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Jüdische Volksstimme · 1918-01-18 · Heft 1-2 (18.1.1918) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIX (1918)
Issue
Heft 1-2 (18.1.1918)
Date
1918-01-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1—2 ״Mische 8«lf»fta«t» Gsw 3 pechtigung vom demokratischen Standpunkt wur- Le vom Stockholmer Friedensmanifest und von so überzeugten Gegner aller Privilegien anerkamst, wie Paul Azelrod tu Ramsay Me Donald. Auch hervorragende deutsche und -östervsichische Sozialdemokraten stimmen dem zu. Unsere Forderung internationaler Garantien ist nicht gegen die Türkei gerichtet; wir erheben sie in Bezug auf die Rechte aller Nationalitäten, in allen Staaten. Die türkischen Minister warnen gegen englische Zusagen. Nun, Mißtrauen ist gegen alle Diplomaten am Platze. Man vergesse nur nicht, daß die Palästina-Deklaration von der Britischen Regierung im Einvernehmen mit dem Parlament und seinen Parteien, einschließlich der Arbeiterpartei, abgegeben wurde. Es ist kein Akt geheimer Diplomatie, sondern ein öffentliches Versprechen der englischen Demokratie an das sädische Volk. Es Würde dem politischen Weitblick der Türkei und der Mittelmächte keinen Abbruch tun, wenn sie sich entschließen, in aller Oefftmtlichkeit mit der jüdischen Demokratie zu verhaunen der Opposition wurden darum mit starker Mehrheit abgelehnt. Der Parteitag akzeptierte dann׳ das Kompromiß, forderte indes die Bundeskeitung auf, dahin zu wirken, daß die Worte redner war Redakteur Samuel Bettelheiin! aus Budapest. Redner schildert den neuen Aufschwung des Zionismus, dessen Impuls aus Amerika kam. Er weist auf die Bedeutung hm, welche Budapest Kongvetzresoluti-on durch den Wortlaut des Ba seler Programms ersetzt würden. dein und sich zu verständigen. Es ist das wirk-j ö^m Ausdruck. samste Mittel, um Mißtrauen zu zerstreuen. ״nationale Konzentration in Palästina" in der als Mittelpunkt der Verkehrslinie Berlin-Bag- --- w.« liegend, für die Entwicklung des Orients haben könnte -wenn das ungarische Judentum sich denjenigen Teil an der palästinischen Benützung herausnehmen würde, der ihm kraft seiner politischen, finanziellen und kulturellen Höhe zukommt. Sich noch heute dem mächtigen Zuge des modernen jüdischen Kulturlebens dessen Antlitz nach dem Osten gewendet ist entziehen, heißt den: Vaterlande in fremden Wettbewerbe um einen Platz i׳m1 Oriente hemmend im Woge stehen. Redner hält den aufkommenden anglo-jüdischen Geist, der sich anschickt, die Erbschaft der sephardischen, Polnischen und aschkenasischen Epochen anzutreten für inferiorer und von zu geringer ethischer Tiefe um in gleichen Maße stcvatsbildungskräftig zu sein, wie die deutsch-jüdische Kultur, die so zimlich alles umfaßt, was das Judentum der Neuzeit Grundlegendes für seine zukünftige soziale »nationale und religiöse Entwicklang geschaffen hat. Vorsitzender Neumänn dankt dem Redner für die außerordentlich wirkungsvolle Rede. Samstag den 16. Dezember fand im Festsaa-- le der Budapester isr. Gemeinde die Makkabaerfeier der Studentenverbindung ״Makkabea" statt. Nach dem Gesänge des Oberkantor Onartins und »der Eröffnungsrede Händlers hält Samuel Bettelheim die Festrede. Er hält die ״Makkabea" für das Krüglein reinen Oeles inmitten des großen verderbten Assimilationsmilicus. Die Makkabea möge beiden Bedeutungen des Namen Makkabis gerecht werden. Er wendet sich mit scharfen Warten gegen das im Materialismus fühlende u׳ngarische Judentum, das den Brandeis Zangwill, Trotzky u. f. w. keinen Ebenbürtigen gegenüber Die jüdischen Soldaten in Prag. Die Prager Großgemeinde erscheint in mehrfacher Richtung für den Sitz einer jüdischen Militärseelsorge praedesti-niert. Sie war schon im Frieden der Sitz einer solchen; und zwar die erste militärdehövdlich autorisierte jüdische Militär!- foelsorge, -deren Vertreter der jüngst verblichene verdienstvolle Prager Rabbiner Dr. Alexander Kisch war. Diese seine Würde kam auch pielätsvoll am Tage seiner Beisetzung am 12. v. M. durch Vertretung des Prager Militär-Komandos Durch die am Platze vorhandenen zahlreichen Die Erklärungen des Freiherrn von dem Institutionen kultureller und rekultureller Na- Busche über die wohlwollende Unterstützung der' tur bietet Prag auch den jüdischen Soldaten eine nationalen Wünsche der jüdischen Minderheiten Zufluchtsstätte nach den seelischen Erschütterung durch die deutsche Regierung, sowie ihre offizielle 6,eu des Krieges. Hier ist für die manigfachen re- Zustimmung zu den Erklärungen Talaat Paligiosen Ansprüche vorgesorgt. Für die orthodoschas in Bezug auf Palästina würden einen Fort-' xen m der altehrwürdigen Alt-Neu- oder in der schritt bedeuten, wenn die deutsche Reichsregie- Klaussynagoge mit dem gelehrten Oberrabbiner rung durch ihre Mitteilung kundgeben wollte, ®r• Brody, für die gemäßigten in der Meiselmit daß sie die nationalen Rechte der Juden in Län- Dr. Reach und -in der Jerusalemersynagoge mit dern, wo sie merkbare Minderheiten bilden, als Dr. Deutsch und für die modernen im Tempel eine -internationale Angelegenheit betrachtet, au! der Geistgasse mit Dr. Schwarz m der Spitze, deren Regelung im Sinne nationalen Selbstbe- Prag mit seinem Jahrhundert alten poetischen stimmungsrechtes sie mitzuwirken bereit wäre. Zauber, der sich noch immer an uralte, vom Allein, wie gesagt, die Erklärungen des Grotzve- Schauer der Vorzeit geweihten Stätten wie Altziers über Palästina, auf die sich Freiherr von neusynagoge, Rathaus, Judenfriedhof knüpft, ״ .. dem Busche beruft, sind nicht weitgehend genug bietet aber auch eine Kulturstätte, ander die von! *•■u* * A lernen ^venvurtlgen gegenüber- und lassen an BestimmthM und Verbindlichkeit den Schrecken des Weltkrieges gebeugten Seelen ^llen könne. Em warmer eindrucksvoller Appell noch vieles zu wünschen übrig. Andererseits stimder jüdischen Soldaten gesunden. Hinzu kom׳m!t! "™eren Zionismus zu schaffen endigt dre men die Erklärungen der deutschen Regierrm! noch die manigfache _ Gelegenheit, in Vortrags-!cyone ^oier. mit ihrer tatsächlichen Haltung gegenüber den Lehr- und Lesesaal, die im, den tatkräftigen H. H. Juden Polens keineswegs überein. Ihre natio- Dr. Engel und Dr. Lieben warme Freunde und malen Minderheitsrechte wurden bei allen Maß- Förderer besitzen, das gebrochene Herz Wiederaufnahmen in Polen ignoriert. Zuletzt bei der zurichten. Hier finden auch die 3 Nationalspra- Uebergabe des Schulwesens in׳ polnische Selbstchen ihre kundigen Vertreter,' die tschechische in Verwaltung machte die deutsche Regierung einen dem Prediger der Meinberger Synagoge Dr. Weiweithin, sichtbaren Unterschied zwischen der deutner, die deutsche in den erwähnten Predigern, scheu Minderheit, deren Rechte sichergestellt wurallesamt Meister deutscher Kanzelrede, und endc . . .. r; den, und der jüdischen, der größten Minorität im lich dre ungarische in dem Feldrabbiner Dr.'Ef diesem direkten Wege, Nachricht zu geben. Lande, die als innere Angelegenheit Polens pro- Heinrich Kisch. Allsabbatlich um 3 Uhr findet ein! Em noch nie gekanntes eigenartiges Gefühl beklami-ert wurde. Auch die in Brest-Litowsk der- Militärgottesdienst in der Klaussynagoge statt? schleicht mich wehr und mehr bei der Erkenntnis, kündeten Friedensgrundsätze des Vietzbundes Prag erscheint auch im Hinblick auf seine zahlvei-: daß wir hier, in so verantwortungsvoller Stel- Aöigen die Tendenz, die Rechte der nationalen chen Spitäler (rund 60) als eine Zufluchtsstätte! lung beinahe abgeschni-tten von Ihnen sind. Doch Minderheiten sogar in den geplanten, neu zu für die von den Wunden des Krieges so schwer, das Bewußtsein, daß es unsere Pflicht ist, auf errichtenden Staatswesen zwischen Deutschland betroffenen-Soldaten. Es besteht hier eine vom'unserem Posten auszuharren und weiterzuarbei- und Rußland zu einer inneren Angelegenheit Feldrabbiner Dr. Singer gegründete, vom hohen!len, an dem Werke der Nächstenliebe, zum Wähle dieser Staaten zu machen, sie-aus den internatio׳ Militärkomando genehmigte Einrichtung, wonach -unserer Armen und Kranken und wohleinsehend. Schaare zedek Hospital in Jerusalem. Auszug -aus dem Brief, des Herrn I. Marx, Jerusalem, vom 17./18. November 1917. Es scheint mir, daß ich heute, mindestens für einige Zeit, die letzte Gelegenheit habe, Ihnen ren und zu hoffen, das wir alle in unserer Arbeit Soweit dre leibliche Kost der Soldaten mit nun einmal -national entrechten will. Die Wohl wollenden Erklärungen Deutschlands werden der geistigen ist es freilich minder gut bestellt, nicht gestört werden, ähren Wert erst erhalten, wenn ihnen entspre- Dringend gelangt das Bedürfnis der Soldaten Schon -bei vielen Gelegenheitenwar das chende Taten, u. zw. schon bei dein gegenwärtigen nach sinnzerstreuender Lektüre, Ritualien,Psal- Krankenhaus ״Schaare Zedek" nicht allein für Friedensverhandlungon folgen werlden . men, Bibeln ans Ohr des Krankenhausbesuchers,!Diejenigen, welche die Wohltaten ׳der Verpfle- . ohne demselben genügen zu können. Wie segens- ' gung bei uns genossen, eine Hilfe, sondern auch - ן soll wirkt nach dieser Richtung hin die bei der im weiteren Umfang ein Schuh und für die Ge-; Wiener Militärseelsorge bestehende ״Liebesgaben sunden, indem unser Krankenhaus (von jeher Die jüdische Kongreßdemonstratstn. m Holland, sammlung"! Es sei an dieser Stelle der Prager das einzige, welches für Israeliten in Be- > ״Rede- und Lesehalle jüdischer Hochschüler" ge-!tracht kommt) durch Isolierung von Patienten Das jüdische Korrespondenzbureau in Haag dankt, die das durchgelesene Zeitungsmaterial ge-, mit ansteckenden Krankheiten, vorbeugend gegen berichtet:!dachtem Zwecke widmet. Was ferner zumeist in'Ansteckung wirkte. (— Dadurch war es unser Am 6. Jänner fand ein außerordentlicher Betracht kom!mt, sind handliche Gebetbücher nach Krankenhaus, und ist noch für alle Einwohner Parteitag der holländischen Zionisten statt, der, Ausgabe Fürst's. Ohne an die bis zur Erschöp-. der Stadt von unschätzbarem Wert, über das von der Leitung mit der Jto und der fung -angerufene Oeffentlichkeit appelieren zu! Und heute, wo alle, für die ärmsten Juden Alliance geschlossene Kompromiß zu entscheiden, wollen, wie viele Ritualien mögen noch vorhanin Betracht kommenden Hospitäler ihre Tätigkeit hatte. Allgemlein war wem!auf dem Parteitage' den fein, mit deren Widmung Niemandem ein entweder ganz eingestellt, oder mindestens stark unrichtig gehandelt zu haben und gab ihrem Bedauern über ihre Handlungsweise Ausdruck. Das in dieser Angelegenheit von der Amsterdamer Ortsgruppe beantragte Mißbilligung notum wurde daraufhin zurückgezogen. Die Bundesleitung erklärte, sie würde demissionieren, wenn die Resolutionen angenommen würden, welche eine Demokratisierung unk Nationalisierung der Kongveßkundgebung ver- Langten. Auch die Opposition war sich dessen bewußt, daß׳es in diesem Augenblick unmöglich war, «ine neue Leitung zu formieren. Die Resolutiowelche solche Widmungen zu richten wären, wo sie ten Herren, Ihre gewohnten Anstrengungen, die mit herzlichem Dank im Namen der Empfänger Mittel zur Erhaltung unseres Krankenhauses Verwendung finden würden. Prag, Heinrichsgasse, Reserve-Spital Nro.1, für die kranken jüdischen Soldaten. Makkabäer feiern in Ungarn. Im Sitzungssaal der orth. isr. Kultusgemeinide in Neutra fand unter großer Beteiligung eine eindrucksolle Makkabäerfeier statt. Der Festaufzubrmgen, wenn möglich, von unseren Glaubensgenofsen, für unsere jetzt so sehr notwendige Arbeit reichliche, ausreichende Unterstützung zu erhalten. Wir wollen hoffen, daß bald bessere Zeiten einikehren und,die Menschheit sich endlich darauf besinnt, Erfolge zur Verbesserung der Lebensbedingungen darin zu suchen, indem jetzt alle aufgerüttelten Kräfte, zu Arbeiten für die Wohlfahrt unsere Mitgeschäpfe verwendet werden.

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