Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIX (1918)
- Issue
- Heft 9-10 (3.5.1918)
- Date
- 1918-05-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 3, ״Mdische Bslk»sti««e" Nr. 9*10 U.L Sä &ÄÄ<mf der Straße t>iett haben und daß mcm ״uns" oben kennt. Nur so kann mansich den Gedankengang unserer großen Politiker vorstellen. Eine devartige Prinzipienlosigkeit und Unfähigkeit ist besonders bei einer jungen Partei im politischen Leben bisher unbekannt. A. D. Der Judenpogrom in Krakau. anwesenden Soldaten beteiligten sich recht eifrig an den Schlägereien und Plünderungen, übera l l aber waren Legionäre, Eisenbahner und Staatsbedienstete die Tonangebenden und Füh renden. In größter Seelenruhe schaute die Staatspolizei zu wie man die Straßenbahn anhielt und mit Hilfe!der Schaffner und Schaffnerinnen die Juden von dort herausholte um sie bestenfalls mit blutigen Köpfen davonkommen zu lassen. Dagegen sorgte die Wache für gute Laune, munterte die plündernde Menge durch Zurufe auf, ja vor einem ausgeplünderten Geschäfte war eine volle Kiste liegen geblieben, über die zwei Plünderer im Zweifel waren, ob sie den Wert habe fortgeschafft zu werden, ein dabeiste- Dienstag, den 16. April l. I. ist es in Krakau zu einem regelrechten Pogrom gekommen, der bis zum Eingreifen der Militärbehörden, d. i. bis Donnerstag den 18., angedauert hat. Das statistische Resultat des dreitätigen Po- Moms ist geringfügig: 1 Toter, ungefähr 50 Verwundete, einige zehndlinge ausgeplünderter und ausgeraubter jüdischer Geschäfts. Verhältnismäßig geringfügig, kaum der Rede wert! Umso weniger als die polnische Öffentlichkeit (zu der doch in erster Reihe!die Kvakauer israelitische Kultusgemeinde Mit ihrem Präsidenten Dr. Tililes immer zählt) nur von ״Hungerkrawallen" spricht und die polnischen Behörden nur von Schlägereien weiß, die von einer jüdischen Ge-i 1״n.. Heimorgan,isativn ״Selbstschutz" provoziert wur- Stadtviertels auf. Den ganzen Nach^ den. Rach dieser -Selbstschutz" wird mit |w%i* 'unW>,nÄ'TJ^1mb. dauerten d« licher Gewissenhaftigkeit gefahndet und ,,Juden-!'s'^^rungen und Judenschlagereien an. Auch jungen", dis sich durch das Tragen von Spazier-!"'" etmw andestocken verdächtig gemacht Huben, find bereits in'^" plündernde Menge auf, ohne daß polizeilicher Gewahrsam. Hoffentlich gelingt es?£n.A 8‘!!ב• S" S«herh-1tsb-h°rde emgeder bekannten Geschicklichkeit der Krakauer Po- Diovan der Arbeiter- und swlizei die gefährliche und verbrecherische ״Selbst- Punschen Jugend lmprovtsterte ״Selbstschutz schütz" auszubeben. * Ictftetc m der Abwehr tuchtigo Arbeit. Freilich * * * | hatte sie nicht nur die bewaffneten Plünderer Seit Wochen hat die Krakauer Bevölkerung auch die Polizei, die hier nicht mehr ihre Brotration bekommen. Statt de- ^erJe1^e*e und überall, wo drei,;udiren werden die von Polen (Okkupation) einge- >we äugend sich zu verteidigen versuchte, war ste führten Lebensmittel auf vier vom Magistrate J1 ^'0־!Pt kU'Zucktem Schwerte dabei. Dertnoch gebestimmten Plätzen frei feilgeboten. Auf einem'^^6.es der wackeren fügend an diesem! Tage dieser Plätze (in der Nähe des Bahnhofes) ist den PlunderungKversuchw rasch Emhalt zu geam Dienstag zu einem organisierten An- ^^en, obwohl sie zedesmial von Neuem und an griffe auf die Juden gekommen, die sich dort Ein Toter — fast möchte man fragen ist das alles? Eines toten Juden wegen macht man ein derartiges Aufsehen, schlägt man einen derart^ gen Lärm in der Öffentlichkeit, hört man aus der israelitischen Kultusgemeinde von und zu Krakau und von ihrem hohen Herrn, Präsidenten Dr. Tilles. Überhaupt spielt sie in dieser. ״Affäre" mit ihrem netten Herrn Präsidenten eine fonderbare Rolle. Wenige Tage vor dem Pogrome hat sie durch ein Korrespondenzbuveau me Tatfache dementieren lassen, daß es M Galizien eine judenfsindliche Bewegung gähe. Dienstag nachts versuchte sie das Pogromopfer aus dem Hotel ״Rappaport", wohin man den Sterbenden gebracht hatte, in aller Stille zu entführen, um es heimlich zu ״verscharren". Die Jugend mußte hender Wachmann aufgefovdert: ״Dem Juden seine Ehrenwache von bald 100 Mann aufstellen, Alles weg zu nehmen." (Zabieraicze wschistko ייי׳*י־י*י +יייי — Zhdawy.) Zwei andere Hüter der Ordnung, die lachend der plündernden Menge Ermunterungen zuriefen, wurden von einem, jüdischen Oberleutnant verhaftet und abgeführt. Von den aus den Straßenbahnwagen herausgezerrten jüdischen Fahrgästen wurden ein öljähriger Jude laus Stryj (Pethachja Meller) derart verprügelt, daß er nach einer Stunde verschied. Um die ersten Nachmittagsstunden hatte sich die jüdische Ingeud gesammelt und nahm die Verteidigung des mit den unentbehrlichen Lebensmitteln versehen Wollten. Während eines Zwistes zwischen einem Juden und einer Polnischen Verkäuferin, tauchte plötzlich eine Menge Legionäre, Eisenbahner. anderer Stelle unternommen wurden. Mittwoch abends zeigten sich endlich Mili tärpatrauillen, die ׳endlich am Donnerstag die letzten Pli'mderungsunternehmen im Keime erstickten. Dis einschreitenden Militärabteilungen Ünterbeamten und Studenten ,auf, die sich mit׳ sahen sich mehrmals gezwungen von der Schuß- Stöcken und Waffen auf die Juden warfen und! Waffe Gebrauch zu machen, wobei ein polnisches sie nach allen Regelnder Totschlägerkunst ver- Schulkind einer Kugel zum Opfer fiel. prügelten. Die Menge wuchs in die Tausende und im selben Momente begann man auch auf den anderen Verkaufsplätzen sowie in der inneren Stadt Juden zu schlagen und die jüdischen _ . . w Geschäfte zu plündern. In den von Juden schwach - geringe Zahl verhafteter Mitglieder bewohnten Straßen wurden die vereinzelten! jü-!schutz"und unendlicher Trauer um dischen Geschäfte (Galanterie-, Schah- und Eisenbeherrschen noch heute das Krakauer Geschäfte gänzlich ausgeraubt, wobei die an diese viertel, angrenzenden nichtjüdischen Geschäfte gütlich! _*_* _ Donnerstag nachmittags war die Ruhe wieder hergestellt. Angst und Schrecken, eine Unzahl blutiger Köpfe, zerrißener Kleider, ausgeraubter Greißlereien, eingeschlagener Scheiben, eine nicht 1 geringe Zahl verhafteter Mitglieder des ״Selbst-' schütz "und unendlicher Trauer um den Toten Judenlostgkeit: ״Denn wer sonst sündigt, wenn nicht, Anschauung dos Volkes nach, -er afcet sagt sich die Seele?" meint der Nebbe in «Lo Sachmod".j davon los und geht willig zur Hölle: dort gibt And sind die Seelen in ״Gesenkte Augen" nicht! es weiter zu tun, wodurch sich weiter zu heiligen: der Hauptbestandteil ihres Vorhandenseins? Die! Leidende, Verfehmte und Büster. Wird ein ar- Menschen sehen nur die Oberfläche und betrach-! mer Volksjud von dem geliebtesten Volkshelden, ten die eine Tochter, die stille, die keinem ihr j Eiahn hanawi mit ״sieben guten Jahren" ge- Herz aufdeckt, das ihr Aufgetvagene hütet und!segnet, so trifft Eliahu nachher den Mann noch befolgt, als eine Fromme; die andere aber, die.- immer ohne Vermögen: da ihn Gott ׳aufgerichtet in die Hände des ״Poriz"(-Herrn) gerät und ge-i hat, so ist er doch nur Gottes guter Diener und nötigt wird, zu sündigen, Die aber ihre Gedanken! Gesandte und teilte mit allen Dürftigen. Gibt und Absichten rein erhält, wird verstoßen. ״Die! es irgendwo noch ein größeres Glück? Menschen sehen scheinbar gar nicht, wie es imj Denn nur einen Kern gibt es, der Gefühl Innern aussieht". Im Himmel aber werdem glücklichen Gelingens und verständiges Leben die Seelen erkannt.!bringt: das ist ein gefestigtes ganzes Innere, Und das bloße Thoralevnen hilft da noch ein stürmischer Drang, der dich verschlingt und nicht. Ein Herz muß man haben, das in sich,dich stets in! den Lüften der Sehnsucht nach diese Heiligkeit trägt, und das sich vor allem im! ״Tifeireth" (chassidisch: göttliche Schönheit) her- Leben mit seinem Nächsten zu zeigen hat. Das! umträgt. Die innere Kraft, die Idee in Mark «Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" wurzelt! und Bein übergehen zu lassen! ״Lieben sollst du eben im Volke selbst tief, so daß es sich auch bei - deinen Gott mit deinem ganzen Herzen und mit rt t V» rt׳V* CSÜsAoXa^ Art OlrtlnHöT die mit ihren Fäusten die Sendlinge der hohen Herren abwehvten, um ihm wenigstens ein würdiges Leichenbegängnis und ehrenhaftes Geleite geben zu können. Auch am zweiten Tage der» suchte die löbliche Kultusgemeinde den Toten heimlich zu bestatten. Die jüdische Bevölkerung veranstaltete eine Riesendemonstration vor dem Hotel ״Rappoport", hielten zwei Vertreter der Arbeiterschaft ״Jugend", ״Poaleziom", Vertre- Ler der studierenden Jugend, sowie Mehrere Vertreter der Bürgerschaft zündende Ansprachen, die auch das Vorgehen des Kultuspräsidenten entsprechend würdigten. Am Leichenbegängnisse hat wiederum die ganze jüdische Bevölkerung Krakaus tsilgenommen. Nachdem die Nachrichten von diesen Ereignissen Dank der Wiener Zensur in die Öffentlichkeit gedrungen waren, telegraphierte die Krakauer Israeliten,ameinde in alle Welt hinaus, in Krakau wäre nichts vorgefallen, zufällig wäre ein fremder Jude in der Elektrischen zusammengebrochen und verschieden. Soweit die patentierten Vertreter der Judcnichaft. י B א LZM Hungerkrawalle oder Judenpogrom? Als wenn eines das andere ausschließe. In ganz Galizien wird dis Unzufriedenheit der systematisch auf die Judenheit des Landes abgelenkt. Die polnische 'Öffentlichkeit und die Polnische Presse führen, unterstützt von den polnischen Behörden bei jeder Gelegenheit eine systematische Hetze gegen die Juden. Jede Gelegenheit wstä» benützt, um die Bevölkerung darauf zu bringen, daß eigentlich an allem Unglück in der Welt die Juden die Schuld trugen. Daß die Bevölkerung der meisten galizischen Städte feit Monaten nicht einmal die Hälfte des vorgeschriebenen Brotquantums bekommen, ist selbstverständlich Schuld der Juden. An der Teuerung tragen doch nur die Juden Schuld. In ihnen ist auch der Grund aller Unzufriedenheit und Gärungen im Lande zu suchen. Und als Beweis für all das wurden überall täglich Razzias auf Juden gemacht?Starke Aufgebote von Gendärmen und dem vorzeitigen, traditionell-beschränkten Volksjuden nichtdestoweniger gleich dem rituellen göttlichen Dienste behaupten kann. Da liegen zwei Menschen in den letzten Zuckungen. Des eineu Gebete verursachen alltäglich ein Rauschen im Himmel, der andere verfehlte manches deiner ganzen Seele", wird die richtige Formel für dieses Volksidsal im Perezschen Schatz sein. Nicht etwa Schulchon-Aruch-Zwang, nicht die Peitsche von «lo Taare", nur emporwollende Herzenssehnsucht, innerlichster grund - tiefer Glaube und Liebe zur erwählten, hohen Idee, Aberü»gebet, sündigte gegen den Ritus. Meinl Selbstbefriedigung durch das Dienen zu ihr. den ersten kann der Engel nicht ins Paradies! ״Gott braucht unsere guten Taten nicht für sich", Die Freude, dem Ideal mit der ganzen Seele anzugehören, ist dem Volksjuden das Geheimnis belohnten Glückes. Und es tut dem keinen Abbruch, was das Glaubensobjekt dabei ist. Eins bluttriefende Nadel aus dam» Leibe eines jüd. gepeinigten Mädchens, eine mit Blut!eines gefolterten Juden bespritzte ״Jarmelke" (Kopf- Haube), ein verblutetes Stäubchen vom Haufen Erez-Jsrael-Erde, -- diles symbolisiert die Identität ׳des Märtyrers mit dem Volke und fein Zugehören zur Heiligkeit Gottes und dies sind für den Himmel erhabenste Geschenke! Die -einfache Melodie des ״amhcvarazischen" (ignoranten) Fischers Satie, der nicht einmal weiß, was Jom-Kipur ist, der aber ein Weib, Kinderchen und — ״einen Vater im Himmel" besitzt, zeigt doch ״Wunder auf dem Meere". Und soll es auch Sünde sein, wenn es nur vollständig, radikal und ganz getan ist. ״Nur nicht — Nichts!", jäm* mert die Seele, die zum Unstetsein verurteilt ist (erste Geschichte): »bester die schlimmsten Qualen der Hölle, nur nicht zwischen beiden Welten!" Denn Mittelmäßigkeit ist dem wahren Glücke konträr, und ״du sollst lieben mit!deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Herzen", das allein ist ja -das Glücksideal des Volkes. Haumionie, Ganzes, mit der Heiligkeit zusammengegossen —und gezogen! ״Heilig sollt ihr sein, weit führen: unter seinem Bette liegt geraubtes Geld,'heißt es meiner der ״GeschiDen"^: trnd^belohntJ sth, buer^Gott ^v^heilig"^Da^^^r