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Jüdische Volksstimme · 1918-01-18 · Heft 1-2 (18.1.1918) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIX (1918)
Issue
Heft 1-2 (18.1.1918)
Date
1918-01-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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mttxt 4 ״JS-ische BolkSftimme" K. 1—2 Mit diesem Wunsche nehme ich Kerne Ver- 115cr und munifizenter Göniner gleich geschätzt, anlaffung, Ihnen miss neue, für alle Ihre treue Daß er das Wißen deS Gelehrten mit der Lebens- Fürsorge für unsere Kranken, innigsten Dank erfahrung und der Praxis des Geschäftsmannes zu sagen und begrüße ich Sie aufs Herzlichste, verband, gab seinen, Unterhaltungen einen Reiz, mit aller Hochachtung ,ehr ergebenst, '«inen Ideen eine Kühnheit und Schroffheit, di« uns seine Konversation immer wieder Mit Ver- Jonas Marx. gnügen aufsuchen ließ. Als Greis besuchte er noch mit rührendem Fleiß national-ökonomische Vorlesungen und seine Kritik war mir oft wertvoller als der Vortrag. Eine wahrhaft antike Freundschaft verband Hirsch mit Arthur Mahler und nach dessen Tode war Hirsch ein veränderter, trauriger und trauernder Mann geworden. Seinem Sinne entsprechend wurde Hirsch in tiefster Stille von seiner trostlosen Witwe Anna Hirsch Am 6. Januar ist in Wian. der Vizepräsident ״״b den Kindern, von denen die Tochter mit Unides österreichischen Abgeordnetenhauses Engelbert, versitätsprofessor Heinrich Winterberg verheira- Pernerstorfer, Mitglied des Vorstandes der den-'kt und Mutter eines hochbegabten Sohnes ist. Itimdfcftati. Engelbert Pernerstorfer. tschen sozialistischen Partei Oesterreichs, im 68. Lebensjahre gestorben. Engelbert Pernerstorfer war ein Sozialdemokrat von jener wahrhaften Jlnternatioinalität, die auf der treu zum eigenen Volkstum und,der Achtung vor jedem fremden Nationalbewußtsein aufgebaut ist. Düe Wurzeln seiner nationalen Auffassung lagen im Human itätsideal der deutschen Klassiker, vor allem Herders. Sein Ideal war, die Kultur jedes Volkes bis ins Innerste zu beherrschen und die Sprachen aller Kulturvölker so zu verstehen, um ihre Dichter in der Ursprache lesen zu können. Seine An- Erkennung vor jedem Volkstum war mit seinen sozialistischen Anschauungen unauflöslich verbun den. So kan! es, daß Engelbert Pernerstorfer einer der ersten Sozialdemokraten war, welche die Bestrebungen der national-jüdischen Renaissance und des Zioni.mus zu würdigen wußten. Pernerstorfer machte aus seinen Ueberzeugungen niemals em Hehl und trat für sie mit Wort und Schrift ein. So wurde er einer der ersten Zeugen des nationalen Judentums vor der weiten Oeffentlächkeit u׳nd bewahrte besonders auch seiner künstlerischen Entwicklung stets seine wahre Aufmerksamkeit. Soweit essich um seine nationalen politischen Wünsche handelte, geriet er zuweilen als ihr Anwalt in Gegensatz zu feinen ji! scheu Parteigenossen, deren Anschauungen über das Judentum durch die extremen Assimilationstheorien beftinnnt blieben. Er erzählte selbst gelegentlich von seinen Diskussionen über die südische Frage, die er mit V. Adler und anderen sozialdemokratischen Führern hatte, die sich geg?!׳ die Anerkennung der jüdischen Nationalität aufs äußerste sträubten. Mit Viktor 2ldler war er, Wiener von Geburt, seit der Schulzeit befre׳׳- det. Pernerstorfer bedauerte tief, daß er nicht Gelegenheit gefunden habe, die hebräische Sprache zulernen. Zwar trug er einmal, wie er mit Humor berichtete, aus den: Hause seines Freundes und Mitschülers Adler ein hebräisches Lesebuch nach Hause, umsich daran zu machen, hebräisch zu lernen, aber seine Mutter, eine Wien-׳ Kleinbürgersfrau, hatte Furcht, ihr Bub köun.te durch das hebräische Blich verdorben werden und sagte ihm: ״Willst du ivin Jud werden? Trag das Buch schnell nur wieder zurück!" Während des Weltkrieges hatte Pernerstorfer des öfteren Gelegenheit, sich zur Judenfrage zu äußern. Eimen bedeutsamen Aufsatz von ihm veröffentlichte ״Der Jude" im seinem ersten Jahrgang. Das nationale Judelltum wird Engelbert Pernerstorfers Namen in Ehren halten. Seine Teilnahme war dem kämpfenden Judentum unserer Zeit eme Genugtuung. Die Erinnerung an diesen aufrechten Menschen ist uns ein kostbares Gut! in Baden zur Ruhe bestattet. Frau kaiserl. Rätin Hirsch wirkt seit zwei Dezennien gleich verdienstlich im ״Fraueinhort" und im der Sektion des Rechtsschutzes des Allgemeinen Oesterreich!scheu Frauenvereines, seit kurzem in der Kriegermütterkassa der ״Weiblichen Fürsorge". Im Geiste sind viele in tiefster Trauer diesem Sarg gefolgt, der die Hülle eines Mannes von oft sprühendem Temperament, seltenem Gesinnungsadel und treuester und mutvollster Zugehörigkeit zu feinem Volksstamme barg. Schon die Förderung so vieler junger Talente sichert ihm ein dankbares Andenken lang über seinen Tod hinaus. Wie Moses hat er das gelobte Land der Ideen, die das Glück und Unglück seines Lebens ausmachten, nur von wertenr gesehen, die Vollendung seiner Ideen sollte er nicht erleben. E. Benedikt. Der Borchow. Forderungen im Friejdensmanifest des Holländisch-Skandinavischen Komitees in Stockholm großen Anteil. Zur Freude aller mn< das Schicksal der jüdisch-nationalen Demokratie bekümmerten Kreise erhielt Borochow vor kurzem die Möglichkeit nach Rußland zurückzukehren, wo er sofort die Führung ׳der Poale-Zion in Rußland übernahm. Durch hervorragende Geistesgaben und wissenschaftliche Kenntnisse fand er sogleich die Anerkonmmg und das Vertrauen der nichtjübischen revolutinären Oeffentlichkeit. Sein Auftreten bei der Konferenz (b'er Nationalitäten in Kiew und der demokratischen Reichskoaferenz brachte ihm neuen Ruhm. In den letzten Wochen wurde er von den Poale-Zion in einer Anzahl von Städten als Kandi!dat zur Konstituante aufgestellt. Ein weites Feld der wirksamsten Tätigkeit erwartete ihn. Er brach in einer Stunde' zusammen, zu der sein Wirken am meisten mtotfiat und viel verheißend werden konnte. Die Trauer über seinen Tod reicht weit über die Kreise seiner Partei und Schüler hinaus. Minister Dr. Bazsonyi. Der Ungarische isvael. Landesstipendienverein Wählte in der letzten Jahresgeneralversanimlang, in der der fünfjährige Bestand des Vereines gefeiert wurde, den Minister Dr. Vaßonyi zuM Präsidenten. Dr. Vaßonyi hielt hierauf eine Rede, worin er sich mit der Rechtslage der ungarischen Juden beschäftigte und sagte: ״Die Rückeriininerung an die Emanzipation, deren fünfzigste Jahreswende -das ungarische Judentum in den nächsten Wochen feiern wird, verpflicktet uns alle, das Andenken jener Männer -dankbar in Ehren zu halten, denen wir die Gleichberechtigung verdanken. Der Geist dieser Der Begründer, Führer und bedeutendste Männer und die Pietät gegen unsere Vorfahren, Theoretiker der Poale Zion, Ber Borochow, in-die noch in der Unterdrückung gelebt babon,, ver- Kiew ist eines plötzlichen Todes gestorben. _! pflichten uns, Freiheit und Gleichheit für ewig 36 Jahre War der Führer des Proletarischen Zionismus alt u. seit 15 Jahren!beherrschte er die Geister der ziomstischeu und zioniftisch-sozialistischen Intellektuellen. Im Jahre 1903, während des Kampfes um das Ugandaprojekt, trat B. Borochow zum ersten Male in der führenden zionistischen Monatsschrift ״Jewrejskaja Shijn" mit einer grundlegenden wissenschaftlichen Ab- Handlung über die Bedeutung Palästinas und die Aussichten des Zionismus hervor, die ihn sofort hochzubalten und immer dafür zu kämvfen. Die ungarische Judenschaft darf nie eine besondere konfessionelle Politik betreiben, denn sie findet ihre Zunkunft, ihre Freiheit und ihre Rechte in einer wirklich! nationalen und demokratischen Politik." Mendele Mocher Ssorim s. A. Wie gemodet wird, ist am 8. v. M., in Odessa in die Reihe der besten Theoretikoer des Zionisder berühmte neuhebräische und jiddische Schriftmus in Rußland stellte. Zur vollen Entfaltung! steller Salomon Jakob Abramjowitsch, bekannt unter dem Namen ״Mendele der Büchewerkäufer", dessen achtzigster Geburtstag im verganqe- Kaiserlicher Rat Karl Hirsch. gelangte sein schöpferischer und organisatorischer Geist erst, als im Jahre 1905 sich die jüdische sozialdemokratische Partei Poale-Zion konstituierneu Jahve in Rußland festlich begangen wurde, te, in׳ deren Dienst er vom ersten Tage an seine gestorben. Er war der populärste ostjüdische ganze Kraft-stellte. Die von ihm in seiner Hei- Dichter, dessen viel gelesene Schilderungen des' matstadt Poltawa herausgegebene Zeitschrift «Je-!jüdischen Kleinstadtlebens im russischen Ansiedwveiskaja Rabotschaja Chronika" (Jüdische Ar-! lungsgebiet geradezu klassisch sind. Mendele war beiterchronik) gestatete das Programm und die, 1836 in dem litauischen Orte Koppl geboren und Theorie der Partei aus. Nach der polizeilichen! widmete sich zunächst dem Lehrerberufe. Nach Auflösung des Zentralkomitees der Partei, muß-! einem etwas Abenteuerlich lanmutenden Vagainte Borochow seine Arbeit unter fremdem vca men tenleben entfaltete sich seine dichterische Begafortführen un dspäter Rußland verlassen. Damit bun!g in der herrlichsten Weise. Bekannt sind unbegannen die Wanderjahre des jungen Denkers.ter anderem seine Romane ״Die Klatsche", viel- und Politikers. Krakau, Wien, Italien, London,! seicht das Bedeutendste, was die ostjüdiscbe Li- Oxford, Amerika waren Etappen seines frucht- Wratur hervorgebracht hat, ״Väter undSöhne", baren Wirkens. In der Kulturbewegung der letz-z ״Fjschle der Krümmer", ״Die Reisen Benjamins ten Jahre ergriff Borochow die Partei der jidi-^gs Dritten", ״Die Entdeckung Wolhyniens" und scheu Sprache und, wie immer in solchen Fällen,.! ״Wunschfingerl". Main hat Mendele mit Recht befaßte er sich mit der wissenschaftlichen Begrüß. tzen ״jüdischi-deutschen Cervantes bezeichnet, düng der Geschichte und Entwicklung des Gegen-!während seine Jünger den großen Humanisten Tvn!! hnTTfnmmptt nffimstatar!--! lv» Kar» ״ hen Großvater, den in Ehrfurcht den »Seiden^ Ahnherrn, nannten. Die Brüder Aus Arad wird folgende rührende Geschichte , mitgeteilt: Die Szene hatte sich an einem der letzten Feiertage vor der Synagoge in Arad abgespielt. Während der Pause im Gottesdienst stanstandes. Trotz seiner vollkommen assimilatori scheu Erziehung wurde er bald einer der bedeutendsten — wenn nicht der bedeutendste — Forscher und Kenner des Jüdischen. Seine ״Bibliathek eines jüdischen Philo logen" im ersten ״Pinkas", die mit einer wissenschaftichen Präzision Am 23. Dezember verschied in Baden bei geschrieben ist, die selbst einem Steinschneider Wien sanft und schmerzlos kaiserl. Rat Karl. Ehre gemacht hätte, gehört zu dem Besten, was Hirsch, ein Mann, der so still und zurückgezogen: bie junge jidische Philologie aufzuweisen hat. ^._ ._... lebte, bei vielen Menschen und Vereinigungen Der Krieg überraschte ihn in Wien, das er als den die Gläubigen auf dem Platze vor der Syna eine unersetzliche Lücke hinterläßt. Er war das russischer Staatsangehöriger verlassen mußte. In c!oge. Unter ihnen auch eine Gruppe russisch-iüd. Urbild dessen, was Shakespeare als ״königlichen! Lugano wurde in einer Besprechung mit Pmehas Kriegsgefangener. Plötzlich ging ein älterer russ.- Kaufmann" bezeichnet, ein leider in׳ Wien recht Ruthenberg 1914 der erste Grundstein zur Kon- Soldat auf einen jüngeren Gefangenen zu, seltener Typus. Größte allgemeine Bildung, Weltgreßbewegung in Amerika gelegt. Von Lugano um den Hals und beide begangen laut männische Form u:.d Gewandtheit verbanden sich fuhr Borochow nach Newyork, wo er die Redakt!- schluchzen. Es hatte sich bald herausgestellt, bei ihm mit unermüdlich geschäftlichem Fleiß und! on des poale-zionistischen ״Jüdischen Kämpfers״ beide Brüder waren, die durch die Ereignisse weitsehendem Blick, durch den er im Verein mit! übernahm, Rodaktionsmitglied der ״Wahrheit des Weltkrieges nach Ungarn verschlagen wurden, dem vorausgegangenen Bruder Ernst und dem j toinrbe und bald eine führende Stellung in der Beide sind Kriegsgefangene und stehen in Arad überlebenden Komerzialrat Wilhelm Hirsch, das amerikanischen national-jüdischen Demokratie er- Arbeit. Der ältere, Selig Adamkov, ist Kauf- Vas ererbte Textilunternehmon in Horitz zur langte. Vor einiger Zeit kam er ׳nach Stockholm mann in Astrachan, sein jüngerer Bruder heißt großen Blüte brachte. Im Kreise der engeren Ge-j rmd ׳nahm als Delogierter der amerikanischen Po- Jsak Adamkov. Beide arbeiten schon seit neun sinnungsgenossen war Hirsch als glänzender Red-r ale-Zionisten an der Formulierung der jüdischen Monaten in Arad und trotzdem waren sie kein

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