Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIX (1918)
- Issue
- Heft 9-10 (3.5.1918)
- Date
- 1918-05-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nnnrmer 910־ Jatzrg. XiX. MMmrn. «»-»,»preise: Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig 20׳7 Kronen . ganzjährig. Deutschland, ganzjährig. Rußland, ganzjährig ...... BaÜan, Frankreich....... > . Kronen 14 — —׳12 Mark . —׳6 Rubel . —׳14 «Frank . \ Redaktion: Wien VIII. Lerchengaffe 6 a. »׳ Redaktion und Administration: Brürm, Adlergosie k Buchhändlerische Vertretung: Ott» Kl,««, Inserate: die 6-spaltige Petitzeile 60 b. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht -,mo riert. — Manuskripten ist Rückporto beizufii-en. Wien—Brünn. 3. Mal 1918. 20. Ijar 5678. Prag—Lemberg. we Primlpienloügkeit oder PolilisEei^t. Also fordern wir die Anerkennung und N ait O ” I damit die anspruchsvolle Menge, die Gegner UU|Ul|lglCU f .svonund Links zufrieden zu seien", derdes v Kschlanö7rch etwas, das recht unerständlich Einzelne Episoden sind oft für eine Bews * ‘ ‘ 7׳^.,Recht auf freies Bekenntnis gung kennzeichnend irnd charakteristisch. ׳ ׳ ׳ ־" י י-י-A- Zwei Episoden aus jüngster Zeit sind fw die Weitsichtigkeit und Tatkraft der zionistislher Politik kennzeichnend. In Stryj, während des Pogroms organisieren die ״Poale Zion" eine Selbstwehr, die Zionisten lehnen eine Beteili gung ab, da eine derartige Organisation iin gar keiner Beziehung zur Palästinaarbeit gebracht werden kann. Zionistische Führer halten in Kra kau eine Besprechüng ab, den jüdischen Kongroß betreffend. Es wird die Frage galizischbukowinaer oder österreichischer Judenkongreß erörtert und dabei gibt folgendes Argument für den allgemein-österreichischen den Ausschag: »An weil könnte denn ein galizisch-jüdischer Kongreß sein Huldigungstelegvamm abschicken? Allein an den Kaiser würde vom! den Polen als Austrophilie vermerkt werden und könnte dainn bei einer etwaigen Sonderstellung Galiziens oder gar etwaigem Anschluß an Polen von bösen Folgen sei׳m Eine Kundgebung für die Selbst׳ ständigkeit Polens und eine Huldigung an den polnischen Regentschastsrat aber würde in Wien und bei den Ukrainern mißbilligt werden." Ungefähr aus demselben Geiste dürfte die Denkschrift entstanden sein, die die Herren Dr. Straucher, Stand und Stricker im Namen der ״national"-organisierten Judenschaft dem Mi nistevpräsidenten überreicht haben. Wir sind doch einmal schon Mitten drin, haben doch schon einmal mit der Politik begonnen und von ״draußen" her drängt man, daß wir was ״tun", also fordern wir! Aber was? Anerkennung der jüdischen Nation, gut, daß schadet doch Niemandem und bringt auch nicht, wenn man aus der Anerkennuug nicht die entsprechenden Folgerungen mm »i*j . tcn wurden Bekenntnis Nationen. v - ^'itamacrr U1J~ rÖOfn1 97,v0niequenzen es jcm jl»u, ist ג>נ Nebensuche. Doch, wir verlangen auch «das Recht der Juden auf ihre Schule, auf Erziehung ihrer Kinder im jüdischen Geiste". Da denke sich je der, was er will. Irdische Schule, hebräische, isra elitisch^deutsche und ׳miosaisch-polnische, all das ist ja ״ihre" Schule. Wozu da Kopfzerbrechen? Ferner verlangt die ״national-organisierte Judenschaft die Abschaffung aller Verbote die hebräische und jiddische Sprache betreffend. Hier sieht man Bescheidenheit! Die bösen Tschechen verlangen tschechische Amtssprache, - tschechische Eisenbahn fahrk,arten und Aufschrift, . Kundrnachung der amtlichen Verordnungen in tschechischer Sprache, Polen, Ruthenen, Rumänen und Südslawen fordern dasselbe für sich, wir Nationaljuden sind bescheidener! Nicht viel mehr fordern wir, als was wir im Frieden, d. K. ohne Zensur gehabt haben. Positive Forderungen aufstellen wäre doch ״Hochverrat" und würde, besonders wenn sie die Sprache betreffen würden, für ״unsere" Studentenschaft, dis doch ״unser" jüdisches Volk bilden, von unabsehbaren Folgen sein. So mancher ״unserer" Doktoren müßte dann noch vielleicht hebräisch oder gar jüdisch lernen müssen. Also lassen wir es lieber! Aber Bescheidenheit geziemt nur der ״ungebildeten" Masse. Für uns ״Intellektuelle" fordern wir recht viele Mandate und Stellen in allen öffentlichen Körperschaften und Ämtern und als erstes gleich einen Ministerposten. Wir, die jüdisch-nationalen Minister, Ministevialsekretäre, Sektionschefs, Staats- und Landesbe- Feuilleton Efraim Sprach (dzt. Prag). Ein Nationalschatz. (die ״Volkstümlichen Geschichten" von I. L. Perez.) (Aus einem Vortrag im Prager ostjüdischen Klub zu Perez's 3. Todestag) .. . »Zwei Wege führen zum ״lieben Namen", der die Seele, das Fundament der Welt ist. Der eine von ihnen ist: Verstand; wer das Gehirn in der heiligen Thora schärft; der zweite: dos Herz eines Irdischen, wenn sr sich sehnt und ies heiligt iim göttlichen Dienste. U!nd wohl dem, der auf beiden Wegen schreitet." So liest man in einer Vorrede zu einer Perezschen Volksgeschichte über die stummen Seelen. Und so fühlt man auch den wahrhaftigen großen Wert dieses Perezschen Buches als nationalen Schatz. Denn! nicht nur deshalb, daß dieser dominierende Dichter ein wahrer Jude vom Scheitel bis zur Zehe, mit Leib und Seele ein Jude ist. was allein schon jedes seiner Werke einen Schatz für das Volk bedeuten läßt, bilden die ״Volkstüml. Geschichten" einen Nationalschätz; und nicht nur, weil sich durch dieses Buch eine Perlenschnur von selten bekannten schmieaenden Wörtchen, Vergleichnissen, Aussprüchen, Redensarten, Ausdrücken und volkstümlich, künstlerischen Wortspiele zieht; und nicht bloß, weil hier ein klassisch zu nennender, volkstümlichschöner, episch-ruhigsr Stil festgehalten ist, ein Stil für extatisches Empfinden, für gläubige. Herzen; und nicht bloß, daß hier die iim! Volke schlummernde Phantasie, seine Bildlichkeit, Einfälle, Epiteten und phantastischen Dekorationen aufgegriffen sind, wie z. B. die Vorstellung der Welt des Himmels. Auch das sind Schätze dieses Buches, weil wir ״das Volk des Buches" sind, gemeint: das Buch ist bei uns noch immer das einzige, goldene Versteck für unser Leben, Uon Generation zu Generation; für uns stellt es vorläufig noch immer unser Archiv, unser Lexikon, unser Museum und unsere etnogvaphische Ausstellng tm Das Hauptmotiv aber ilmi genannten Perezschen Buche ist: das Seelenleben des Volkes! Die schönsten heiligsten Sittlichkeitsgefühle und ethischen Werte, die teuersten Volksideale sind hier gemeiselt und geschliffen. Und darin verborgen liegt das ewige Geheimnis der Jüdischkeit beim wahrhaften Volksjuden, dem Juden ohne Bedingung. Denn nicht genügt es in der jüdischen Lehre allein zu forschen, den Geist in der erschreckenden Tiefe der religions-moralischen Literatur zu erproben und, um sich selbst zu erkennen, unsere geistige Geschichte zu studieren. Man muß auch noch ins Herz der Masse eindringen können, um zu sehen wie die Lehre g eamten, werden schon das Volk beschützen und behüten. Wie? Andere Völker beginnen den Kampf von! unten herauf? Halten eine Gerichtsverhandlung, eine Amtstafel, eine Schule in dev eigenen Sprache für wichtiger als den »Minister"? Dafür sind wir ja im ״Goluth", ״Wir" finb ja ein auserwähltes Volk! Ferner fordern wir die ״Konstituierung der jüdischen Nation durch Schaffung eines Reichsverbandes (nationalen Kammer). Daß ein ״Reichsverband" doch nur eine Verbindung be-. stehender Korporationen und überdies nicht mit einer nationalen Kammer identisch ist, muß ja nicht jsder zionistisch-jüdischnationale »Politiker" begreifen. Freilich verlangen böse Menschen an Stelle dieses unklaren ״etwas" eine nationale Autonomie. Aber derartiges zu vsvlangen erfordert ja eine Stellungnahme zum gesammlen Umbau unseres Staates, was kümmert uns aber das Schicksal dieses und dev Völker zwischen denen wir leben? Im Übrigen wäre es ja auch keine leichte Sache zu allen Problemen der Verfassungsreform klar und eindeutig Stellung zu nehmen. Und dann ״nationale Autonomie" ist Radikalismus, wir aber sind ״Re׳ alpolitiker"! Nun gibt es ja auch religiöse Juden, also fordern wir ״die Schaffung eines Reichsverbandes der Kultusgeimsinden". Zwar haben wir einmal von einer Verweltlichung und Demokratisierung der Kultusgemeinden gesprochen, aber daß finb Jugendsünden, wir haben ja schon eigene Kultusräte und Vorstände und sind nicht mehr radikal. Wenn Ihnen aber unklar ist, in welcher Beziehung die ״nation!al"-organisterte Judenschaft zu den ׳ religiösen Institutionen steht oder wie die .Kompetenzen zwischen Reichsverband der Nation und Neichsverband der Kultusgemeinden aufgeteilt werden sollen, seien Sie getrost! Wir stehen ja noch nicht vor der Verwirklichung all dieser Forderung. Hauptsache ist, lebt, gefühlt, geknetet und verdauet wird. ״Und Wohl dem, der auf-beiden Wegen schreitet". Perez' ״Volkstümliche Geschichten" lassen uns untertauchen im Meere des gesund-einfachen jüdischen Vokslebens und ׳m!an wird gewürdigt, zu durchfühlen das Urgeheimnis unserer Existenz» dis Kraft geistiger Erfrischung und Sslbstbefrsiung. Versucht man bei der Lektüre dieses Buches die die Volksseele ausfüllenden Ideale im ein- 3dncn zu t:[mieten, so wird man nichts richtiger, als einige Formeln aus den Büchern Mosis finden, .einige seiner Hauptdogmen. Vor allem das uralte «Schema Israel". Achdut Habore» Gott ist einzig, ist Herz und Seele der Welt. Alles in We ltall ist ein Teilchen seiner selbst, geht aus ihm hervor und wird dadurch geheiligt. ״Jeder Jude muß der Thora in der Gänze folgen, da׳ mit seine Seele ganz ohne Fehl und rein ohne Mackel zum Trone der Herrlichkeit zurückkehrt". Nichts als die Seele, Weil: — ״Und Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbilde" — wir nicht wie daS liebe Vieh leben, weil unser Herz ein ewiges, nie zu stillendes Sehnen beherrscht» weil wir ein Ziel, ein Begehren, göttlichen Schöpfungsgeist in uns tragen: ״Teilhaber an der Schöpfung Gottes"! Der Grund unserer Existenz umid der Inhalt unseres Lebens ist für unser Volk: das Erhalten der geistigen Remheit, das Frischerhalten des sterbenden SehnenS nach sabbatlicher Heiligkeit, dis seelische Mackel-