Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIX (1918)
- Issue
- Heft 5 (14.3.1918)
- Date
- 1918-03-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrg. XIX, Nmnmer 5. «g»preife: Für Oesterreich-Ungarn» halbjährig . Kronen 720׳ ganzjährig.Kronen 14 — Deutschland, ganzjährig.Mark 12 — Rußland, ganzjährig.Rubel 6 — Balkan, Frankreich.. . Frank» 14׳— ■* Redaktion: Wien VIII. Lerchengaffe 6 a. Redaktion und Administration: Brünn, Adler^-e i Buchhändlerifche Vertretung: Ott« Klemm, ׳ st»ziß Inserate: die 6-spaltige Petitzeile 60 h. Nnverlangre redaktionelle Beiträge werden nicht . -n» riert. — Manuskripten ist Rückports beizusügcn. m- Wien—Brün« 14. März 1918. 1. Nlsan 5678. Prag—Lemberg. KmgMen-er!! Hickls Jüdischer Kolks-MM 16. Jahrg. Preis K 350׳. Brod Max. In der Fabrik. Benedikt Clotilde: Aus der weibl. Armenpflege Ben Josef: Kriegswaisen. Cohn Dr. Carl Altona: Judentum und Freiheit . Feuchtwang Dr.: Brüder ganz Israel Färber Dr. R.: Unsere Israel. Militärseelsorge Günzig Dr. I.: Die Philosophie des Rabbi Beer Mezeritsch . . ... Imber 8. J.: Frihling 1915 ..... Koh kut Dr. Ad.: Allerlei Geschichten v. König Salomo König Eisig: Kriegspassah .... Kurrein Prof. Dr. A.: Rabbi Israel Baal-Schem Müller Dr. E.: Prophetenworte .... Neusser Regine, Breslau: Fanny von ArnstÜn: Rotbbllum Dr.: Großvaters Tod. Rawltsch Meilech: Aufotmen .... Reifer M.: Pravoszitelstwo .... Schach Fabius, Hamburg: Weltschmerz Schach Fabius, Hamburg: Jild. Kriegsaphorismen Scherlag Lorenz r Der Tod geht um Schmahl Grete, Wolf: Militärzug an der Grenze' . Schreiber Helnr. Dr.: Die Kultussteuer und der Krieg Zlocistl Theodor: Das Heilmittel Zu beziehen durch dem JUd. Buchverlag Wien, VIII., Lercheng. 6a. Polen und Juden. (Zn den jiimuften Ereignissen im, Osten.) /*""Die durch den Frieden mit d-er Ukraiua bedingte Zuteilung des Gouvernements Eholm zur Ulroina Hot bei den Polen fürchterliche Erbitterung hervorgerufen. In ganz Polen u. Galizien ist es zu heftigen Demonstrationen und Ausschreitungen gekommen, am 18. v. Hot aus diesem Anlässe ein eintägiger Generalstreik stattWfunder ד. .׳ . ' Tie Frage der uatioualstaatlichen Zugehürigkeit des Gouvevneinents Eholm ist eine sehr komplizierte. Tie zaristische Regierung hat sich jahrzeutelong jeder Bevölkerungsstatisstik Wider-, seht und als sie sich ihrer nicht mehr erwehren! tonnte hat sie ihr eine echt zaristische Färbuuw gegeben. Von der russischen Statistik ist hier umsomeniger etwas zu entnehmen, als der Zaris-! mus in Eholm! zwei Fliegen auf einen Schlag' fangen wollte, indem er Polen gegen Ukrainer! hetzte, beiden Völkern nicht nur die nationale' Selbstständigkeit raubte, sondern überhaupt dievölkische Existenz dieser Völker verleugnete und! in den fremdvölkischen Gegenden nur eine orthoboxe Bevölkerung kannte. Anher der Regierungs-! statistik sinh nur noch Statistiken polnischer und! ukrainischer Politiker vorhanden, von denen! keine objektiv ist. Tie Polen zählen alle Katoli-; ken, auch die griechisch-katholische Bevölkerung, ׳,ur polnischen Nation, mit der Begründung diel Polen wären unter dem Drucke des ״Orthodo-! rentums" zu!n griechisch-katholischen Glauben! übertreten, der ihnen seiner Beziehungen zum! Papstume wegen annehmbarer erschien und mitdem sie dem Orthodorentume der zaristischen' Regierung doch genüge getan zu haben glaubten. Tie ukrainischen Statistiker wieder behaupten, die ukrainische Bevölkerung dieser Gegend hätte aus Trotz gegen die zaristische Bedrückung bei ihrem ursprünglichen (griech.kath.) Glauben beharrt. Fü jeden Fall sind die ursprünglich der Ukraiua znerkannten Bezirke Krasnostav-Zawosc polnisch. Ten Polen ist gewiß ein Unrecht geschehen schon dadurch, dost ihre Vertreter in Brest-Litwvsk nicht gehört wurden. Sie sind durch graste Versprechungen gmmsführt worden. Statt der Erfüllung der überspannten Hofsnuugen, die bei ihnen geweckt wurden, hat man ihnen eine bittere Enttäuschung geboten. Dies können wir objektiv feststellen. Nun hat sich die Bewegnng in Polen und Galizien besonders scharf gegen die Inden gewendet. Tie meisten Aufrufe haben die Vertreibung der Juden aus Galizien gefordert. In mehreren Städten haben die Deinoustrationen mit Iudenschlägereien gerindet. Tie Polen haben in ihrer Erbitterung an den Juden ihr Mütchen cpkühlt. In allen Städten haben die Juden an den Demonstrationen teilgenommen und die jüdische Presse hat auch zu dieser Bewegung Stellung genommen. Das ״Lem'berger Tagblatt" erklärt sonderbarerweise die Zionisten als neutral im Streite zwischen Polen und Ukraina. Als wenn es eine rein i,utern nationale Frage wäre, au der alle anderen Nattonen und Politische Parteien Vorbeigehen könnten. Nun hat aber die Bewegung ganz Galizien ergriffen und jede lebendige und aktive Partei ist gezwungen dazu Stellung zu nehmen. Die Wiener ״Morgeuzeitimg" gibt bei diesem Anlasse dem Dr. Hermiaun Kadisch Gelegenheit sei-- ne Wut auf die Polen loszulassen und ihnen Vorwürfe darüber zu machen, datz sie den! österreichischen Staate gegenüber so treulos wären. Wie soll aber die Stellung der Juden zu dieser Frage sein? Die Juden müßten diese Bewegung ausnützen um mit 1!11b in ihr auch ihren Forderungen Ausdruck zu geben. Feuilleton. Mein blutiger Purim. Menachem Karchi. (Kindheitserinnerungeu.) Es war zur Zeit des russisch-japanischen Krieges. Traurige Nachrichten stießen zu uns von jenseits der Grenze her. Die russische Regierung fand in der Judenhetze ein wirksames politisches Sicherheitsventil und war bestrebt die sich ihr darbietenden Gelegenheiten nach Möglichkeit auszuuützeg. Tie Pogromwelle verbreitete sich zusehends fast im ganzen Laude und täglich prangten neue Städte auf der traurigen Liste. Eine dumpfe, grellvolle Stimmung legte sich auf die Gemüter der Juden unserer Gemeinde. Einem Jeden schwebte ein schmerzvlles »Wkrum?" vor. Warum, gerade uns? Weil wir die schwächer!!, die unglücklichern sind müssen wir immer das Sühnopfer fremder Sünden sein? Besonders peinlich berührte es uns Kleinen. Unsere geflügelte Phantasie malte uns die fürchterlichsten Greueltaten aus und Kischiniew Bialystock oder Zytomir waren 1ms damals mit der reinen Hölle identisch. Insbesondere wollte uns nicht das ״Sichschlagen-lassen" einleuchten.' Es war direkt beschämend! Wie kann mau nur so einfach sich schlagen lassen? Nein, dem mutz absolut abgeholfew werden! Und wirklich traf bald eine freudige Nachricht ein: die russisch-jüdische Jugend habe eine Samoobrana, eine Selbstwehr, ins Leben gernfen und diese Institution! soll sich ganz gut bewähren. In manchen Städten sollte die ׳Selbstwehr sogar die Oberhand behalten. So wollte z. B., den nächsten Samstag, imBethause, ein älkerer Jude, der immer als erster, die neuesten Nachrichten aus bester Quelle, auf geheimen Wessauer Samoobrana den Huliganen derart zu Leb gen erfuhr, aufs Sicherste wissen, datz die Odebe ging, datz wenn die Regierung mit bewaffneter Hand nicht emgeschritten und die Mitglieder der Selbstschutzvereinigung entwaffnet hätte,— diese von Odessa ein zweites Susan gemacht hatten ... Damals wollte Zar Nikolaus II. den Aha׳sverus noch,nicht spielen. . . . Nun ja, die Odessaer! Denen kann man trauen. Das sind ganze Menschen! So mancher unter uns konnte sich noch des alten Reb Leib Odessauer, der sich zu uns aus Rußland, zufolge des bekannten Nikolaischen Ukases, geflüchtet hatte, entsinnen, von dem man nacherzälte, datz er in seiner Jugend einen schweren Eichentisch mit den blotzen Zähnen heruntergetragen habe und nicht weniger als mit Zwölfen es aufnehmen konnte. Datz diese?Nachricht auf uns Judenbuben der ^christlichen Vorstadt blitzartig gewirkt habe und zur Folge hatte, datz wir uns. etwa zehn an der Zahl, zu einer Samoobrana, zusammenrotteten, — ist selbstverständlich ganz rein und einfach: Vorsicht ist die Hutter der Weisheit. Man weist nicht was kommen kann. Vielleicht fällt es eines Tages den heimischen Huliganen ein, so ein Pogrommachen a la Rußland sich einzurichten. Na, da sollten sie nur kommen! Die Rollen sind in die besten Hände verteilt.... In unserem Eifer aber, begnügten wir uns nicht blost mit dem stillen Abwarten allein: wir betrieben auch agreffive Politik. Wo wir auf eine Gruppe ׳mchtjüdischer Burschen stießen, wollten wir ihnen für die Bluttaten ihrer ruffischen Glaubensgenossen heimzahlen. Mit dem Rufe für ״Kischiniew" Pflegte es loszugehen. wobei beide Teile bestrebt waren, sich gegenseitig, nach Möglichkeit zufrieden zu stellen . . . Am eifrigsten war unser ״Anführer". Dies war ein zarter, schlanker, blondhaariger Jungling mit etwas träumerischen Augen. Keine Ge- Verbreitet -en ״Ms AMMer