Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIX (1918)
- Issue
- Heft 9-10 (3.5.1918)
- Date
- 1918-05-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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«»Attisch» Nr. S 10. : 7 )-k r. . .. .. Korrespondenzen. " Wien. Der Triesck«er Oberrabbiner Dv. H. Chajer wurde zum Nachfoger des Obsrvabbiner Dr, N. Güdsmann gewählt. Wien. (E r n e n n'u n g.) Der Minister für Kultus und Unterricht hat Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Julius Max B a ch den Titel eines Professors verliehen. י Wien. Dienstag, den 30. April, fand» in Brünn die Trauung des Frls^Jennh Suback mit Herrn Ernst Vogel statt. Unsere besten Glückwünsche. — Die Redaktion. (Sekretär Dr. Adler.) Der Sekretär der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Dr. Emil Adler wurde als Nachfolger des im Herbst 1917 verstorbenen Kaiserlichen Rates Dr. Theodor Lieben zum Ersten Sekretär der Kutusgerneinde ernannt. Wien. (Oberkantor I. Bauer.) Das 50jähr. Berufsjubiläum des Oberkantors Jakob Bauer wurde am 20. April gefeiert. Während! des Gottesdienstes im türkischen Tamipel trug Kantor und Chordirigent Löwit eine von ihm komponierte Festhymne vor. Vorsteher Dr. Halfon Hielt eine Ansprache. Die Festrede hielt Chacham Ovadja. In der Wohnung fanden sich fast alle Kantoren unter Führung der Oberkantoren Don Fuchs und Morgenstern ein. Es wurde oitne ״Ja tob Bauer'Stiftung" für Kriegswaisen nach Be rufskollegen errichtet. Ferner gratuliertender Bezirksvorstand, »der Vorstand der türkisch sephardischen Gemeinde u. v. a. werden. Wie schon erwähnt, hat Meiersohn! besondere Leistungen in seiner דרשה gezeigt, ganz besonders aber in dem Teile der Halacha. Wolf Rapaport'Przemysl. Berlin. (Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums) versendet ihren 13. Jahresbericht. Aus diesem ist besonders eine Tatsache hervorzuheben: sie hat, mitten in den Kriegswirren, im letzten Jahre die beiden ersten Bände ihrer großen wissenschaftlichen Unternehmungen herausgegsben, nämlich den ״S i f r e", eines derjenigen Schriftwerke, welche der ältesten nachbiblischen Periode angehören, sowie den ersten Halbband der ״G e r m a ni a I n d a iintimer Freundschaft. Dies hinderte jedoch den Rabbiner Dr. Kaufmann nicht, Dr. Spevec anläßlich seiner Kandidatur zu interpellieren, wie es komme und wie es zu rechtfertigen sei, daß die Nationalpartei des kroatischen Landtages, welche einen Bestandteil der liberalen Partei des ungarischen Reichstages bildete und die sögenannte Regierungsmajovität des kroatischen Landtages war, im Jahre 1906 eine Gesetzes- Vorlage angenommen hat, in der artikuliert wird, daß man »von der christlichen Religion zu einer nichtchristlichen Religion nicht übertreten darf" (nesmije se prelazuti od krsoanske vjore da nekrscanske vjer)? Prof. Dr. Spevec wies dam,als nach, daß im Jahre 1906 die Verhältnisse im kroatischen Landtage solche Waren, daß man Men. 2tm שבת הגדול d. I. hielt Meier Meiersohn, Rabbiner der polnischen Gemeinde hier eine längere דרשה die vom halachischen Standpunkte bedeutend vom agadistischen ein Meisterstück ostjüdischer!Homiletik repräsentierte. Charakteristisch ist aber lderjeni!ge Teil der Predigt, der die Propagierung der zionistischen Idee zur Ausgabe -hatte. Nach alter Derascha-Methode, durch den Wirbel stundenlanger heftiger halachistischer Diskusionskämpfe sich durcharbeitend und von diesen ausgehend, gelangte Meiersohn in das Gebiet der agad.-Philos. Welt. Halacha und Agada gingen a»lso Lei ihm »in kunstfertiger Weise ineinander über und bildeten Glieder einer Kette. Die ganze דדשה bildete eigentlich einen einzigen Gedankengcmg, indem er seine jüd.-philos. Weltanschauung enthüllte. Die Apotheose des Ganzen bildete endlich seine Stellungsnahme zum Problem! der גאולה!für die er — fußend auf Talmud und Midrasch — drei Hauptbedingungen voraussetzte, nämlich תורה" א״י׳ אהרות Palästina, Tora (jüd. Kultur) und Einigkeit; Faktoren, die ihm zufolge anein ander gekettet unzertrennlich und unlösbar sind. Er erinnerte an die herrlichen Mechilta*): ״Was versteht man unter dem Verse »und ich ging an Dir vorüber und habe Dichangesehen! und siehe, es kam Deine Zeit, die Zeit!der Liebe usw." (Ez. XVI-8). Dieses bedeutet es kam die Zeit heran, die Gott dem Erzvater Abraham verheißen, die Zeit in der er seinen Nachkomnuen der Erlösung zuführen wird". Rabb. Meiersohn meint der Prophet Ezechiel hat vielleicht auf unsere ״große Zeit" hingezielt und daß jetzt womöglich die Epoche!der Erlösung horangebrochen sei. Er führte in althergebrachter Weise die dAsbezüglichen Stellen von: Sohar und anderen׳ ca". Die ״Germania Judaica" hat die Aufgabe, in dieser Hinsicht dem reaktionären Drucke alle Landschaften und Orte des Deutschen Rei-. nachgeben mußte. Er versprach jedoch seinen, ches, in welchen von den ältesten Zeiten bis zu ganzen Einfluß dahin geltend zu machen, daß den Wiener Verträgen jüdische Ansiedlungen bedurch eine fortschrittliche Gesetzesvorlage, die standen oder hervorragende Juden gelebt haben, dem kroatischen Landtage unterbreitet und dezu verzeichnen und deren ,Geschichte, und Leistun-I ren Annahme gesichert werden soll, der reaktiogen auf Grund, der Quellen in gemeinverständlinäre Passus aus dem Gesetze vom Jahre 1906cher Sprache und einer auch den Nichtfachmann hinwegsfallen werde. Prof. Dr. Spevec war ein» fesselnden Form darzustellen. Der Plan zu die-. Rechtsgelehrter von internationaler Bedeutung., soin Werke, zu dessen Bearbeitung die Gesellschaft 'In seinem Werke ״Zenitbeno imovensko pravo"' die hervorragendsten Forscher auf dem Gebiete! (Ehvenvermögensrecht), das Schreiber dieser der Geschichte der deutschen Juden hepanzog,' Zeilen seinerzeit in der ״Berliner Allgeimi. Zeiwurde unmittelbar nach der Begründung der! tung" des Judentums gewürdigt hat, beurteilte,. Gesellschaft gefaßt. Die ersten Proboartikel er-' er das jüd. Eherecht sehr günstig, folgte immer, schienen 1909 in der Monatsschrift für Geschichte den Spuren Dr. Duschaks, den öfters zitiert, und Wissenschaft des Judentums und fanden:Sehr viele Juden hat er durch seinen Einfluß den ungeteilten Beifall sowohl der Fachgelehr-!'zu einer Eristenz verholfen und auherdenr verten als auch des wissenschaftlich interessierten! anlaßt, daß antisemitische Hetzen nicht unbestraft Publikums. Gelegentlich der glanzvollen La-: bleiben. In Gesellschaft war er geradezu reizend, gung der Gesellschaft zu Frankfurt a. M., die' seiner zahlreichen Jüngerschaar an der Franz dem Ausbruch des Weltkrieges fast unmittelbar Josefuniversität zu Zagveb war er wie ein Va- Vorangig, konnten die Herausgeber bereits eine ter. Als Politiker hat er selbstverständlich Geggrößere Anzahl von ,Druckbogen vorlegen. Dann ner gehabt, nie aber als Mensch und Lehrer dev brach der Krieg aus und der Druck des Werkes kroatischen Universitätsjugend. Prof. Dr. Spegeriet ins Stocken. Um so größer ist die Genug-'vec war einer der wahrenChasside Umoschaolom.. mung des Vorstandes der Gesellschaft, daß er im Ehre seinem Andenken! Pretium. Jahre 1917 dennoch den ersten Halbband der ״Germania Judaica" der Öffentlichkeit übergeden konnte. Er ist dem Andenken Martin Py:- lippsons gewidmet, des verdienten ersten Vorsitzenden der Gesellschaft, der sie seit ihrer Begründung bis zu seinem Lode geleitet und insbesondere sich nm. das Werk, das nun sein Andenken ehrt, verdient gemacht Hai. Auch in anderer Weise noch ist sein Name mit der Gesellschüft dauernd verknüpft worden. Die Gesellschaft selbst hat ihn in ihrer Mitgli!Lderversamm Die national-kulturelle Autonomie. (Vortrag von E. Sprache) rung der wissenschaftlichen Lahlimdforschung, so daß die Gesellschaft mit Ende des Berichtsjahres vier besondere Stiftungen ihr eigen nannte. Zu diesen tritt die ״Ludwig Phiiippson-Gedächtnis-Stiftung, die uirter der Verwaltung der Gesellschaft steht, welche alljährlich ihre Zinsen jüdischen Lehrern mW Jugendvereinen zur Anschaffung guter, gediegener Werte über Juden und Judentum zur Verfügung stellt. Die Mit gliederzahl der Gesellschaft hat zwar einen ge ringen Verlust aufzuweisen, doch steht diesen: ein Gewinn ׳an Immerwährenden Mitgliedern gegenüber, der im neuen Geschäftsjahre infolge der Wiederaufnahme der Werbetätigkeit noch wachsen wird. Für alles weitere sei auf den Bericht selbst verwiesen, der von Herrn Syndi kabalistischen W»erken in Erinnerung und weint,! Dr. Nathan, Hamburg, Wevderstraße 30, daß das V-lkerrinaen fast ähnlich Ware ^enl-s zu beziehen ist. den verkündeten vormeß. Kämpfen» 1 י " Schließlich arbeitet sich Meiersohn durch den Nebel kabalistischer Allegorien und agpid. Vorstellungen, die um die גאולה spielen erans und es kvistalisierten sich diesbezügliche reale Gedanken und Anschauungen. Endlich meint er, ist die Zeit gekommen, wo die nationale Renaissance und der Wiederaufbau Palästmas vont Gesamtjudentume, also auch von den Thoratreuen gefördert werden müßte. Er kehrt wieder zurück zu den Kardinalbedingungen der גאולה und sagt mit Nachdruck, -daß die eine an die andere gebunden sei. Gesetzestreue kann ohne das verheißene Land nicht sein und dieses kann nur durch Einigkeit des Volkes zurückgewonnen Heute ein so aktueller Begriff, daß man ihn׳. .^ . , - , _ - ... , bereits von den Spatzen pfeifen hört. Nicht nur lung am 27. Dezember 191b zum Jmmerwcchkei unä Juden, die wir doch zum Raisonnieren renben Ehrenmtiglred ernannt, und ferne Gattu:!.^ fähigsten sind; bei allen kriegführenden und hat zu seinen Ehren der Gesellschaft e-men Be-! ^traten Völkern, bei denen, die jetzt nach dem, trag überwiesen, m:t der ste eine ,Maxim PH:-! ^ngen, eingehüllten politischen Schlafe sich ihrer lippjon-Stistung" begründet hat. Eme weiteres Lebendigkeit und ihrer Lebensbedürfnisse be-- Stiftung begründete bei der Gesellschaft Herr L. wurden, wird dieser Begriff in die Kreuz. Bloch-Breslau zu Ehren seines verstorbenen! Quer zerfasert und zerlegt, aber die Auer- Vaters, die ״David Bloch-Süftung" zur Forde-^ Innung von den MachthÄern aufs energischste ~ " wr”'r’'f 'י gefordert. Bei uns Juden ist das aber etwas ganz anderes. Mir kennen sie wohl auch, diese schönklingenden Worte (was bleibt denn pns re verborgen?), wir bekritteln und beschnüffeln sie auch, den erstens gehört es ja zur Mode (darin den anderen nachsrehen, welch schrecklicher Geda>n,ke!) und zweitens, wozu sind wir seit jeher das Volk des Disputierens, wenn wir!nicht den anderen auf Spitzfindigkeit, den Begriffen neue Begriffe hmzuzuführen, zuvorkommen sollten?!! Aber eine bekannte Tatsache ist es: ״Wieviel! Juden, soviel Meinungen". Also auch hier. Die einen, die Geistreichen, die Weisen, sagen: ״National-kulturelle Autonomie? Ist ja gar nicht nötig! Wir negieren doch den Golus, wir haben, doch mit ihm nichts zu schassen! Mit einer verächtlichen Gebärde, die ein Gieb auf die ״Golusisten" bedeutet (weil man auch im Golus natiouale Rechte fordert!) wird die Sache abgetan. Daun kommen die anderen, die schon gar KlirgenL »Rechte fordern? Wozu? Haben wir nicht das reine Paradies auf Erden? Steht es nicht gut ums polnische, deutsche Volk usw.? Wir als Ur׳ polen und Urgermanen sind ja glücklich, einerseits die Auferstehung des neuen polnischen Reiches, andererseits die gewaltigen Chancen« die das deutsche Volk -hat, mitzuerleben". Die ersten, die Weisen, Geistreichen, merken nicht, das all ihre Hoffnungen, das jüdische Volk auf einen grünen Zweig zu bringen, mit der Zeugung -des Golus, das gerade so ist, wn wenn :ch mich blind stellte und so verhindern wollte, von Zagreb. Im vorigen Monat ist hier das ge chesene Mitglied des kroatischen Landtages und des ungarischen Reichstages, Universitätsprofessor Dr. Fvanjo Josip Spevec, 65 Jahre alt, gestorben. Er war der Sohn eines begüterten Bauern in. einem Zagorijcmischen Dorfe, hat an der Wiener Universität ״sub auspicis ,imperatoris" promoviert und wurde in der Folge einer der größten Judenfreunde in Kroatien, die er im Landtag gegen antisemitische Verleumdun- Zen stets in Schutz nahm. Er war Jahre hindurck Abgeordneter des Wahlbezirkes Virovitica u:rd Vizepräsident des kroatischen Landtages. Mit dem Viroviticaer Rabbiner verbanden ihn Bande anderen gesehen zu werden, in sich selbst den