Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVIII (1917)
- Issue
- Heft 19 (24.12.1917)
- Date
- 1917-12-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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«eite 4. Mische «slkSstiNme" N. IS sperrt sind, in welchen sich zwölf Fuß hohe, mit kostbaren Decken aus schwere grünen Seidenstoff bekleidete Marmorsarkophage befinden. Diese von den Mohamedanern für die Patriarchen erbauten Scheingräber befinden sich über der geschlossenen Höhle, in welcher wir die wirklichen Gräber vermuten dürfen. Zu den letzteren haben nicht einmal die Gläubigen Zutritt; sie lasten nur von Zeit zu Zeit durch eine kleine Oeffnung brennende Lampen hinab, um ein ewiges Licht zu unterhalten. Diese etwa Vj2 Fuß Durchmesser zeigende Oeffnung in der Wand, welche die Abrahamzelle Don dem Moscheeraum trennt, bildet eine Rundüng, die mehr als einen Fuß tief emgemauert Ist. Darunter kommt der lebeninge Fels zum Vorschein, welcher aber nur eine dünne Lage über dem geweihten Raum bildet. Man kann wegen der Finsternis nicht den Boden, wohin die Oeffnung führt, sehen, doch ist mit Sicherheit anzunehmen, daß hier die eigentliche Höhle Machpela zu suchen ist. Im Talmud wird auch das Grab des ersten Menschenpaares hierher verlegt. A. M. Eine jüd. Industrie in Polen. Von Professor vonZwiedinek. Man mag Antisemit oderPhilosemit sein vd!er den! Judentum neutral gegenüberstehen: unter allen Umständen ist es notwendig mit Schlagworten aufzuräumen, die irreführen müssen. Gegenüber dem Schlagworte von der ausschließlichen Handelsneigung der Ostjuden ist es keine gleichgültige Tatsache, wenn zum Beispiel durch einen offiziellen Bericht des russischen Ackerbau-Departements 1893 festgestellt wurde, daß in Litauen und Weißrußland׳ der Kleingemüsebau sich hauptsächlich in den Händen der Juden befindet. Ein besonders geeignetes Beispiel bietet die jüdische Konfektionsindustrie von Brzeziny, jener kleinen iStadt von, etwa 15.000 Einwohnern, darunter 13.000 Juden, abseits der Bahn, 15 Kilometer von Lodz, die seit dem Durchbruch Scheffer-Litzmiann im November 1914 rühmlichst b-e- Samtt ist. Eine spezifisch jüdische Industrie ist dieses Verlagsgewerbe, und zwar nicht allein ihrem Ursprung nach, weil es nur von Juden organisiert wurde, sondern auch in allen Teilen, denn alle Mieder dieses Verlagsorganismus: Unternehmer (Verleger), Faktore, Zwischenmeister und Arbei- '1er sind Juden, selbst die Hilfsgewerbewie die Spedition mit allen Arbeitskräften und selbstverständlich die Finanzierung ist in Händen der Juden. Die ganze Konfektionsindustrie von Brzeziny ist knapp drei Jahrzehnte alt. Sie ist mehr als amerikanisch rasch gewachsen. Der Platz stand 1914 in regster Beziehung einerseits mit den wichtigsten Wollstoff herstellenden polnischen Plätzen, insbesdnedre!natürlich Lodz, Tomdschow, aber sehr erheblich auch mit Bialystok. Die Unternehmer von Brzeziny standen aber anderseits als Verkäufer auch in Fühlung mit den entferntesten östlichen Grenzstädten des Reiches. Sie liefetten nicht nur in die genannten Gouvernements von Europäisch - Rußland, sondern,!ebenso nach Tomsk, Barnaul, Taschkent, Charbin, Wlahiwostok und so weiter. Das wichtigste ist, daß sie Miindestens 5000 Menschen zählende jüdische Arbeiterschaft in ungeheuer intensiver Mise gearbeitet hat, und sie hat außerordentlich billig gearbeitet. Die gesamte Ausarbeitung an einem Mantel zum Beispiel wurde mit 1,50 Rubel bezahlt. Es gab Massenaufträge, wobei für das Ausnähen einer Hose 10 Kopeken gezahlt wurden, da haben allerdings etwa fünf Leute dis verschieden Näthe an der Hose gearbeitet, haben es aber zu einer Leiftung von 160 Hosen am Tage gebracht, freilich bei einer Arbeitszeit von 6 Uhr morgens bis 12 Uhr nachts. Abgesehen vom Schabbes wurde durchschnittlich 16 18 -ג Stunden täglich gearbeitet. Bei dieser Arbeitszeit wurde aber auch allerdings trotz der niedrigen Lohnsätze viel verdient. JüdischeSchneidergesellen strömten geradezu nach Brzeziny, und es dürften Wohl über 2000 solchor Geellsn vor Kriegsausbruch in der Stadt beschäftigt ge Wesen sein, während der Rest der Arbeiter,Weibliche Hilfskräfte, größtenteils Familienangehbkige der Meister gewesen sind. Es steht fest, daß Brzeziny für jüdische SchneidergeMen aus ganz Polen eine Anziehungskraft gebildet hat. Man 'wußte, eHgilt fest zu arbeiten, aber man wus׳ auch, daß es viel zu verdienen gibt, und daß es am Schabbes ein frohes reiches Genießen zu geben Pflegte. Da kam es Wohl vor, und zwar nicht selten, daß Arbeiter bis zu 30 Glas Bier zu trinken sich gestatten konnten, und es galt als selbstverständlich, daß der Schneidergeselle am» Schabbes seine Gains hatte. (vormals Lckuarck Llrban) Kaiser - Franz - Josef ■ Platz Nr. 18. Obernahm0 von Geldern zur günstigen Ver ------- - ■■*יי zlnsung. s-aj.. =!.:,!■■,. An- und Verkauf von Losen In allen mögllehen ------- Kombinationen. ===.■=-־■:-■=; Hundfchau. Dankschreiben. Wien. Seitens der Direktion des israelitischen Blindeninstitutes ist dem jüdischen Verein ״Einheit" folgendes Dankschreiben zugekommen: ״Verehrlicher Vorstand! Um die Mannen unseres unvergeßlichen, in Gott ruhenden Kaisers Franz Josef I. zu ehren, haben Sie ganz im Geiste Sr. Majestät an dem Jahrzeitstage des milden Herrschers Hilfsbedürftige, von.dem Schicksal gebeugte, anJhren Tisch geladen, um sie fmiit Speise und Trank zu erquicken, aber auch um ihnen den vollen Becher reinster Menschenliebe, wohltuender brüderlicher Teilnahme zu reichen. Zu diesem Gastmal haben Sie auch die unter meiner Leitung stehenden Kriegsblinden gerufen, diese Märtyrer im Kampfe für Freiheit und Vaterland, welche ihr kostbarstes Gut aufgeopfert habon!, die freudigen Mutes ausgezogen und, in ewige Nacht versenkt, zurückgekehrt sind. Sie haben aus Ihrer mildtätigen Hand Labung des Kör- Pers, aus Ihrem fromen Herzen Aufrichtung aus ihrem schweren Leid empfangen. Für diese dop- Pelte Wohltat erbitte ich der Freund der Lichtberaubten,!aus bewegtem Herzen alle Segnungen für Sie und Ihr edles Werk von dem, der alles sieht und nicht gesehen werden kann. In verehrungsvoller Ergebenheit kaiserlicher Rat Heller, Direktor." Eine jüdische Deputation beim Ministerpräsidenten. Vorige Woche hat,eine Deputation, bestehend aus den Großvabbinern von Czortkow und Husiatyn sowiedgm! Vorsitzenden der ״Ag!udas Israel", I. I. Thumim, unter Führung der Abgeordneten Dr. v. Löwenstein und Dr. Straucher, beim Ministerpräsidenten Dr. v. Seidler Vorgesprächen. Der Ministerpräsident empfing die Deputation sehr freundlich. Dr. v. Löwenstein brachte in einer ausführlichen Rede eine Reihe von Wünschen hinsichtlich der Lage!der Juden in Galizien! und der Bukowina sowie hinsichtlich der Maßnahmen, die gelegentlich der Flüchtlingsrückkehr «nach Hause notwendig feiiten, um denselben die Wiederausrichtung ihrer Existenzen zu ermöglichen, vor. Diese Ausführungen wurden seitens des Abg. Dr. Straucher und des Großrabbiners von Czortkow ergänzt. Mit sichtlichem Interesse verfolgte der Ministerpräsident die Ausführungen^ erkundigte sich über die Einzelheiten der vorgebrachtem׳ Wünsche und versicherte, dieselben einer.freundlichen Erwägung zu unterziehen und im Rahmen der Möglichkeit das Nötige zur BefriMgung dersslben zu veranlassen. Der Ministerpräsident verabschisdete die Deputation überaus freundlich!. Die Zionisten beim Ministerpräsidenten. Am 7. d. M. wurden! Abg. Dr. Straucher, Zräfident des Zentralkomitees galizischer Zion:- ton, Adolf Stand und Objmann des jüdischen Naionalveveines Ingenieur Robert Stricker vom Ministerpräsidenten Dr. v. Seidler empfangen. >ie Herren präzisierten in längeren Ausführuneu die Wünsche der nationalgesinnten österrevchl- Herr Juden und stellten insbesondere an die Reieruna die Folgerung, daß bei der Neuregelung er österreichischen Verhältnisse der Vertretung er national organisierten Judenschaft der gebührende Einfluß gesichert werde. Der Minister- Präsident erklärte,!daß dem Verhalten der Judenschftt Oesterreichs zum Kriege vollstes, uneingeschränktes Lob gebühre, und מ&׳£ er in kürzester Zeit den Vertretern! der national organisierten Judenfchaft Gelegenheit geben werde, ihre Forderungen, denen er das größte Interesse entgegenbringt, der Regierung in der entsprechenden Form vorzulegen und zu begründen. Vertreter der jüdischen Presse beim polnischen Ministerpräsidenten. Der!Polnische Ministerpräsident Kucharzewski empfing dieser Tage mehrere Vertreter der jüdischen Presse Polens. Der ״Haint" berichtet über diesen Empfang: Der Ministerpräsident hielt eine halbstündige Ansprache über das Verhältnis des polnischen Staates zu den Juden als Staatsbürget sowie über seinen persönlichen Stand- Punkt zur Judenfrage. Er behandelte dabei namentlich die unerfreuliche Vergangenheit, mit der sein Name in der Erinnerung der Juden verknüpft ist, nämlich die Vorgänge bei den Wahlen zur vierten Duma, wobei er versicherte, daß der gegen ihn gerichtete Verdacht des Antisemitismus ein Irrtum gewesen sei!, der ihm! viel Unannehmlichkeiten bereitet habe, da er niemjals Antisemit gewesen sei. Was das Verhältnis des polnischen Staates zu den Juden betreffe, so wäre es im ersten Stadium der Errichtung des Staates, da das Kabinett noch nicht gebildet ist, zu früh, von einem! feststehenden Programm zu sprechen, es könne jedoch bei guten gegenseitigen Beziehungen an einer vollen Gleichberechtigung der Juoen nicht gezweifelt werden. Dev Ministerpräsident wies dabei auf die Eröffnungsrede des Rabbiners Perlmutter bei der jüngsten Rabbinerkonferenz hin, worin der Redner die Liebe und Hingebung der Juden gegenüber Polen betonte, was er, der Ministerpräsident, nicht bezweifle. Im Namen der Anwesenden erwiedierte der Vertreter des' Blattes ״Hazefira", der, wie der Bericht weiter besagt, ״den Ministerpräsidenten begrüßte und seinen Dank dafür aussprach, daß dieser in unmittelbare Berührung mit der jüdischen Presse getreten sei, was in Zukunft gewiß viele Mißverständniisse verhüten werde." Der Ministerpräsident seinierseiiL tollte dcrvcvuf hin iniit, daß dev Direktor der politischen Abteilung, Graf Rostworowski, dasselbe Verhalten gegenüber der jüdischen Presse wie gegenüber der polnischen Presse beobachten werde und alle Informationen, d!e die Polnischen Blätter von ihm erhalten, auch! dsn jüdischen Blättern zur Verfügung stellen werde. Ernennung. Dem' Landeschefstellvertreter für Bosnien! und die Herzegowina Max von Ghürkovies wurde die Würde eines Geheimen Rates verliehen. Ein tapferer jüdischer Militärarzt. Dem in Gießen wohnhaften Vater des an den Folgen seiner Verwundung gestorbenen Oberarztes d. R. Dr. Hugo Mayer, Ritter des Eisernen Kreuzes 1. u. 2. Klasse Md des Hessischen MMtär-Sanitätskreuzes, ging in Vertretung des erkrankten Regimentskomandsurs namens des ganzen Regimentes und seines gesamten Ossizierskorps ein Schreiben zu, m welchem es heißt: ״Ihr Sohn wird uns infolge seiner unvergleichlichen Pflichttreue als Arzt, infolge seiner hervorragenden Tapferkeit und Unerschrockenbeit, w׳,׳״.׳ es galt, iM Feuer ärztliche Hilfe zu bringen, als liebenswürdiger Kamerad und prächtiger Mensch unvergeßlich und immer ein Vorbild bleiben. Und deshalb fühlen wir um so mehr!miit Ihnen und Ihren hochverehrten Angehörigen diesen schmerzlichen Verlust. Die durch den Heldentod Ihres Herrn! Sohnes gerissene Lücke wird schwer auszufüllen sein. Aber das Bewußtsein, daß Jh rSohn in treuester Pflichterfüllung für sein Vaterland den Heldentod erlitten hat, möge sie etwas trösten, denn sie können stolz sein auf diesen Sohn." — Eimen ebenso warmen wie ehrenden Nachruf für den Verstorbenen erließ der Rogimentskomandeur ■im ״Gießsner Anzeiger." Letzte Nachrichten zur Besetzung Jerusalems. Kriegsminister D. d. I. v. Stöger-Steinev machte fort Heeresausschuß dev österreichischen Delegation folgende Mitteilung: -Aus den bis-