Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIX (1918)
- Issue
- Heft 3 (31.1.1918)
- Date
- 1918-01-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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e«ttt ft* ״Mische «,»Gt«««» «>. 8. Israels Sieg. erhebende Szenen spielen sich vor unseren Äugen ob. Kaum Glaubliches, nie geahn Les vollzieht sich mit elementarer Gewalt und wir sind Zeugen solcher Ereignisse, die wir nicht einmal im Traume zu sehen glaubten. Es derwirklichen sich Dinge, die bis jetzt als Utopien gegolten haben und die meisten Werte werden umwertet. Der alte Heraklit hat Recht behalten; kein Unten, kein Rechts, keinLiinks. Wohl läßt sich noch «der Kanonendonner und das Knattern der Gewehre vernehmen und sie sprechen eine beredte, allzudeutliche, aber nicht die einzige Sprache. Denn in diesem Wirrwarr wo nur die Materie zu herrschen scheint kommt auch der Geist zu Worte, wenn es auch nicht so sichtbar ׳und greifbar ist. Es ist ein höherer, neue Werte ׳schaffender Geist, der geradezu aus der Erde hervortriti und sich eines joden bemächtigt. Die Materie hat sich selber besiegt und ein geistiges Stroben macht sich überall geltend. Und zwar ist es der Geist des Judentums, der alten Propheten, der seine Macht offertbart und in seiner vollen Pracht erscheint. Zu wiederholten Malen hat sich dieser Geist dokumentiert, in der Dichtkunst, Philosophie, Bild ist allzu bekannt, als daß wir darauf zu rückzukommen brauchten. Und wer könnte leugnen, daß wir uns diesem Ideale zu nähern beginnen, wo nach solcher Völkerschlächterei es i-n ׳den Köpfen der Diplomaten zu dämmern anfängt, daß Kriege für die Zukunft entbehrlich gemacht oder wenigstens auf das Minimum reduziert werden können. Ein Geist der Humanität, der Vermenschlichung weht durch die Lande. Es fehlen die Vorurteile, die falschen Ehrbegriffe werden in die ^nwvelkammer geworden unk man beginn: .יי»■' zusehen, daß ׳nicht nur der ״Kampf ums Dasein", der übrigens falsch und nicht in Darwins Sinne gedeutet worden ist, sondern auch die gegenseitige Hilfe, die Symbisse ausschlaggebend sein soll und kann. Statt der kolossalen Staaten, die wie ein! Lewithan die kleinen Staaten und Völker verzehrt haben, werden Staatenbünde projektiert, wo sich die meisten, wenn nicht alle Völker nach ihrer Eigenart werden austoben können. Nicht fürder soll die Macht allein entscheiden, die meisten Nationen und Völker werden sich ausleben können und auch der nationale und wirtschaftliche Druck wird aufhören müssen. Da wird geradezu ein Strahl von Zion ausgehen, der die Welt mit seinem Glanze bestrahlen wird. Lord Cecil wird Wohl Recht behalten, wenn er die Ansicht hegt, daß die Juden in ihrem Lande eine Renaissanze erleben werdsn, wie die italienische. Und sollte diese Renaissanze nicht so glänzend vielseitig, alle Künste und Wissenschaften, wie es in Italien der Fall war (im I8ten und 16ten Jahrhundert) umspannen, wird aber dieser Mangel durch das dem jüdischen Volke eingeprägte, eingewurzelte und angeborene ethische Gefühl wettgemacht und vollends ausgeglichen werden. Es wird das Gute mit dem Schönen in Harmonie gebracht werden wodurch alle Dissonanzen in Helle Töne ausklingen werden. Israel kämpft jetzt nicht für die Gottesidee, diese Idee hat bereits Wurzel geschlagen, es kämpft vielmehr für die Vertiefung derselben, für die Gerechtigkeit, für sein Volk, für alle Völker. Der Prophet inhärenem« Gewände geht unter den Judeneinher und verkündet der Welt die Erlösung. Die Welt nähert sich den! Idealen des Propheten, sie wird horibile diktu! verludet, wenn auch im alleredelsten Sinne. Israel geht mit der Flamme der Begeisterung, des Enthusiasmus und des sich Aufopferns für die gute Sache allon, Völkern mit leuchtendem Beispiel voran. Israel siegt... Offener Brief an das Kuratorium maffafondes in Brünn. (Zur Notlage der mährischen Landrabbiner.) Auf diese Weise werden die Reibungsflächen Ethik usw. Um nur zwei Epochen zu nennen! di< Awinden unb ein betn1 »tteti8mu8 M nähernde deutsche Reformation im 16ten Jahrhundert und. Bewegung wird sich überall bemerkbar machen, die große französische Revolution verdanken die- Denn daß das Volkstümliche mit dem sem Geiste ihre Entstehung und Wachstum. I wirtschaftlichen Han!d in Hand gehen, wird nie- Die Waffen, die die damaligen Kämpen m mand der einigermaßen Einsicht besitzt, leugnen religiöser, wirschaftlicher und sozialistischer Hinkönnen. , sicht geschmiedet haben, sind durchweg dem Arse- Besonders hat sich Israel (etnologisch - ein nal der Bibel entlehnt. Aber weil diese Zeiten Streiter Gottes) auch jetzt!als Kämpe bewährt, theologische Zeiten waren, ׳deshalb haben sie auch der das Meiste auf den Kopf gestellt hat, wodurch -- _ , _ _ _ . die Schätze der Bibel theologisch ׳ausgebeutet, obdas Verkehrte wieder gut gemacht worden ist. Die okö ™uf|Ytfu)s3üutfu)6tt wohl sie sich gar allzuofft dessen nicht bewußt, Juden in Rußland und überall stellen ein mäch- ־ gewesen sind. . . . . 1 tiges Kontiingent von Freiheitskämpfern auf, Jetzt aber erstrahlt dieser Geist in seinem die für die höchsten Ideale der Menschheit geganzen Glanze, er ist ׳mehr als ein theologisches kämpft,!geblutet, aber lost not lest gesiegt haben. Mäntelchen, das die Scham der Gesellschaft um-. Weil die Juden aber-ein abnormales Leben . hüllt, «er ist ein Gewttter, das sich über die Mensch-j ohne Land sind deshalb müssen sie über- Don dem Weltkrieg und seinen Begleiterheit entlädt un>d eine reinigende Wirkung aus-iM für fremde Ideale kämpfen, wenn auch ihnen schemnngen: Teuerung, Mangel und schwierige übt. ״, w! selber dieser Kampf, wie es scheint, zustatten kom-! Lebensmittelbeschaffung für die Kultusbeamten Wenn mannur die Abrustungisidee in Bemen | und ganz besonders die Rabbiner tn den kleinen tracht zieht, da sieht man sofort, daß diese Idee, 1 *rtrrrtVrt ö״ -»».,*״r?. ״P' mährischen Gemeinden, deren Einkommen ohnedem Jsoies vorgeschwebt hat. weil er zu sei«-!,£*«&& ÄÄK״ ״ hin ein Geringes ist. schwer betroffen. Steht auch Zeit ebenso Staaten gegen sich auftreten sah, ™.״ umLmohl manchem Gemeindebeamten allenthalben ein kleiwodurch Völker gegen ihren Willen zur Schlacht-!^M^'-nolem Bodm für dw Wielt umsomehr ^nerwerb offen, so ist dieser Aushilfsweg bank geführt worden sind, um ohne Ziel und!^ . . Q ״.״״״, ״,! dem Rabbiner vermöge seines Standes so zimlich Zweck .abgeschlachtet zu werden. I Das Vaterland, das ste eventuell bekommen verschlossen. Die kleinen jetzt besonders veröde- . Weil ihm aber, wie einem jeden wahrhaft werden, wird gewissermaßen 6m Hafen sem׳, wo fQn Gemeinden leisten Wohl hie und da durch großen Manne, besonders einem Juden, Glaube Are Ideale verankert werden und wo sie den opferbriingend-e Teuerungszulagen mäßige Ausan eine bessere Zukunft nicht geraubt werden ^^״er des Undefmisbaren,Verschwommenen^hstfe, die aber bei׳ den vielfachen Mehrkosten selbst konnte,!deshalb stellte er ein sehr günstiges Ho-!und Vogen werden auf geben können. j ^er bescheidensten Lebensführung lange nicht roskop für die Zukunft. , Denn,auch im Altertumme war Israel Parausreicht und so sehen wir so manchen jüdischen Das idyllische Bild, das er vom Völkerfrie-' tikularistisch, ist aber trotz oder besser gesagt dank Seelsorger betrübten Herzens in arger Not ums den und dem Frieden in der allgemeinen Natur, diesem Partikularismus universalistisch gewor-, Dasein., besondes dort, wo Nebenemkünfte fehentworfen hat, dieses optimistische strahlende: den und geblieben. __ _ len und von jeher ja abgelehnt wurden. Betörten. Dann erhob er sich müde, flüsterte dem! in ihrer Lage mehr darauf an, wie einer starb, das herbeigewinkten Tempeldiener etwas ins Ohr heißt, wie die Welt sich zu sememi Begräbnis und begab sich zum Almemor. Bald ging ein mur-! stellte, was sie davon! sprach und so weiter, meln durch den Raum: der Baron Schuminsky j Diese Andeutungen der Schwester verstanden schnoberte. Das war seine Noblesse. Er gab für sie wohl, trauten sich aber nicht, etwas zu untersich und seine Kinder.... Aber was nützte es? nehmen, oder zu ver hindern. Immer eitler und hohler wurden sie, immer müder er selbst. Er genoß nicht mehr das Wachsen seines Reichtums; man gewöhnt sich doch an alles und gar so glückbringend war es nicht. Etwas fehlte ihm zur inneren Zufriedenheit. Und er hätte ja so gerne wie ein redlicher Mann seine Tage vollendet im Kreise zärtlich zugetaner Kmder. Kalt durchrieselte ihn die Empfindung, daß er sich eigentlich für Fremde geplaat hatte. Wie wärs, wenn er ihnen einen Streich spielte und Millionen für wohltätige Zwecke vermachte? Am liebsten möchte er die kleine Heimatsstadt bedenken, die armen Juden, die ihn. noch als Dorsgeher gekannt hatten. Ob die nur noch lebten? Es drängte ihn, hinzureisen, doch war er zu abgespannt und schwach dazu. Die Aerzte wunderten sich über seinen Verfall .... Sollte er in irgend einem verborgenen seelischen Schmerz begründet sein׳, fragten sie die Kinder. Allein diese wußten keine Antwort. Woherauch? Angst nur regte sich in ihnen. Angst vor dem Schrecklichen. Zum erstenmal hat es die Vor-- Da traf der Kranke selbst gewiße Vorkchrungen, die sie entsetzten. Er ließ zu sich aus einer unbegreiflichen Angst und Ahnung einen Rabbiiner, kommen verlangte seltsamer weise und empfing Zuschriften der Kultusgemeinde, betreffend ein feierliches Begräbnis und׳ beriet sich mit seinem Skretär geheinmißvoll. Das Unvermeidliche sollte Ereignis werden: Baron Schuminsky sollte auf dem jüdischen Friedhof bestattet werden. Daß die Kinder das nicht schon früher vorausgesehen hatten! Man denkt ganz ten Formen zu hängen, fragte die hoffnungsvolle Vorstandsdame ihre beunruhigten Geschwister, als sie wieder einmal um das Bett des Vaters, der erschöpft eingeschlummert war, versammelt waren. Man muß ihn bitten, daß er uns zuliebe davon ab lassen . . . begann ׳der Jagdliebhaber und angehende Bräutigam der Gräfin Heindl. Er wird gewiß nicht so eigensinnig und egoistisch sein uns zu schaden ... bemerkte die jüngste Tochter, die gerade mit ihrem Gatten dem Obersten Baron Kamer versöhnt war. Was soll man also tun, fragte der als Damenfreu'nd bekannte zweite Sohn. Der Kultusgemeinde vor Allem telefonisch absagen, entschied die Vorstlandsdame. Von den veÄutzten Geschwistern ׳angegafft, fuhr sie mit einfach an so etwas nicht . . . Aber nun, mutztej feuchten Augen fort: Papa wird nichts merken, Man auf alles gefaßt sein. Das Unangenehmste war, daß man dannalle Welt verständigen sollte, die Welt, die sie für echte Christen hielt. Und nun wars erst fraglich, ob diese hohen Aristokraten, mit denen sie so intim verkehrten, kommen würden! Nein! Wegbleiben würden sie alle. Und es er liegt ohnehin in einem, wie soll ich nur sagen, gewitzen Dusel. So ein Halbbewußtsein ist ein Glück. Er spürt nichts, er unterscheidet nicht mehr scharf. Seit gestern ist der Arme wie ausgewechseit. Er wird ohne Schmerzen hinüberschlummern. Ihm ist jetzt alles eins. Sogar uns er- __1 u tfN/vfki/vi fia wäre ja auch besser so, denn wozu sollten sie viel-, kennt er nicht mehr. Nicht wahr? Dabei rieb sie leicht die Nasen rümpfen? Doch auch das Weg-! sich -eine große Träne ans den schwarz enAugen. bleiben wäre beleidigend. Mas war da also zu! Daraus folgt? fragte der Damenfreund. tun? Der Jagdliebhaber stand gerade vor dem standsdame des Dombauvereines auszusprechen 1 entscheidenden Schritt, sich der Gräfin Heindl zu gewagt. Und nun hing dieses Wort wie eine erklären. Die älteste Tochter wieder hoffte in Spinne im Netz, oder stand wie em Gespenst UNter den Kindern und beschattete das Kwnkenager des Vaters. Angst vor dem Tode war es ja auch, gewiß, aber sterben muß schließlichjeder.Es kam ihrem Verein an die Stelle einer Vizepräsidentin vorzurücken. Nun drohte ihnen das jüdische Leichenbegängnis, alle schönen Pläne zu zereißen... Wie kann man nur so engherzig sein, an alden die Sache zu interessieren und zu intrigieren an fing; nicht umsonst ha tte er sich einmal literarisch versucht. . Laßt mich nur machen, sagte resolut dre Vorstandsdame, telefonierte an die Kultusgemeinde und dann an ihren Beichtvater. Aufgeregt kam nach einer halben Stunde