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Jüdische Volksstimme · 1917-12-14 · Heft 18 (14.12.1917) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVIII (1917)
Issue
Heft 18 (14.12.1917)
Date
1917-12-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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etu<». srr. 18. und ganz England vom Jubelrufe ״nach Jerusalem" wvederhMt. Bezeichnenderweise hat Balfour seine Note nicht!cm den bisher favorisierten englischen Zionistenführer.gerichtet, sondern an Rothschild, der Wohl aus einem antizionist. Saulus zunr zionistischen Paulus geworden ist, dessen junger Zionisnrus aber wohl noch immer von starkem engl. Patriotismus überwuchert wird. Es steht, jedenfalls dem alle Grenzbarrieron trotzenden demokrati schen Zionismus, der von Newyork aus gelenkt wird, mit entsprechendem Gegendruck entgegen und Wird das englische Interesse keinen Anderem unterordnen. Das ist die Gemara zu der kurzen Mischna der Balfourschen Note, die kürzlich durch-die Blätter ging. . Ihr Wert für die jüdische Bewegung soll wie gesagt, nicht verkümmert werden, aber wir wollen nicht in gedankenloser messianistischer Schwärmerei' jedes gesunde kritische Gefühl untergehen lassen. Samuel Bettelheim. Brief aus Wien. Verdoppelt fast hat sich die Zahl der Juden in Wien seit Kriegsbeginm. Bei ihrer Agilität drücken sie fast den: ge- ״Couleur" und ״Nichtcouleur" mit recht naiven und sonderbaren Argumenten gekämpft. Und noch ein Ereigniß in der jüdischen Oeffentlichkeit ist zu verzeichnen. Der״ jüdische Nationaiverem für Oesterreich" wie er sich stolz nennt hat von sich hören laßen. Und wer hätt' da nicht nach dreijährigem Stillstand eine laute und machtige Kundgebuug zu all den Fragen erwartet, die jetzt die politische Welt beschäftigen? ״Berfassungsreform", ״nationale Autonomie", ״Wiederaufbau", ״Die Repatri-erung -der Flüchtlinge", ״das Schulproblem" u. s. w. scheinbar lauter Fragen die die Juden Oesterreichs betreffen und ihnen nahegehen solen, auch wonn sie ״N-ationaljuden" sind. Nun hat der Nationalverein Mitte Oktober die erste öffentliche Versammlung seit Kriegsbegmn abgchalten. Schon die Vorbereitung dieser Versammlung spottet jedes politischen Ernstes. In׳ zwei (Wochen-) Zeitungen war die Versammlung kundgemacht mit der Tagesordnungrl.) Die Lage der Juden in Oesterreich und 2.) Die Organisation! der Kultusbeamjten. Es ist doch begreiflich, die ganze Judenschaft ist bereits Politisch und beruflich organisiert und nun geht der Nationalverein daran den Schlußstein der Brufsorganisation-en zu logen. Der Referent Herr Obering. Stricker sprach viel, sehr viel. Er empörte sich über Moritz Benedikt, der angeblich -im Herrenhause die österreichische Judenschaft repräsentiere, schwieg, aber uns-ere ״Beziehungen," zum Abgeordnetenhause tot. Er erwähnte das Elend der galizischen Juden und sarnten Stadtbilde ihren Stempel auf. Und doch!malte «den Paar Kultusibeamtett, die die Zuhörerist das jüdische Leben in der größten Judenstadt! schaft bildeten, die Gefahr der beruflichen Kon- Oesterreichs, der zweitgrößten. Europa's und kurrenz durch Einwanderung der ״Galizaner" viertgrößten der Welt, ein so schwaches, inhaltsrecht scharf. Daraus folgerte er das Jnterresse der r+vmas. x1 ♦י״יי *״ SQ^icrtdr aus einem jüdischen Kongreß. Dieser Kongreß müßte sich auch mit der Reorganisation der Kultusgemeinden beschäftigen!, daß aber ginge auch die Angestellten!der Kultusgemeimden an also müßten sich die, Kultusbeamten organisieren, um auf diesem! zukünftigen Kongreß.entsprochende Bedeutung zu.erlangen.. We man sieht, ist ein ״hoher" Geist, der diese ״niationaljüdischen" Politiker beseelt. Schade nur, daß Herr Dr. Glanz auch hier das jüdische Schulproblem erwähnte, denn die jüdische Schule wird in den Köpfen dieser Gesellschaft zur isr. Schule jüdischer Nationalität. Natürlich würde die, ebenso, wie das Referat geschraubte und gewundene Resolution einstimmig angenommen und auch die Organisation der Kultusbsamten beschlossen. Und so ׳was schämt sich nicht Partei, ja ״politische" Partei zu nennen. Und das soll die Vorbereitung für den ״jüdischen Kongreß" sein!? Ja auch die Kultus gemeinde hat wiederum eine öffentliche Plenarsitzung abgchalten. Aber gehört denn das zu den Ereignissen in der! Wiener jüdischen OeffentliHkeit? Geht denn jemand, außer den ״Zuhältern" der Vorsteher hin? Beruhigen oder beunruhigen denn die Mikweh- und armes, daß man nur nach mehreren Wochen einige bemerkenswerte Ereignisse verzeichnen kann,. In,der ersten Oktoberwoche haben die zionistischen Jugmidvereine Wiens einen jüdischen Jugon-dtag ״zwecks gemeinsamer Aussprache über Jugendfragen" abgehalten. Man -mag diese Tagung ihrem Niveau nach wie auch immer beurteilen, sie war ein Erfolg. Schon deshalb, weil mehxrere Hundert junge Juden mit hochernsten Absichten dorthin kamen und, wenn auch nicht immer mit richtigem Verständnis, den gehaltvollein Referaten (Dr. Vernfelp: Erziehungsfrage, Dr. Glanz-Sohar: Die jüdische Schule* und Adolf Böhm: Unsere Palästina, aufgaben) mit größter Aufmerksamkeit folgten. Dr. Bernfeld charakte risierte in überaus geistreicher Weise den ״jungen" Menschen ihn Gegensatz zum ״alten" und formulierte höchst eigenartig die Aufgaben der Erziehung im Allgemeinen ohne auf die So!ndorheiten des jüdischen Erziehungsproblems eiin« zugehen. An der folgenden Diskussion nahmen Redner der verschiedensten Organisationen teil, aber sie zeigte nur die Leichtigkeit der organisierten Jugend. Da wurde um ״Ost und ״West, um ״Hebräisch" und ״Jüdisch" und noch mehr, um Friedhofdebatten irgend jemanden? Oder inter« esiiert sich wer für das ״Geschmuse" der lebensmüden Greise in der Seitenstättengasse? Die General-Versammlung irgsnd eines UnterstützungS- Vereines oder die Jungfernrede irgend eines Studenten erwecken iin der jüdischen Oeffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit als die ״öffentlichen" Sitzungen der Wiener Judengemeinde, -daran, ändern nicht einmal die zionistischen Kultusräte etwas. Und nun ein erfreuliches Ereignis. In Wien gibt es nämlich auch ein jüdisch-deutsches Theater. Und wenn die Schauspieler in künstlerischer und sozialer Hinsicht nicht auf der Stufe der deutschen Theater stehen, so haben sie doch in der letzten ״Schil>amiß"-Aufführung (zu Gunsten des Vereines ״Poale Zion") gezeigt, daß sie mehr vermögen, als ein mauschelndes Tingl-Ta-ngl für rauchende Trinker abzugeben. Besonders Frau W-ejintraub-Graf als Snlamith, verrät große künstlerische Fähigkeit. Aber auch das Spiel der anderen Kräfte war eine laute Anklage gegen dis Öffentlichkeit, besonders gegen die gleichgültige jüdische Intelligenz, die viel über jüdische Kunst spricht,׳ hier aber entwicklungsfähige Künstler in einem Bar recht niedriger Klasse auftreten läßt. El. Die Zierde des Regiments. גם בי אלך בגיא צלמות לא־אירא רע בי־־־אתד. עמדי Ob ich schon wandere im finsteren Thale, fürchte ich kein Unglück; denn Du bist bei mir/' Ps. 23, Vers 4. Chaim Meisels, du wackerer Held, Ließest dein Lebe:: auf welschem Feld, Warst deinem Gotte ein treuer Knecht, Liebtest die Wahrheit. Frieden uird Recht!- In׳. Trommelfeuer, im Höllengebraus Tratest du unerschrocken heraus. Mit kundiger Hand und sicherem Blick Gelang dir gefährliches Wagestück: Verbindung der Drähte vom! Feldtelefon, Die ״Silberne" ward dir hiefür zum Lohn. Nun liegst du gebettet in fremder Erd' * Fern von der Heimat traulichem Herd. Dein Weib verwitwet. .4 Kinder verwaist, Die du erzogen im jüdischen Geist, So nehme sie Gotr in besondere Hut, Da sie geopfert ihr teuerstes Gut. Wien, 28. November 1917. Malvine Grünwald. Zwar fand sich in jeder Stadt sin Häuflein von Gnasi- und echten Griechlmgen, die sich zu den angekündigten heidnischen Feiern mit großtem Pomp und ernster Miene einstellten, aber deren Zahl war so gering, daß sie von den griechischen Seelenfängern selbst verschmäht wurden. Diese wußten, daß Schwächlinge und Ueberlänfer nicht das Volk repräsentieren, und daß dies nicht der Boden sei, auf dem man säen oder bauen körmte..... Da ergrimmte der Zorn des grausamen Antiochus und seiner Willensvollstrecker und voll 'ward das Land des Rauches und des Qualmes von den brennenden Städten und die Hände der Henker war voll der Arbeit. Und an jenen Tagen des grauenvollen Jammers und heiligen Duldens trug sich folgendes Ereignis zu. Die Großmutter hielt ein wenig inne, um Atem zu holen und, wahrscheinlich, um die Sage noch einmal schnell in den Gedanken durchschwirren zu lassen. Wir Kinder nützten die Pause derart aus, indem ein jeder dem zweiten einen klernen Erfolg schnell abringen wollte: jeder wollte der Groß mutter am nächsten sein. Am glücklichsten war mein jüngstes Schwesterchen, das sich mit einem kühnen Ruck auf den Schoß der Großmutter befand. Als Antiochus einmal nach Palästina kam, fing die alte Frau, nachdem sich Ruhe wieder eingestellt hatte, an. umTruppenschau zu halten und, um sich persönlich zu überzeugen, wie weit seine Zerstörungs- und Zersetzungsarbeit gedieh, sah er einmal, wie eine kleine Gruppe von Deli-quenten, aus einer Frau und anscheinend aus ihren, sieben Kindern bestehend, von einem kleinen Trupp Soldaten kordoniert wurde. Sie waren alle hochstämmig und breitschultrig und schritten swlzen Schrittes einher. Das Gold ihrer Haare'ließ sich kaum vom Golde der Sonnenstrahlen unterscheiden und das Blau ihrer Augen war mit dem Blau des palästinensischen Hochsommerhimmels zum Verwechseln ähnlich. Ihr stolzer Blick flößte! selbst den rauhen Solbaten Ehrfurcht ein. / Daihn diese Gruppe interessierte, wurde ihm -auf seine Nachfrage folgendes berichtet: Als der Vater, nachdem sein Haus verbrannte, sein Garten verödet und der Acker verwüstet worden war, im Kampfe um sein Ideal gefallen ist, zogen sich die Mutter und die Kinder in einen abgelegenen Wald zurück, um dem Drucke der fremden zu entgehen. In der Zurückgezogenheit leitete die Mutter selbst die Erziehung der Kinder weiter. Täglich erinnerte sie ihre Kinder an ihre Pflichten dem Volke gegenüber, schwärmte für die Bevgangenheit und flößte Hoffnung für die Zukünsteln. Beständig erinnerte sie sie daran, daß bald dis Zeit kommen wird, wo das Volk -ihrer ibedürfm werde und sie forderte sie auf, sich im Schneewerfen und Pfeilabschnellen zu üben, damit sie sich zur richtigen Zeit sollen stellen können. Die Agitation, die von Modenausging war schon bis zu ihrem Winkel gelangt und bald sollten sich dis ältesten Söhne den Makkäbäerscharett einreihen. Nun wurden sie von den königlichen Häschern überrascht und werden nun der Inquisition ausgeliefert. Ihr nächster Weg, wird der zu Henkergerüst sein. Da regte sich ein Menischengefühl in diesem steinernen Herzen und er ließ sie zu sich bescheiden. Ihm tat ob dieser Mannbarkeit und Schönheit leid und er hoffte durch seine persönliche Autorität das zu erreichen, was dem grausamen Drucke seiner Schergen versagt geblieben ist. Und als der erste eintrat, da wußte Antiochus, daß ihm harte Arbeit bevorstehe. Das Kopshaar des jungen Mannes war wirsch, seine breite Brust wogte langsam und die starken Muskeln verrieten Stärke u. Kraft. Sein stolzer Blick verrit Entschloßenhsit und Majestät. Da -entschloß sich der König seine Forderungen «auf «ein Minimum zu reduzieren!. — Du stolzer Jude!, fing er langsam an, warum seid ihr so hartnäckig und engherzig! Schau, die ganze Welt unterwarf sich der griechischen Kultur und nur bei eurem kleinen- Häuflein soll sie halt machen? sie, die Himmlische?! Sich diiiv diesen Jovis an; es ist die schönste Skulptur dev griechischen Kunst. Verneige dich vor ihn, zolle dieser Schönheit ihre Steuer — und du bist geretet! Ein verachtendes Lächeln bewies s-ich zur Ant- Wort auf dem Rot der Lippen des jungen Judäers. W>

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