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Jüdische Volksstimme · 1917-12-14 · Heft 18 (14.12.1917) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVIII (1917)
Issue
Heft 18 (14.12.1917)
Date
1917-12-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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wm 4 ״Wdischtz ft 18 Cholera in erschreckender Weise unter!der Bevölkerung frafffetett» Zur Palilstinafrage. Der holländische Staatsminister Freiherr Alexander Friedrich de Savornin Lohntaatn, der Führer der kalvinistischen ״antirevolutionären" Partei Hollands, als deren Repräsentant er!auch im Ausland großes Ansehen genießt, hat sich kürz-!ich über den.Zionismus und sein Program geäußert. Savornin Lohmamt, der ׳durch gründliche wissenschaftliche Arbeiten sich den Rang eines Universitätsprofessor erworben hat, ist durch fast 4 Jahrzehnte abwechselnd Mitglied des holländischen Ober- und Unterhauses gewesen und wurde 1890 zum Minister des Innern ernannt. Wie das ״Jüdische Korrespondenzbüro" in, Haag meldet, sagte der Minister u. a.: ״Ich wünsche von, Herzen, daß die Juden in iihrenl eigenen Lande das Work ihrer Wiedergeburt durchführen, in Ruhe leben und der Kultur, und dem Fortschritt dienen. Wir Holländer sind immer für die Freiheit der Individuen und der Nationen einigetreton. Darum wünsche ich, daß ,auch die Juden ihre Freiheit erlangen. Ich kann es nur bogrüßen, wenn die Judsnifrage auf der Friedenskonferenz behandelt und zu einer gerech-!ten Lösung ׳cmrch die Verwirklichung der nationalen Hoffnungen auf Palästina gebracht werden würde. Der Zionismjus scheint mir die natürlichste Lösung der Juden!srage. Ich hatte immer sür ihn aufrichtige Sympathien." Englische Pläne in-Palästina. ״Daily News" verzeichnen das Gerücht, daß sogleich nach der sür heute erwarteten Einnahme Jerusalems der Beschluß der britischen Regierung!erscheinen werde, wodurch Palästina als vorläufig von Enjgland annektiert uirtib für die spätere Gründung eines jüdisch-zionistischen Staatswesens unter englischen: Protektorat Vorbehalten bezeichnet werden würde. Gaza und Jaffa würfeen englische Kriegshäfen mit Fveihandelshäfen werden. Diejüdischen Flüchtlinge in Alerandria. In einer beißenden Ironie über die jüngst jüdisch-amerikanischen Arbei-terblätte ״Die Wahrheit": Uns kann die Zensur!nichts anhaben. ^aben wir doch eine Schlüsselsprache erfunden, die unsere Leser ohne weiters entziffern werden, vor der -aber allgewaltige Herr Zensor wie der Hahn vor dem' ״B'ne Odom" (dem Gebete des Kaporothschlagen) stehen würde. So sprechen wir .! ist jetzt fast drei Jahre her seit die große! beispielsweise, wenn vom Präsidenten der Ne- Emigration palästinischer Juden nach Egyptens publik di׳e Rede ist, nicht mehr von Wilson, sondie durch den Krieg zwischen der Türkei und ben: dern einfach vom! schlechten ״Klesmer" (Musikan- Alliirten hervorgerusen wurde!, einWsetzt hat. Un-'ten), wegen der Vielen! falschen Noten. Wir beg-efähr 8 —10.000 Juden suchten einen Zuflnchts-' richten auch -nicht mehr über U-Boote, die Schiffe ort in Egypten. Die Masse der jüdischen Flucht-^ Versenkt haben, sondern in Anlehnung, an die linge ist in Alexandria geblieben, wo sie ursprüng-Schrift einfach von ״Pharaos Neitwagen", Jbde lich landete, aber eine beträchtliche Anzahl von ih-, ״wie Blei in das Wasser sanken". Neulich erzähl-!nen hat sich nach Kairo und Port Said begeben, i ten wir in der Art der Chassidim, daß der ״Alte, Die englischen! Behörden in Aegyptenrichte-!soll leben," mit der Hand gewinkt hat, was aus len ein besonderes Departement in Alexandria große Ereignisse hindeutet. Natürlich war der fS? ״Londoner-nen sehr,fluten Eindruck. Besondere Jntereffe des. Hi fs-Komlt-e . Dieses Komite leistet außeror-! Renen die Artikel ״Der jüdische Handel in GalS. ^§?«5so«-»srs1che Arbeli, indem, es sich z!cn" von Dr. Josef Tennenbaum, Me zionistibrnstruktlven Hilfe anigoetgsche Arbeit in Polen" van Herrmann Rosenblum?^^?oolehen für Leute, Re sich eigene und ״Kolonisationsmethodea in Palästina" von Existenzen schaffen wollen, siedelt Famisten im A. Tarterkower?!Ä‘ Tn, Berlage ״Senonith" in Lemiberg ist Shulwerkes und macht sich besonders durch seine ein neues hebräisches Lehrbuch ״Leschonenu״ »ind«. u«chSaugl,«M.goy«verinent. Gerade-.,.Vase« Sprache", erschienen. Verfasser sind: zu svnsreich war Rr Emflutz der Fluch»,,igeonf M. Tennenblatt und N. Siegel.;;Ur°n,EgYptensMe haben die L-beiiskvaft Im hebräischen Berlage ״Assaf" in New Aork ist unter dem Titel״ Mikeren Savith" eine vollständiM Ausgabe sämtlicher philosophischer- und literarischer Artikel des bekannten hebräischeu- Schriftstellers, Professor Dr. David Neumark in Cincinnati erschienen. In Kiew ist eine große jüdische Verlagsfirma unter dem Namen ״Kiewer Verlag" ins Leben gerufen worden. Der neue Verlag, kündet das Erscheinen einer Reihe von Büchern und Brochüren sozialpolitischen Inhaltes in süd. Sprache an. Eine Spezialabteilung wird sich mit -der Herausgabe von Ingen,dliteratür befassen. Die vereinigten jüdischen sozialistischen Parteien in Kiew haben mit dev Herausgabe einer Zeitung unter der Bezeichnung ״Neue Zeit" in jüdischer Sprache begonnen. Dieselben Parteien geben seit Oktober in Charkow ebenfalls ein jüdisches Organ, ״Arbeiter Zeitung", heraus. Der Hebräische Theaterverein ״HaMmah" in Moskau verösfentlW sein Winter-Repertoire? Im Lause der Wintersaison sollen Theaterstücke in hebräischer Sprache von An-ski, Peretz,Pinski, Asch und Frau Krumker aufgeführt werden. Allgemeines Interesse und Spannung hat die An-' zeige hervorgerufen, daß in der Mitte der Win!- tersaison der bekannte Roman von Abraham Mapu ״Ahawath Zion" (Zionsliebe), für ז die Scene bearbeitet, ansgeführt werden soll. Dieser Aufführung sollen weitere Versuche zur. Jnseenierung der hebräischen Klassiker folgen. des Judentums, den Geist des neuen Jischubs" in eine Judenheit gebracht, die unter dem Zeichen größter Assimilation stand. Und die jünaere Ge- Iteration besonders hat die Kraft -des Palästinenfischen Hebrcusmus so schön und stark bewiesen, daß sie alle jüdischen Kreise gewann und die Mischeu Schulen des Landes in hervorragender Weise beeinflußte. Wie fctc spanischen Juden seinerzeit den Ostjuden thr ״Ladino" aufdrängten, so zwingcit die jüdischen Flüchtlinge von Palästina den ägyptischen Juden jetzt die hebräische Sprache auf. Es werden nur ganz wenige der Flüchtlinge int Lande des Exils auch nach dem Kriege bleiben. Die überwältigende Majorität hat in guten! und bösen Stunden den Wunsch, nach Palästina, ihrer Heimat, zurückzukehren. Und es beweist ein schönes Verständnis Ser Behörden, daß sie schon jetzt a.n> die Schaffung von Fonds, teils aus Ersparnissen der Flüchtlinge von ihrem Vovdienst, teils aus privaten׳ Mitteln denken, die für die Repatriation verwendet werden sollen. Das Exil hat diese Juden vielleicht noch ärmer an -weltlichen Gut genmcht. als sie es vordem waren, aber es hat ihnen einen Reichtum gezeigt, den sie in solchem Maße nicht zu besitzen ahnten: ihre starke und große Liebe zu ihrem Heimatbodett und ihren Willen, die jüdische Nation wieder zu errichten. Bon -er amerikanischen Zensur.!ein,das sich um das Wohlergehen der Flüchtlinge zu bekümmern hatte. Die Flüchtlinge die bei ihrer Ankunft in provisorischen Bavaken untergebracht wurden, woh-!rvenjetzt in 2 Lagern, haben ihre eigenen Schulen und ihre Werkstätten. Sie können durch ihre Arbeit ihre Familien selbst ernähren und ein gro- Her Teil von arbetitssähigen Männern konnte Erwerb in Kairo finden und auf diese Weise die Wfskasse entlasten. Ein geringer Teil des Verdienstes der Flüchtlinge ist dazu benutzt worden, das Lager zu verbessern, auszubauen und neue Schulen und Werkstätten einzurichten. Die Lager Haben teilweise! den Charakter operativer Gemein-!schäften. Die erfreulichste Tatsache in der Organisation der Flüchtlinge sind die Schulen, die den Kindern auch im fremden Lande den Hebräisnyus einpflanzen, der sie in dem Lande, aus dem sie gekommen sind, sonst umgeben hätte. Eine hebräische Schule besteht in Alexandria, die von 350 Kindern von Flüchtlingssamilien besucht wird. Auch sür die sanitären Bedürfnisse der Flüchtlinge ist in ausreichender Weise gesorgt. Die Mittel für die Flüchtlingsfürsorge kommen aus verschiedenen Quellen: die Konsulate, zu denen die Flüchtlinge ihrer Nationalität nach gehören, zahlen einen minimalen, Beitrag Per Kopf; die ägyptischen Behördenstellten Wiohnungen und sanitäre Einrichtungen zur Verfügung. Die Hauptmittel, indessen, werden von Mischen Komites und Einzelpersonen zur Verfügung gestellt: so sorgt das Comite d' Assistanze, das aus einigen prominenten Juden Alexandriens und den Palästinensischen Führern in Alexandria besteht, für mehr als 1000 Personen. Das Komite .. - , bekommt seinerseits Zuwendungen vom ״Ameri'Mann und Dr. Ignatz Schiffer brtngt, macht «er- ״Alte, soll leben," kein anderer als Hindenburg, der mit eiNer Handbewegtmg die neue Offensive angeordnet hat. Die amerikanische Flagge ist so vielfarbig, daß man uns ohne weiteres verstehen Wird, Wenn wir sie von heute an mit Jakob nur noch ״Akudim NekudiM ULrudim" nennen. — England heißt bei uns von heute an nur noch ״Min-Hamezar" (Aus der Enge). Unsere Gespräche werden dann ungefähr so geführt: Wir fragen eilten grünen Landsmann, wie er seine zweite Frau liebt, und meinen damit natürlich, ob er ein guter amerikanischer Patriot ist, und wollen wir von unserem Nachbar wissen, ob er Pazifist ist, so fragen wir einfach: ״Seid Ihr auch von ״Ansche Schlaumenu?" Eimen Jüngling fragte ich neulich, ob er bereits beim Totengräber war. Er verstand mich sofort und antwortete prompt: ״Ich habe mich bereits zur Fremdenlegion gemeldet....So lange wir so sprechen und schreiben, sind wir vor der allerstrengsten Zensur geschützt. Jüdische Presse. Nach einer durch den Krieg hervorgerufenen Unterbrechung von 3 Jahren begann in Krakau die hebräische Wochenschrift ״Hamizpah" wieder zu erscheinen. Es hat sich ein specieler Kreis von führenden jgalizischen Persönlichkeiten gebildet, die die literarische und finanzielle Existens des Wochenblattes garantieren. Die in Lemberg in Polnischer Sprache erscheinende Zeitschrift ״Moriah" hat soeben ihr 11. und 12. Heft herausgegeben. Das Journal, welches. Artikel von Martin Buber, Hugo Berg- Aufruf. Wie alle Mischen Organisationen hat auch der ״Jüdische Handlungs-Gehilsen-Verband durch den Krieg zu leiden. Die meisten unserer Kollegen stehen unter den Fahnen und jede Arbeit, die auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiete geleistet wurde droht!erdrosselt .zu werden, trotzdem gerade in dieser Zeit der Entscheidungen und Umwälzungen das jüdische Volksbewußtsein und Zusammengehörigkeitsgefühl wach,gehalten werden sollte. Bis vor Kurzem War es noch unserer Vereinslöitung möglich allwöchentlich am Samstag Abend Vorträge zu veranstalten, welche mit dem Judentum und der Judenfraige im Zusammen- Hang stehen, durch den Mangel an Vortragenden müßten!aber diese eingestellt werden, wenn! wir nicht Verständnis bei der hiss, jüdischen Intel(:-׳ genz finden. Sehen Wir uns blos einmal um und' wir finden, daß allerorten jede einzelne Vereinigung an der Arbeit ist, überall wird zentralisiert, nur wir Juden stehen noch immer unter dem Fluche der Zerstreuung und gerade die, höheren Stände sind es, welche die größte Gleichgiltigkeit unseren primitivsten Lebensfragen,entgegenbrtngen. Der I. H. G. B. will!aber bestrebt sein nicht nur Klassenbewußtsein, in den Reihen seiner Standesgenossen zu pflegen, er Will auch reges jüdisches Leben in alle bisher indifferenten Kreise tragen und hiebei sollen uns alle jene Helsen, die hiezu durch Wissen und Einfluß berufen sind. In unserem Weckruf an die jüdische Oeffenklichksit wenden wir uns in erster Richtung an diejenigen Persönlichkeiten, die auf Grund ihres Denkens und Fühlens und Könnens in der Lage sind unsere Kulturarbeit zu erfassen und uns in der Weise unterstützen würden, daß sie uns ihre geistigen Kräfte behufs Abhaltung von Vorträgen aller Art zur Verfügung stellen. Diese Vorträge sollen unsere jüdische Sache wecken und fördern, sie sollen eine Schar von Anhängern erziehen, die jederzeit für das gesteckte Ziel eiiftreten kann und das Interesse um Judentum wach zu halten hat. U-eber die Vortragstätigkeit werden in diesen Spalten regelmäßige Berichte erscheinen, auch alle arwevM 'in Betracht kommenden jüdischen Blätter sollen hierüber Referate bringen, wodurch dev allgMeine ÄontM hergestellt werden wird.

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