Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIX (1918)
- Issue
- Heft 5 (14.3.1918)
- Date
- 1918-03-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 6t(te 3 Vorkämpfer, dve sich un» Herzl scharten, und« nahm eine führende Stelle ein. Häufig stand Tschlenow den Kongressen vor und als die Leitung der zionistischen Weltorganisiation von Köln nach Berlin verlegt wurde, übernahm Tschlenow die Führung. Dem zionistischen Ideal brachte er hierbei ein freiwilliges Opfer: die amgesehene, einträgliche. Stellung eincs Arztes gab er auf. Von Anfang hat Tschlenow selbstlos und unermüdlich die ׳unsäglich schwierigen Wiege des Zionismus durchschritten, alle Phasen seiner Entwicklung miterlebt: aktiv und wirkend in höchstem Matze. Die Aktivität ist ein ausgesprochener Zug in Tschlenows Wesen: mit dem seltenen Idealismus verbunden war sie von ungewöhnlicher Fruchtbarkeit. Es gehöhrte wahrlich ein Mut und e!me Tatkraft dazu, an der Nationalisierimg der russischen Judenheit, ungeachtet der äußeren Fesseln und Gefahren, zu arbeiten. Vor allem aber war ein hohes Matz von Ausdauer notwendig, die trübe Gegenwart Schritt vor Schritt in eine ideale Zukunft umwandeln zu wollen. Tschlenow hat sich allmählich zu einen» Führer der Zionisten Rußland und der gesamten Judenheit Rußlands emporgeschwungen. Zusammen mit Ussischkin bildete er die Leitung der rusfischen Zionisten. Die Aktivität Tschlenows war ei׳n> Ausdruck seines, man darf sagen, erstklassigen Organisationstalentes. Was Tschlenow hier geleistet hat, kann im Rahmen dieses Aufsatzes nicht erschöpft werden. Der Verlauf dieser Arbeit in seinen Einzelheiten wird allerdings erst später! festgestellt werden; allein es genügt, das Ergeb-' nis i:n großen Umrissen zu betrachten, um die hier liegende, ungeheure Arbeit zu verstehen. Durch sein Wirken auf gesellschaftlichem Gebiete, wofür der erwähnte Vorgang! ein Beweis ist, ist Tschlenow eine höchst geachtete Persönlichkeit der gesamten Judenheit Rußlands geworden. Die verschiedenen Richtungen und Parteien brachten ihn» volles Vertrauen entgegen. Und wer die Entwicklung des jüdischen Lebens im! Rußhaind namentlich seit der Revolution verfolgt hat, wird Tschlenow an der ersten Stelle gefunden haben. Mit den» Ausbruch der Revolution nahm Tschlenow die Arbeit für den nationalen Gedanken mit erhöhter und unbehinderter Intensität auf. Und sicherlich nicht gering ist der Anteil, den er au dem nationalen Zusammenschluß der russischen Juden, wie er sich seit der Revolution! vollzog.hat. Das nationale Judentum wird den Tod Tschlenows als einen unersetzlichen Verlust beklagen. Seine Persönlichkeit wird gerade >i!n diesen Stunden der Entscheidung schmerzlich und fühlbar vermißt werden. Jerusalem. Also klangen Dichtertöne Hin imjenes teure Land Von dem einstmals Judas Söhne Ganz die Blicke abgewandt. Immer flössen ihre Tränen So wie einst an Babels Strand Immer galt ihr heißes Sehnen Neu zu knüpfen jenes Band. Jenes Band, dess' tiefer Glaube Fest umschlang die fromme Schaar Und das niemals je zum Raube Einer Welt von Feinden war. Dieser Glaub' — er ist geblieben Sieghaft durch der Zeiten Spur Keine Zweifel konnten trüben Dessen göttliche Natur. Fremd in jedem fremden Lande Wo ihr Stab sie hingeführt. Fester blieben ihre Bande Fest ihr Glaube, unberührt. Drum o Zion Dein Gedenken Bleibet Judas frommer Hort! Mög' Iehov-al! ferner schenken Seinen Schul; den! beil'gen Ort!! Genf, im Februar 1918. Amalie Thilo. Kunäfcüau. Ein Kongreß der Jaden Galiziens und der Bukowina. Die Zionisten in Galizien treffen Anstalten zur Abhaltung eines Kongreßes der Judenheit Galiziens und der Bukowina. Das Leichenbegängnis Dr. Tschlenows. Unter außerordentlich starker! Beteiligung fand hier das Leichenbegängnis des Vizepräsideuten der Zionistischen Organisation. Dr. Jechiel Tschlenow, statt. Das britische Außenministerium war durch Sir Mark Sykes und Sir Ronald Graham vertreten. In Vertretung d. armenischen Kommisfion war James Malcolm erschienerwDüe arabische Legion! wurde durch Lieutenant Hussin representiert. Auch Lord Fitzmmirico, dtzr frühere Unterstaatssekretär des Aeußern und der russische Generalkonsul waren erschienen. Am Grabe Dr. Tschlenows sprachen der Chief Rabbi Dr. Gaster. Zu den judenfeindiichcn Ausschreitungen in Galizien. Der Abgeordnete der Stadt Lemberg, Herr Breiter, hatte an! 27. Februar mit dem Minister des Inner!», Grafen Toggenburg, eine längere Konferenz über die in Lemberg von unbe-! kamiter Hand verbreiteten Flugschriften, in w'elj chen versucht wird, die nichtjüdische Bevölkerung;gegen die Inden in unerhörter Weise aufzuhetzen. Abg. Breiter!!mchte den! Mi!nister Vorstellungen, wie wichtig und dringend es ist, diese sowohl Eine Dchntatim, beim Srie״״»״nif»etJ |X'c:atS "" «» Eine gemeinsam aus österreichischen und uiigar bat bei!!! Kriegsininister v. Stöger-Steiner vor gesprochen, um eine günstige unidbeschleunigte Erledigung der Eingabe betreffend Gewährung der Sabbatbruhe in! Hilfsdienste zu erbitten. Ter Rabbiner von Csorna hielt an den Minister eine Ansprache und überreichte gleichzeitig ein ausführliches Memorial hinsichtlich der Wünsche der glauben streiken Judenhei t. Der Minister widmete den Ausführungen große Aufn!erksamkeit und versicherte, daß alles, was sich nur i!m Nahmen der Möglichkeit tun läßt geschehen wird, um die berechtigten Ansprüche reailiöser Natur zu befriedigen. Oberrabbmer Steinberg-Brody unterbreitote gleichzeitig ein Gesuch hinsichtlich der Erweida׳ gewichtige Anzeichen vorliegen, die dagedungenen ster Wichtigkeit dieser Angelegenheiten an und versprach, unverzüglich entsprechende Verfügungen zu treffen. lür sprechen, -daß diese Arbeiten von gedungen׳ n ^^^W "?iPk0vokatoren inszeniert werden. Der Miilist . Stütern. ei-fEute die Wichtigkeit dieser Angelegenheit, Zionistische Landeskonferenz in Galizien. Am 21. Februar fand in Krakau eine Beratung der westgalizischen Führer der Zionistischeu Organisation unter Vorsitz von Dr. Wahrhastig statt, bei der auch Dr. Ringel ans Lemberg anwesend war. Nach-ei!n gehenden Diskussion wurde in! Einvernehmen mit den Leinberger, Stanislauer und Tarnop-oler Parteileitungen die Einberufung der Zionistischen Landeskonferenz nach Lernberg für den 8., 9. nn!d 10. April 1918 beschlossen. Es wurde ferner einsti,n.!n!g bekonterung der rituellen Menage für die Kriegsgc- . ,, ... . ■״...■ - sawgenen. Der Minister versprach auch hierin; Aloisen, ans die Lagevordnung der Landes!!!!öglichste Erfüllung. j Grenz em Palastma-, cm landespotltighes, oko- ,imitmHי־"» j •״•■i'•- w!. ■ »m, rrn 1,! .. nmmfrfvi'tt UNd eil! M 11 ItlUTCfCliQt ZU stelle!!. Dw ׳ Mit äußerst« Kraft-ntritz ich mich der Um-! »fftn Jjrtte, Nagte sie,. herm,K. da setze,ich -"Endlich- B-rbereitun« dieser wichtige», klammerung. Er wollte aber von mir nicht lasweinen Michalko bei!!! Stall angelehnt stehen sen. Wir fingen zu raufen an. Schon wagten sich: und das Blut träft so, träft so von! Kopfe herun einige seiner Genossen an uns heran, um für ihn! irr. ־ ׳ ׳ ~ ' " ־"־ - ־ — Was ist dir? frage ich. — Nichts, sagt er. Und das Blut? — Auch nichts! antwortete er wieder. Erst die anderen Kinder erzählten mir, daß er, Ihr Sohn nämlich, ihm so arg den Kopf zerschlagen habe. . . . Ich!!!einerseits berichtete den Fall wahrheitsgetreu. Nein, der Wahrheit zur Ehre! Um!!!eine Notwehr zu bekräftigen dichtete ich hinzu, daß er ein Stück Eisen in der Hand gehalten haeinzugreifen. Mir wurde der Boden unter den Füßen heiß. Ich fühlte, daß sobald ich mich nicht so rasch als möglich aus der Patsche rette, es bald zu spät sein wird. Da griff ich mit der linken Hand idem Michalko bei seinen großen Haaren' nnd mit der rechten holte ich aus und schlug schnell einigemal mit geballter Faust auf seinen Kopf. Diese Handlung nah!!! nur einige winzigen Sekunden in Anspruch. Erst nach vollendeter Tat bemerkte ich, daß ich in der Hand einen Stein! festhielt.!.eses Zugreifen wirkte: er ließ!!!ich los. be und ich in wirklicher Gefahr gewesen wäre. Bald aber erreichte!!!ich die Hiobspost: ich sollte ihn zu Blut geschlagen haben und nun steht er beim Statt und das Blut rieselt ihn! nur so von! Das Plaidoyer hatte Erfolg. — Meinetwegen, sagt die Michalowa, soll es so sein. Heute du ihm, morgen er di-r. Aber Kopfe herunter. Mich überlief es eiskalt. Was?-eines kann ich dir sagen: Hüte dich vor meinem Es ist unmöglich! Ich beschaute meine Hände.' WaWj! Sobald er dich in seine Hände kriegt, Nein, ihr lügt! Alle insgesamt! Ich? Ich habe! wird er dir die Haut abschinden, es doch nicht tun wollen! . . . Unmöglich! Ihr! Ja, dieser Waßylj! Ich wußte, daß sie die lügt alle wie die Hunde! Ihr wollt!!!ich nur ne- Wahrheit sage. Seit jeher war mir ihr dieser all cken, ihr Lumpen! Sie blieben aber noch bei ihren Behauptung gen. Ich könne!!!ich, wenn es mir beliebt, persöw tere Sohn nicht gut gesinnt. Und wirklich habe ich eine Zeitlang das Haus dieses Nachbars i!m großen Bogen umkreist lich überzeugen. Vom Hofe aus, durch, den Zaun,! und war bestrebt mich in Waßyljis Gesichtskreis würde ich ihn, wie er am Stall angelehnt steht,׳ nicht zu zeigen. sehen... j Mit der Zeit verging aber alles. Spater — — — — — — — —^ waren wir sogar befreundet.— — — — Als ich nach Hause kam, fand ich schon bie!— - ־ך — — — — — Mutter des Michalko, die alte Michalowia, bei! Aber gewirkt hat es doch! meinen Eltern vor, die ihnen die Geschichte i-u1 Den restlichen Tag haben die Sammler diesehr traurigen Farben ausmalte.! se Stelle fast ganz unubehelligt passieren können. _ Ich komme in den Hof, wo ich was zu Ein wenig Radikalismus schadet doch nicht. . . renz wurde der Len! be ge r-P arte ilei tu n g übertragen, welche auch mit größter Umsicht nnd Energie alles Nötige zur Durchführung der gefaßten Beschlüsse veranlassen wird. Konferenz von Vertretern jüdischer Mittelschulen. Bor kurzem fanden in Lodz Beratungen von Vertretern jüdischer Mittelschulen in Polen statt,?dach längerer Aussprache wurden Beschlüsse gefaßt, dte für die Entwicklung des jüdischen Schulwesens in Polen von Bedeutung si>nd. Der Aiugelegenheit der Bildung eines allgeineinen Verbandes säintlicher jüdischerMittelschulen m Polen nicht vorgreifend, wurde beschlossen, ei-nen Verband jüdischer Mittelschulen ins Leben zu rufen. Zweck des Verbandes ist die Regelung des mittleren jüdischen Schulwesens in Polen, die Hebung seiner wissenschaftlichen und erzieherischen Stufe auf den! Gebiete des Unterrichts sowohl in allgeineinen wie auch in jüdischen Fächern, die Vertretung des mittleren jüdischen Schulwesens, der Schuh seiner Rechte, Bestrebungen und Ziele und die wirtschaftliche Förderung des mittleren jüdischen Schulwesens im׳ Polen. Die Versammelten erkannten die Notwendigkeit an, die Kenntnisse in der hebräischen und polnischen Sprache bei de!:Schuljugend durch den ständigen Gebrauch dieser Sprachen zu erweitern. Außerdem wurde festgestellt, daß alle auf der Konferenz vertretenen Schulen auf den Stand- Punkt der polnischen Staatlichkeit stehen und die ihnen anvertraute Jugend zu guten Bürgern des Landes und treuen Juden erziehen wollen. ״Hickl s Jüdischer Kriegskalender "