Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1918-05-03 · Heft 9-10 (3.5.1918) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIX (1918)
Issue
Heft 9-10 (3.5.1918)
Date
1918-05-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2621806-2622015-2622022--3768-2625005
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

»1. 9-10. S' llc O. 7. In den wunderbaren Ecken Rechnungsziffer stecken; In der Lin i e, m dem Rand Der berechnende Verstand. 8. Und di« W i nke l, die da zeigen. Wie sich ebne Flächen neigen, Und der Kanten Symetri« Hat bestimmt Geomstvie. 9. Ja mit Ziffern und mit Zahlen Formen und Gestalten malen, Und mit bunter Farbenpracht Kann nur Gottes weise Macht! 10. Denn der starre Atheismus Und dsri wirre SpiNazismus Die vereinigen sich nie Mit der Krystallographie. 11. Drum dem Schöpfer Dank ich spende Bei des schönen Buches Ende. . . Lehre mich o Gotk der Höhen, Deine Schöpfung zu verstehen! Dy. Hauser Josef. Kunmc^au. (Vertrauensmänner - Versammlung) des Jüdischen Handlungsgehilfen-Verbandes, Wien. Sonntag, den 7. April l. I. fand in Brünn eine Tagung der Vertrauensmänner des JHV. statt. Die rege Beteiligung der Gruppen, das aufmerksame Jin,terere der nationalfühlenden, jübischen Angestellten, zeigte vom Neuen von dem kräftig pulsierenden Leben dieser Organisation. Diesem, Gedanken gab in seiner Begrüßungsrede der Obmann der Brünner Gruppe in deren Heim die Tagung stattfand, Kollege Hoffmann in tiefempfundenen Worten Ausdruck; und sein Appell, die Tagung zu einem Ausgangspunkte neuer, gedeihlicher Arbeit zu machen, fand in dem Ernste und dem Zielbewußtsein der Versammlung ihren Nachkiang. Nach Wahl des Büros (Kollegen Blume, Wien, Keßler, Brünn, Unger, Wien, Fischer, Brünn) erstattete Kollege Blume (Wien) den Bericht der Zentrale. Zunächst gedachte er der gefallenen Kollegen, insbesondere des verdienstvollen Obmiannes der Wiener Grrrp- Pe, Koll. Neumann und des Mitbegründers der Brünner Gruppe Koll. Löw. Zun! Berichte übergehend, verbreitete er sich über die Arbeiten des JHV., indem er besten wirtschaftliche, kulturelle und nationale Tätigkeit schildert. In Wirtschaftsicher Beziehung gedachte er der Leistungen unfever Hilfsfonds (Stellenlosensonds und Kriegs- Hilfsfonds). Nicht nur eingerückte und stellenlose Mitglieder des Verbandes oder deren Angehörige fanden Unterstützung; auch Nichtmitglieder fcmben eine offene Hand und insbesondere waren es Flüchtlinge, die wirksam unterstützt wur- Len. Aber auch der Kollegen in der Krieqsgefangenschaft wurde nicht vergesten und dieselben gleich den im Felde stehenden mit Geld und Liebesgaben bedacht. Die Stellenvermittlung nahm sich der flüchtigen, galizischen Kollegen an, für deren fachliche Ausbildung Unterrichtskurse (drei Pamllelabteilungen an fünf Wochentagen) sorgten Hand in Hand, damit ging die andere Arbeit; Vorträge, Lesehallen und Bibliotheken erfreuten sich eines guten Besuches. Auch! die gewerkschaftliche Arboit ruhte in keiner Weise; insbesondere Interventionen wegen des Boykotts, Gehaltsaufbesserungen usw. fanden öfters statt und die Rechtsaibtei'lung mußte wiederholt für Kollegen «intreten. Nicht zu vergesten wärs des kräftigen Auftretens der Brünner Gruppe anläßlich der Mißhandlungen von Flüchtlingen bei den Arbeiterunruhen im August 1917 in Brünn. Die Detailberichte wurden durch die Kollegen Friedländer-Wien (Kassa), Unger-Wien (Bitdungswesen), Spatz-Wien (Stellenvermittlung), Hoffmann-Brünn (Ortsgruppen) erstattet. Ein breites Feld der Erörterungen nahmen die fol- «enden Punkte der Tagesordnung ein: 1.) Ermittlung der im Felde Gefallenen. 2.) Unterstützung der aus dem Feld« und der Gefangenschaft zurückkehrenden Kollegen, insbesondere von invalid gewordenen Kollegen und Vergröißerung der hiezu bestehenden Fonds, zweckentsprechendere Erweiterung der Stellenvermitt׳ lung. In einem ausführlichen Referat« sprach Koll. Keßler, Brünn, über den Ausbau der Organisatian und die Wjiederherausgabe des Fachblattes. Er behandelte im Besonderen -alle jene Fragen, die eine Erweiterung des Programmes der Organisation erfordern, fixierte die Stellung des Verbandes zu den bestehenden. Politischen, nationalen Parteien, zum Zionismus und befaßte sich schließlich -mi-t der Stellungsnähme der jüdischen Angestellten zu dem in Erörterung stehenden jüdisch-österreichischen Kongreß. Di« vielfach erregten Debatten zu diesem Referate nahmen einen Großteil der Tagung in Anspruch. Nach 7stündiger eingehender Beratung schloß Kolleg« Blume di« Versammlung, -die die Grundlage für die neue Tätigkeit -des JHV. bilden wird. Möge der Ruf, der von dieser Tagung an die Jüdischen Angestellten ausging, nicht umsonst verhallen; mögen vor Allem di« national fühlenden Angestellten, so ferne sie der Organisation -noch ferne stehen, ihre Pflicht tun. Der Jüdische Handlungsgehilfen Verband, die Plattform, auf der sich alle jüdischen A-ngestellten im Handel, Industrie und Spedition sinden können, er hat seine Pflicht während der schweren Kriegszeiten voll und ganz getan; jung und lebenskräftig, von dem Vertrauen aller bewußt jüdisch fühlenden Angestellten getragen, geht er seinen Weg. Jüdische Angestellte höret den Ruf; folget ihm. (Salo Cohn-Stiftung.) Frau Camilla Cohn, Witwe nach dem vor Jahresfrist verstordenen Vertreters der israelitischen Kultusgemein-de Wien und Präsidentin der Chewra Kadischa, Herrn Salo Cohn s. A., errichtete zum Andenken an ihren Gatten eiine dessen Namen tragende Stiftung mit dem Kap-italsbetrage von einer Million Kronen. Aus!den Erträgnissen soll die «ine Hälfte zur Verlsiihung von Stipendien am jüdische Familien oder Personen, welche durch den militärischen Kriegsdienst des bisher^ gen Ernährers — es sei derselbe das Haupt oder ein sonstiges Mitglied der Familie gewe-sen — beraubt wurden, oder deren Ernährer infolge der Kriegsdienstleistung erwerbsunfähig oder mli-nder erwerbsfähig geworden sind, verwendet werden; dis andere Hälfte ist zur Subventionierung einer Heimstätte für verlassene jüdische Kinder zu verwenden, wobei in erster Linie eine derarti״ ge, von dem ״Wiener Frauenverein zum Schutze armer verlassener Kimder" errichtete oder zu errichtende Heimstätte in Betracht zu ziehen ist. (Das Schicksal eines Getauften.) Wie aus Prag gemeldet wird, wurde der Dirigent dies Orchesters dar böhmischen Philharmonie Dr. Wilhelm Zemanek, ein getaufter Jude, zum Rücktritt gezwungen. Der Anlaß soll in einem Konflikt -wegen Honorars der Orchestermitglieder gelegen sein; gleichzeitig, wird aber angemerkt, daß di« Nationalität Zemainieks nicht einwandfrsi geschienen habe. Schon vor einigen Wochen wurde in mehreren Zeitschriften geltend ge״ macht, daß an der Spitze der böhmischen Phil- Harmonie ein echter Tscheche stehen müsse. (Christliche Religion Bedingung.) Die ״Neue Lemiborger Zeitung" vom 21. v. M. bringt ein Inserat mit nachstehendem Text: ״Beim Landwehr - Ergänzungsbezirkskommando Lemberg, Ochronek 4, wird eiine männliche Hilfskvaft ausgenommen unter folgenden Bodiingungen: 1. Bei den Musterungen zu jedem Landsturmd-ienste ungeeignet befunden oder invalide Personen; 2. vollkommene Kenntnis -der deutschen Sprache in Wort und Schrift; 3. vollkommene Leistungsfähigkeit für Kanzleiarbeiten und nur bis max. 60 Jahren; 4. christliche Religion. Zivilstaatsbedienstete des Ruhestandes sind ausgenommen. Beweisdokumente ad 1. gestellten Bedingungen sind mitzubringen, ebenso das.Wohlverhaltungszeugn-is." — Das Lemberger zionistische Zentralkomitee ist bei dem zuständigen Militärkommlando emgeschritten. (Eine Tanfaffäre.) Aus Warschau wird gemeldet: Der ״jüdische" Gemeinderat Natanson hat zu Ostern seine fünf Kinder taufen lassen. Di« Nachricht von der Taufe der Natansonschen Kinder hat großes Aufsehen unter den Juden erregt und man will ihnnicht mehr als jüdischen Vertreter in der Stadtverwaltung wissen. In diesem Sinne haben sich dis Stadtverordneten Eiger, Kirschrot, Berenson an N. gewandt mit dom Ersuchen, sein Mandat im Stadtrat niederzulegen. Ein gleiches Ersuchen stellte an ihn eine Versammlung aller jüdischen StadtveroiDneten. Ein schweizerischer Zionistenführer über die B. I. O. D. Das Jüdische Korrespondenzbursau im Haag berichtet: Der bekannte schweizerische Zio׳ nistenführer Dr. Felix Pinkus schreibt in einem soeben im Züricher Verlag Orelt Füsoli erschein-enden Buch, das sich »Vor der Gründung des Judenstaates" betitelt: Aus den politischen Richtlinien der D. I. O. D. geht deutlich hervor, daß von der im Basler Programm geforderten ״öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina" keine Rsde ist, nur vom Recht auf freie Einwanderung und Wirtschaftliche Betätigung, -von freier Niederlassung und Pflege selbständiger Kultur in Palästina wird gesprochen. Dcqmät ist der politische Zionismus, die Schöpfung Theodor Herzels, in Deutsch-, land vernichtet. Der Rücktritt Dr. Hantkes gefordert! Aus Zürich wird dem Jüdischen Korrespondenzbureau berichtet: Der Verein ״Makkabi" in Zürich hat eine Oteifolution angenommen, in welcher er den Rücktritt Dr. Hantkes fordert. Herr Dr. Hantke hat sich -nach der Schweiz begeben. Die Erklärung Pichons. Das Jüdische Korr-esponidenzburoau im Haag berichtet, -daß der holländische Zionistenbund in -einen! Tellegramm -an die französische Zionistenfederation seiner Genugtuung über die Erklärung Pichons für ein jüdisches Palästina Ausdruck gibt. Eine Geschichte des Zionismus während des Weltkrieges. Wie das Jüdische Korrespondonzbureau im Haag mitteilt, erschien im« Verlage von Orell Füßli, Zürich, eine>g!rößere Broschüre des bekannten schweizerischen Zionlistenführers Dr. . Felix Pinkus, die unter dem Titel ״Vor feiert Gründung des Judenstaates" die zionistischen Ereignisse während des Weltkrieges bis auf die letzte Zeit behandelt. Die Broschüre wirdauch in jüdischer, französischer und englischer Sprache erscheinen. (Ein Verbrechen der ukrainischen Regierung. Ermordung eines jüdischen Soldatenvorstehers in Kiew.) Das Jüdische Preßbureau in Stockholm meldet: Wir erfahren erst jetzt von ei» nem schrecklichen Vorfall, der sich in Kiew anfangs Februar ereignete. Nach Kiew wurde der erste Deputiertenkongrsß der jüdischen Heeresangehörigen Rußlands einberufen, der unter and«- rem zur Aufgabe halte, eine Soldatenorganisation für den jüdischen Selbstschutz zu schaffen. Zur Abhaltung des Kongresses in der Hauptstadt der Ukraine war die formelle Zustimmung der ukrainischen Zentvalrada eingeholt. Der Kongreß trat unglücklicherweise zu einem Zeu- Punkt zusammen, wo der Bürgerkrieg in derUkraine ausgebrochen war. Er war kaum eröffnet, als er durch einen Befehl des Militärkommandanten der Stadt Kiew aufgelöst wurde. Eine Aboridnun-g des Kongresses unter Führung seines Vorsitzenden Vogel begab sich hierauf zu dem Mitärkominandanten, um ihn über den Charakter des Kongresses aufzuklären und ihn dazu zu tötewegen, den Auflösungsbefehl zurückzuziehen. Allein der Kommandant ließ die Abordnung nicht zu Worte kommen, schimpfte auf die Juden los, die er sämtlich als Feinde der Unabhängigkeit der Ukraine bezeichnte. Vogel wurde hierauf verhaftet und abgefürt. An: folgenden Tag er« fuhr man, daß der Führer der jüdischen Soldaten auf Befehl des Kommandanten erschossen wurde. Die jüdischen Mitglieder der Rada, über diese Mordtat entsetzt, forderten in einer fofrtn• genden Anfrage an das Generalsekretariat Aufklärung über Las Geschehene. Das Generalsekre» tariat begnügte sich mit der Erwiderung, da« momentan die ganze Macht in Händen des Militärkommandanten ruhe. Als Protest verlaßen die jüdischen Mitglieder die Sitzung, und der Sekretär für jüdische Angelegenheiten, Silberfarb» legte fein Amt nieder.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.