Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIX (1918)
- Issue
- Heft 3 (31.1.1918)
- Date
- 1918-01-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nf. 3 ״Jüdische BolttMMme' Beit- 3 Diesen beklagenswerten Notstand zu bannen,! Landtag beschlossen, die Ausnahmegesetzgsbung ist nun heilige Pflicht des Landesmasiefondes, aufzuheben und den finnischen Juden die Gleichder durch eine etwa 20°/0tige Gehaltssubvention berechtigung zu erteilen, doch ist die Ausführng bei, etwa acht m Betracht kommenden Fällen über dieses Beschlusses durch den finnischen Senat die Kriegszeit Aushilfe leisten könnnte und sich bis heute noch nicht erfolgt. .damit ein hohes Verdienst erwerben würde. Sorgt der Staat für seine Lehrer und die katholischen Seelsorger, so tritt an die berufene jüdische Behörde die gebieterische Pflicht heran,; in solch außerordentlich schweren Zeit helfend einzugreifen. Solch ein anerkennenswertes Beispiel gaben im v. I.!die deutschen Großgemeinden, indem sie laut Bericht am Breslauer Gemeindetage 2100 Mark zu Gunsten der Kultusbeamten den kleinen Gemeinden einstimmig bewilligt haben. Jetzt, da Finnland von den europäischen Nationen die Anerkennung als selbständiges Staatswesen verlangt, muß die jüdische Oeffentlichkeit mit aller Energie die Forderung nach der möglichst schnellen und uneingeschränkten Durchführung der jüdischen Gleichberechtigung in Finnland erheben. Das merkwürdige Verhalten der finnischen Negierung in diesem Punkt erscheint doppelt unverständlich und merkwürdig angesichts der all Wohl wäre es Sache des mährischen Rabbi-! gemeinen demokratischen Politik und Richtung n!erverban,des dieserwegen aus eigener Initiative! des finnischen Staates. Die jüdische Oeffenteinzuschreiten, doch diese Korporation führt schon lichkeit erwartet mit Bestimmtheit, daß die maßseit vielen Jahren ein stilles Dasein und so mangebenden Faktoren in Finnland das Unmögliche che bessersituierte ehrw. Herren mögen, um sich, dieses Zustandes erkennen und sofort den Beja nicht zu exponieren, es vorziehen, der Dinge Schluß des Landtages durchführen. Die europäiweiter ihren Lauf zu lassen. Aber die Not der schen Staaten, um deren Anerkennung jetzt die Einzelnen schreit laut nach Abhilfe und sie soll finnische Regierung machsucht, halben die Derihm nicht länger mehr vorenthalten werden. pflichtung, sie auf diesen Punkt hinzuweisen und ״f , cr»»«' von ihr die Emanzipation der jüdischen Bevöl׳ unron *׳orojfer1mg zu fordern. Europa kann keinen Staat als selbständig und souverän heute anerkennen, der meiner solchen Frage den Geist der modernen Zivilisation verletzt. Ganz besonders hoffen wir auch, daß die deutsche Regierung die Gelegenheit benutzt, und die finnische Abordnung auf die Notwendigkeit der Beseitigung der finnischen Ausnahmegesetzgebumg gegen die Juden hinweist. Neu-Rauhmtz, 20. Jänner 1918. Die finnische Judensrage. dem Wir entnehmen diese Ausführungen Israel. Familienblatt in Frankfurt. Finnland hat sich bekanntlich unmittelbar ,nach dem Ausbruch der russischen Revolution als selbstständig erklärt, und die maximalistische Regierung in Petersburg hat nunmehr diese Selbstständigkeit Eikanmt. Die sinnMe Regierung Fjksorgeamt für jüdische Arbeiter bemüht sich letzt um die Anerkennung ihrer . ' * ' ' . . - in Deutschland. bänden außerstande gesehen hat, cm der Errichtung der neuen Fürsorge-stelle mitzuwirken, weil es beim besten und redlichsten Willen aller Beteilitzten ׳nicht möglich scheint, den religiösen Ansorderungen, insbesondere hinsichtlich des Sabbats, in denjenigen Umfange zu entsprechen, den die Agudas Jisroel nach ihren Grundsätzen als unerläßliche Vorbedingung betrachten muß. Im Uebrigen haben die bisher gesammelten Erfahrungen die Agudas Jisroel veranlaßt, sich an der Ueberführung von Arbeitern aus dem Osten nach Deutschland überhaupt nicht mehr zu beteiligen, ihre Tätigkeit vielmehr auf die Mitwirkung an der Arbeitervermittlung innerhalb der östlichen Gebiete zu beschränken. Wie mitgeteilt wird, haben Großloge U. O. Die deutsche Regierung und die Zionisten. Berlin. Der stellvertretende Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Frhr. v. d. Busche hat die Herren Professor Dr. Marburg und Dr. Hamdtke vom ״zionistischen Aktionskomitee" sowie die Herren Professor Dr. Oppenheimer, Dr. Friediemann und Professor Dr. Sombernheim vom ״Komitee für den Osten" empfangen und ihnen folgendes erklärt: Wir würdigen die auf die Entwicklung ihrer Kultur und Eigenart gerichteten Wünsche der jüdischen Minderheit in den Ländern, in denen sie ein stark entwickeltes Eigenleben haben, bringen ihnen volles Verständnis entgegen und smd zu einer wohlwollenden Unterstützung ihrer diesbezüglichen Bestrebungen, bereit. Hinsichtlich der von der Judenheit, insbesondere von dien Zionisten verfolgten Bestrcbungen m Palästina begrüßen wir daher die Erklärungen, die Großvezier Talaat Pascha kürzlich abgegeben hat, insbesondere die Absicht der kai- Selbständigkeit seitens der europäischen Staaten, und vor kurzem erschien eine finnische Deputation beim deutschen Reichskanzler, um die Anerfenmms seitens der deutschen Regie-, U. 58., Hilfsverein, Komitee für dm Osten uni: kn bkfe AnerkmnÜno!StfaWett, 3i־•« V-reinignng «in Arbetkrsürs°rg°°mtz W ste^freSif״־ tlteg die mefc Averk^rnung ausgesprochen. Diese bedeut! gegründet, das sich der überaus zahlreichen m aufblübende indische Siedeluna in Palästina same..Tatsache ist geeigne die Aufmerksiamkeit, Deutschland beschäftigten jüdischen Arbeiter aus k?!TffiSLSi ®to^runa Sie- Ler^ud,schm, Oeffent,.chkeü w.ebcr auf d.e s.n- SoJU LiLnm anndhnen soll. In bung kmtt lM bte ©emmlfommiffioii der Gex^bes, örtlicher Selbstverwaltung entspre- Deutschlands on Sekretariat für tzen Lanbesgefehen unÄ freier Entwicklung osaudische Arbeiter rns Leben gerufen, das ins- -- - - ״ besondere Auskünfte und Rechtsschutz gewähren soll. Hierzu wird uns von der ״Arbeitervermittlung der Agudas Jisroel" geschrieben: Es könnte auffallen, daß die Agudas Jisroel, die als eine der ersten unter den indischen nische Juden frage zu lenken. Bekanntlich ist seit der Abschaffung der rnsfischen Judengefetzgebung durch die russische Revolution Finnland neben Rumänien das einzige Land in Europa, in dem die Juden keine bürgerliche Gleichberechtigung besitzen. Vielmehr herrscht dort eine regelrechte Ausnahmegesetzgebung gegen die jüdische Bevölkerung, die auf Schritt und Tritt schikaniert und entrechtet wird. Solange die russische Jubengesetzgebung bestaub, wanbt« man; Organisationen Deutschlands sich der aus bem «cht viel Aufmerksamkelt ber finmschm zu; seit-j Osten einwankrnkn jübisch-n Arbeiter angedem aber Rutzlanb serne Juden emanziprert hat,; ^mmen hat, bei kr Grünbnng bes neuen Arbeiches emunerhörterunbunaehmerl-cherZustand,,terfürsorqmmts nicht beteiligt ist. Zur Aufklädaß bre so sehr bemokraksche finnische Republik mutz daher bemerkt werben,datz die ״Agudiese Ausnahmegesetzgebung noch bestehen ttt|t.!baS Jisroel" sich nach gründlicher und freund- Allerdings hat vor einiger Zeit der fmmsche j schaftlicher Aussprache mit den beteiligten 58«.; «in Beamter kr Kultusgemeink gerannt und Rücksichtsvoll und leise zog sich der Gast bestand auf seinem Schein, indem er mit der An-! zurück. zeige an die Satthalterei drohte. Der zappelnde. Mars nicht der Tod? fragte der Vater stamihrer kulturellen Eigenart zu fördern. Die ״antisemitische" Arbeiterzeitung. aber gerechte Mann erhielt den Bescheid, daß der Kranke mehr kein Jude sei, und wurde,gelinde h mausgeworfen. An seiner Stelle Mm der leisetretende beleibte Beichtvater zum Vorschein, aber er mußte noch eine Weile im Rückhalt bleiben. melnd. Die Wiener ״Arbeiter-Zeitung!" vom 22.. Jänner schreibt in einem Berichte über den Derlauf einer Streickversammlung im Bezirke Landstraße wörtlich: ״Der Verlauf war stellenweise sehr stürmisch. Den, Bericht erstattete Abgeordneter Müller. In der Versammlung hatte sich der als Anarchist bekannte Herr Rudolf Großmann (Raums) mit seinem!ganzen Anhang, der sich aus Studenten und polnisch-jüdischen Flüchtlingen rekrutiert, Keiner der Anwesenden konnte sich der Trä- Eingang zu verschaffen gewußt. Die Versammneu erwehren. Alle fühlten, .daß sie schwach wirr-! lung ließ eszu, daß nicht wonMr als sechs dieser den und waren bereit, den ganzen Plan fallen zu! Herrchen zu Morte gelangten, d!e natürlich eme -.Ä c ״ a lassen. Indessen sank der Vater erschöpft und!regelrechte Hetze gegen dre Partei und rhre Ver- bis der Kranke erwachte. Zwar war auch dieses! pomußtlos Zurück Starre Stille lagerte über dem tvauensmänner inszenierten. Sie wollen keine firrhvי™•»*-™ ™*״• w *״rr™ vewutzlwo zurucr. ^rarre ^nue iagerre uoer oem ^amsation, sie wollen von dieser,,״Kette" be- Erwachen keine Wiederkehr des vollen Bewußt-'^r״B» jemg, doch schien gerade der Dämmerzustand für Mogelte in einem Nebenraum das Telefon. Gewiß wieder die Kultusgemeinde, dachte die älteste Tochter, wischte sich die Tränen aus den schwarzen Augen, näherte sich der Türe u!nd rief ihren Beichtvater herein. Es muh sein — flüsterte sie wie zur Entschuldigung — sonst hetzt uns der Mensch am Ende die Ktatthalterei auf den Hals... Noch das fehlte uns, fügte der Jagdliebhaber, hinzu und schneutzte sichlaut. Pst! Du wirft ihn wecken, rief die jüngste Tochter. Eigentlich wärs ja zu wünschen, daß er ein. wenig zum Bewußtsein komme, meinte die Vorstandsdame. Und bald.geschah mit dem sterbenden Vater das, was die Kinder mit Rücksicht auf die Welt wünschen zu müssen glaubten. den von der ältesten Tochter ausgebrüteten und von den übrigen Kindern gebilligten Plan geeig net. Zuversichtlich trat der Beichtvater an das Lager des Sterbenden heran und begann ernst und würdevoll alle Vorbereitungen zur heiligen Handlung der Taufe zu treffen. Da seufzte der Kranke aus, richtete die großen Pupillen auf den dunklen Gast und begriff scheinbar, was verging, denn er brachte einen erschütternden Angstschrei hervor: Waswollt ihr?! Aber Papachen, riefen die Töchter, sei doch ruhig, es geschiet dir nichts, du wirst — genesen. Ich mach nicht mit, sagte der erschütterte Literat und wollte sich entfernen. Er wurde jedoch von den anderen zurückgehalten, die vor dem Vater Plötzlich Angst bekamen. Wars möglich? Der Kranke richtete sich auf, sah sich um, schob unwillig die Hände der Kinder, die nach ihm besänftigenid griffen, weg, als wollte er mit ihnen ringen und röchelte: Mas will der Fremde?! freit werden. Natürlich waren diese jüdisch-Polnvscheu Flüchtlinge alle .gegen die Wiederaufnahme der Arbeit. Die Versammlung ging trotz dieser offensichtlichen Störungsversuche ruhig zu Ende. Eine hierauf abgehaltene Vertrauensmänner- Versammlung beschloß, den Arbeitern den Beschluß des Arbeiterrates auf Wiederaufnahme der Arbeit noch einmal zu ׳empfehlen". Zur Erklärung diene folgendes: Im Verlaufe des Demonstrationsstreikes für den Frieden ist es zu einem Bruche zwischen der sozialst stischen Arbeiterschaft und ihren Führern gekommen. In den Versammlungen hat die Majorität den Führern das Mißtrauen ausgedrückt, so datz diese, wie das auch aus vorstehendem Berichte hervorgeht, sich in Vertrauensmänner-Versammlungen zurückziehen mußten, um sich dort Vertrauensvoten mühselig zusammen zu suchen. In dieser Not ist die ״Arbeiter-Zeitung" zu dem eben so geistreichen als ehrenhaften Entschluß gekommen, die Wut der enttäuschten Arbeiter auf die polnischen Juden zu lenken und gleichzeitig in