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Jüdische Volksstimme · 1918-03-26 · Heft 6 (26.3.1918) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIX (1918)
Issue
Heft 6 (26.3.1918)
Date
1918-03-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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S1.״־t 6. M. ^Mische Hx. 6. Verbindung mit seiner jeweiligen traditionellen? Melodie tiefen Eindruck auf!den frommen Beter. Und gerade dieses Gebet ist unserer moderneu Jugend so viel wie unbekannt, ja man geht ihm leider in unseren Schulen — ein schweres Unrecht — zumeist aus dem Wege. Kommt dann die Zeit, daß ein Sohn an der Bahre von Vater und Mutter oder im- Gotteshause während des Trauerjahres ״Kadisch sagen" soll, dann hat er keine Idee von diesem erhabenen Gebete und greift in der Not nach einem lateinisch gedruckten Kaddischblättchen, spricht durch Wochen mechanisch dieses heilige Gebet so lange, bis er es auswendig weiß und das Hilfsblatt zuletzt entbehren kann. Fast wollten wir mit dem weisen König ausrufen:״ וזה היד, חלקי מכל עמליDas ist also die Frucht unserer Bemühungen?" Soll der junge Mann nach jahrelangen- Religionsunterricht — die zwei obligaten wöchentlichen Stunden reichen überharrpt für unseren erhabenen Lehrgegenstand nicht aus — zu einem transkribierten Zettelchen greifen müssen, um sein Kaddischgebet hersagen zu können? Und da soll und muß Wandel geschaffen werden. Beim allwöchentlichen Jugendgottesdienst Wird Halb-, Ganzumid Waisen- Kaddisch regelmäßig gebetet, der Neligionslehrer hat die Pflicht, die Jugend mit den einzelnen Gebeten vertraut zu machen und da ist die Schule auch der Ort, wo diesem wichtigen Gebete in allen Klassen bis zur ״Matura" besondere Aufmerksamkeit? entgegengebracht werden soll. In Verbindung mit: dem offiziellen Schulgebete dem ״Schema" kann' ״Kaddtsch und Borchu" zum jedesmaligen Vortrage gelangen. Es sei dies nur als Beispiel angeführt für die praktische Anwendung dieses so wichtigen Gebetes unserer öffentlichen Andacht beim Religionsunterrichte in der Schule. Einzel- «ne Schüler setzen geradezu eine Ehre darein, als Vorbeter hiebei zu fungieren und nichts schöneres gibt es, als wenn die ganze junge Gem«einde in das ״Amen 4ehe schme" präzise einfällt. Es, ist da für den Zuhörer wirklich so, als ob sich nach^ dem Ausspruche׳ unserer Weisen ״die Pforten, des ״Gan-Eden," des Panadieses öffnen würden,! um die jungen Glaubensbrüder darin einziehen zu lassen. Die Jugend will gerne an allem Guten und Schönen sich beteiligen, und ihre Führer und Lehrer finden keinen schöneren Lohn, als den, zu bewirken, daß auch in den kommenden Geschlechtern der Name Gottes verherrlicht und geheiligt werde. O. S. R. Moritz Antscherl, Wien. Korrespondenzen. Neu-Raußnitz. (Fünfzigjähriges Amtsjubiläum. — Flüchtlingsheimkehr.) Am 28. März d. I. dem ersten Pessachtage vollendet Oberkantor, Gemeindesekretär, Obmaunstellvertreter d. mähr. Kantorenvereines, ctc. Herr Leopold Stößler, das 60.׳ Jahr seiner hiesigen mehrfach durch a. h. Auszeichnungen belohnten Wirksamkeit. Der greise Jubilar, ein gebürtiger Bisenzer, hervorgegangen aus der Schule des verewigten Altmeisters Salomon Sulzer, erfreut sich noch völlig körperlicher und geistiger Frische und wirkt in seinem Amte, das durch die bald vierjährige Kriegsdauer wesentlich erhöhte Airforderungen an die politisch autonome Gemeinde stellt, mit altbewährter Kraft fort, wobei er freilich an die Rüstigkeit und Umsicht des Herrn Bürgermeisters eine wirksame Stütze findet. Politische, wirtschaftliche und soziale Verhältnisse haben die vor einem halben Jahrhundert noch blühende Gemeinde Neu-Raußnitz leider arg beeinträchtigt und nun stark gelichtet -ein Schicksal das so manche Landgemeinden Mährens betraf; das Häuflein der Uebriggebliebenen mag sich aber mit der Hoffnung trösten, daß vielleicht nach dem Weltkriege ein Umschwung zum bessern erfolgen dürfte. — Von den 160 Flüchtlingen aus Galizien und der Bukowina, die unsere Gemeinde seit Januar 1917 beherbergte, ist beute die dritte Gruppe, aus 44 Personen bestehend, in ihre Heimat abgezogen; der Restbestand van 40 Personen harrt noch der Abberufung. Das hiesige Flüchtlingskomitee hat sich seiner mühevollen Aufgabe trefflichst entledigt. Strakonitz. Welch wohltuenden Einfluß ein von seinen Amtspflichten erfüllter Seelsorger auf seine Gemeinde auszuüben vermag, davon gibt unsere Kultusgemeinde ein treffliches Zeugnis. Seitdem» Herr Dr. Ezechiel Landau das Rabbinat in unserer Gemeinde versieht, kehrt allmählich wieder echtes jüdisches Leben in dieselbe ein. Ueber seine Anregung! wurde auch!der hiesige Jugendbund gegründet, der!nicht nur für die regelmäßige Abhaltung wissenschaftlicher das Judentum betreffender Vorträge, sondern! auch für das gesellige Leben innerhalb der Kultusgemeinde sorgt, und es sich angeleg ensein läßt, die relihen. So fand anläßlich des Purimfestes eine äußerst gelungene Feier statt, welche am 3. März in den vom Herr Direktor Schmeichler in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellten Räumen des Kinderheimes der österr. Fezfabriken abgehalten wurde. Die geschmackvolle Ausschmückung des Saales und die Herstellung der geräwmigen Bühne lag in den bewährten Händen des befindet — um ״billig" über See zu kommen — von einer Sturzwelle über Bord geworfen wird; so hat es den Anschem, als ob die Schiffer mit der Macht ihrer Gedanken den armen Teufel in den Tod getrieben hätten. — Packend, gruselig und tragikomisch zugleich ist die Geschichte ״das geswhlene Gesicht". Der Chirurg" zeigt nur den Mediziner auf seiner höchsten Höhe, der da über Leben mH Sterben schaltet, der gar den Herrscher seines Landes vor dem sicheren Tod rettet, dem aber sein eigener Sohn in ergreifender Tragiösen Freudenfeste in würdiger Weise zu begegi,k unter dem Messer stirbt. ״Frau Noviand׳" durch dämonische Mächte in die Fenen Ost-Asiens geworfen -als Freundin eines Kolonialbeamten, der den Tod findet, wie alle Männer, die ihr nahe kommen, sterbend nachdem sie ihrer dämonischen Schönheit und ihres Magnetismus beraubt ist. Ein, Märtyrer der Flugtechnik ״Jaguelin der Luftpilot", dev ins große Unbekannte stürtzt, nachdem er das Problem Aeronautik vollkommen Sprache unvergleichlich schäm Ein Dank gebührt auch der Ueberseherin, die sich nicht nur in die Sprache sondern auch in das Wesen des Dichters eingelebt hat. stets bereitwilligen Herrn Direktor Julius Neentdeckt hat. Meisterhaft, grandios die Schilde- Hammer. Das Fest wurde mit ei!n!er Ansprache׳ rang des ״Malthasia-Landes" — eim־ Milgardder Präsidentin des Jugendbundes Frau Emma^bund in Süd-Amerika. Majestoso die Geschichte Brock eingeleitet, die nach kurzem Hinweis auf!des ״Schicksals Fadl Paschas". Jede der jehn Nodie Gründe, welche den Jugendbund zur Vevan-' Vellen ein Kunstwerk eines großen Dichters. Die staltung der Feier veranlaßten, die erschienenen'^ Y~ ex׳׳־ "י״־‘״' "" ״:,־“r■1־׳ Gäste, unter denen sich auch viele Auswärtige befanden, begrüßte. Daran schloß sich ein von Frl. Mizzi Brock vorgetragener Prolog an, dessen Inhalt in dem Gedanken gipfelte, daß die Zukunft des jüdischen Volkes in den Händen der Mütter liege, und daß es deren,heilige Pflicht sei, dahin zu wirken, ihre Söhne und Töchter zu ׳würdigen Nachfolgern .ihrer Vorfahren zu erziehen. Hierauf wurde eine Reihe von Gedichten reli׳giöfen und patriotischen Inhaltes von Schulkindern in hebräischer, böhmischer und deutscher Sprache vorgetragen, welche sämmtlich sehr gut in den Rahmen der Feier Paßten. Dazwischen wurden ein Solospiel und 4 Einakter aufgeführt und von, Frl. Grete Schn׳,e׳ichler das Gedicht ״Der jüdische Kücßeröesprccliungen. Die Juden in der Geschichte. Von« Prof. Dr. Egmont Münzer, Prag. Verlag Wilhelm Braunlüller, Wien und Leipzig. 1918. Ein höchst aktuelles und wahrhaft dankbares Thema behandelt die vorliegende Schrift. Der Le- . , fet legt ׳sich, sobald er das Buch im die Hand Soldat -zum Vortrag gebracht. Alle Darstellerin-! nimmt, die Frage vor, wie ein so viel beschäftignen entzückten durch anmutiges Spiel und schöter Arzt noch Zeit findet, um» von seinem Berufe nen Vortrag die zahlreichen Zuhörer. Die Regie abseits liegende Probleme zu erörtern. Doch läßt und das Einstudieren der einzelnen Vortragssich ein gewisser Zusammenhang zwischen ärztlistücke leitete in unermüdlicher und glänzender Weise Seine Ehrwürden Herr Dr. Ezechiel Lam bau. Alle Mitwirkenden, insbesondere die Frl. Marie Adler, Mizzi Brock, Irma Kafka, Laura Schimko, Grete Schmeichler und Anna Winkler taten zur schönen Gestaltung des Festes ihr Möglichstes. Frl. Laura Schimko und Frl. Anna Winkler scheuten -die großen Beschwerden der Reisen von Wollin nach Strakonitz nicht, um an den cher Kuilst und den hier verarbeiteten Stoffe nicht erkennen. Wir sehen hier den Internisten, welcher immer bestrebt ist, die inneren Krankheiten des Menschen zu durchleuchten, nur eine innere Krankheit der Menschheit — n. morleus temporis — bloßlegen und auf die ersten Ursachen zurückführen. Denn mur als Zeichen d. Rückganges, der Dekadenz, können die von unseren Rasten- Theoretikern und Bibel- Babelformlern einzelnen Proben teilzunehmen und in hervoraufgestellten Behauptungen gewertet werden! ragender Weise am den- Feste mitzuwirken.!Diese bezwecken bekanntlich Haß in die breiten Außer der Präsidentin Frau Emma Brock hat-:Schichten des Volkes zu tragen, die Gesellschaft ten auch die übrigen Damen des Vorstandes zu entzweien und für unversöhnliche Kämpfe zu Frau Helene Drucker, Frau Emma Kafka und? Ptznnat stieren. — Nun Packt der Verfasser mit Frau Rosa Schmeichler am dem glänzenden Aus-! sachkundiger Hand und festem Griff die Wunden gange des Festes großen Anteil. Nach Abwicklung!Stellen unseres öffentlichen Lebens, zeigt ihre des Programmes hielt Herr Dr. E. Landau eine falschen Konklusionen auf und ermahnt ik Pozündende Rede, in der er die Bedeutung der Fei-! ludopropheten des Rassenhasses den Weg der Völer unter lebhaftem Beifall der Anwesenden be-j kerverbrüdernng zurück zu finden. Diese Tendenz spvach. Das Hauptverdienst am dem großartigen, verfolgen auch die Universitätsvorträge des Au- Gelingen des Festes gebührt vor Allem Herrn! tors über »Arzt und Gesellschaft", von welchen Tr. Ezechiel LanÄau, wofür ihm a,uch von dieser j die vorliegende Schrift einen Abriß bietet. Schon Stelle der innigste Dank Aller ausgesprochen ׳die Urgeschichte des jüdischen Volkes lehrt, daß wird. M. B. (Wegen Platzmangel verspätet.) die ersten ״Habiri" (Hebräer) am Beginn ihres Budapest. (Eine staatliche Subvention für die ungarischen Juden.) Den ungarischen Juden Wird demnächst vom Staate ein Fonds vom 25 Millionen Kronen überwiesen zur Unterstützuug ihrer religiöser Institutionen. Damit wird sie den übrigen Konfessionen gleichgestellt. Otto Rung, Geheime Mächte. 1 Auflage 10.000. Kart. M. 4, Helbperg. M. 7. Erzähler des Auslandes I. Bd: Gustav Kiepenbeuer Weimar. 1917. 300 S. — Geheime Mächte, ein Novellenbuch von Otto Rung. Der Dichter, ein Däne, hat sich bereits seit einigen Jahren unter!der deutgeschichtlichen Daseins Ackerbau trieben. Ihr geistiges Leben wurde von Moses gegründet und von den Propheten und den späteren Lehrern der talmudischen Hochschulen und der mittelalterlichen Akademien ausgestaltet. Gewiß waren Mosr die Gesetze des Hamwurabi bekannt. Er verstand es aber gerade deshalb feine Lehren ethisch viel höher und volkstümlicher auszugestalten. Daß hervorragende jüdische Aerzte im Mittelalter eine hervorragende Tätigkeit entfalteten, mußte diese Schrift eines Arztes selbstverständlich des höheren erörtern. Die Hypothese, daß bie jüdische Zugehörigkeit eines mittelalterlichen Arztes oftmals schen Leserwelt einen geachteten Namen erwor-!^0stl Titel seines Werkes abgeleitet werden kann, ben. Sowohl mit seinem ״letzten Kampf" als auch! ^!°,״זז *c1n Anderer Beleg fomst vorliegt, mit seinen ״Unabwendbaren", 4>. weißen Yacht" muß Zustinmmng finden. So ist der Verfasser etc. Nun liegt ein neuer Ban dvon ihm vor uns. arabischen Buches ״^^ut-ol-musafrr atoett 10 Novellen, mit einander durch den Gedanken fellos em Jude da der Titel eme wortahnliche verbunden, daß es gewihe dunkle, unerforschbare Uebersetzung des (Genesis, 45-21) Vorkommen- Momente im mienschlichen Leben gebe, die weiter ^n ״Zeda la-derech - Proviant für dmr Reisennichtdefiniert, ׳nicht begriffen, nicht erfaßt, son- ^ert dcrrstellt. Wir ersehen aus der Schrift, d^z dern nur gefühlt werden können. Wenn *. B. ein der gesch. -Ultor ist nicht nur em guter Mensch, ״blinden Passagier" der Kapitän des ״Sirius" soiDern auch em guter Arzt und em guter Aposeinen Untergebenen den Befehlt erteilt״ den löget ist. Dr. I. Eisenberg, Gerichtsdolmetsch blinden Passagier einmal als nicht exstent anzu- und Translator für Arabrca et Hebraiea. sehen, und der junge Mann, der sich am Schiff- Dobrisch, im Februar 1918.

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