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Jüdische Volksstimme · 1918-01-31 · Heft 3 (31.1.1918) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIX (1918)
Issue
Heft 3 (31.1.1918)
Date
1918-01-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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«erre 4. ״Mische Volksstimme" N. 3 die alten Werzeuge aus. Es ist sehr zu bezweifeln, ob sich die Herrn Führer mit dem Zaubersprüchlein: »Der Jud ist an allem Schuld!" die abtrünnigen Herzen der Arbeiter wiedergewinnen werden, aber sicher ist es, daß sie ihr rotes, leuchtendes Banner durch dieses Vorgehen beschmutzen. zarter Weise die Polizei auf diese Störenfriede! Antisemitismus in -er Schweiz. - äÄstSÄ!עי,!». Jfctibe Anfrage: ״Ist dem Negierungsrat bekannt, daß in der Strafgerichtsverhandlung vom 20. November 1917 gegen b en׳׳Basler Vorwärts" zwei hohe Gerichtsbeamte antisemitische Erklärungen abgegeben haben, und wie beurteilt er die Tatsache, daß solche Äußerungen die Unparteilich keit der Untersuchungsbehörde bei weiten Volksschichten in Frage stellen." Der Interpellant derliest den Bericht des ״Vorwärts" über die Gerichtsverhandlung und zitiert weitere angebliche Aeußerungen eines Gerichtsbeamten, die von Zeugen bekundet, vom Betreffenden aber in Abrede gestellt wird. Die Verhandlunasberichte hatten in der ganzen jüdischn Bevölkerung Aufregung hervorgerufen, umsomehr, als die Ausdrücke als Ausfluß eines blinden fanatischen!Hasses aufgefaßt werden müssen, durch den eine ungleiche Behandlung der vor ' den Beamten erscheinenden Personen zu erwarten sei.׳ Im Nanien der ganzen jüdischen Bevölkerung bestreitet Gebet. Gib mir o Vulkan deinen Hammer in Hand Die Welt, die schlag ich in Splitter! Alles vernichte ich mit sicherer Hand, Mit einem Lächeln wie Galle so bitter. Ich stürze die Trone welche besudelt von Blut, Vergossen durch wilde Tyrannen: — Weck ihr Satrapen, von Teufelsgostalt! Teufel — mit fürstlichem Namen. Ich zertrümmer die Schädel, die erfunden ha- ־—־־־ Ben Netzen und Fallen und Maschen; Und auch jene Toren die schmachten in Hunger und weinend die Ketten sich waschen. Und alle Götzen und wüste Moralen Die die Menschen sich haben ersonnen, Und alle Tempel und alle Altäre Für welche das Blut war geronnnen! Tohu-Wabohu Mache ich die Welt, Vernichte alles sein und Werden! Und fahre zur Hölle dann selbst auch mit, Der Letzte, — der Reinste — auf Erden.... Wien. Menachem Karchi. Kunlst-äau. Kriegstrauung eines Feldrabbiners. Am 15. Jänner 1918, um 6 Uhr nachmittags, fand im Haupttempel zu Wladimir Wolynski die Trauung des hier vormals stationiert gewesenen Feldrabbiners i. d. Res. Jokob Frank- Kurier mit dem hiesigen Fräulein Hanna Frankel statt. Die Feldrabbiner der 4. Armee Ignatz Löwy und Josef Grünfeld, Oberst Pohl, der Komandant der ver. Marfchformationen, mit feinem Adjutanten Oblt. Messinger, fast alle Feldkuraten (nebst vielen Offizieren und Mannschaften, sowie der Kultusvorstand und eine große Menge von Zivilpersonen waren erschienen. Nachdem Oberst Pohl Glückwünsche m\ die Braut gerichtet hatte, nahm Feldrabbiner Löwy das Bedecken vor. Als zuständiger Miliiärseelsorger versah Feldrabbiner Dr. Färber die Trauungszeremonie. Die allseits mit großem Beifall aufgenommene Triaurede trug Feldrabbiner Dr. Färber den Dank aller Offiziere und namentlich den des deneigentümlich ist, würde unter britischem Pro- Lektorat bewäffert werden, im englischen aufgehen oder bester: vom Europäischen durchsetzt werden, und das ganze Land würde eine englische Spielart jenes ekelhaftesten Ablegers Europas überziehen, den man unten Levantincrtum nennt. Jerusalem. Die ״Jüdische Rundschau" schreibt: ״In dieser Stunde, da wiederum, die Menschheit nach Jerusalem blickt, da wiederum oer Streit um den dauernden Besitz der Stadt anhebt wollen wir aussprechen, welcher Art unser besonderer Anspruch ist und was wir von dieser Menschheit für uns fordern. Die christliche wie die islamische Ueberlkferung knüpft cm die jüdische an. Es i׳st hier nicht der Raum, die tiefe Abhängigkeit der christlichen wie der islamischen Religion vom Judentum zu zeigen. Ein jeder kennt sie, ein jeder weiß, daß diese Religionen ohne das Judentum nicht denkbar sind. Eben aus dieser Abhängigkeit, aus dieder Redner die Behauptung, daß die Juden die-sem örtlichen, zeitlichen und gedanklichen Zusam? Schuld an der Teuerung trügen. So wenig sie' menhang mit dem Judentum geht ja der An- 'Schuld am Weltkrieg sind, so wenig find die Juspruch hervor, den die christlichen und mohameden die Ursache des Lebensmittelmangels. Eine derartige Behauptung läßt fast auf einen pathologischen Judenhaß bei dem betreffenden Untersuchungsrichter schließen. Regierungsrat Dr. Jmhof teilt mit, daß die im ״Porwärts" gegen dänischen Völker auf die heiligen Stätten Palästmas, auf die erinnerungsschweren Höhen, Wege und Plätze Jerusalems erheben. Doch in dieser Stunde treten wir neben diese Völker nicht nur als die ältesten und daher zudie Staatsanwaltschaft erhobene Anschuldigu׳n.g. mindest gleichberechtigten Erben religiöser Jdedes Antisemitismus zu einer Strafanklage denj en, die einst von Zion ansgmgen. Wir treten vor ״Vorwärts" geführt hat. Die als Zeugen einver-i se als alleinige Nachkommen und Erben der Nanommsnen Staatsanwalt und UniersuchungStion, die Jerusalem schuf. Wir ehren ihren Anrichter haben aus freien Stücken erklärt, sie seien spruch auf die Symbole, die sie gleich uns in den keine Freunde der Juden. Der Negierungsrat Gräbern, Steinen und von Erinnerung geweiherachtet als seine Pflicht, über die unparteiische ten Stätten Jerusalems erblicken. Doch uns ge- Ausübung aller Aemter zu Wachen, lehnt es aber 1 der Boden, der unsere Väter nährte auf ab, die Gesinnungen der Beamten zu kontrollieren. Dr. Wormser vertritt nochmals die Ansicht, daß antisemitische Gesinnung geeignet sei, die Unparteilichkeit eines richterlichen Beamten zu beeinflussen. Die jüdische Bevölkerung kann kein Zutrauen mehr zu d enbeiden Beamten haben. Die Not der Juden in Saloniki. Zürich,' 5. Jänner. In einer Unterredung, die der Vorsitzende der englischen jüdischen Wohltätigkeitsvereinigu'N'g, Sir Stuart Samuel, mit Venizilos hatte, bestätigte der letztere, das die ' griechische Negierung, eine Gesetzvorlage einbringen werde, die die Enteignung des von 1bet Feuersbrunst heimgesuchten Teils von Saloniki zum das Land, in dem unser Volk in Freiheit groß wurde." Die Engländer in Jerusalem. Am 25. Kislew, demselben Tage, an dem Vor 1082 Jahren Juda Makkabi seinen Einzug in das wiedergewonnene Jerusalem gehalten, wurde auf der alten Davids-Zitadelle der Unionjack gehißt. Zum zwanzigstenmal im Laufe dreier Jahrtausende hat die altehrwürdige, schwergeprüfte Stadt den Besitzer gewechselt. Eine neue Rede Schiffs. Am 19. Novembe fand in Newhork eine Pri- H°im,g-bmcht,Md zur »«SW-nüwrmm «wun. Fond noch im Laufe dieses Jahres aufzubringen. Zu dieser Summe fehlen bekanntlich noch 4 Millicmen Dollar. gen. Die Schädigung der Abgebrannten ist doppelt groß, da die Zahlungen nicht in bar, sondern in griechischen Schatzbonds erfolgen sollen. Die ÄS sind.w"ttsie^n Schittder der Brratunq beiwohnte. IfeSSÄÄÄÄ ber Veräffen.lichunA der englischen Erklärung el- ,Ich kann erklären. daß es für Saloniki ein kennzeichnend ist: ״Ich kann letzt mit Srcherhe.t d-"di"'°z zur Blüte «bracht haben» wlrd alpine - «׳»' im g-g-nwärtig-n Au- Obersten Pohl ein. Hberst Pohl richtete nach dem j bewußte Unwahrhafligkeit in jüdischen Kreisen ZÄch^des^rwÄsmu? Trauungsakte eine längere Ansprache an das! empfunden. Die Verzweiflung und Not unter den' 3S״ jlro״? i und braLte unter wann«. Morten Mskh7K N 8L Evlck wnÄA Famiilien sind g°,wungen. seit Monaten ן״)4׳־3<י Z onismus aus triftigen Gründen nicht einten zu kAnm.annahnndtl^skm illen wob- , waren. Jetzt hat sich die Lage voll- •“״*. ** ** Msich-n Bestrebungen Brautpaar und brachte unter warmen Worten der Anerkennung dem trauenden Feldrabbiner seine Freude über die erhebende Feier und besonders über den Patriotischen Inhalt der Trauungsrede zum Ausdruck. Den kantoralen Teil besorgte Inst. Pinkas Schächter, der als Kantor der israelitischen MMärseelsorge zugeteilt ist. Unter Jubelru fen der vor dem Tempel massenhaft an gesammelten Zivilbevölkerung fuhr das Brautpaar in die Wohnung der Brauteltern, wo das Hochzeitsdiner in zwei'Räumen, für Zivil und Militär separiert, de geladenien Gäste erwartete. Feldrcvbbiner Dr. Färber eröfsmiete den Reigen der Tischreden mit einer Begrüßung de anwesenden Geistlichen aller Konfessionen, sowie der anderen Offiziere und erweckte durch humoristische Remiszenzen aus der Deschichte der Heiraten die frohilche Stimmung derGesellschast. Es sprachen noch Zum Falle Jerusalems. In der »Wage" schreibt Eugen Höflich. vereinigen gegenwärtig uns alle. Unter anderem beschloß die Beratung, die ersten zwei Wochen des Monats Dezember als Hilfswochen zu erklären. Zu dieser Zeit werden Ich ta Palästina mit. kenne die Bewegm allen großen Städten Amerikas Sammelpaore nisse beider Nationen, der Araber und der Juden., m allen Schichten der ,ud.schen Bevölkerung Ich kenne ibre Wünsche, ihr- Notwendigkeiten Sammlungen unternehnren. Jedes Sammelpaav mb ihre Fehler, und diese Kentnis aibt mir das! verpflichtet sich, eine Million Dollar zu sammeln. - - - - ׳ ״• ־ - - - - - - - Schiff spendete von neuem 200.000 Dollar. Die Pogromwelle. Die Nachrichten über die antijüdischen Umtriebe hören nicht auf, die Seiten derjüdichen Recht den Satz aufzustellen, daß in׳ Enalcmd trotz aller ökonomischen Vorteile, wie Eröffnung des großen englischen Marktes, Schutz versönlicher Sicherheit (so lauge England nicht Fellachen ge- ___1r״..v.gen Juden und Beduinen gegen Fellachen aus- _ _ Feldrabbiner Löwy, Oblt. Messinger, Lldst. Arztz spielt> usw., die ungeheure Gefahr'der geistigen, Zeitungen auszufüllen, insbesondere des Odessaer Dr. Koloman Freuder u. s. w. Für Wladimir Kastrierung Palästinas liegt. Die junge, zarte ״Unser Leben" und des Kiewer ״Telegraf". Fast Wolynski war diese Vermählungsfeier nach mit-! hebräische Kultur, die im Werden ist. mub hie ganze Ukraine ist von Pogromen voll. Die teleuropäiischer Art ein noch nie dagewesenes Er- | werden von bet hereinbrechenden großen Kultur Pogromhelden sind zumeist Sodaten, über auch eignis und erregte das höchste Interesse aller. Englands, und alles, was in diesem Jerusalem,, Bauern. Eine Depesche aus Dubnow lautet S Volksschichten. Herrmann Stöger. ' in diesem Palästina, den Arabern, oder den Ju- »Seit zwei Tagen wüten die Ausschreitungen.

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