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Jüdische Volksstimme · 1918-08-09 · Heft 17-18 (9.8.1918) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIX (1918)
Issue
Heft 17-18 (9.8.1918)
Date
1918-08-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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De,t; 2. ״Jüdische Bolkssttmme" 17-18. ging, denn .die alten, vielgeschmähton. Ghettojudon Waren wett charaktsrvollsri und festjw. Unsere Führer und geistlichen Lehrer aber — beschränkten sich daraus, hohle, nichtssagende Phrasen in lächerlichev Pose, bei allon möglichen Anlässen vorzubringen, während (b׳ic anderen von der Qual der Zeitgeschehnisse bewogt, die schützu,nd rechtlos allen Zufällen ausgesetzt sind, deren Angehörige Gut und Blut, Leiben, Gesundheit und Beruf opferin-, gehetzt und angefeindet wer- Iden, Jene vergessen es, ׳dM Predigten allein die Juden nicht glücklich zu machen imstande sind und ein echter Mensch, «eine echte und w a h r e Tat mehr ist, als alles salbungsvolle Gerede und Getue, das im Grunde,genommen nur für die eigene Tasche sorgt und daß, wo so ernste Aufgaben zu lösen sinjd, Lackschuhe und modischer Rock, die Hohjoit und Unfähigkeit nicht verbergen können. Herr Rabbiner Dr. Ziegler ist, außer seiner bekannt vollendeten Redekunst, eiiner der wem׳ gen, ehrlichen Männer, ,die wenigstens Sinn und Empfindung für unsere Not und Bedrängnis haben. Er will raten und helfeir, beschäftigt sich mit de mStudiemn der brennendsten TagesfragM und schon dafür, sind wir ihm Dank schuldig. Die Residenz hat jetzt einen vielversprechenden, jungen, gelehrten Oberrabbiner gewählt. Es geht die Sage, daß er außer hervorragender wissenschaftlicher Begabung, alles das besitzt, was einen! jüdischen Führer nottut, daß er gottlob ein echter Mensch ist. Vielleicht fällt von der Residenz ans, auch auf uns arme Provinzler ein Lichtstrahl seines Wvrkons. Das wäre uns Wohl zu gönnen. Wir brauchen sie dringend, diese Lichtquelle, so dringend, wie ׳der Verdurstende ,einen frischen Drunk, wir halten sehnsüchtig Ausschau nach einem Zug echten, freien Menschen׳ — und FührsriumO. Generalversammlung der Adas Israel (Schiffschule). Am 9. Juni wurde im großen Saale des Both-Hastnsdrasch die Generalversammlung der Adas Jisrvel, abgehalten. Dieselbe War sehr stark besucht. Zur festgesetzten Stunde wurde dieselbe von dem Ob- Mannstellvertreter Dr. Reininger eröffnet, da der greise Obmann Philipp Back durch Erkrankung an der Teilnahme verhindert war. Der Vorsitzende begrüßte die Versamlmung undwidmete zunächst den! Hingeschiedenen Kaiser Franz Josef 1. einen tiefenmpfundenen Nachruf und brachte die Versicherung der ׳Treue und Hingebung für Seine Majestät Kaiser Karl 1. zum Ausdruck. In warmen Worten gedachte dev Vositzendje sodann der viieleiu Helden, die auf den Schlacht- WWWWSV>W>>>>»>>>WW>>WW>>>>>>>MWWW!M kann ich hoffen, mich selbst noch irgend einmal aufzuvaffsn? Und das Hinter-mir-Gelassene vergessend, begann ich langsaimj und vorwärts zu schreiten. Ich dachte Es verlohnt sich nachzusohen, was dort geschieht, auf jener Welthälfte; die ׳der Horizont einschliingt. Und vielleicht . . . vielleicht gelang ich doch noch irgend wohin. Und einmal — bei Anbruch der Morgenröte war es — kam!ich so in eine tote Stadt und dort fand ich die Türen aller Häuser offen stehen. Dev Morgen Mar dort weder sommernoch winterartig, kalt war miir nicht, auch befiel mich keine Furcht. Von Hau szu Haus ging ich und sah: eingefrorene Körper lagen überall auf den Betten und klammerte die Fäuste rnn hart gedrückte Steine. Nach jemandem wollten sie, scheint es, noch vor dem Tode diese Steine werfen. Im Winkel eines Zimmers erblickte ich eine schlank gewachseing Frau, und, sie anblickend, blieb ich versteinert. Anmutig-schwarz und matt-blaß, mit langem, schwarzem Kleid an׳ getan, stand sie, an die Wand gelehnt, blickte mit schwarten, verbitterten Augen ins Weite, schien vergessen zu haben, daß sie während der ganzen Zeit an ihrer Brust eine kindisch-kleine wachsen Puppe gedrückt hielt. — So spät kommst du — sagte sie zu mir ruhig und gleichgiltig — man wartete doch auf dich solange, und jetzt sieh: Me sind sie tot. Ich schwieg deshalb, weil!in ihren Augen bereits jenes Feuer flackerte, das in den Augen aller Irrsinnigen» flackert, und auf die Puppe feldorn den Tod für das Vaterland gefunden. Hierauf brachte er die in den letzten Jahren verstorbenen Mi gl jeder des Vereines in Erinuerung, deren Verdienste er gebührend würdigte. Im weiteren Verlaufe der Ansprache verwies er auf den stets zunehsm,enden Umfang, der Aufgaben des Vereines, der eine Vermehrung der Anzahl der Vorstandsmitglieder erforderlich inacht. Aus diesem Grunde sah sich der Vorstaud bemüßigt, eittte teilweise Änderung der Vereinsstatuten zu beantragen. Zu vielem Danke ist der Verein sowohl einzelnen Mitgliedern als besonders einzelnen Vereinigungen, die von unseren Mitgliedern gebildet wurden, zu Dank verpflichtot, die bei der Erfüllung dev mannigfachen» Aufgaben für das indische Leben ihn unterstützen. In besonderer Weise muß hierbei der Tätigkeit des Herrn! Bernhard Hofbauer gedacht -werden. Seit mehr als einem Menscheualter steht er im öffentlichen jüdischen Ljebsni. In allen Fragen desselben, zusmgl, Wenn es sich um Angelegenholten des thoratreuen Judentums handelt, sinden wir ihn in den vordersten Reihen. Kein Opfer dafür ist ihm zu schwer, keine Mühe zu groß. Beispiellos ist seine Tätigkeit als ObMainn des jüdischen Vereines Einheit. In Würdigung dieser Tatsache stellt der Vorstand den Antrag, die Generalversammlung wolle Herrn Bernhard Hofbauer zum EhrenmitgUe.be der Adas Jnsroel ernennen. Dm Antrag wird mit lobhaftem Beifall augengmtmien. Der Vorsitzende begrüßt sodann dile erschie׳ neuen Vertreter verschiedener Bethausvereine und der indischen Presse, und zwar die Herren Max H-ickl (Jüd. Volksstimme) und Jonas K'vepl. (Jüd. Korrespondenz). Den Rechenschaftsbericht über die Vereinstätigkeit erstattet Herr! Wolf Papponheim. Er bespricht die einzelnen Zweige der Vereinstätigkeit. zunächst erwähnt er die durch die Kriegs- Verhältnisse notwendig gewordene Hilfs tätigkeit. Zur Unterstützung der durch Einberufung der Ernährer iin wirtschaftliche Bedrängnis geratenen Familien wurde ׳ein Hilfskomitee unter Leitun'g des seither verstorbenen Herrn Julius Äcjiitner gebildet, das bis zum Schlüsse 1917!!!ehr als 34.000 K‘ teils als regelmäßige, teils als gelegentliche Aushilfen auszahlte. Den KriegsflüchtUugsn ans Galizien -wurde zunächst so lange es angLng, durch Beistellung von Unterkunft erste Hilfe geleistet. Der Verein Tomech Ewjonilm hatte es für Ms ü'bervnmmen, tägli^ 1000 Flüchtlingen Warmes Frühstück, Tee und bis zur Einführung der Brotkarte.auch Brot zu liefern-. Dank der Opferberieitschaft einzelner Mitglieder War der Rabbiin er dev Mas Jiisroel in! dev Lage -allmonatlich bis 1000 K und darüber an würdige Flüchtlinge auszubezahlen. Es Wurden im Lokale der! Jesedie Dhovah ein Betan ihrer Brust!deutend, sagte sie: — Weist du, was das ist? ״S'ist ein verschleierter Irrtum". Und tot auf das Bett, das neben ihr stand, fallend, fühlte sie still, ungewöhnlich still ihren Gedänken zu Ende. Und schließlich . . . schließlich — ist — dies — nichts weiter, als ein, verschleierter Irrtum ge—We—sen . ׳. . . . . Damals verließ ich das Haus und ging mich aufs Stadttor setzen. Wohin werde ich nun, von hier gehen׳? — sagte ich zu mir selbst — besser bleibe ich für die Ewigkeit ans diesem Tore sitzen und bleibe ein Hüter dieser toten Stadt. -XInb nun sitz ich schon so lange ans dem Tore dieser Stadt, in die niemand hineingeht, undaus der niemand herausgeht. Alles, was ich einst! wußte, habe ich längst vergessen, und m meinen! Kopfe ist nichts!nehr als e i n Gedanke zurückgeblieben: — Alle, alle sind sie gestorben, und nur ich selbst lebe und warte auf niemand. Und blick ich mich einmtal selbst um und fühle die Stärke und Macht, diie in mir ruht, seufze ich nicht einmal und denke: ״Ich bin. der Hüter einer -toten Stadt." Die Hebamn!e schwieg. M ir <e l erhob sich mit einem Male, mnmit LiPkis nach Hause zu gehen.?Mein der Geist dev Erzählung ruhte noch auf ihr. So stand sie traurig und still und ihr Ge- Hirn beschäftigte sich mit der totes! Stadt und mit den! Gesicht der Hebamme, das sich während ׳des Lebens sonderbar umgestaltete. lokal eingerichtet und den Flüchtlingen zur un׳ entgeltlichen Benützung zugewiesen. Weiler bespricht der Berichterstatter die sinzelnen Zweige der Vereinsaufgaben bezüglich der Approvisionierung und Versorgung mit Lebensmitteln, was mit stets wachsenden Schwierigkeiten verbunden war. Durch Einberufang untsr ׳dlen Hilfsrabbinevn und Lehrern wurde die Tätigkeit des Vereines in diie bodenklichsten Schwierigkeiten gebracht. Dank der Opferwilligkeit -einzelner Mitglieder konnten die Unterrichtsanstalten aufrecht gehalten werden! und durch!die Bildung eines Vereines in! Rahmen der Adas Jiisroel hoffen wir! dieselbe anszugeftalten u!nd zu neuer Blüte zu bringen. Die große Aufgabe, dis uns schon seit Jahren, beschäftigt, die Vorarbeiten für.den Umbau unseres Bethauses hat neue Forderungen erfahren. Es wurde ein großes Komitee für die Durchführung der Vorarbeiten eingesetzt und die Sammlung der Spendein oygab am Schlüsse des Jahres 1917 den Betrag von mehr als 62.000 K. Über die Kassageharung berichtet Herr Jakob Stern : Die Zunahftije des Umfanges d!er Vereinstätigkeit wird augenfällig, wenn man den Ziffernberichi des vorliegenden Abschlusses mit dem zuletzt erschienenen vergleicht. Das Jahr 1917 schließt mit einer Gesamteinnahme von 260.000 K gegen 65.000 tim Jahve 1913. Die Aufgaben! konnten nur erfüllt werden durch die beispiellose Opferfreudigkeit der Mitglieder, dis sich in -den!einzelnen Posten a-usdrückt. So sind an Bethauss-penden im Jahre 1916: 32,330, im Jahre 1917: 80.847 gegen 16.546 im Jahre 1913 eiingegangeln. Es haben׳ selbstverständlich sämtliche Posten für Ausgabsn namhafte Steigerungeni erfahren, wie Koschermilchbeschjaffung, Pessachbeteilung us!w. Ein besonderes Mnwachsen ist bei der Post für Reimunerationsn und' außerordentliche Aushilfen 21.000 K (gegen zirka 7000 K im Jahve 1913) zu verzeichnen. Mit Befriedigung n!uß das Interesse au der Entwicklung des Bausands fe-stgestellt werden. Im Vertrauen darauf, daß dieses Interesse stets warm bleibt, dürfen Wir hoffen, unser Ziel zu erreichen. Herr Winkler bemängelt im Nechnungsaus- Weis die Zusammenlegung der! Post fü!r Arbei'ts׳ löhne mit anderen׳ Posten. Herr Bevnihard Hofbauev tritt dem sntgsgen. Der Ausweis ist völlig klar und! jeder konnte während der Zeit, in welcher der! Bericht auflag, Mer alles genauen Einblick erhalten. Er beantragt dem Vorstande für das Jahr 1916/17 das Absolutorium zu erteilen. Im ganzen Müsse er die Tätigkeit des Vereines nur rühmlichst auepkonuen. Dieselbe — Die Hebamme wollte all ihre Jahre wie eine Weise und Erprobte anseheu. Ergriff sie aber der Zorn der stillen Liebe zu diesem Junggesellen . . . Maren doch Während des Lesens Minuten, wo ihr Gesicht so blöde aussah, wie das Gesicht.eines wahren Idioten. Und wieder wirkte die Stimmung der Erzählung auf sie. Ihre Augen waren auf die Fensterscheiben׳ gerichtet, an die sich die schwarze, Nacht heftete, und i!h!re Ohren hörten das leise Stöhnen ihrer eigenen Lippen nichtiiniehr: Diese Person, die die Hebamme Herz «nennt . . .sie lebt ohne Willen und schreibt ohne Willen . . . wie denkt die Hebamme: blieb ihm noch etwas anderes, anher verrückt zu werden? Allein die Hebamme Schaz!nachte sich wieder beim Zigarettenkästchqu, zu schaffen und drehte aufs neue eine Zigarette. — Gesund ist er wie ein ״Goj", antwortete -sie — ov kann alles schweigend ertragen. Und weiß sie das ״gute Jahr", weshalb sie »roch kaltblütig hinzufügen mußte: — Nun der Teufel wird ihn dort nicht holen. - Für ML r e l war es interessant von dvaußsnher durchs Fenster noch einmal hineinzublicken und zu sehen: Die Hebam!ne Schaz hat durchaus keine Eile schlafen zu gehen und denkt nicht einmal daran, die Lampe zu löschen. Mit der rauchenden Zigarette im Munde und mit männlichübereinander geworfenen Beinsn sitzt sie ohne je^e Bewegung aus dem Bett und blickt irgendwohin im׳ die leere Zimmerlust.

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