Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVIII (1917)
- Issue
- Heft 18 (14.12.1917)
- Date
- 1917-12-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2621806-2621995-2622013--3693-2624913- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Safed 2× ep/1046078
OCR text
Nr. 18 et»( 8 Aufruf. Das jüdische Archiv Wie«, 2. Bez., Praterstraße 43 muß und frve Waffen liefern, mit denen wir uns wehren wollen gegen die Angriffe des Antisemitismus, ein Zweifel der Feind .!rüstet. Und wehe wenn wir nicht vorbereitet sind. Wir hoben im vollen Umfange unsere Pflicht gegen das Vaterland erfüllt. Verblendete, von Haß erfüllte Judengegner arbeiten aber in! großtem MaUtabe davqni, unsere Verdienste nicht etwa zu verkleinern, nein, vielmehr unsere über allen Zweifel erhabene staatstreue Gesinnung zu ver- Mächtigen. Den Verleumdungen können wir nur entgegentreten, wenn wir auf ein reichhaltiges, zuverlässiges Tatsachenmaterial verweisen können. .Die amtlichen Quellen werden noch lange geschlossen Meiben, Wir aber haben keine Zeit zu warten,. Es muß private Arbeit den Stoff liefern, dessen Kenntnis wir nicht entbehren können, um!den, phantastischen, bis in die Einzelheiten erlogenen Berichten der Antisem!i!ten den Boden zu entziehen. Juden! Haltet die Angelegenheit nicht für gering. Es Mt Euer Sein. Unsere Aufgabe ist nicht leicht. Helft, uns sie zu erfüllen. Wo immer Ihr seid, verschafft uns die Daten Euerer Geschwister Md Verwandten, Freunde und Bokannten im Kriege. Jeder verständige uns unverzüglich über die Zahl der Eingerückten, Freiwilligen, Kämpfenden, Verwundeten, Gefallenen und Ausgezeichneten in Familie, Haus und Gemeinde. Fragekarten stehen jedermann, der sich für diese Volkssache .interessiert, kostenlos zur Verfügung. Die Stunde der Gefahr ist da, versäumt nicht Euere Pflicht! ■■■■■■■■■■■■■■■■ Der Kriegskalender fehle in keiner jüdischen Familie!! — Oh stolzer König, fing er entschloßen an, ich soll mich vor deinem Stein bücken und das Hirngefpinst eitler Menschen!ehren? Oh König! Mute mir dies nicht zu! ״Ich bin dein Gott,spricht der Herr" hat man mich gelehrt.... — dem Henker zuführen! brüllte der Wse An-- Mchus auf. Der Zweite warm er «!intrat wußte, daß sein Urteil besiegelt ist. Ihm! begegnete der ältere Bvuder und er wußte von seinem Lose. Dies erhöhte noch seinen Mut und Entschloßenheit. Sein Blick war noch , stolzer und verachtender. - Und als ihm der König m!it halbgepreßten Lippen fragte, ob er so hartnäckig wie sein Bruder sein werde, da lachte er wild «auf, daß der stolze Grieche erschauerte. Oh König, König! Auch mich hatte man gelehrt: ״Du sollst keinen andern Gott haben!" — und ich bleibe -dabei!! — Dem Tode ausliefern! rief der grimmige Antiochus Wildzornig aus, und! deschied den dritton der Brüder. Aber ckuch diiesem, wie den übrigen drei׳ erging es wie den ersten. Ein jeder wußte etwas von der jüdischn Lehre, daß chm den Tod selig machte. Als aber der siebente und jüngste Bruder, das kaum drei jahre zählende Kind, wie ein kleines Vögelchen einhüpfte, da erweichte nochmals das Herz dieses Grausamen und er streckte seine Arme aus, um es auf seinen Schoß zu heben. Kuaäs«ßau. Audienz Dr. Hantkes bei Graf Czerain. In der vergangenen Woche weilte Herr Dr. Arthur Hantke aus Berlin, Mitglied des E. A. C., mehrere Tage in Wien. In wiederholten Zusali-meukünfteu mir den Leitern der österreichischen Organisation und dem Exekutivkomite der Zionisten Oesterreichs wurde die politische Gesamtlage des Zionismus eingehend besprochen. In einer größeren Vertrauensmänner-Versammlung aM 12. V. M., erörterte Herr Dr. Hantke die aktuellen Fragen unserer Bewegung und bevichtete eingehend über die Verhältnisse in Palästina Am letzten Tage seines Aufenthaltes wurde er vom Minister des Aeußeven Grafen Czernin >tjn Audienz empfangen. Wie die ״Wiener Politische Rundschau" verbreitet, ״nahm Graf Czerniin die Aufklärungen Dr. Hantkes über die zionistischen Pläne mit Befriedigung zur Kenntnis." Jüdische,Berühmtheiten aus Görz. An jüdischen Berühmtheiten besaß Görz, die jetzt von den Mittelmächten wiedereroberte Haupt ftdbt der gleichnamigen österreichischen Grafschaft an der italienischen Grenze: Reggio und Ascoli, den größten Philologen Italiens, nach^dem auch bis vor kurzem eine dortiige Straße benannt war. Die Görzer Synagoge hat originelle Melodien aufbewahrt, deren Aufzeichnung im Interesse der Wissenschaft dringend zu wünschen wäre.- Kaiser Karl hat dem bereits mit dem Goldenen Verdienstkreuz mit der Krone!ausgezeichneten Feldrabbiner Professor Dr. Maier Tauber in Anerkennung vorzüglicher und aufopferungsvoller Dienstleistung vor dem) Feinde das Ritterkreuz des Franz-Jssef-Ordens mit der Kriegsdekoration verliehen. Herr Dr. Tauber hat sich um die Organisierung und Ausgestaltung der jüdischen Militärseelsorge an . der Jsonzofront, wo gegenwärtig 22 Feldrabbiner, gegen 4 zu Beginn des italienischen Krieges, ihren Dienst versehen, ein bleibendes Verdienst erworben. — — Der Sohn des Oberlehrers Sigmund Springer in Prag, Leutnant in einem Artillerieregiment Emil Springer, Besitzer d. silberinen Dapferkeits- Medaille 1. u. 2. Kl., wurde zum Oberleutnant befördert und mit dem Eisernen Kreuz 2. Kl. ausgezeichnet. Am gleichen Tage erhielt Leutnant Eugen Springer, Bes. der silbernen und bronzenen Tapferkeitsmedaille, das Signum lcmdis mit den Schwertern.-Dem Advokaten Dr. Hugo Meißner aus Brünn, Sohn des Kultusvorstchers Nathan Meißner in Triesch, derzeit Oberleutnant-Auditor, wurde das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone verliehen.-Zwei Brooklyner Zeitungsmänner, Cromwel Childe und John W. Schmidt, haben ein kleines Buch verfaßt, däs den Titel führt: ״Amerikanische Juden und der Krieg". Die Autoren geben eine Schilderung des gigantischen Umfanges der Un- Deine älteren Brüder, sprach er.ihn, weich an, waren hartnäckig und starrsinnig, Wie ihr schon alle seid und wurden daher der gebührenden Strafe zugeführt. Du aber bist noch so jung, hast noch nichts von: Leben genossen, bücke dich vor diesem Bilde und ich nehme dich in meine Residenz mit, wo du von den königl. Lehrern ׳erzogen und ein Gespiele der köngl. Kinder sein wirft. Da lachte das Kind silberhell auf, daß es ein Echo gab. ״ Gott ist im Himmel oben und auf Erden unten" hat mich meine Mutter gelehrt. Gott währt ewig, du aber stolzer König und deine Güter sind vergänglich und nichtig. Darauf sprach der König: Ein solch freches Wort müßte durch den Tod gesühnt werden. Mich aber dauert deine frischblühende und unverbrauchte Jugend. Ich weiß, du bist ein Sohn eines hartnäckigen Volkes. Ich aber h abe einen Ausweg. Diesen Ring lasse ich heimlich vom Finger gleiten und du sollstt ihn mir aufheben, damit die Umstehenden glauben sollten, daß du dich vor dem Zeus bückest. Da lachte das Kind widerum laut auf: — Nein eitler König! deine Ausflüchte find albern und kleinlich, daß du mich von meinem) Volke und Gotte sollst qbführen können! Da erblaßte der furchtbare Antiochus und schrie laut auf, daß alles umher erbebte:— Zum Henker mit diesen verfluchten Juden! Sofort muß et getötet werden! terstütznng, die die amer. Juden ihren Unglücklichen Brüdern in den kriegführen,den Ländern gewähren. Die Not der Evakuierten. Die ,^Jüdische Rundschau" schreibt: Die Lage der Evakuilerten in Palästina hat sich in letzter Zeit erheblich verschlimmert. Den uns vorliegenden Berichten entnehmen! wir folgende Einzelheiten. In Liberias befanden sich 287 Evakuiertenfamilien mit 1000 Seelen, von denen 180 sefardische Famsiliien mit 613 Personen und 72 afchenasische Familien mit 241 Seelen unterstützungsbedürftig waren. Es Waren also nur 35 Familien imstande, sich selbst Unterhalt zu verschaffen. Am Krankenhaus tn Liberias wurden vom 18. April bis zum 1. Juli 40 Kranke an 380 Krankheitstagen behandelt, von denen 6 starben, während 35 wieder hergestellt wurden. Die hauptsächlichsten Krankheiten waren Flecktyfus und Rückfallfieber. In der kurzen! Zeit vom 21. Juni bis 1. Juli wurden in Liberias ambulatorisch 277, im Hause weitere 56 Kranke behandelt. Anfang August brach die Cholera aus und forderte in wenigen Tagen 29 Erkrankungen, die eine kostspielige Be- Handlung, ausgedehnte Quarantäne und diie Ueberführung vieler Evakuierten nach Haifa erforderlich machten,. Nach Safed sind eine große Anzahl kranker Evakuierter aus anderen Orten, überführt worden. Sie kamen zum Teiil völlig, erschöpft an. Der sie behandelnde Arst führ.te eine!regelmäßige Chminprophylaxe durch und konnte auch ein« Erhöhung der Brotration erreichen. Die Evakuierten wurden auf ungefähr 60 Häuser verteilt. Durch Verabreichung von Milch war es möglich, der bis dahin stark kraßierenden Dysentheriie Herr zu werden, während der sonst in. der Stadt kaum vorkommenjde Typhus sich unter den Evakuierten noch zahlreich findet. Siind doch einzelne Evakuierte mitten im KrankhsttsstadiuM. nach Safed überführt Worden. Die Typhuskrianken wurden!!ins städt. Krankenhaus überführt. Die Chininprophylaxe, die Erhöhung der Brotration und die Milchverteilung haben im Zusammenwirken mit dem guten, gesunden Klima und in guten Wohnungen eine ׳bedeutende Besserung in den gesundheitlichen Verhältnissen der Evakuierten bewirkt. An anderen Orten ist der GesundheUszustand der Evakuierten sehr bedenklich. Vor allem! findet sich die Malaria, ׳cm der z. B. in Beth-Gan 1, i,m Krankenhaus des R. Meir Baalness 27 Personen erkrankt waren. In letzter Zeit hat sich auch ׳in Judäa die Lage der Evakuieren verschlimmert, vor allem in Kfar-Saba und in Petach-Tiikwah, wo gleich zu Beginn der Evakuierungen einige Fieberfälle vorkamen und heute die Malaria sehr stark verbreitet ist. Besonders schlimm aber liegen die Verhältnisse in Jerusalem, wo Krankheiten, Hunger und , * Und als man die Sieben dem Exkutionsplatz zuführte, rief ihnen die Mutter nach: — Geht zum Patriarchen Abraham und saget ihm: er hatte nur einen Altar gebaut und wollte nur einen Sohn opfern, ich aber habe sieben Altäre gebaut und sbonsoviel Opfer gebracht. Bei ihm war es nur Versuchungen und bei mir ist es Wirklichkeit. Darauf bestieg sie das Dach, stürzte sich hinunter und blieb tot auf der Stelle liegen. Und als dies geschehen isst, ,da ertönte eine himmlische Stimme vom wolkenlosen Firmament: . ״Die Mutter und die Kinder erfreuen sich des Jenseits!" Worauf eine Stimme des Alls antwortete: — ״Halelujah!" —— -—— Alles dies trug sich im letzten Dezimium des 36. Jahrhunderts nach dsv Weltentstehung zu. Also verkündet die Volkssage. Als hie Mutter uns zum Nachtmahle rief, bemerktes wir erst, daß die Großmutter schon lange zu Ende war. Im Geiste waren wir bei diesen Helden und Märtyrern, und schwuren, in ihren Wegen M waüdeln.'