Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIX (1918)
- Issue
- Heft 17-18 (9.8.1918)
- Date
- 1918-08-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/2621806-2622015-2622025--3793-2624943- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr.|174a ״Mische *•IttfHmtw* Eertr 3 beschränkt sich nicht auf dir «qgen GrMzett des Bestandes, sondern sind die einer Eva int jüdischeu Sinne. Und um diesem Gefühle der Anerkettnung ein sichtbares Zeichen zu geben einerseits, anderseits unt dem Veveitne noch weiitare Ziele zu stecken, widntet er 20.000 K, und zwar je 6000 K für ein!3(lterversorgungshaus, in. dent der Insasse wahrhaft jüdisch leben! kann, 6000 K für ein Waisenhaus, m welchem die Kinder wirklich jüdisch^yeligiös erzogen Werdjen, 5000 K für einte Erztohungsanstalt im wahrhaft jüdischem Geiste und 6000 K für eine Bram,tausstattungsstiftung. (Leblpfter Beifall.) Dev Vorsitzende spricht Herrn Hofbauem für die l^ochherzi,gen Spenden, den Dank des VereijnDs aus. Boi der hiierauf vorgenomntentett 3lbsti/m^- tnung über dett Llntrag Hofbauer wind derselbe ein stimm ig angenontmen. Hierauf wird der Antrag über Abänderuttg eittilger Paragraphen der Statuten einer Berntung unterzogen; tmch kurzer Debatte, in der allje iihre Zustimmung zu dem Abänderungsantrage aussprechen, schrottete <der> Vorsitzende zur Abstimmung. Er stellt fest, daß die zur AbstimjmiU'Ng über den Am,trpg erforderliche Llnzahl von Mitgliedent attwesemd ist. Herr Leittter verlangt die ,nvchmaliM Verlesung!der abzuändevnden Paragraphe^ welchem Wunsche der Vorsitzende Rech׳ nung trägt. Nach der neuerlichen Konstatierung der erforderlichen! Anzahl von MRg>l!iedern wird der Abänderungsantrag einstimmig anegnomm-en. Zu den nun folgenden! Wahlen, bemerkt der Vorsitzende, daß! au!f Grund des bisher geltenden Statuts 6 Vorstattdsmitglieder für die Herren Sieg. Back, Kais. Rat Markus Bondtz Jakob Fuchs, Wülh. Kritzler, Wjolf Pappenheim und statt des sel. Herrn Beruh. Schiff zu wäihlen sind. Für die durch die neuen Statuten m schjafsenden 6 Mandats sind 6 Harren durch die Wahl zu bezeichnen,, die der Vorstand nach Genehptiigütig dev Statuten kooptiere w!i!rp. Es Werden sohin die artsscheidenden Herren wieder-, Herr Nathan Schiss nsugewähl-t. Für die 6 neuen Ma,ndatc> werden die Herren Gustav Lluerlitz, Eduard Deutsch, Moritz Leittter, Franz Neutnanin», Julius Steittfeld׳ und Michael Sternfeld gewählt. Zu Revisoren wurden die Herren Bernhard Hofbauer, Llrtur Sputz und Siegmund Figdor gewählt. Moses Stawski. In der neujüdischen Literatur, di!e sich durch Natürlichkeit auszeichnet, nimmt Stawski eine Stellung e!iln, die ihn befähigt, Eigenschaften zu entwickeln׳, die ihn, als eine markante, Dichternatuv hervoirheben. Wir meinen! die Tierschi-ldevung, die in, der jüdischen Literatur ziemlich hoch entwickelt ist, und wodurch sich Stawski! hervortut. Donn er besitzt unstreitig!eine ungxwöhnliche Gabe,, Tiere zu schildern und die Schildemutt8 so zu verlebendigen, daß man ihm in dieser Hinsicht die Palme,reichen muß. Wohl haben S. I. Abwmowi'cz, Spetitow, Dienesohn׳, Schalem, Alechjem und teilweise Perez utts Tierschilderungen verabreiicht, die sich durch künstliche! Wiedergabe der tierischen, Empfindungen, Wärme und Sympathie für büe Tiere auszeichnen. Llber m! diesem Maße, wie das Tierschilderungstalent dem Stawski zuteil wurde, ist es einem jüdischen Schriftsteller gelungen. Die ist gewissarmaßen seine Feaulte Maitresse, die ihn befähigt, Tiere zu schildern, sie -individuell zu nuanzieren und ihre Verschiedenhs-ten hsworziuheben. Llußerdetn ist es ihm, gelungen, diese Schildermtgen mit einem wohltuendsni, abgetönten, gedämpften Hmttior zu Würzen, wodurch er einen großen! Eindruck zu ntachett nicht verfehlt. Seine Tiernmlerei ist echt jüdisch, mi-t Humor und Mitleid gepaart und wir sehen ihn den jüdischen Standpunkt einnehmen, indem er das dem Juden eingeprägte Gebot, die Tiere zu bemitleiden, dichterisch-plastisch gestaltet hat. Es handelt sich ihm nicht ums Momlifieven, er will nicht -in ,den Tieren verkappte Menscheu sehen, um sie zugeißekn und durch die Blume Wahrheiten zu sagen, wie es die Fabeldichtcjv aller Zeiten getan haben. Er bMent sich auch nicht, wie manche Schriftsteller der Tiere als Staffage, um sie unt die Menschen zu gvuppierett. Er betreibt vielmehr die Tiermglerei als eiigencs, ihitt aut Heitren liegendes Kunstgebiet, das er ztt variieren, nicht milde wird. Er ist ein Tierntaler Par excellence," wodurch er eben dieses Gebiet so erweitert und vewollkommt hat. Die Tierschilderung ist daimjals entstanden, als der Mensch seine Seele mit der tierischen verwandt gefunden, hat, Berührungspunkte mit derselben aufdeckte und das Tteir, .das früher vernachlässigt worden psychologisch uttd Psychisch zu beobachten begonnen hat. DeSoartes hat im 17. Jahrhundert die Tierpsycholggte angehahnt und was er als Wissenschaftler entdeckt hat, ist dk-nn iit die schöne Literatur übergegangen, so daß man, auch den Tieren Rechnung zu tragen! begonnen׳ hat und ihre Gefühle, Empfindungen herausgreifend, sie gewisserntaßctt den Menschen genähert. Während aber die Fabeldichter!die Tiere mehr allegorisch und als Symbole ausg-efaU haben, haben sie die späteren als mftlebende, mitagierende.und teilnehmende Wesett betrachtet. In der polnischen Literatun zeichnet sich besonders Reymont durch Diermalerei aus, in der englischen London. In der hebräischen Literatur aber konnte sich die Ti!erschildsrun,g! nicht entwickeln׳, weil di׳e Literatur infolge ihrer Unnatürlichkeit und da sie besonders mjüt den eugcin! Grenzen des Ghetto׳ lebens abgegeben hat, das kein Verständnis für die Natur, also auch nicht für die Tiere hatte, auf die Tiorschildermng verzichten, mußte. Ester war itt der Haskallthliteratur dier etitMe, der die Tiere zu schildern begonnen! hat. Seine Tierschilderungen sind aber nur allego-!risch, symbolisch, um durch dieselben ditz menschlichen Fehler ad ooulos zu demonstrieren. Sie sind also nicht substanziell aufzufassen, ftmib' viielmehr JngrMenzett und Attribute, die uns das Wahre Tierleben nur ahnen lassen!. In der!neuhebräischen Literatur, ,bitte! durch die jüdische beeinflußt worden ist, zeichnet sich M. W. Feuerberg durch prägnante, subtile Tierschildemmgen aus. 3lber nt ent and vermochte es, mit individueller 3lna1lyse uns fbn‘e Tiere nähejv zu bringen, sie nicht vermenschlichjen, vielmehr aber durch das Hervorhebon der Distanz, die sie von den Menschen trennt, sie unt so Plastischer darzustellen. Weil sich die! früheren hebräischen und jübischen Dichter! tni-t der Natur tticht abgegeben haben, deshalb!mußten sie in dett! Tierschilderun'gett alteg oriWeth sich verfahren, um gewisserntaßett eine Lehre her/vorzuheben und ihre Arbeit quasi zu rechtfertigen. Dem Stawski! dagegen ist die DiierschWeruttg das ״Ding an sich", dstrch dossenBrille er alles betrachtet, so ÄM alles andere, ja sogar die Menschen als Staffage behandelt werdjen.. Infolgedessen werden wir den Stawski als Realisten betrachten müssen,wenn auch als Realisten, der den Rea-lisntus nicht auf die Spitze treibt, da er den! zarten GemütsreWngen und Seelennuaneen Raunt läßt. Es kommt oft dev symbolische Zug hinein, ohne daß die Schilderung dem Symbolismus verfällt und die Klarheit eitzbüßt. Bald ist ein Pferd, bald eine Henne seine Helden, er behandelt sie aber mvit solcher Liebe, daß sie die Ilchse, unt die sich feine Schilderung dreht bilden. Besonders Wildert er das Zusamntenleben Verwachsen sein dev Kittder mit ׳den Tieren, wenn! auch die Älteren Verstättdnis dafür haben. Weit dev Jude sich nichtästhetisch ausleben durfte, deshalb war ihm die schöne, strahlende 9kattev eitt Buch mit sieben Siegeln. Zlußerdem aber hat er den« Tieren, weil sie mit ihm das Leben und die Empfindungen teilen seine Aufmerksamkeit zugewandt, wodurch er gewissermaßen ein Hinterpförtchen für die Natur auch mit der Heugabel verjagt, kommt sie wieder zurück. Infolgedessen haben sich Tierschilderungsfähigkeiten bet den Juden angesammelt und sind dann zur Entladung gekommen, 3luf diese Weise sehen wir in der meujüdischeu Lttemtur Tierschilderungen, die was Un- Mittelbarkeit des Gefühls, Plastizität und AusdrucksfähWeit ihres Gleichen suchen. Stawski schildert das Pferd (Leban) individuell und stattet es!mit Seelenbestimmungen aus. ״Wir Kittder haben dett Leban tust derselbon Liebe behattdelt, wo wir einten. Moment Muße fyt'U-ett, brachten wir im Stalle ztt, spielten sprachen mit ihm, wie ׳mit unsergleicheitt׳. Min alle wttrdett anihn so.giefesselt, -besonders der Vater." 3lber er bildet nicht nur den Gesprächsstoff der Heimischen, sondern des ganzen Städtchens. Stawski gibt uns die Geschichte eines Pferdes fast vott den Geburt bis es zum Schinder kommt. Da steht ntain die Juigendlichkeit des Überschäunten dev Freude, die Kraft, seine Listen und RäinEe, Was humoristisch wirken muß. In poliitischeit Aufständen, wie auch im persöitlichen Leben spielt Leban eine Rolle; S-tawski versteht es daher, uns eine Idylle zu verabreichett und uns zugleich in Kriegsstimmutig ztt versetzen. Alles Muppie-rt er imt! Leben. Die Zärtlichkeit, die ihm die ganze FcMilie enigegenbviMit,!tzas sich soriwährende Llbgeben mit ihm, bilden zwischen ihnt und dem Menscheu׳ gewissermaßen ein, Familienband, so dciß man ihn tticht einntal für vieles Geld verkaufen will. Llber auch niedrigere Tiere, wie: die Henne ttsw. beschreibt Stawski künstlcr-isch und er sucht Seelettverwandtschaft und! Llnknüpfungspunkte zwischen!ih!r und ׳den Menschen zu finden. Wie plastisch ist folgende Schilderunig: ״Lebau hatte ein! ruhiges, reflektierendes Temperatnqnit. Er spitzt die Ohren, blickt gaffend Umher, als ob er sich an etwas ertntteiyn wollte. Gieradcn, ,gemessenen Schrittes triitt er oiln-her. Bald langsam, bald schneller und mit größerem Tempo, die 3l-ugen feurig und mit Vehemenz trabt er djalvon. Matt konnte ihm unendlich viel ausladen, er kümmert sich darum blutwenig!. Ihn verläßt ׳das Gleichgewicht nicht, er kennt keine Ausflüchte, er denkt uM einmal d!ava>n! auszuschlagen, sich zu bäuimen oder unwillig zu ׳werden, er ging vielmehr wie em altes Pferd — aber in bchug lauf Ehrenhaftigkeit ließ er nichts zu wünschen übrig, wenn man ihn nur etwas angeschrien hat, da blieb er! schon stehen und rührte sich >n!i׳cht von -der Stelle, wenn ntaln ihn auch weiß Gott wie! dranMaliert hätte. Soba-W man aber vom Wagen herunterge׳ gapgett ist, ihn liebkost und gestreichelt hat, ihm Zärtlichkeiten gesagt hat, erst dann -rückte er von der Stelle, indem er zu verstehen gba, daß man ihn nur mit guten Worten beeinflussen könne." Solche meisterhafte, tierpsy-chplog-ische Schisdevungeln׳ sittd bei Stawski nichts Seltenes. Sein. Dalott't, das in dieser Hinsicht bedeutend ist, streut geradezu wie aus dem Füllhorn solche SchiKdierung-en aus, bliie durch Plastik, Lhnschauli-chkeit und Lebendigkeit ztt packen und zu fesseln nicht verfehlen. Stawskis künstlerischer Kreis ist zwar ziemlich eng׳, aber er veirsteht diesen Kreis auszufüllen und kein Vakuutn zu lassen. Er erfüllt seine künstlerische Mission vollständig, so daß wir tticht -umhin können, ihm ׳in der Künstler- ׳republik eilten Ehrenplatz einzuränmen. Wilhelm O st. Eine Resolution der Wiener Kultusgemeinde. In der am 26. v. M. rmter dem Vorsitz des Präsi-d-ein-ten Dr. Stlfred Stern stattgehabten öffentlichen, überaus zahlreich besuchten Plenarsitzung des Wiener Kultusvotestandes wurde eittheMg mm Resolution gefaßt, welcher sich bisher zirka 300 KultusgemetndM Dsterreichs in gleichlautendem׳ Kuitchjgiebungen anschlossen. Es wurde beschlossen, diese Resolution den in Bekracht kotmnenpen staatlichen, Zontvallstellett zu überreichen. Die Resolution lautiet: ״Dev Vorstand der israelitschen Kultusgemeinde legt ttamens der -von ihm vertretenen Judenschaft auf das entschiedenste feierliche Ver-