Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIX (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (18.1.1918)
- Date
- 1918-01-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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*Hfil 2. Aik|C^ VHfipRNC *t. 1—2!ihrer Weltfremdheit dem jüdischen Volke Gesetze vorzuschreiben und aufzudrim-gen. Die längst vergessene Missionsidee vom Judentum haben sie wieder aufgefrischt und diesen aufgewärmten Kohl, wollen sie dem 20. Jahrhunidert servieren. Einerseits gehen ihnen Goethe und Schiller über alles und das Judentum ist ihnen insoferne etwas wert, als es deutsch denkt, deutsch fühlt und deutsch spricht; anderseits aber übersteigen sitz von Lobsprüchen über das Judentum, ׳daß sie als Mumie sehr schätzen, das sie aber nicht lebendig wissen wollen. Nichts Lebendiges darf sich zeigen.Jn Katakomben mutz das Judentum begraben sem> zier-!lich ausgestattet und geschmückt, von Zeit zu Zeit feierlich und pomphaft hervorgeholt um dann wieder sang- und klanglos zu verschwinden. Die oben genannten Herren treiben gerne Friedhofsstunden und Wie eine Treibhauspflanzc wollen sie das Judentum Pflegen. Der licht- und luftumflossene Aether soll ihnen vorenthalten werden. Mit theoretischen, längst verschollenen und abgezupften Ideen kommen sie zum jüdischeu Volke, in dessen Namen sie sprechen und wollen als Wegweiser erscheinen.!SSt" eine Rolle nnb sie haben' ״Minister Nesfimy Bey war so charmant, auch dre jüdische Miffum anders aufgefaßt als es den ״gesunden politischen Jnstikt" und E ״weise ^.heutigen deutschen Juden tun, die in ihren. Zurückhaltung" der sozialistischen Zionisten Ruß- Futztapfen zu wandeln glauben. lands zu loben, weil die Doalev-Aion anoeblick^ * Volk, die. jüdischen Ideale sind Kundgebungen zu Ehren der englischen Dtz^avm keine Brucken, die »um Ziele hinüberleiten, si-'twu über die Errichtung einer iS» nahZl sind vielnvehrdaSZiel selber, das d-ff-n Fort-, len Heimstätte in S.lästina als unMgemäh erlsten» gänzlich rechtfertigt. I gar kriegshetzend abgelehnt hätten. Das Lob Wir wollen nicht in dieser schwergeprüften i Ministers war vorzeitig, die Leit'uno des i zeugt, daß unsere Freunde in Rußland veAebt daß jede Partei das Recht hat, ihre Meinung zu äußern. Wir kämpfen aber Trotzdem oder deshalb sind, zwischen den jüdischen Bestrebungen in Pa- . lästina und den imperialistischen Tendenzen, -dis gegen diejenigen Juden, zu denen keiine Berbindieser Krieg offenbarte, eine deutliche Grenzlinie dungsbrücke führen kann, weil eine jede Verzu ziehen. Sie sind, wie wir alle, gegen jede ständigung geradezu ausgeschlossen ist. Kriegsverlängerung und vorsichtig in dem Aus- Sie haben sich in ihre weltfremden Gedandruck ihrer Gefühle. Aber ich ersehe aus der Stelken eingesponnen und wollen das jüdische Volk lung der ״Jüdischen Arbeiter-Chronik" i,n Petromst diesem Spinngewebe umgarnen. grad, ,des russischen Organs der Partei, datz sie Es wird aber nicht gehen. Das jüdische Volk die Erklärung!der englischen Regierung als einen das erwacht ist wird nicht mehr auf Luft und ״Akt von zweifelsohne historischer Tragweite i'm Licht verzichten wollen, nicht mehr seine gute! Leben des Judentums" zu Mürdigen weiß. Wohl Eigenschaft Preisgeben und immer auf der Wache! betont das Blatt, datz die jüdischen Rechte in Pa-- sein, um feinle Schätze vor diesen Eindringlingen! lästiina nicht von einer Nächstkoalition garantiert Wir aber müssen ihre Anforderungen als! zu schützen. ';werden sollten, sondern datz wir internationalen Kühnheit und,das sich Einmischen in fremde Din-! י Mit Juden a la Geiger und Cohen haben . Schutz wünschen, also auch eine Verständigung ge als Herausforderung betrachten, umso mehr,! wir nichts Gemeinsames,ihre Wiolkenkuckheimge-! mit der türkischen Demokratie. Die ״Arbeiter da sie selber nicht als Juden mit ausgeprägter, danken sind uns ganz fremd und wir müssen die-' Chronik" erinnert sogar daran, datz die Schafjüdischer Eigenart erscheinen wollen. Mit diesen se Dathan- und Abirundtoren, denn auch zu fung einer jüdischen Volksheimat in Palästina entlehnten keineswegs autocht. Gedanken wer- Verunglimpfungen und Denunziationen scheuen, innerhalb einer demokratischen förderativen Türden sie das Judentum nicht schulmeistern können, nicht tdüiese Ibsen zu greifen, Werden wir!stets von! kei denkbar wäre. Die jungtürkischen Politiker Es wird sich ihrer entlMgen und sie in die uns weisen. j könnten daraus nur wiederum ersehen, wie blind Schranken weisen. Sie gehören einer früheren Zeit an, denn sie in ihrem Hatz gegen die national-jüdische Ar- Das Ostjudentum und ein ziemlich grotzer heute versteht man ihre Sprache, ihr Lallen und beit in Palästina stets waren, datz sogar die von Teil des Westßudentums hat instiktiv einzusehen ihre Gebärden nicht, sie sind Spätgeborene. I ihnen am meisten verfolgten Poalei-Zion auf begonnen,, datz sein Heil nur in dem sich Ausle- Das Judentum aber lebt, webt und strebt,--einen Zerfall der Türkei nicht spekulierten, ffne Len im Judentum liegen kann und datz es diese entwickelt sich organisch und bildet sich zu einem sind freilich der Absicht, datz die Beherrscher Wir- Schulmeister als Verräter des jüdischen Volkes Dolke per excellence aus, zu -einem Volke, das zu derasiens, die Türken kein Recht haben, den Arbetrachten mutz. Wir wollen die besten Seiten der Glanzperiode des Altertums zurückgreifend beit und nationale Sicherheit suchenden jüdischen des Altertums, zu denen wir zurückgreifen, uns ^iese Maulwurf- und Fledermausnaturen von wandernden Masten Palästina als Land i-I rer aneignen, wie auch vom Mittelalter Las Beste sich weisen mutz. _ j nationalen Konzentration zu versperren. Unsoherausnehmen. j . Das jüdische Volk blickt hoffnungsvoll im weniger als wir von einem friedlichen Zusamn en- Nicht fürder sollen Ha-Wuind Auchjuden eine strahlende Zukunft. Diese werden ihr die jü-! leben mit der dünnen -arabischen Beölkerung üesein, die hebräische wie auch die jüdische Sprache bischen Teutonen nicht rauben können, es wird ser großen, um,erschlossenen Gebiete üborzchgt dürfen uns am Herzen liegen, weil sie unser Na tionalgut geworden sind. Wir wollen das Judentum um des Judenlums willen. Denn nicht nur!ein prophhatetisches, passives, sondern ein aktives Judentum ist unser Ziel. Die Entscheidungsstunde, die ietzt gekommen ist mutz alles was sich nicht als Jude fühlt aus der Mitte des Judentums verbannen und ihm nicht -das Recht zugestehen, über jüdische Sachen, Ideale. Bedingniste usw. zu urteilen, sie sind Autzen stabend? »bnen sind die Wunden und Schmerzen des jüdischen Volkes unbekannt und um die über sie zur Tagesordnuing übergehen. Ferdinand Glöckner. Aufruf. sein dürfen. Auch Völker haben ein Recht auf ^eben, auf Arbeit und Freizügigkeit. Die türkischen Staatsmänner haben Weng Verständnis gezeigt für die vitalen Jnterejm des jüdischen Volkes. Die Erinnerung an bie türkische Gastlichkeit gegenüber den aus Span! m vertriebenen Juden kann nicht die türkischen IMfreundlichkeiten und Beschränkungen gegen' die jüdische Ansiedlung in Palästina vergessen rgccchen, die während des Krieges den Charakter p- U»nter dem erschütternden Eindruck der Not-; Feldzuges gegen die zionistische Intelligenz schrere unserer Glaubensbrüder ton Palästina,; ^d die sozialistische Arbeiterschaft angenommen __ ___ ״״״ namentlich der vielen Witwen und Waisen, deren^haben. Man hat sie nach Kleinasien verbannt, Ideale des Propheten kümmiern sie sich am alleretTle erschreckende Höhe erreicht hat, und die des Landes verwiesen; man hat Bodenkäuse verwenigsten, obwohl sie vorgeben, in deren Bahnen' aus allen Landesteilen, elend und verlassen zu wandeln. Der prophetische Zug ist aber das Vorwärtsstreben, nicht die Vergangenheit sondern die Zuj als Flüchtlinge nach Safed zusammenströmien, haben wir uns veranlaßt gesehen, für diese Unglücklichen eine größere Hilfsaktion einzuleiten. boten, die hebräische Presse und Sprache verfolgt, man hat grundlos evakuiert, und zwar die Juden allein, kurz, Djemal Pascha hat die Juden Palästinas fühlen lasten, daß sie in ihrer histories ging zum Friedhof. Der alte Vater ging im Gedränge, selbst wie leblos, und die Mutter ging .. . - . . ^-..v . . ■ - . ״ überhaupt nicht, denn sie war es nicht imstande.! der dringenden Bitte, diese unsere Hilssak- Wir wenden uns daher an die Repräsentanz, scheu Heimat Fremde und kaum Geduldete sind, aller jüdischen Körperschaften und Gemeinden,' Gewiß, dieses Regime war nicht allein gegen die sowie an alle hochherzigen jüdischen Wohltäter %vfo<>n gerichtet. Zugleich wurde die Mil-ett-Verlasstraße 15. Für Mähren: Landeskomitee für Palästina in Brünn, Adlergaste 16. Für Schlesien: Schlesisches Landeskomitee für Palästina, Troppau, Bismarkstratzö 18. Und ich. wißt Ihr, w«n«t° mich unter Trauergefolge — und ging, obwohl dies, wie die! Die Hilfskomiffion 1916 für Palästina" Leute sagen, eme Sünde sei. Aber es sei, mehr ZMÜelle für Bödmen׳ Zentralstelle zur Werde ich nicht sündigen. Der Leichenwagen: ren->P-^ge jüdischer Angelegenheiten in Vraa Nikneu Gassenjungen nach, miter ihnen des Klemp- 1^ ^ngeiegenyeiren tn Vrag, Jettners Sohn, und schrieen aus Leibeskräften. — Die Teufel haben einen Juden geholt!.. Und ich schämte Mich so, als hätte mir jemaud eine Ohrfeige gegeben. Als wäre ich schuld. Die Leute schauen zu den Fenstern hinaus, treten vor die Haustüren. Der Klempner von gegenüber guckt auch hinaus, schaut auf den Sohn und lacht still in sich hinein. Und mich verzehrt eine Schande, ich weiß schon nicht für wen. Als wäre ich allein daran schuld. Vielleicht tue ich nicht recht, denke ich mir, datz ich zum Leichenbegängnis einer Jüdin gehe. Denn sie war es doch. Das.ist doch umsonst — das weiß doch jeder. Aber sie hat damalsgefragt ob es mir Wehtut.. .und niemand m der weiten Welt hat mich je darnach gefragt. Nur sie ... Die Poalei-Zionisten und die Palästinasrage. fasstmg (nationale Selbstverwaltung) der Armenier und die Autonomie des Libanons aufgehoben, die national-cwabischen Organisationen unterdrückt. Aber diese Gleichstellung ist ein magerer Trost für uns. Nach diesen Erfahrungen mutz etwas mehr geschehen, um das jüdische Volk über seine Zukunft in Palästina, zu beruhigen, als Erklärungen türkischer Minister an die Presse. ״ Dabei stimmen diese untereinander keineswegs überem. Djemal Pascha erklärte sich rückhaltlos als. Gegner der jüdischen Kolonisation, Nessimy Bey spricht von ״willkommener Ausnahme iw türktschen Reiche", die er aber von ״treuer und loyaler Gesinnung" der einwandernden Juden abhängig macht; Tallat Pascha schließlich svricht von Freiheit und Immigration in Palästina, knüpft sie aber m die Bedingung der Aufnahme- Der Leiter des Jüdischen Sozialistischen fähigkeit -des Landes. Man sieht die Vorwände, Weltverbandes ״Poalei-Zion", Ing. S. Kaplandie die ..Zugeständnisse" unwirksam wachen solsky, wurde vom jüdischen Korrespondenzbureau len, schon jetzt deutlicher als den Inhalt der zu in Haag über die jüngsten Aeu-Herungen des gewährenden Rechte. Großveziers Tallat Pascha, des ottomanischen Welche Bürgschaften wirtschaftlicher, Polin- Ministers -des Aeußeren Netzimy Bey und die scher und nationaler Art wir in Palastma mr Erklärung des stellvertretenden Staatssekretärs unsere ungehinderte Entwicklung für notwendig Freiherrn vondem Busche an eine zionistische halten, ist i>n der Erklärung des Verbandes Poa- Abordnung befragt. Ing. Ka-Planskh gab folgenlei-Zion an das Holländisch-Skandinavische So- ' “״־ ־“ ziaMsche Komitee klar umschrieben. Ihre Bede Erklärung ab: