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Jüdische Volksstimme · 1918-05-15 · Heft 11-12 (15.5.1918) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIX (1918)
Issue
Heft 11-12 (15.5.1918)
Date
1918-05-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 11! 2. ״ISdische Bolksstütt«r Seite 3 erstens. schon ih^cr Ltetlumi, halber zweitens auch,^r außer der gcwölMchcn Prüfunqsbeqttnsti-׳ tsckechisch-jüdiscken Blätter van heron 9TYf?fcr1f T7LLä^nench^dmet.de-n(m׳n״a״ch ,wckanftrcbtc an fl *™,״*Ä .., " :! , .. .. * . ז0 ״.׳—.׳-—-.. an strebte an gegenüber alles Andere nur^tlernisikelten jrnL.׳ der Wiener Universität die Antwort erteilt wur- Es haiwelt sich hier u mdas HePler. Bezirksblatt,! de ״Tie gehören eigentlich an die Front" ist das Org<rn oes^^kannten Förverers alles Edlen! t^rnnd genllg, die Frage auszinversen, warum und Schönen, des Abtes Helmer von Tepl. In einer Zeit, wo irr Oesterreich versucht wird, den Justizmord m Hilsner wenigstens teilweise gut zu machen, bemüht sich dieses noble Blatt auf eigene Faust eine niedliche kleine Ritualmordhetze zu inszenieren. In seiner Nummer vom 30. März schreibt es folgendes: ״Ueberfall. Von pri. vater Seite wird uns mitgeteilt. Vor etwa ö Tagen wurde die 17 jährige Tochter des Herrn Berk (Auschowitz) gegen 3 Uhr abends in der Schulstraße von zwei politischen Flüchtlingen überfall len ,die das Mädchen mit dem Messer bedrohten, wenn es ihnen tlicht folgen wolle. Da das arme Wesen vor Schreck nicht schreien konnte, stieß es den einen AnWeifer rnit dem! Fuße und, ergriff die Flucht, wobei es der andere bis zur Villa ״Evika" verfolgte. Was die zwei polnischen Flüchtlinge zu diesem Attentat veranlaßte, ist unklar, jedenfalls ist es ein abscheulicher Dank für die Gastfreundschaft, die sie hier genossen ha- .. beit." Das mutige Tepler Blatt schreibt itichts J von Nitnalmord, es deutet ihn um׳ polnische Flüchtlinge mit einem denn gerade die jüdischen Soldaten lticht eiggntlich ait die Front gehören. Alleriugs das ist nicht auf dem Komotauer Mistbeete gewachsen, sondern Uürd aus Noseggers ״Heimga!! tcn" zitier., der nach dem Deutschen Volksbluite gewiß über den Verdacht ״wüster Juden Hetze" erhaben sei. Fit Komotau ist Geist überhaupt nichts Seltenes. So fordert der Komotauer Stadtsetrelär Herr Aiiton Lorenz in cinenr Aufrufe zmii Kaulpfe gegen den Ansturm der jüdisch-sozialistischen Koalition auf ltnb schließt mit den Worten: an dieso Front gehört jeder deutsche Mann von arischeri! Blute. Der ״Saazer Kreisbote" knüpft allerdings die Bemerkung daran, daß der Herr Stahtsekre semitische Zeitung löiiirte, svremeu wir nächsteris. Prager Brief. Also der Prager Brief hat gefallen und so soll er nach deni weisen Ratschluß der geehrten Redaktion fortgesetzt werden. An erwähnenswert te׳a Neuigkeiten gibt es so wenig, der Antisemitismus und das hochortige Rischus sind ein so altes, so abgedroschenes Tliema, daß ihm kaum iioch eine neue Seite abgewoimen werden kann n. so sei der Prägen Brief in Ermanglung eines besseren Stoffes dort fortgesetzt, wo der erste sein jähes Ende gefunden. t Die Mazzos waren das Um und Auf des vorigen Berichtes, nun konnnt das Moraur darau. Die Mazzos haben uns jüdische und nichtverstanden hat, seine Enthebung durckiznsetzen. Ein Vorkämpfer für ״teutsche Treu" ist di Neichenberger,deutsche Volks.zeitung, die es einem Flüchtling nicht genug Verübelm, kann, daß er . einen Liter Buttermilch, beit i.hm, eine Bäuerin ^ejcijcuft haben soll (klingt sehr unwahrscheinlich) ...s .,,2 7e?11'1?־!׳v1! feiner■ Schwiegermutter um Geld verkauft haben M°dch°n. «.» .unte Mot.v. ba«jf0״. Irvings gleich {*,runter steht eine Notiz dlcj reicht besont*:re> IN rer Pehachzest hm, umjWD berichtet wird, wie ein Flüchtlinq (die Rei^ einen Fall zu konftruiren, der dem!deutschen Te- - ׳׳---״ -■■■■- pl einen ähnlichen Weltruf verschaffen könirte wie einst dem tschechischen Polna. Gottlob, daß das Tepler Blattet in den weitesten ,Kreisen umbekannt und so auch ungefährlich ist. Wahrscheiulich ließt es micht einmal Abt Helmer, denn sollst wäre er wohl eingedenk der päpstlichen Bullen dagegen eiligeschritten. Habeil wir uns bisher mit einem frommen Blatte beschäftigt, so wollen wir uns jetzt auch qin Deutschnationales, bas nicht betcnnuter ist als das Tepler Blatt, nähmlich die Kaadener Zeitung. Diese beschäftigt sich gleich unseren führenden Blättern mit den größten Problenien, die der Weltkrieg geschaffen. So finden wir darin beispielsweise einen fast drei Spalteil langen Artikel übgr ״Jüdschnationale Ansprüche", der jedem großen Blatte Ehre brillgen würde, wenn er nur vernüllftiger wäre. So abo rwird lrach einer kurzen Einleitung über die Beteiligung des lü-!dischen Kapitals an allen Weltkriegen des IS. Jahrhunderts uild besonders es Zionismus an dem jetzigen bringt er allerhand durch un!innig angewondete Zitate verbränrtes Altweiberge- Wäsch, baß die Juden kein Volk sind und nur zrl den gelehrten Berufen und zu!mlüheloseili Gelverbe sich drängen, dagegen die schwere Produktion verabscheuen. Nach diesen gelehrten Dartegullgen resümiert der Kaadener ״Völkervechtslehrer" «die Juden zeigen sich also unfähig zur Bildung eines Staates und Volkes,sie brauchen einen fertigen Staats- und Wirtschaftskörper, an denr sie sich festsaugen können." Der Verfasser sollte sich auch wo festsaugen. Geist vorn Kaadener Geiste spukt auch im Komotauer Deutschen Volksblatt. Dort iantmert ein anonymer besorgter Volksgenosse über ״Judentmll ulld Wirtschaftslehre". Er konstatiert mit Freude, daß jetzt endlich de rBevölkerung dile Augeil aufgehen, wie sehr die Regierung! sie dem bauern- und bürgerlichfeindlichen Judentum j teilfür andere oTäm-li'.-w'i-l׳ k.'iiF 9snr!!a־״ ilc -Ucazzos tzaven uns zudliwe Ulld lllchlliebe hat und tr׳otzdem er Reierveoffizwr isß es! Dchörden zu verbittern ,gesuchtsoweit - - -.— ׳ 1 - ־ ׳ sie konnten: bem Mopaur konnten sie illchts ailhaben. Hätte man eher daran gedacht, hätte man vielleicht auch Meerrettich uild Petersilie als umelltbebrliche Bedarfsgegenstände unter den Schutz des Kartensystenls genolllmen und davlit die Möglichkeit gehabt, den Juden auch diese Bedarfsartikel vorzuenthallen. Null vielleicht bescheert uns das nächste Jahr eitlen Nlazze- und - l l > ׳? ra u e r l o s e n P e ssa ch. Doch man darf nicht undankbar sein, besonders nicht der Jude. Und so wollen wir es dankbar anerkenneil, daß die Prager Aprovisierungsbehördcn sich redlich um das jüdische Moranr bemüht haben, sie haben weiligstcns versucht bei den Juden am Pessach stets den Ged ankeil an das Moran.r festzuhalten. Und das kam so! Die Prager Kultusgemeinde hatte mit>großen Kosten und viel Mühe ein größeres Quantmil Pessachzlicker besorgt. Es kam gerade lloch zu Recht, ein Paar Tage vor Pessach; aber man hatte die Nechnuilg ohne den Wirt gemacht, in. uilserelil Falle ohne das löbliche Approvisioniechenbergier lebt hauptsächlich voll Flüchtlingeil) ein größeres Packet mit Zucker im Waggon mitgehabt habe und wie die lilitsahrenden ״keuschen" Frauen ihll diesen alsbald bis auf das letzte -Ltänbchen wegnah 111 en. Ei llDiebstahl sehr nachdem Herzen der.Neichenberger Vorkänlpsoriil für »teutsche Treue", die darüber berichtet unter dem Titel ״Zucker ohne Geld nlid Karte". Auch in Karlsbad scheint mPu die polinischeu Juden nur gerne zu haben, soweit mmn an ihnen Verdiellen kamill, sonst ists illit der Sympathie nicht weit, wie die hämische Bemerkung der Karls! rungsaimt. Dieses Alnt konnte sich nämlich trotz bader Zeitung zeigt, die siei an das Ausfuhrsreiflicher Überlegung nicht darüber klar werden. verbot für Lebensmittel kllüpft ״man solle be׳ sonders gewissen Flüchtlillgen ein strengeres Augenlnark zulvenden, die schon längst in ihre Hei nlat zurück könnten, aber vorziehen hierzubleibell, um in Lebensnllitteln unerlaubte Geschäfte zu Ulachen". Ehrlich freute sich über Juden die Brürer Zeitung, die unter der Ueberschrift ״Lieb׳ schitz ohne Juden", mitteilt daß der letzte in Liebschitz bei Biliu ansässig gewesene Israelit sein Haus verkauft habe und übersiedelt sm. Nilid null ein wenig zu den tschechischen Blüh tern! ן In der letzten Zeit hat die Aufdeckmlp einer Spielhölle im Prager Repräsentationshaus viel voll sich reden gemacht, all der sehr viele Juden mitbeteiligt waren. Ein kleines Malheur Pasfierte dabei denl agrarischen Venlov, der tagelang den Skandal breittrat und nicht genug auf die starke jüdische Beteiligung Hinweisen konnte. Eines schölleil Tages brachte dann ein soziademokratisches Blatt die Nachricht, >dcvß auch der Chefredakteur des Venkov ein Hauptbeteiligter sei. Einen besoueren Scharfsinn entwickelt bisweilen der Czech, so ist es ihm gelungen in einer Wohnungseinschleicherin, deren d. Polizei׳ bisher nicht habhaft werdeil kannte eine Jüdin zu ,erkennen. durch die Zentralen ausgeliefevt habe. Als Mann! Auch sonst hat, er eine gute Spürnase. Während voil Geist aber sieht er tiefer als die anderen und will das Uebel an der Wurzel fassen. Das Haupt- Unglück ist nählMilich nach Ansicht des Komotauer Forschers darin zu suchen, daß die meisten Lehrstüle für Wirtschaftslehre cm unseren Hochschulen in jüdischeni Besitze seien, von hier!aus werden unsere Juristen, unsere künftigen Richter! und Verwaltungsbeamten im Sinne des bürgerunld bauernfeindlichen Judentums!beeinflußt. Und -die jüdischen Inhaber dev Lehrstüle für Wirtschaftslehre sind stets bemüht das gesunde Wirtschaftliche Empfinden der Bürger und Bauern zu vergiften. Und darum ist es höchste Zeit denr ziel° bewußten Streben Judas!nach gänzlicher Erobe׳ runlg!aller Lehrkanzelin für Wirtschaftslehre entgegenzutun. Doch das genügt Wohl schon um zu «rkennen daß der Geist dieser Komotauer Unke Geist ist vom Kaadener Geiste. Man würde aber irren, wenn nmn meint damit habe sich dieser Geist erhöht. Es reicht imnler noch,auf ein paar Jakobstranm,^ die Minister im Parlamente sich die größten Vorwürfe rnachen lassen mußte, weil die Rückbeförderung der Flüchtlinge nur so erbärinliche Weise erfolge, weiß der Czech auch von Fluchtlingen, die so bequenr reisen, wie kaum ein regierender Fürst. Der Czech ist auch das einz.ige Blatt, das seine Freude darüber äußert, daß Stadtrat Dr. Scharf seine Resignation auf sein Stadtratsmandat zurückgezogen Habe. Und Dr. Scharf ist Jude! Wa sfür einer, beweist das Wohlwollen des Czech für ihn. Auch die tschechischeu Witzblätter nmchen in Antisemitismus. So haben die Prager Humoviisticke Listy ein Bild ,gebracht, das ein! Paar Flüchtlinge dcvrstellt wie sie Handlangerdienste bei einem Baue leisten und dazu den Text, daß sie darum nicht Geschäfte ma* chen wollen, weil man dabei! wenn auch unbeabsichtigt, Unrecht tun müsse. Eive andere Nummer bringt wieder ein Titelbild ״Ein nwderner kleine Artikelchen und Notizen,so z. B. wivd ״«in bemerkenswertes Urteil gegen ein Indisches Wincherer-Ehepaar" «ingehend gewürdigt. D«v Anbaß, daß einem beurlaubten deutschen Studenten Fluchtling — sieht vor sich auf der Himmelsleiter die Preise der einzelujen Lebensmittel Mehl, Zucker, Fleisch, Fett immer höher steigen und schmunz«lt vergnügt. Wenig Witz und viel Rischus! Auf die wie man den Zucker verteilen solle und so war Ser Weisheit Schluß, der Zucker solle liegen bleiben und so liegt er noch, vielleicht schon als Grundstock gedacht für die künftige Pessachversorgung. Und da sollen wir nicht dankbar sein! Dank ist immer׳ etwas Schönes, manchmal allerdings wird er dem, den! er abgestattet wird, unangenehm;licht nur dadurch, daß er die Bescheidenbeit des edlen Spenders verletzt, sondern auch ans weniger idealen Gründen davon kann ein Vorstandsmitglied der Prager Knltusgemeinde ein artig Siebet singen. Der betreffende Herr, der als sehr wohltätig gilt und in den Prager Wohltätigkeitsvereinen eine führende Nolle inlrehat, hat sich auch große' Verdienste um die Mazzos und auch um die fogenallnte freiwillige Übergabe von sechs Waggons Mazzemehl an die notleidende Prager Bevölkerung erworben. Und der Dank dieser notleidenden Bevölkerung? Der betreffende Herr wurde in seiner Wohnung förmlich belagert, er konnte!nur dadurch geschützt werden, daß die Polizei die Straße, in der er wohnt, absperrte und eine starke Wachabteilung vor sein Haus stellte. Wahrlich ein fürstliche.r Dailk! Allerdings hat der betreffende Herr auch Anlaß dazu gegeben, unterhält er doch seit Kricgsbegtnn in seiner Villa 25 christliche Kinder völlig aus Eigenem. Der Größe der Wohltat entsprach auch die Größe des Dankes. Man schickte ganze VoÜshorden 51t ihm, auf die dem Pöbel eigene Weise den Dank abzustatten. Dem Prager Fürsterzbischof, der, als. die sechs Waggons Weizenma-zzomehl der notleidenden Prager Bevölkerung keine wesentliche Erleichterung ,gebracht hatten, in einer Audienz in Wien zwei Waggons Mehl — dabei aller״ dings auch Maismehl — für die Prager Armen - erwirkt hat — dankte man in einer viel bescherdeneren Weise, Wohl, weil er eben weniger ge-- leistet hat. Die Prager Stadtvertretung — die sich sonfft im Antiklerismus gefällt und der der Erzbischof als angeblich Deutscher nicht sehr ge--- nehm ist — entsendete einfach eine Deputation», die ihn dafür Dank sagen sollte. Vom inneren Leben der Prager Juden isb nichts zu berichten nur der ״Sinai" rührt sich^ der für Lagbeomer einen Ausflug rüstet. Dagegen scheints cum! flachen Lande besser werden zu wollen. Vor mehr als 50 Jahren, als Kind bereits, habe ich also zu einer Zeit, wo enoch viele fromme Khilles in Böhmen gab, ge»

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