Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIX (1918)
- Issue
- Heft 9-10 (3.5.1918)
- Date
- 1918-05-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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9-10.?:?*U 4 ״JKvischc Volksstimme" nannten Lehren des Krieges — bei Aufzählung der kirchlichen Behörden alle, auch Vie unbedeutendsten Konfessionen; kein Sterbenswörtchen scl)ein zu erwecken, als ob sie, welche ׳die jüdische Nationalität immer bis aufs Messer bekämpften, di-e Wahrung jüdischer Interessen übernehdeutet aber Vas Vorhandensein der israelitischen men wollten. Kultusgemeinden an. In der statistischen Uber-, Mögen sich aber die Zionisten aller Länder sicht, die jedem Kronlande vorangestellt ist, figu-s daran erinnern, daß er der ״Hilfsverein der ^eren wir — wie selbstverständlich — unter den» deutschen Juden" war mit seinen Führern Ja- Konfessionen, was schließlich bei dem langsamen 1״eS Simon und Dr. Paul Nathan, der den Zu- Denken des österreichischen Amtsschimmels nicht' sammenbruch des jüdischen Technikums in Haifa weiter zu verwundern wäre; aber hier, unter herbeiführte und unseren heiligen jüdischen Naden Konfessionen stehen wir hinter allen ande ren, auch wenn wir!der Zahl nach in dem betreffenden Kronlande an dritter oder gar zweiter Stelle zu finden, sein sollten. Und unter den Unterrichtsanalten wivd m-an vergebens z. B. «nach der Israelitisch-theologischen Lehranstalt suchen. Wo bleibt das Ehrgefühl unserer Großen, die solches hinnehmen, als müßte es so sein, und wo bleiben unsere Organisationen, die sich die Wahrung der staatsbürgerlichen Gleichberechtif mg der Juden zur Aufgabe machen, samt ihren erren Sekretären? Man unterschätze ja nicht die Bedeutung solcher ״Kleinigkeiten", sie sind bezeichnend für -den Geist, der im ganzen Staats- Wesen herrscht! tionalfonds als eine feindliche Institution denunzierte, damit er seine Forderungen nicht geltend machen könne. Und es sei daran erin» nert, daß die Verfolgungen unserer zionistischen Brüder in Palästina in den ersten Kriegsjiahren zum großen Teil auf das Schuldkonto der denunziatorischen Leistungen des Hilfsvereins und seiner Helfershelfer zu setzen sind. Welche Schmach aber, daß wir in den Reihen der neugeschäffenen Organisation auch die ״Zionistische Vereinigung für Deutschalnd" finden! Wie werden unsere deutschen Zionisten nunmehr noch den Mut finden, -gegen die volksverräteri sche jüdische Assimilation in Deutschland zu kämpfen, da ihre Führer mit den Großmogulen des deutschen Asfimilationsjudentum verbündet sind! Welche Erniedrigung für die Zionisten der ganzen Welt, ddß Herr Dr. Hantke, Mitglied des Engeren Aktionskomitees, den traurigen Mut In Wien, besteht ein »Verein der Sabbathfreunde — Schomre SchaLbos", der «das schöne Ziel verfolgt, der Erhaltung und Verbreitung ״_ __ _ der Sabbath-Heiligung dadurch zu dienen, daß! Pfunden hat, sich mit dieser Gesellschaft an einen er Stellen vermittelt, die Samstags geschlossen, Tisch zusammenzusetzen. Ehrenamtliche Gesinh. Er leistet in bescheidenem Umfange wohljschäftsfühver der genannten Organisation sind manches Gute, das aber noch lange nicht den be-^die Herren Dr. Arthur Hantke und Dr. Paul friedigen kann, der mit ganzem Herzen der Sa-. Nathan. Ein- Führer der zionistischen Weltovgache des Sabbath ergeben ist und ihn den Vielen nisation zusammen mit einem! Manne, dev Zeit ermöglichen möchte, die dieser Verein nicht mit seines Lebens jüdische Politik nur als ein Mittel Stellen versehen kann. Da fotte dieser Verein doch einte großzügige Propaganda unter den jüdischen Geschäftsinhabern unternehmen und dezur Förderung deutschpatriotischer Interessen betrieben hat, ein Mensch, dessen antijüdische Gesinnung sich 1913 offenbarte, als wir Zionineu, die keine Stelle finden können, die ihnen mit dem Hilfsverein der deutschen Juden im die Heiligung des Sabbath ermöglicht, Darlehen zur Gründung selbständiger Unternehmen. gewähren. Vor allem anderen aber dürfte dieser?Verein nicht auf so engherzigem Standpunkt stehen, denjenigen, die momentan, keinen anderen Auswog finden und bis sie Gelegenheit finden, Den Samstag zu feiern, um nur nicht zu verhungern, eine andere Stelle annehmen, den weiteren Nachweis zu versagen. Auf solche Weise wird denen, die danach streben, der Aufstieg zu ihrem Gotte unmöglich gewacht und wer einmal gefallen ist, dem ist es durch diese Praxis der ״Frankfurter" Orthodoxie verwert, sich wieder aufzurichten. Diese Sorte von Judentum, die allerdings vielleicht erst im übermenschlichen Kampfe gegen Assimilation, Abfall und Reform so verhärtete, sollte sich doch wieder einmal daran erinnlsrn, daß gottgefälliges Streben nicht von Menschen im Namen des Gottes verhindert werden darf, der groß ist nicht nur in seinen Geboten, sondern mehr noch im. Verzeihen . . . L. M. Die Erregung in der Schweiz. Ein Ausruf des zionistischen Vereines ״Theodor Herzl". Das Jüdische Korrespondenzbureau im Haag berichtet aus Zürich: Die zionistische Vereinigung ״ יTheodor Herzl" erläßt einen Aufruf gegen die V. I. O. D., dem folgende Stellen entnommen sind: ״Sie sollen wissen, diese deutsch-jüdische Notabeln, die sich hier zu alter, nichtbewährter Stadtlonimpolitik zusammengetan haben, sie sollen wissen, die Juden Deutschlands, daß bte Juden des Ostens, die Juden aller Welt, das ganze jüdische Volk seine Rechte selbst zu wahren wissen wird. Verschont uns — so rufen wir ihnen zu — mit Eurer alten Fürsorgepolitik, da Ihr nicht Mitarbeiter sein wollt am׳ Werke der nationalen Erneuerung unseres Volkes! Wir können es verstehen, daß der «Zentralverein deutscher Staatsbiirger jüdischen Glaubens". der ״Deutsch-Israelitische Gemeindebund", der ״Verband der deutschen Juden", die ״Vereinigung für das liberale Judentum m Deutschland", der ״Hilfsverein der deutschen Juden" und die übrigen jüdischen Hilfsorgunrsatümen das Bedürfnis empfunden haben, stch zusammenzuschließen, um wenigstens den Slnhcfticieit Kampf um unsere heilige hebräische Svroche lagen. Konnte Arthur Hantke nicht mehr Rücksicht nehmen auf seine Führerstellung innerhalb der zionistischen Weltorganisation? Auf seine Kollegenschaft mit Nähum Sokolow und des edlen Tschlenow, an dessen Bahre wir unlängst trauernd standen? Mit welch zorniger Gebärde hätte Theodor Herzels Seielengröße diese Sippschaft von sich abgeschüttelt. Mit der der Zionist Hantke nun einen schmachvollen Bund geschlossen. Und um welchen Preis? Die neue Organisation hat fünf Richtlinien aufgestellt für die Behandlung dev Judenfrage im Osten und dem ottomanischen Reiche. In den ersten drei dieser Richtlinien ist kein Wort gesagt von den nationalen Rechten der jüdischen Massen im Osten, nur mit alter assimilatorischer Feigheit spricht man von einem »Recht auf Pfle- -ge selbständiger jüdischer Kultur" in einer Zeit, da in der Ukvaina die jüdisch-mationale Autonomie bereits anerkannt ist. Der Artikel 4 und« 6 aber behandelt die Frage der Juden im nahen Osten. Was fordert Man da? ״Recht auf freie Einwanderung und Wirtschaftliche Betätigung in allen Teilen des ottomanischen Reiches". Muß man das von einem zivilisierten Staate erst fordern׳? In Bezug auf Palästina aber verlangt man ״Recht auf freie Niederlassung und Pflege selbständiger jüdischer Kultur m Palästina". Vom Stairdjpunkt der Assimilativnsjuden ist diese Forderung gewiß ein Fortschritt. Was aber haben wir, die wir ein jüidifch-Mationales Palästina, eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte verlangen, mit dieser Bettelei zu tun? Wie kommt die ״Jüdische Rundschau", das Organ dar deutschen Zionisten dazu, dieses Postulat,!das tief unter den edlen Zielen dev Chowewe Zion steht, als ״ein. Minimalprogramm der Zionisten für Deutschland" zu bezeichnen, 1a ausdrücklich auszuführen, «daß diese Richild men em vom zionistischen Standpunkt annehm׳ bares Mindestpvogramm darstellen?" Wir haben kein Mindestprogvqmw, Ihr deutsche Zionisten! Wir haben einzig und allem das Basler Programm, das die Schaffung em«r öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für dajüdische Volk in Palästina fordert. י Daran, Ihr zionistischen Bruder in Deutschland. habt Ihr Euch zu halten. Warum duldet Ihr den Verrat an unseren heiligen Grunde sätzen durch Eure Führer? Euer offizielles Organ erzählt davon-, ,daß es ״manche Stimmen gab, welche es für bedenklich hielten, wenn di« zionistische Veveinligung für Deutschland in eine Gesamtorganisation mit nichtzionistischen Grup- Pen emtritt". Warum werden diese Stimmen, Zionisten in Deutschland, nicht zr-m, zornigen Orkan, der die hvnwegfegt von den leitenden Stellen, die Euch und uns verraten? Dann Verrat ist es an ׳der zionistischen Gesamtorganisation, wenn auch nur eine einzige Gruppe das Basler Programm aufgibt. Wenn die deutschen Zionisten sich mit so bettelhaften Forderungen zufrieden geben, sie als rin ״Mindtzstprogramm" bezeichnen, werden dann nicht beim Friedenskongreß, wo unsere nationalen Forderungen in aller Reinheit vertreten werden müssen, die Feinde der jüdischen Nation, die Amalekiter, darauf Hinweisen, daß' ja ein, groher und wichtiger Teil der Zionisten das Postulat der deutsch-jüdischen Assimilation als ״annehmbares Mindestprogvamm" bezeichnet habe? Wir rufen Euch auf, Zionisten, dagegen Stellung zu nehmen,!daß man wagt, am Vorabend der Gründung des jüdischen Gemeiinwesens unser hohes Ziel durch ein schmähliches Bündnis mit der Assimilation zu entwürdigen und zu gefährden. Wahrlich, wir haben jmvhr erwartet von Bürgermut unserer Gesinnungsgenoffen in Deutschland. Wir haben auch mehr gehofft von dem Wirken eines Dr. Hantke, auf dem noch das Heldenauge Theodor Herzels ruhte. Als unser großer Führer uns nach Uganoa führen Wollte, da standen wir auf, fragten nicht, ob wir das Leben dieses großen Mannes gefährdeten, und kämpften, bis der Weg nach Palästina wieder frei lag, Was aber heute das Mitglied d>eS Engeren Aktionskomitees Dr. Hantke wagt, das ist schlimmer als Uganoa. Das ist der Weg in die Knechtschaft, nach Mtzrajim. Wer heute weniger fordert als die Schaffung einer nationalen Heimstätte für das jüdische, Volk in Palästina, der tilgt sich selbst aus den Reihen der Zionisten. Wir rufen Euch auf zum Kampfe gegen alle, die es nicht wagen, von den Rechten der jüdischen Nation zu sprechen, welche die Forderun» gen unseres Volkes mit allerhand schönen Worten umschreiben und in knechtischer Feigheit zittern vor unserem Verlangen: ״Ein freies Jüdisches Volk — im freie« Erez Israel". Bei Beendigung der Krystallographie. Aus Ler Zeitschrift ״BeH-El". 2. Band. 3. Heft. Von Ignaz Reich. 1. Mannigfaltige Gestalten Sieht man die Natur entfalten'. Unergründlich ist die Kraft, Die so hohe Wunder schafft. 2. Wunder, die wir täglich scheu, Doch so Viele nicht verstehen. Und die Regeln in der Form, Und die festgesetzte Norm. B. Schon dex Blätter grün Geäder, Und des Vogels bunte Feder, Und des Schmetterlings Gewand Zeigt der! Allmacht weise Hand. 4. Doch weit mehr als diese Alle Noch besitzen die Krhstalle, Regelrechte Formgestalt Mathematischen Gehalt. 5. In des ׳Eises Nadelspitzen, In des Diamanten Ritzen, In des Schnees Sternenflaum In -des Quarzes scharfen Saum; 6. In des Spathes Rand und Zacken In der Berge hohem Nacken In dev Höhlen tiefen Schacht, Wo man Edelsteine Macht.