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Jüdische Volksstimme · 1918-04-19 · Heft 7-8 (19.4.1918) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIX (1918)
Issue
Heft 7-8 (19.4.1918)
Date
1918-04-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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-kr. 7*8. . d”ei ^^vürlistischen WeldLNschau^ sehnte sich und lechzte förmlich nach Kunst undl Hnb doch hat das Judentum mit gemkscher uber^rpt nichts wrffen, mcht etwa, hatte für sie ein großes Verständnis und auch ten, eher traurigen als freudigen Gefühlen dies ^-s^^Eeri^MMs unecherfch, sondern un-> im Judentume suchte er sie und fand sie m mi? ״ ' logisch wäre und da, Cohen den pcmlogistischentelalterischen Gebeten. Standpunkt vertrat, mußte er Ms alles zum' Der Gegenwart und ihrem sprudelnden, alten Ersen werfen. lebendigen Quell, der ihn ja hätte leben können, . . ״Gefllhle muffen in ^r Logik ausgeschalhat er nicht!ste allergeringste Aufmerksamkeit tet worden , so scholl es aus fernem Munde und geschenkt, er verstand nicht auf die Töne der ^""-n Standpunkt vertreten auch seine Schuf- Jetztzeit zu lauschen. die ten. Aber Cohen als Begriffsmensch wollte nicht nur aus ,dem Gebiete der Logik, sondern auch auf dem der EthE die Gefühle ׳ausschalten. Und wenn wir dies in Betvcuht ziehen und außerdem -den rationalistischen Maßstab, den er auch auf das Judentum anwendet ins Auge fassen, so sehen wir ihn auf Abwege gemten und Fälsche, Mt der Wirklichkeit und historischen Oberli>eferung kontmstierende Anschauungen vertreten. Cohen hat die Propheten vom erkenntnistheoretischen und nicht vorn Gefühlsstandpunkte betrachtet und dies war sein Fehler. Gerade den Propheten kann man nur auf dem Wege des Gefühls geregt werden, die Leidenschaften. Ver׳ zweiflungsbrüche und ihr oft ekstasischer Zustand lassen nicht den Wertmeffer der kühlen Er. k.׳ntttnistheorie aufkommen. Mit dem Erklären des Maimonides hatte Cohen mehr Glück, da doch dieser ein Rationa-!ist war, wenn auch seine Weltanschauung hie und da von Gesühlswellen gekräuselt ward. Cohen hatte zwei Gehirne, denn auch mit denü Herzen dachte er, das Fühlen oder besser gesagt das sich Hineinfühlen war seine Achilesfers» Deshalb unterlag er in der Polemik gegen Martiln Buber. bei dem das Denken wahrlich nicht die stärkste Seite ausmacht. p rr׳.^n§ Prinzip muß fallen, wenn es selbst von dem größten Manne verteidigt wird. Infolge seiner Naivität hat sich Cohen in den Wagen der Assimilation unid Miffionsidee einspannen laffen, er ließ sich überall wie ein Paradepferd herumführen und sich produzieren. Er wurde ein Apologete, jia sogar ein Ponegysiker des Judentums, dieses Judentums, das sich Cohen zurecht gelegt und' das er mit weltentrückten Begriffen versehen hat. Da er gegen den Strom geschwommen ist, deshalb mußte seiinl Werk scheitern und wenn die Gedanken eng bei einander gewohnt haben, aber in der Welt der Wirklichkeit machten sich Lücken und Breschen bemerkbar. Die Begriffsstairrheit hat ihn am Anschmiegen an das moderne Leben verhindert und so wurden seine Ideen in Bezug auf das Judentum verknöchert. Es muß,aber gesagt werden, daß er es stets ehrlich gemeint. Seine Fehler in Bezug auf die falsche Auffassung des Judentums sind einzig und allein auf seine Weltfyemdheit zurückzuführen. Wir können aber nicht umhin, ihm unsere - f.,, . ״, ״, . . .. * ״t.r Bewunderung zu zollen, er War ein Denkerfürst «ArJP0, W °Je.r ^'te ^8ß־־ allerersten Ranges und mit ihm steigt ins Grab schlichen, bie seine theoretischen Kreise störten, €\m ^nze Epoche herab, deren Stühe und Pfei«- infolgedessen entstand ein Dualismus, der einen fer er War Antagonismus zwischen dem Denken und Füh- In Ehrfurcht beugen wir uns vor seiner len hervorrief. Bald ist er für die unbedingte Herrschaft der Philosophie, die das Judentum befürchten kann, bald nennt er sie eine zerbroן ׳ chene Zisteyne. Bald ist er für das Individuum und sein unbedingtes Recht, bald aber spricht er dem jüdischen Volke das Recht ab, sich naitional ausleben zu können. Da er ein! guter Deutscher war, dabei jüdisch dachte und fühlte und -von der Jdentirätsvhilosophie und der Absolutheit überzeugt ist. Deshalb versteigt er sich zu der Paradoxen Anschcmung, eine VerbinidUngsbrücke zwischen dem Judentum und Germanentum zu schlagen, ja sie sogar i!nj vielen Hinsichten zu identifizieren. Zwier Seelen wohnten in seiner Brust. Er geistigen Größe und wir wissen, daß er manches geschaffen hat, das noch die spätesten Generationen zu ihren Positiven Kulturschätzen rechnen werden. Ehre seinem Andenken! Wilhelm Ost. Leopold Hilsner. Dieser Peffach hat uns eiin freudiges Er» eignis beschert. Hilsner, her 18 Jahre im Kerker unschuldig geschmachtet hat, wurde durch eineu Guadenakt des Kaisers auf freien Fuß ge׳ setzt. zur Kenntnis genommen. Denn Hilsners Verurteilung war a priori ein Justizmord schlimmster Sorte, auf das Blut׳ Märchen aufgebaut, was eine Schande für einen modernen Staat ist. Der von so vielen jüdischen und christlichen Gelehrten erbrachte Beweis, daß die Beschuldigung, die Juden brauchten Blut zu Peffach ein Ammenmärchen sei, dem Mittelalter gehöre und mfolgodersn in die Rumpelkammer geworfen werden müsse, soll ein für allqnml ausschlaggebend sein. Man sehe sich die Länder des Westens an, ob so eine Beschuldigung gegen die Juden moglich wäre, ja selbst das zaristische Rußland un» seligen Andenkens hat den Beilis nach 3 Jahren befreit. Hilsner wird aber durch den Gnndermkt des Kaisers nicht rehabilitiert, er wird unter anderen Verbrechern, nachdem er 18 Jahre im Kerker geschmachtet hat, befreit. Das genügt uns beileibe nicht. Es muß eine neue Verhandlung statLfinden, wo dem Hilsner Gelegenheit geboten wird, feine Unschuld zu beweisen, umsomehr, da mit HilKners das ganze Judentum auf der Anklagebank sitzt. Wir verlangen keine Gnade, nur Gerechtigkeit! Hilsner muh rehabilitiert und gehörig Mtschädigt werden. Wenn in Österreich!die mittelalterische Barbarei nicht zu sehr überhcmdgenommen hat, muß man dem Hilsner volle Gerechtigkeit widerfah׳ ren laffen; Österreich mutz sich selber rehabilitieren. Es hat einen Menschen, weil er gerade Jude ist, umsonst leiden laffen. Wenn ,noch ein Schimmer von Gerechtigkeit hier vorhandon ist, so unterliegt es keinem Zweifei, daß Hilsners und des Judentums Ehre wiederhergestellt werden wird. ״Gerechtigkeit erhört ein Volk, die Gnade der Nationen aber ist eine Sünde." Zum ostjüd. Sprachenproblem. Von E. König (Brody). Die historische Umwertung aller Werte hat in diesem Weltringen auch das Sprachenrätsel der Ostjudenschaft aktueller gemacht. Nicht mchr mit Kopfschütteln und pessimistischer Unglcmb- Geliebten und ihren Angehörigen Fehden auszufechten hatte, und wie er in fremden, insbefondere kaiserlichen Diensten im Auslände kämpfte. Er starb im Alter von 68 Jahren; sein Grabstein befindet sich in der Domkirche von Brisen, während seine Gebeine im nahen Neustift ruhen. In der Gegend von Brixen fand auch die Reformations-Bewegung, welche aus den Nachbarländern selbst nach dem glaubensstarken Tirol übergegviffen hatte, viele Anhänger. Im Jahve 1526 brach daselbst ein Bauernaufstand der Reformierten unter Führung des Michael Geismayr aus, welcher jedoch durch Kaiser Ferdinand I. blutig unterdrückt wurde. Einen Erfolg hatten die Protestanten trotzdem erhielt, indem ihnen wol nicht der Bau von Kirchen, so doch ״die Predigt nach dem Worte Gottes" unter freiem Himmel gestattet wurde. Erst gegen Ende des 16, Jahrhunderts wurde durch das Zusammenwirken der Landesregierung, des katholischen Adels und des Klerus bewirkt, daß die Protestanten Tirol verlaßen mutzten, welches bis in die neueste Zeit das ״Land d. Glaubens-Einheit" bildete. Ungefähr 16 km nördlich von Brixen, dort wo die reißende, aus dem! Toblachev Felde kom!- mende Rienz sich in die Eisack ergießt, erhebt sich in steilwandiger Schlucht die von Kaiser Franz I. im Jahre 1833 begonnene, jedoch erst unter seinem Nachfolger Kaiser Ferdinand I. (1839) vollendete Franzensfeste ihre granitenen Mauem. Sie war an Stelle der ehemaligen Brixener Klaubestimmt zum Schutze der ins Pustertal und über den Brenner führenden Straßen, welche schon damals gegen den gierigen welschen Erbfeind gesichert werden mußten. IV. Der Brenner. Hinter Franzensfeste trägt die Landschaft bereits ein anderes Gepräge. Der Helle azurblaue Himmel ist blässer geworden, Weingelände und südliche Vegetation sind verschwunden, die Gegend macht einen einsammeren, düsteren Ein-!druck, wirkt aber dadurch um so großartiger und majestätischer. Die Bahn windet sich in riesenhaften Schwingungen längs der schmalen Gebirgstäler mit ihren duftigen Alpenwiesen und grünen Wäldern, steigt langsam an den steilen Bergrücken empor, dringt in kühn gebaute Tunnels ein, um nach kürzerer oder längerer Fahrtdauer sich wieder hinauszuschlängeln und ihren sausenden Weg durch die Wildnis der Bergs forzusetzen Entlang der wildbrausenden Eisack gelangen wir in die vielumkämpften Tiroler Thevmopylen, die Eingangstore nach Italien, in denen bereits Kaiser Friedrich Barbarossa auf seiner Rückkehr vom Krönungszuge (1166) sich den Weg gegen die ihm auflauernden Welschen bahnen mußte, u. in denen viele Jahrhunderte später Andreas Hofer und seine Getreuen die Einfälle der Franzosen mutig und erfolgreich abgewehrt haben. Wir sehen die Heimstätte feines Kampfgenossen Pe- Ler Mayr, des Gastwirtes an der Mahr, und in der Nähe auf einem Felsen mit deutlich, lesbarer Schrift dessen Namen verewigt. In Bozen, wo Mayr 1809 von den Franzosen erschollen wurde, hat ihm die dankbare Nachwelt ein Denkmal errichtet (1900). Vorbei geht es an dsm altertümlichen Ster- King, von wo die im Mittelalter viel benützte Straße über den Jaufen-Paß und das Passeier- Tal nach Meran abzweigt, an Gossensaß, dem veizenden, im Sommer und Winter» gleich stark besuchten Luftkurorte. Die Bezirke Sterzing und Gossensatz wren im Mittelalter reich an Bergwerken und Eisen-Industrie. Im! 16. Jahrhunderte waren dort nicht weniger als 10.000 Knappen tätig. Auch Wieland der Schmied soll in Gossensatz (Gloggensachsen) im Feuer gearbeitet haben. Immer höher geht es, bis wir nach Passierung mehrerer Tunnels in schroffer Steigerung die Station Schelleberg erreichen, bald darauf das Wildbad Brenner mit seinen warmen Quellen, und nach kurzer Fahrt auf ebenem Wiesengründe unter freiem Himmel die Höhe des Brswners passieren mit dem Orte gleichen Namens und dem altberühmten Posthause am Gipfel. Wir stehen 1362 m hoch ober dem Meeresspiegel, auf einem interessanten Gebirgsstocke, der wie eiin mächtiger Stier sich abhebt von den benachbarten Alpenhöhen, ein Centvalpunkt, von dem aus b. Bergketten ein phantastisches Gewirrs nach allen Seiten hin! fächerförmig äuslaufen, jode charakteristisch für sich, verschieden in Form Höhe und Anordnung. Jetzt erst vermögen wir voll zu würdigen, welchen besonders großen Schwierigkeiten die technische Hochbaukmvst zu kämpfen hatte, bevor dieses großzügige Merk der Erbauung einer Eisenbahn in seiner jetzigen Festigkeit und Dauerhaftigkeit durchgeführt werden konnte. Zwei Bahnchienen mußten in Nebentäler hineingebaut werden, um steile zu Abrutschungen geneigte Schiffergehänge, Wildbäche und Lawinenstürze zu umgehen. Und dabei hat keine von den großen Gebirgsbahnen Europas eine solche Höhe zu erklimmen, weder die Bahn׳ über den St Gotthard-Tunnel, (1164 m), welche Italien durch die Schweiz mit den Rheinlanden verbindet, noch auch die Bahn über den Mont Cenis (1254 m ),über dessen Rücken die Hauptstraße von Italien nach Frank, reich führt. Unwillkürlich drängt sich uns der Vergleich mit dem Semmering auf. Auch dort ein imponierender, Wenn gleich etwas niedrigerer Uebergang (897 m) über die Alpen, beide so ähnlich mü» doch so verschieden. Sowohl der Bremer als auch der Semmering wurden schon zur Zeit der Römer und seither fast ununterbrochen als Übergang über die Alpen benützt. Der Semme-

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