Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIX (1918)
- Issue
- Heft 5 (14.3.1918)
- Date
- 1918-03-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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S ue 6. ״ZMschr *$m***<* Rr. 5. Goldenburg aus Philadelphia und R. Fmk aus Washington. Die Absicht des Komitees war, an den Präsidenten zu appellieren, daß er seine guten Be- Ziehungen zur rumänischen Regierung!benutzen möchte, um die Verfolgungen der rumänischen Juden zu beseitigen u. ihnen Gleichberechtigung Zn verschaffen. Der Präsident nahm lebhaftes Interesse an den Mitteilungen des Komitees und stellte eine Reihe von Fragen bezüglich der Lage der Juden in Rumänien. Er wünschte zu wissen, ob ihre Lage schlechter sei, als die Lage der russischen Juden unter dem alten Regime war. Das Komitee überreichte als Antwort eine Anzahl von Dokumenten, die sich auf die jüdische Frage in Rumänien bezogen. Der Präsident hat sein außerordentlich starkes Interesse für die Lage der rumjänischen Inden ausgedrückt und versichert, daß er in! jeder Hinsicht volle Sympa-thie für sie empfinde. Gin Jndenparlament in England. Bereits vor fünfhundert Jahren hat ein englischer König, Heinrich III., ein jüdisches Pariament Zusammengerufen, das über ״Fragen, die das Wohl der Juden und das Wohl des Königs augehcn", beraten sollte. König Heinrich erließ an die Sheriffs aller Grafschaften deen strengen Befehl, aus allen jüdischen Gemeinden Englands am Sonntag Quinquagesimae Vertreter nach Woreester zur gemeinsamen Beratung mit dem Könige zu entsenden. Jede größere Gemeinde hatte sechs, jede kleinere wenigstens zwei Abgeord-uete Zu stellen. Die Sheriffs, die mit den härtesten Strafen bedroht wurden, wenn sie diese neuen ״Königichen Räte" nicht schnell und vollzählig zur Stelle schaffen würden, trieben die genügende Zahl von Juden auf, die sich — über hundert an der Zahl — pünktlich n Wvrcester einfanden. Die Juden, die gerade unter Heinrich III. und seinem grausamen Vater Johann ohne Land unter dem härtesten Drucke seufzten, haben sich schwerlich der Hoffnung hingegeben, daß Heinrich nur ihren Rat verlangte, denn der König berief ja auch sem Landesparlament nur, wenn er in Geldverlegenheit war. Auch diesmal brauchte der König Geld, und dem jüdischen Parlamente wurde eröffnet, daß es 20.000 Mark aufzubringen habe, und die Parlamentsmitglieder sollten diese, für die damalige Zeit ungewöhnlich hohe Summe nicht nur bewilligen, sondern auch selbst herbeischasfen. R1> defreiheit war für die Verhandlungen nicht vorgesehen, und so blieb der Versammlung nichts anderes übrig, als Vertrauensmänner zu wählen, welche die Niesensumme aus die einzelnen Gemeinden verteilen und von diesen einziehen sollten. Diese Sammler wurden flir die Beitreibuiig des Geldes verantwortlich gemacht und mit Kerkerstrafe für sich selbst und ihre Famlien bedroht, falls sie bei -ihrer Arbiet lässig befunden würden. Die erste Hälfte des Geldes war Zu Johanni, die zweite Zu Michanlis herboizuschaffen. Nachdem diese Bedingungen festgesetzt waren, durfte das Parlament sich auflösen. Die Renaissance des hebräischen Wortes. Freilich ist von dem Westen und hier Hauptsächlich von Wien die Rede. Dean auderswo hat sich die Lebensfähigkeit des hebräischen Wortes längst erwiesen. Diesmal .ist aber der Beweis auch in Men glänzend gelungen. Der kann! länger als ein Semester bestehende ״Hebräische Schulverein" der m der Leopoldstadt und in der Brigittenau mit sichtlichem Erfolge hebräische Schulen in Form von Unterichtskursen für Kinder und Erwachsene erhält, hat Sonntag den 17. v. M. in Verbindung mit der auch hier sich gut entwickelnden ״Hatechijah" im Saale der ״Neuen Wiener Bühne" eine hebräische Vorstellung deranstaltet, bei der junge Knaben und Mädchen aus den bezeichneten Kursen, das hebräische Drama von Silmann ״HachgschMonaim haktanim" in gelungener Form zur Aufführung brachten. Die im großen Saale dicht gedrängten Zuschauer konnten zu ihren! nicht geringen Staunen feststellen, daß es keine Phrase ist, wenn man behauptet, die hebräische Sprache feiert eben durch die Jugend ihre Auferstehung und widerlegt selbst am besten alle gegenteiligen Argumentierungen durch das frische, lebendige Wort. Man sah Kinder, die nicht nur die keineswegs leichte hebräische Sprache gut beherrschen und mutig zum Vortrag bringen, sondern auch den Geist und die Ideen des Autors verständnisinnig interpretieren können. Das kann nicht alles nur mechrnische Eintrichterungsarbeit fein. Man hörte hebräische Lieder zum Vortvag bringen und mußte sich sagen, daß da ein großes Stück Arbeit geleistet wurde. Der Erfolg ist stets der beste Beweis für die Richtigkeit einer Idee. Und es gab eben einen großen Erfolg. Zunächst war die Feier durch einen gut geleiteten Chorgesang eröffnet worden. Dann folgte der Clou der eigentlichen Feier, eine Festrede des Dr. I. Thon aus Krakau. Dieser glänzende Redner hat mehrrnals bereits das Wiener Publikum durch seine hervorragenden oratorischen Fähigkeiten hingerissen. Allein diesmal bewunderte m«m an ihm noch das lebensfrische hebräische Wort, das er mit derselben Meisterschaft beherrscht, wie das deutsche oder polnische. Er sprach lauter Beweise für seine Ausführungen. Seine Art zu sprechen ist begeisternd und belehrend. Er versteht es allen Richtungen gerecht zu werdenwenn er auch in wenig schonender Weise die gegncrischen Argumente bekämpft und widerlegt. Er hat solch herzliche Töne, so viel Aufrichtigkeit und Wärme, daß man gerade wie bezaubert seinen Worten lauscht und überzeugt -ja erbaut von ihm geht. Es war ein denkwürdiger Vormittag, der in der Kulturgeschichte der westlichen Juden besonders vermerkt werden muß. An diesen! Vor- Mittage lernten alle die es noch nicht wissen woll-' ten oder konnten, den Reiz der hebräischen Spra-! che zu schätzen. Sie sahen wie sie gehandhabt wird! und mußten sich sagen, unsere- Lehrer haben sich!' einfach aus Bequemlichkeitsgründen über die', Schwierigkeiten hinwegsetzen wollen, diese Spra-' che uns und unseren Kindevn beiZubrin'gen, da-! her die vielfachen .aber absolut unhaltbaren Argumenticrungen gegen diese so schöne und reiche Sprache unserer Väter und unserer Bibel. Die Aufführung des Dramas war durch- Wegs gelungen und es gab frohe Eltern, welche die Leistungen ihrer Kinder von großen! Beifall belohnt sahen: Es waren aber auch dort Eltern,, welche im verborgensten Winkelchen -ihrer Ge-! fühle sich nach derartigen Freuden sehnten. Dann wie hat es der Redner so schön ausg-eführt, was! für Verdienste wir auch auf anderen KulturgebieZ ten uns erworben haben mögen, sie bleiben bocfj; fremd und stiefmütterlich für uns. Die eigentli-! che und richtige Kulturarbeit des jüdischen Vol-' kes beginnt mit seiner Sprache, für seine Sprache und mit seiner Sprache. Nur so befinden wir uns auf den! richtigen Wege zu unseren!. Lande. An! selben Abend wurde der geehrte Gast in einer geselligen Zusammenkunft im Hotel New- York unter zahlreicher Beteiligung von Mitgliedern und Freunden der hebr. akad. Verbindung ״Hatechijah" auf sehr herzliche׳ Weise gefeiert,! indem ihm von einem Mitglied der genannten! Verbindung die Erneuuung zum Ehrenmitglied' der Verbindung durch Ueberreichung eines schön! ausgeführten Diploms, in würdigungsvoller An-! spräche angekündigt wurde. Der Gefeierte dankte! in herzlichen Worten. — Es sprachen viele Gäste! und Mitglieder und während der Pausen sang man hebräische Lieder. Mau verbrachte einen schönen Abend in rein! hebräischer Gesellschaft. Für Men und überhaupt für den Westen etwas Neues, das erst von den östlichen Juden ein geführt werden mußte. Hoffentlich faßt -er hier Wurzel, dann ist die Geschichte der Wiener Juden um ein bedeutendes Kapitel bereichert. Der doppelte Grund. Chajin! tritt am Purimabend ins Haus seies Freundes Sorach. Als ihn! ein Schnaps voresetzt wird, -erwidert er verneinend: ״Erstens ciuke ich nicht, bevor ich der Megilla-Vorlesung eigewohnt habe, und zweitens — habe ich beeits zuviel getrunken. Gie Gleichberechtigung. Jankel: An! Purin! sind die Juden in Rußland gleichberechtigte Bürger. Chazkel: Wie so? Jankel: Nun, weil sie sich an diesem Tage auch betrinken dürfen. Korresponäeitzen. Zwittau. (Ehrungen.) Unser Korrespondent:!neidet: Die hiesige isr. Jugend huldigte in einem Huldigungstelegram Se. Majestät dem.Kaiser anl. höchstdessen Geburtsfest. Im Wege des Gemeinderates wurde ihr jüngst von der allerhöchsten Kabtuettskanzlei der Dank des Monarchen bekannt gegeben. — Den! Herrn Gerhard Kanter, Sohn des hiesigen Rabbiners Ehrw. Hervu Dr. Kanter, ging vor einigen Tagen als Antwort auf feil! au Feldmarschall Freiherrn anl. seiner jüngsten Kaiser!. Auszeinung gerichtetes Glückwunschtelegran! von! Feldmarschall ein in warmen Worten gehaltenes Dankschreiben zu. (Herr Gerhard Kanter ist bekanntlich seit einiger Zeit Mitarbeiter unseres Blattes. Anm. d. Redaktion.) Wien. (Dankgottesdienst.) Ein jüdischer Dankgottesdi-owst für den ersten Frieden im Weltkrieg mit der Ukraine! wurde an! Donnerstag, den 14. Februar, von der hiesigen Israelitischen Kultusgemeinde abgehalten, bei welchem der Vorstand der Mener Kultusgen!einde mit den!, Präsidenten Dr. Rappaport, der- Bethausovrstond n!i!t von! ObmauN Landesschulrat Dr. Markus Spitzer, sowie die gesamte'Beamtenschaft unter Führung des Sekretärs Dr. Emil Adler erschienen. Zahlreiche jüdische Vereine und Korporatiouen hatten Vertreter entsandt. Die Festedc hielt Rabbiner Dr. Taglicht. Mit der Volks- Hymne schloß die Feier. Wien. (Interpellation im feer Hilsu-cr-Affäre.) Die Abgeordneten Dr. Benno Straucher und Bernard Stern haben eine Interpellationbehufs Wiederaufnahme des Hilsuer-Prozesses an den Justiz!!!ini-ster gerichtet und diese ausführlich begründet. Wien. Der Vorstand des Vereines zur Besörderung der Handwerke unter den innländ-ischeu Israeliten -bringt zur Kenntnis, daß er im Sinne eines gefaßten Beschlusses ab Mitwo-ch den 6. März l. I. mi-t der Aufnahme von Zöglingen in beschränktem, Maße Vorgehen wird. Ausuahms- Werber haben sich, mit Armutszeugnis und Dokumenten (Heimatsschein oder Arbeitsbuch, Geburtsschein, Schulzeugnis) versehen, in Begleituug der Eltern oder deren Stellvertreter, je- Weits Mittwoch in der Zeit von- 6 bis 8 Uhr abends, iar der Veveiuskantzlei IX., Grünethorgaste 20 zun! Zwecke der Anmeldung einzufinden. Wien. (Todesfall.) An! 18. v. M. halb 11 Uhr vormittags fand vom Trauerhause XVII. Nattergasse 6 die Beerdigung der Frau Marie Stein, Lehrers- und Rabbinatsassorswitwe aus Trebitsch unter großer Beteiligung statt. Die Verstorbene hat das gesegnete Alter von 02 Iahren erreicht. In den letzten 20 Jahren wohnte sie bei ihren! Sohne der im! Bezirke allgemein Machtete Herr Siegfried Stein und seiner Gattin Julie, die ihr zärtliche Pflege angeldeihen ließen. Die Verstorbene war eine Frau nach altem Schlage von frommen Sinn und vortrefflicher Güte. Sie hinterläht 4 Söhne und eine Tochter, alle iw geachteten Stellungen. Den! großen Trauerzuge folgten u. a. Herr Kultusvorsteher Dr. Jakob Deutsch, Obmann der Chewra Kadischa für den -XVI. u. XVII. Bezirk mit den! Gesamtvorstand, der Obluaun -des Ottakringer Tempels S. Weihmann, der Obnmnn der Kmderfrremwe Dr. Alois Hauser, der Obmiaun der Kinderstütze Philipp Blau mit den Vorstandsmitgliedern, in Vertretung des Ausspeisungsvereines Herr B. Schmiedet, in Vertretung des Kaiser Franz Josef Wohlfartsvereines, Herr Viktor Hoffinann, die Präsidentin des Frauenverei-nes, FrauRabbiner Dr. Adele Bach, ferner der Obmann des Vereines der Trebitscher Herr I. Spim mit vielen Mitgliedern-, Diektor I. Brichta und kais. Rat I. Sittig, Abordnungen vieler Vereine des VXI. u. XVII. Bezirkes. An der Bahre hielt Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Bach einen ergreifenden Nachruf. Oberkantor Kaufmaun mit dem Chor zelebrierten die Trauergesänge. Am Grabe rezitierte Kantor Smotritzky das ergreisende El mol« rachamimi. Herr Siegfried Stein hat anläßlich des Ablebens seiner Mutter viele Vereine und Armen des Bezirkes mit Spenden bedacht. M. Sch.