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Jüdische Volksstimme · 1918-03-14 · Heft 5 (14.3.1918) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIX (1918)
Issue
Heft 5 (14.3.1918)
Date
1918-03-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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w \ */• i fe - U ¥■ H e«ttt L. Sir. 5. : Jv dieser tNichtmtg bin must unser Prozeß gehen. Anderfett® nlüsten wir aber die Polen aufmctfrrm ־»ווו djen, Vast diese Katastrophe nur eine Folge der streberisch - chattvitui-sti scheu Politik und ihrer maßgebenden Politiker ist. Tie führenden Polnischen Politiker untren in Oesterreich immer die treuesten Etüden ja auch oft die Urheber jeder Korruption und jeder Bölkerbevrückung. Die Frage von. Cholm muß, insoferne eine Einigung zwischen Polen und Ukrainern nicht möglich ist, vor eilt internationales Forunt gebracht werden. Ebenso verhält es sich aber mit der jüdischen Frage in Polen. Tie Juden verlangen bürgerliche mld nationale Rechte. Tie Polen wollen sie unbedingt zwingen sich zum Polentutne zu bekennen also gehört diese Frage, inwiefern die Polen nicht nachgeben, vor eilt intevniatiotmles Forum. btelmgt es den Juden dieser Bewegung, von der wie ja eh schon ergriffen wird,!diese Richtung zu geben, können sie für die Stellung der Juden sowohl in Gesamt tösterreich als auch in Polen voll großer Bedeutung sein. A. D. Konferenz d. österr. Orthodoxie. Molltag, den 18. Februar 1918 hat in Wien eine vom 'Vereine zur Wahrung der Interessen des orhodoren Judentums ווו Wien imid Niederösterreich" einberufene Konferenz der Orthodorie in Oesterreich stattgefunden. Der Zweck der Konferenz war die Schaffung einer Gesamtorganisation der Orthodoxie in Westösterreich in Angriff zu nehmen, die dazu berufen seilt soll, sowohl innerhalb des Judentums, als auch außenhin die legitime Vertreterin des glaubenstreuen Judentums zu gelten. Dem Rufe des Vereines war eine große Zahl Delegierter gefolgt. Etlva 200 hatten ihre Teilnahme angemeldet und tuehr als 100 sind auch erschienen, darunter Vertreter der orthodoxen Bethäuser ווו Wien, Delegierte aus Prag, Brünm, Märisch-Ostmu, Nikolsburg, Boskowitz, Koste!, Wiener - Neustadt, Baden, Innsbruck, Strakonitz etc. etc. Etwa 80 briefliche und telegraphische Zustimmungskundgebungen liefen ein. An der Konferenz beteiligten sich die Wetter Rabbiner Fürst (Schiffschul), Baumgarten, Flesch, Friedmamr sowie die Rabbiner FriedmMN-Balden, Dr. Link-Jmtsbruck, kais. Rat Dr. Lewin-Nikolsburg, Dr. Äaiudau-Strakonitz, die Feldrabbiner Deutsch mtd Pollak, die Vertreter des galizischen Rabbinerverbandes Rabbitter Jeruchent-Stary-Sambor, Horowitz-Bo- I],,.MW mg» legenheit Pflegte er Vorbeigehen lassen, ohne es mit ״ihnen" aufzunehmen. Dabei pflegte er mit solch einer Ueberzahl zu ״käntpfen", daß selbst ein Hindenburg ihm nachzuahnten nicht gewagt hätte. Das Verhältnis war oft buchstäblich eins zu zwanzig und darüber. Den Sieg Pflegte er immer davonzutragen. Eitrer besonderen Taktik bediente er sich: Nachident seine Gegner die ״Munition verbraucht" hatten, d. h. nachdent sie ihren Steinvorrat verschleudert hatten, Pflegte er sich schnell zu Boden bückett, einige Steine rasch zusammenraffen, und zum ״Angriff" übergehen. Im Nu war alles i«n Panischer Flucht in alle Mn de zerstreut, von ihm allein bis in. die entlegensten Winkel, ia bis in ihre eigenen Höfe, verfolgt. Erst spät abends, als die Mütter zttlit Abendessen riefen, hörte der aufgeregte Kampf auf, um den nächsten Tag wieder neue zu beginnen. Iw dieser Kampfstimmung überraschte uns das Purimfest. Es tttuh vorausgeschickt werden, daß, unser Städtchen zu jenen einfachen, naiven Ortschaften gehörte, deren Gemeindemitglieder die Worte der Schrift streg zu beobachten gewohnt sind, daher auch an diesem Feste, wie vorgeschrieben die Armen nach Möglichkeit zu beschenken, bestrebt waren. Da kreisen eifrige Sammler, die sich sowohl von den Jüngsten als auch von den Aeltesten und Vornehmsten rekrutierten, die ganze Stadt vom frühen Morgen bis tief in. die Nacht umher und nicht selten wird ein halber Kilometer zurückgelegt, um einen Pfennig zu bekommen. Ich muß emgestehen, daß ich mich nur sehr wenig an diesen Sammlungen beteiligte. In einer christlichen Vorstadt geboren und aufgewachsen. hordozany, Leiter-Tremb'owl«, Thumim-Kolomea, Moschkowitz-Zuczawa, das Präsidium der galizischen ״Agüdas Jisroel" sowie mehrere Vorstandsntitglieder etc. etc. Tie Verhandlungen, die bereits atu Sonntag Abends in eitler Vorberatung eittgelettet wurden, nahmen eilten überaus ernsten und würdigen Verlauf. Allseits wurde die Notwendigkeit anerkannt, die Orthodoxie iw Oesterreich zu organisieren uitd derselben einen gebührenden Einfluß auf die Gestaltung der innerjüdischen Verhältnisse, sowie auf die Stellung der Judenheit nach außen zu sichern. Ueber Wunsch der Provinz-Vertreter, die eine intensivere Vorarbeit als wünschenswert erklärten, wurde beschloß sen, der Konferenz den Charakter einer Vorkonferenz zu geben und!binnen drei Monaten eine neue Koitferenz auf breiter Basis einzuberufen. Es wurde eilt 30-gliedriges Aktioitskontitee einaesetzt, dessen Aufgabe die Fortführung der Organisationsarbeit und die Einberufung der neuett Konferenz sein soll. Die Konferenz fand unter dem Vorsitz des Präsidenten des Vereittes zur Wahrung der Jttteressen der orthod. Judentums tut Wien, Herr וו B. Hofbauer statt, der die Versammelten begrüßte und den Friedcnsschluß mit!der Ukraine feierttd, mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Kaiser schloß. An die Allerhöchste Kabinettskanzlei wurde eimie Huldiguitgsdepesche abgesendet. Die Konferenz wurde hierauf mit einer zündenden Ansprache des Rabbiners Fürst eingeleitet. Dr. Jeiteles-Pvag überbrachte die Grüße der glaubenstreuen Juden in Prag, Rabbiner Dr. Landau-Strakonitz diejenigen der ohmischem Landgemeinden, Feldvabbiner Deutsch und kais- Rat Rabbiner Dr. Lewin-Nikolsburg überbrachten die Grüße der mährischen Orthodoxie und Rabbiner Dr. Link-Jnnsbruck begrüßte die Konrfeen.z int Nanten der verstreuten Glaubenstreu-: eit in Tirol. Sämtliche Redner schilderten ein-! gehend die Verhältnisse in. ihren Kreisen und be-! ton ten die Notwendigkeit und Ersprießlichkeit ן einer Zentralorgaitisation. Hinsichtlich der Zuge- Hörigkeit Galiziens und der Bukowina wurde festgestellt, daß es der dortigen Orthodoxie überlassen werden soll, ob sie sich anschließen will, ein solcher Anschluß wird aber mit Freuden begrüßt werden. Zur Verhandlung standen folgende Gegen- 1. Die Orthodoxie iit Oesterreich. 2. Die Orthodoxie in der Gemeinde. 3. Religiöse Jugenderziehung. 4. Organisation. 5. Die soziale Gesetzgebung und das reliaiöse Leben. 0. Die Stellung der Orthodoxie zt! den sübischen Forderungen beint Friodensschmsse. 7. Die Palästinafrage. Zu sevenl Punkte wurde eilt Referat erstattet und eine Diskussion abgeleitet. Mcbvere Ate-- tusolionen, die seitens der Referenten beatttragt, sowie mehrere Vorschläge, die וווו Laufe der Diskusisonen eingebracht Müden, sind dem Aktion?- komitee zugewiesen worden. Der Verlauf und die Beschlüsse der Konferettz lassen der angestrebten Organisation der österreichischen iOrtbodoxie günstige Horoskope stellen. waren!die Bande mit dieser schönen jüdischen Tradition ein wenig gelockert. Dafür übernahm ich es diesmal, als .eifriger Samoobronec, die Dr. I. W. Tschlenow. Gerade vor einem Wendepunkt in der jüdü scheu Geschichte ist ein Maltu von uns gegangen, der au dieser Entwicklung stark beteiligt ist, der sie unmittelbar und aktiv ntiterlebt hat. Dr. Jechiel Tschlenow ist mach einer Reutermeldung in London plötzlich gestorben. Das Werk und Leben dieses Mannes worden km der Geschichte dos Zionismus einen gebührenden Raum einehmen und im ihrer vollen Bedeutung erst dann erntessen werden. Hier mögen einige Züge des Verstorbenen geschildert werden. Dr. Tschlenow war eine Persönlichkeit von Idealismus durchdrungen wie weitige. Sem ganzes Leben ist von idealistischen Motiven durchwirkt gewesen. Derselbe Geist, der den im tnittleren Mannesalter Stehenden zu den natisualjudischeu Gedanken, zum Zionismus drängte, hat Tschlenow stets erfüllt. Man erntesse: jene Zeit des vorigen Jahrhunderts stand noch ganz unter der Nachwirkung!der Ewanzipatiott, die iit Rußlaud bekanntermaßen in dett sechziger Jahren begann. Die jüdische. Jutelligenz hatte sich großenteils detn Russentum in die Arme geworfen und ließ dem Assintilationsprozoß offene Tore. Nur leise, und unter hohen Widerständen wagten sich die nationalen Ideen hervor. Als!diese Strömungen im ״Chowewe-Zionismus" eine greifbare Verkörperung fanden, blieb ihm der große Teil der jüdischen Intelligenz fremd. Tschlenow aber, der eine wahrhaft jüdische Erziehung genossen hatte, schloß sich mit ganzer Seele der zionistischen Bewegung ׳an. Er wurde einer der!nationalen mußte -ich nach Möglichkeit beitragen. Beim Hause unseres Nachbars, eines der reichsten Bürger unserer Stadt, haben sich etwa Sicherheit der Sammler in meinem Sprengel! zwei Dutzend arischer Burschen zusammengetan zt! wahren. I und fingen ihre Jagd an. Der Rädelsführer war Und dies tat wirklich not. «der jüngste Sohn des obenerwähnten Nachbars, Denn nachdem die Kinder unserer christli-^der zehnjärige Michaelko. t chen Nachbarn, sich die Purimbackwerke, die be-L In meiner Arbeit vertieft, vergaß tch aber rühmten ״Hamaintaschen" gut schmecken ließen^ auch meiner Pflichten nicht pflegten sie sich in-Rudel zu sammeln und die! Zuerst bat ich umd beschwor und drohte. Hte jüdischen Sammler, ohne auf Stand und Alter! und da warf ich-einen Stein in die Menge hmetn zu achten, unbarmherzig mit Steinen m bewer-! oder sprang mit geballten Fäusten auf fte 5«־—׳ fen oder Hunde gegen sie zu Hetzen. Manchmal I aber mehr als eine momentane Wirkung wollte durch das Zu lachen ihrer Eltern noch ermutigt es nicht haben. Mit dem Anwachsen ihrer Zahl Es gehörte wirklich eine Dosis Opferwillig-! wuchs auch ihre Frechheit. Bald fingen einige keit und Selbstlosigkeit tim unser Stadtviertel! Steine an, sich sogar zu uns beide zu vertrren. an diesem Tage zu passieren j Na, das war schon wirklich zu viel! Es gmg um Und diesem Uebel wollte ich nach Möglichkeit! die Wahrtmg des Prestige, der Autorität!. . . .abbelfen. — — — — — — —! Das Blut stieg nur im den Kopf. Nem, das Es war ein trockener, frostiger Märztag.! muß bestraft werden! Ein Windchen, das vom Norden hergeflogen ge-! Schnell .raffte ich ׳einige Steine zusammen kommen ist, zwickte die Ohren wie mit spitzen Na-, und ohne viel nachzudenken lief ich geradewegs deln umd eiferte zunt schnelleren gehen am«. Durch auf sie zu. . . die hellgrauen Wolken leuchtete die Sonne durch, Dies wirkte: alles zog sich sofort ln den Hof als schaue sie neugierig dem lustigen Treiben in Zurück t!nd sammelte sich. i. dem offenen Vorhaus, unserem Städtchen zu. Einzelne, verirrte Schnee- Ich liest aber nicht locker. Bis knapp vor der Ture gräubchen schwirrten in die Lüfte umher, um der-! war ich!auf ihren Fersen und schon war ich tm stohlen-beschämt in irgend eine Ritze himeiuzu-! Begriffe, die paar Steine die ich hatte m den schlüpfen und dort vergessen, unbemerkt zu ver-> bunten Knaul hineinzuwerfen. Da fühlte tch wie enden.! ich von rückwärts her über die Schultern gepackt Dies ist schon das Los der Herumirrenden ß werde. Ich drehe den Kopf ein wenig um: es ist einsam zu leben und noch einsamer zu sterben. Michalko! Er ließ mich vorbeilaufen und nun Ich mit meinem jüngeren Cousin saßen auf der! packt er mich hinterher. ״Kriegslist! Bank die sich vor dem Haute seiner Eltern, be-j Ntnt hieß es schnell und ruckstchtslos Hanfand und versuchten uirs in der EinbinderkunstL deln. Denn gelänge es ihm mich zu Boden wer- Er hatte sich eine Megileh um sechs Heller gekauft, feit, so werde ich erbarmungslos arg zugertchtet und wollte sie just eingebunden haben. Und dazu werden. Das staub fest. ״Kriegshagada schel Pessach."

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