jeden Glaubens herzliches Willkommen! bieten werde« Di!e Universität werde versuchen,׳ den höchsten wissenschaftlichen Anforderungen zu genügen, gloichzmtig aber für alle Klasten von Kolonisten und Arbeitern zugänglich sein, die hier die Möglichkeit fimidsn sollen, ihre Ausbildung in ihren Mußestunden zu vervollständiigen. Zur Palästinafrage. In beim׳ soeben erschienen 2. Augustheft hier ״Sozialistischen Monatshefte" erschien ein höchst beachtenswerter Aufsatz von Dr. Max Rosenseld über ״Judenfrage, Palästina und Weltpolitik". Wir wetzdien über die Ausführungen Rosenfelds in der nächsten Nummer ausführlich berichten. Die italienische Negierung zur rumänische« Jndensrage. Das Kopenhagen,er Zionistische Büro berichtet: Harr Nahum Sokolow erhielt vom ital. Botschafter in London folgende Erklärung, der ital. Regierung betreffs der Lage der Juden in Rumänien: ״Gemäß den Instruktionen des Barons Sonntno habe ich die Ehre, Sie von solgenden in Kenntnis zu sehen: Die ital. Regierung stellt fest, daß die im Vortrag von Bukarest zwischen Rumänien und den Zentralmächten vom 7. Mai 1918 enthaltenen Bestimmungen bezüglich der religiösen Gleichheit in Rumänien hinsichtlich der Juden weniger Freiheiten ׳gewähren als diestnigen, die die rumänische Regierung von selbst zu gaben versprochen hat. Die ital. Regierung erklärt daher, daß sie, wenn die rumänische Frage endgültig geregelt werden wird, alle Anstrengungen machen wird, um für die Inden in Rumänien eine Regelung zu erzielen, die eine dauernde Gleichberechtigung sichert." Aorresponäenzen. Wien. Hietzing. (Silberne Hochzeit.) Der in weiten Kreison bekannte Herr Adolf Rittermann beging am 3. v. M., mit seiner Gattin Fanny geb. Horowitz das Fest der silbernen Hochzeit. — Aus diesem Anlasse hat Herr Rittermann nahmhafte Spenden für wohltätige Zwecke gewidmet. Wien. Am 14. August verschied in Baden b. Wien, der durch seimlon Wohltätigkeitssinn und durch sein gewinnendes Wesen in weiten Kreisen bekannte Betbausvorstand der Wiener isr. Kultusgemeinde Theodor Kohn, ein Bruder! des versiovbenlen, unvergeßlichen 1. Vize-Präsidenten Dr. Gustav Kohn.. Solange es seine Gesundheit erlaubte, war ׳er rastlos bemüht, Not und Elend zu lindern, wozu er als Mitglied der Barn״ Hirsch-Stiftung reichlich Gelegenheit hatte. Unter großer Beteiligung fand am 18. auf dem Wiener Zentralfriedhof die Beerdigung statt. Oberkantor Matvas rezitierte die rituellen Gesänge. Rabbiner Dr.. Feuchtwang hielt dem Verstorbenen einen die Verdienste desselben würdigenden Nachruf. Hierauf schilderte Landesschulrat Dr. Markus Svitzer in wahrhaft ergreifender Weise die vortrefflichen Charaktereigenschaften und das selbstlose Wirken des Verblichenen. Groß ist die׳ Anzahl der Beileidsschreiben von Privaten und Vereinen! und mögen der Witwe, Frau Kohn, und den Kindern des Heimgegangenen die vielen Beweise ׳der Teilnahme wenigstens teilweise Trost bigten. Ehre feinem Andenken! Zwittau. (Die Rückkehr der Flüchtlinge nach Galizien und! der Bukowina.) Die Flüchtlinge, welche die Stadt Zwittau seit Juli 1916 beherborgte, kehrten in drei. Teilen zurück und zwar: die ersten noch Ostern., die zweiten in der letzten Aprilwoche, die letzten in!.der ersten Juliwoche. Den Flüchtlingen, doren Zahl fünfhundert betrug, ging es bei uns im allgemeinen nicht schlecht. Zu diesem Zwecke bildete sich ein eigenes Flüchtlingskomite, das die Versorgung der Flüchtlinge mit billigen Nahrungsmitteln und sonstigen Bedarfsartikeln wi!e zum Bespiel: Holz, Koble, Medikamente, Kleidung usw., sich zur Aufgabe machten. An der Spitze des Komises stand kais. Rat Josef Stein, Rabbiner Dr. Felix Kanter, die Herren Bock und Glas. Dir Fluchtlinge hatten eine eigene Synagoge und wohnten zum Teile in Privathäusern und zum Teile im sogenannten Arbeiterheime, in welchem sich eine eigene Fleischbank befand. Die Stadtgememde Zwittau sowie die Bezirkshaiuptmannschaft in Mähr.-Trübau gaben ihnen zu jeidrr Zeit ein williges Ohr und unterstützten sie mit Rat und Tat. Wir wollen hoffen, daß es ihnen! in ihrer alt enHeimat weiter gut gehe! Kurt Kanter. Nachod. Am 31. Juli 1918 wurde die Mut׳ ter unseres Rabbiners, Frau Fanny Sicher, ged. Goldman-n, unter zahlreicher Beteiligung aller sie verehrenden Gesellschaftsschichten zu Gvabe getragen. Rabbiner Prof. Tr. G. Sicher, dzt. Feldrabbmer, nahm in der Wohnung in sehr de» wegten Worten Abschied von der entschlafenen v

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