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Jüdische Volksstimme · 1917-12-24 · Heft 19 (24.12.1917) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVIII (1917)
Issue
Heft 19 (24.12.1917)
Date
1917-12-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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är. 19. ^JMsch» Ssttrsttmme" Seite & Hermen Meldungen geht hervor, das; die Einnahme Jerusalems kampflos erfolgte und die Stadt keinen Schaden erlitten hat. Laut Versicherungen Der osmanischen obersten Heeresleitung sind mutwillige Beschädigungen ausgeschlossen. Die türkische Stellung westlich von Jerusalem wurde in der Nacht vom 8. auf iden 9.d. überrumpelt, woirauf sich die Türken durch die Stadt gegen Osten Zurückgezogen haben. Die Stadt Jerusalem soll nunmehr außerhalb des unmittelbaren Kampsyebietes liegen. Deutsche Klassiker im Jiddischen. Die Sprache der Ostjuden, das ״Jiddische", Ist in der Weise entstanden, daß! durch die starke jüdische Auswanderung, die im 14. und 16. Jahrhundert aus Deutschland nach Litauen und Po- Ren sich vollzog, eine Fülle mittelhochdeutschen Sprachgutes nach dem Osten geschwemmt wurde, das sich dann in den Hebräischen verschmolz. Der jiddische Dialekt hat sich im Laufe der Zeit auch .die Werke der Weltliteratur, und zwar vorwie- Send die der deutschen, zugänglich zu machen gesucht, wobei die deutschen Werke zumeist wörtlich vder doch nur in geringen Veränderungen ins Jidische übertragen worden. Auf diese Weise sind auch die!deutschen Klassiker ins Jiddische übernommen und dadurch den Ostjuden vermittelt worden. Die ״Wilnaer Zeitung" veröffentlicht hierüder einen fesselnden Aufsatz, dem zu entnehmen ist, daß von den Werken Goethes sehr ׳viele ins Jiddische übersetzt worden sind. So gibt es vom ״Faust" eine ganze Reihe von U6bersetzungen,z. W. von Baschower, Bleicher und Hevmglin. Letzlerer hat ferner auch den ״Werther"", den ״Götz", ״Clavigo" und »Cgmolnt" übersetzt. Wie sich Goe- He im Jiddischen ausnimmt, das mögen ein Paar berühmte Zeilen der Vorrede zu ״Werthers!Leiden" veranschaulichen. Es heißt da: ״U>n! du, jgute Seele, woß fielst (idi. h. fühlst) aselche (d. h. solche) jissrrrim (Leiden), wie er Hot (hat) gefielt Xgefülht), schep (schöpfe) treest (Trost) von seine Hövers (Leiden) und los (lasse) dos dösige (dieses) Bichel (Buch) sein! dein Freind (Freund), wenn du hast (hast) kein Masel (Glück) nit (nicht) zu durch eigene Schuld kennst nit (kannst nicht) gefinnen (finden) kein besseren Freind Freund)." 'Schillers historisches Pathos scheint dem jiddischeu Geschmacke weniger zuzusagen, undseine Werke sind daher seltener übersetzt worden. Die ״Räuber" hat Kassel übertragen, auch haben Finkel und Harenstein Schillersche Gedichte übersetzt, so z. B. der letztere den »Jüngling am Bache", der sich im Jiddischen in ״doss Jingel biem Teich" verwandelt hat. Auch Lessing ist vielfach! übersetzt worden, natürlich vor allem ״Nathan der Weise",!den Linetzki wörtlich übersetzt, Garin in erzählender Form übertragen hat. Auch ״Emilia Galotti" hat in Judson einen Üebersetzer gefunden. Zahlreich sind schließlich die jiddischen Uebersetzungen von Werken Heines. Das bekannte Frühlingslied »,Leise zieht durch mein Gemüt" stellt sich in der Nebersetzung von Korman folgendermaßen dar: Ss' zihen still durch mein gemi.t Übliche gefangen, Kling, mein kloeneß frilingslid Un farwig (d. h. wiegen) in klangen, Weit, weit kling, bis jenem Haus Wu die blumen seien westu (wirst du) dort dersehen a rois (eine Rose) sog (sage) ich .grüß (,grüße) von danen (hier). Mn deutsches Dorf mit überwiegend jüdischer Bevölkerung. Während es in Rußland und Oesterreich Line große Anzahl von Städten und Dörfern gibt, 'in denen die Juden die Mehrheit der Einwohner!bilden, dürfte ein solcher Ort in Mitteldeutschland eine Seltsamkeit und deshalb der Erwähnuing Wert sein. Es ist das Dorf Rhina in der Provinz Kessen-Nassau, das (nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1900) unter 569 Einwohnern 297 Juden zählt. Der Grund für den hohen prozentuialen Anteil der Juden an dieser Bevölkerung dürfte darin zu suchen sein, daß die Juden in Hessen früher nur ein örtlich sehr beschränktes Wohn- «echt hatten, und daß gerade die Ritterschaft, zu der der Ort Rhitna gchörte, den Juden zum Woh- 4ren freigegeben war. Die Mehrzahl der Juden in Rhina beschäftigte sich mit dem Bichhandel; im Gemeindevat waren zeitweise unter zwölf Mitgliedern «neun Juden. Orte, -in denen die Juden ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachen, gibt es übrigens in Deutschland mehrere; wir nennem« zum Beispiel Rexingen (Württemberg) mit 287 Juden unter 1080 Einwohnern, Butten- Hausen (Württemberg) mit 229 Juden unter 677 Einwohnern, Gailingen (Baden) mit 663 Juden unter 1702 Einwohnern, Kl.-Eichholzheim (Baden) mit 74 Juden unter 223 Einwohnern. Es ist bemerkenswert, daß alle diese Orte in Süd-- deutschland liegen. In den preußischen Ostprovinzen, insbesondere in Posen, in denen es früher Orte mit sehr dichter jüdischer Bevölkerung gab, existiert unseres Wissens heute kein Ort mehr, m dem der Anteil der Juden unter der Gesamtbevölkerung 20 Prozent erreicht. Die relativ stärkste jüdische Bevölkerung׳ ׳dürften in der Provinz die Orte Janowitz mit 223 Juden unter 1666 Einwohnern und Kempen mit 1069 Inden unter 6718 Einwohnern aufweisen, was einem Prozentsatz von 14,24 bzw. 18,62 entspricht. Der Zionismus im Rahmen -eS Weltkrieges. In einer von, 600 Personen besuchten Versamimlung /der Frankfurter Zionistischen Vereinigung sprach Major a. D. Endres über obiges Thema. Ein nichtjüdischer Kenner Palästinas wies hier nach: 1. Das jüdische Volk hat durch seine bisherige Kolonisatioinstätigkeit in Palästina, deren organisatovisch!durchdachter, von Philantrophie freier Aufbau der zionistischen Organisation zu verdauken ist, den Beweis erbracht, daß es allein Palästiina eine wirtschaftlich bedeutende Zukunft verbürgt. 2. Die Türkei hat deshalb das eigenste Interesse daran, die Ziele des Zionismus in Palästina aufs kräftigste zu fördern. 3. Bisher ging nur ein Tausendstel v. Deutschlands Weltexport nach den türk. Ländern. Soll der Export von Bedeutung werden, so 11}ווזי® in Palästina jüdischer Geist und jüdische Arbeitskraft dafür Sorge tragen, daß die wirtschaftliche Macht der türkischen Länder sich hebt, denn die sonstige Bevölkerung der Türkei ist zu passiv veran lagt. Ein jüdisches Regiment in Palästina. Haag, 22. November. ״Dayli Chroniele" schreibt, daß zurzeit ein aus vier Bataillonen gebildetes jüdisches Regiment, bestehend aus iin EnAand ansässigen Juden, den Boden Palästinas erreicht haben dürfte. Diese״ Mannschaften würden aber voraussichtlich zu spät kommen um noch an dem Einzug in Jerusalem teilzunehmen, der für heute oder morgen erwartet wird. Jedoch würden sie und die übrigen englischen Verstärkungen genügend Arbeit finden, da nach zuvorlässigen Nachrichten eine starke türkische Streitmacht nach Palästina unterwegs sei. Nach Meldüngen Pariser Blätter verfügt General Allen Bey, der Befehlshaber her britischen Truppen in Palästina, über eine Streitmacht von etwa 76.000 Mann; außerdem stehen bedeutende Reserven in Aegypten. Gemeindewahlen in Kiew. Nachdem wie wir schon! berichtet, die jüdische Gemeinde in Moskau auf Grund des gleichen, allgemeinen und direkten Wahlrechts umgestaltet worden ist, beginnen die Gemeinden der andereu Großstädte, wie Petersburg, Kiew u. a. diesem Beispiel zu folgen. In Kiew ist eine Kom- Mission gebildet worden, die die Wahlen zur Gemjvinde vorzubereiten und zu organisieren hat. Nach den festgesetzten Wahlstatuten wird die Gemeindeverwaltuiug aus 60 Mitgliedern bestehen; Renegaten sind laut einstimmigem Beschluß von der Passiven oder aktiven Wahlbeteiligung ausgeschlossen. Als Berufungsinstanz ist eine aus jübischen Richtern und geschworenen Rechtsanwälten bestehende Kommission errichtet worden. Die Wahl fand kurz nach dem 16./2S. Oktober, dem Schlußtage der jüdischen Volkszählung und der dadurch möglichen Aufstellung der Wählerlisten, statt. Dem leitenden Präsidium gehören an: Der Zionist M. Machower (Vorsitzender); Vertreter der ״Volksgruppe" M. I. Jüdin (Vizovorsitzender); Dr. I. N. Garber, Vertreter dev ״Poale Zion";Dr. Sch. I. Shrkin, der orthodoxen Orgcmisation; Achdut Jisroel (Sekretär); endlich M. L. Zipenjuk (Kass). Die Kosten dev Wahlen, die nach einer Schatzung der Wahlkommission 70.000 Rubel betragen, werden namentlich aus den Mitteln, der bisherigen Gemeindeverwaltung bestritten werden, dann aus besonderem, SuVsidien um deren Gewährung die Stadtduma angegangen wurde. Die Gemeindewahlen in Kiew werden dem Anschein nach lebhaft vor sich gehen und Kämpfe «der verschiedenen Richtungen bringen. Jahresversammlung des ״Misrachi." Die Jahresversammlung des Warschauer ״Misrachi" wurde am 26. November abaehalten. Einleitend sprach der Vorsitzende des ״Mi-srachi" L. Lewi-Epstein. Er Widerte die Ausbreitung des ״Misrachi", die sich am Vesten in der Zahl der misrachistischen Schekelzahler, 8000, zeigte. Auf diese Weise habe der ״Misrachi" drei Vertreter in das zionistische Zentralkomitee entsenden können. In diesem wichtigen, entscheidenden Augenblick, da die Zukunft des jüdischen Volkes ein Gegenstand weltpolitischer Beratungen ist, schloß Redner, muß auch der ״Misrachi" mitsprechen. Den Tätigkeitsbericht erstattete Herr Schtscheranski. Danach hat der ״Misrachi" niM allein ansehnliche Hilfsarbeit geleistet, sondern auch eine großzügige und erfolgbringende Propaaanda betrieben. Allmählich hat sich die Organssation auf 70 bis 80!polnische! Städte ausgedehnt. Ferner hat der ״Misrachi" eine neue Art Schülen eingerichtet, eine Abteilung ״Nachlat awot", um besitzenden Menschen den Erwerb palästinenfischen Bodens zu ermöglichen und, wie oben gesagt, Werbebroschüren und Flugblätter verbreitet. Vcrschiedentlichen Debatten und Roden folgte die Wahl des Komitees, in das u. <a. gingen: L. Lewi- Evstein, S. Gleichstem, I. Schtscheranski, und M. Kirschenbaum. Vermischtes. ""זי• ^—־ '׳-**י Von der ״Deutsch-Holländischen Palästina- Verwaltung" wird uns geschrieben: ״Die kriegerischen Ereignisse inPalästina Haben, wie nicht anders zu erwarten war, unsägliche Leiden über unsere Brüder gebracht und!die Zahl de Hilfsbedürftigen in ungeheurem Umfange vergrößert. Trotzdem, nach den bisher bei uns vorliegenden Nachrichten, Evakuierungen größeren Stils nicht vorgenommen werden sollten, ist doch geinlug der Kriegsnot über die Bedauernswerten hereingebrachen. Wirhaben Vorsorge getroffen, daß unser Hilfswerk für die nächsten Monate unverändert im Gange bleibt und sind zu dessen Durchführugg auf die!gesteigerte kräftige Unterstützung der weitesten Kreise angewiesen. — I. S. Murrow, sandte an das amerikanisch-südische Hilfskomitee für Palästina 100 Dollars. Er begleitete seine Sendung mit folgenden Zeilen: ״Ich bin kein Jude. Ich bin ein alter, christlicher Indianermissionär-BaPtisi. Euer Gott ist mein Gott, Euer Vater ist mein Vater. Euer Volk ist meines Herrn Volk Euere Brüder sind meine Brüder. — Meine Mittel fiinibi klein, aber ich bin glücklich, daß ich diese 100 Dollar zur Linderung der Leiden Ihrer unglücklichen Volksgenossen senden darf." — Leo- Pold Horowitz, der berühmte Porträtmaler, Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste in München, Ritter des Ordens der Eisernen Krone usw., ist — 80Jahre alt — gestorben und in einem Ehrengrabneben Karl Goldmark beigesetzt worden. — Beim leichtathletischen Wettbewerb im Stadion gewann der jüdische Turnverein Bar Kochba den ersten Preis der Olympischen Jugendstafett-e. — Das Kriegshilfe - Verdienstkreuz erhielt Herr Dr. Karl Doernberger, Berlin-Oberschöneweide. — Kommerzienrat Carl Leopold Netter in Charlottenburg, Mitglied des Vorstandes derjüdischen Gemeinde zu Berlin, ist von der Juristischen Fakultät der Universität in Heidelberg zum Ehrendoktor evmmnt worden. Kommerzienrat Netter gehört seil fast zwei Jahrzehnten dem Vorstände der Berliner Gemeinde an, in der er seit 1900 das Amt eines Aeltesten bekleidet. Er War lange Zeit stellvertretender Vor» sitzender des Vorstandes. Seine Hauptverdienste erwarb er sich durch die Leitung der Friedhofs- Verwaltung. Seit 1909 repräsentiert Netter den Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde Verwaltungsrat der Jewish Colonization Associtttim — Professor Max Liebernmnn hat letzt ein Bildnis des Fürsten Bernhard von Bülow gtz mahlt. Bülow hat schon früher einmal während seiner Kanzlerschaft dem Meister gesessen — im

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