Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVIII (1917)
- Issue
- Heft 18 (14.12.1917)
- Date
- 1917-12-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Sahrg. xvm. Nummer 18. »ezus»»reNez Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig . Kronen 620 ganzjährig .......... Kronen 12׳— Deutschland, ganzjährig Mark 12 — Rußland, ganzjährig Rubel 16׳— BaÜan, Frankreich Frank» 4•— B Redaktlo«: Wie« VIII. Lerchengaffe 6 a. Redaktion und Administration: Drum», Adlergaffe 8 Buchhändlerische Vertretung: Otto Klemm, Leipzig Inserate: die 6-spaltige Petitzeile 60 h. Unverlangte redaktionelle Beiträge Vierden nicht hono. riert. — Manuskripten ist Rückporta beizufügen. «--- Wien—Brünn. 14. Dezember 1917. 29. Klelew 5677. Prag—Lemberg. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Hickls Jüdischer S 16. Jahrg. Preis K 350׳. Aus dem Inhalte: . ...... Brod Max. In der Fabrik. Benedikt Clotilde: Aus der weibl. Armenpflege• Ben Josef: Kriegswaisen . . . . « Cohn Dr.'Carl Altona: Judentum und Freiheit « Feuchtwang Br.; Brüder ganz Israel Färber Dr. R.: Unsere Israel. Militärseelsorge Giinzig Dr. I.: Die. Philosophie des Rabbi Beer Mezeritsch . . . , Imber 8. J.: Frihling 1915 ..... Kohkut Dr. Ad.: Allerlei Geschichten v. König Salomo König Elsig: Kriegspassah .... Kurrein Prof. Dr. A.: Rabbi Israel Baal-Schem Müller Dr. E.: Prophetenworte .... Neusser Regine, Breslau: Fanny von Arnstein: Ein Gedenkblatt zur 100 Wiederkehr Ihres Todes Rothbllum Dr.: Großvaters Tod . . . Rawltsch Meilech: Aufotmen «! * . Reifer M.: Pravoszitelstwo . Schach Fablus, Hamburg: Weltschmerz . . Schach Fablus, Hamburg: Jüd. Kriegsaphorismen . Scherlag Lorenz r Der Tod geht um Scherlag M.: Die Wolken ..... Schmahl Grete, Wölf: Militärzug an der Grenze Schreiber Heinr. Dr.: Die Kultussteuer und der Krieg Zloclstl Theodor: Das Heilmittel . . . »Verein zur Errichtung von .Volksküchen nach-Tsrael Ritus . . . . . . Verein Kurfürsorge im Kriege. Das allgemeine jüdische Krankenhaus in Jerusalem Ehrentafel für Gefallene , . . . . Illustrationen, , für gefallene jüd. Soldaten. 4M Balsonr und Rothschild. Bei aller geziemenden Begeisterung für die stürmische Entwicklung des Zionismus in den Ländern der Entente, wäre es gründlich verfehlt, wenn wir es übersehen! wollten, daß im Hintergründe jeder der zahlreichen in Kurs gesetzten Kundgebungen für den! Zionismus ein wohlverstandenes Eigeninteresse Lies betreffendes Staiates Lauert. Damit soll die Beleuchtung der offiziellen Sympathiekundgebungen für den Zionismus nicht etwa i!m Verkleinerungsglase gezeugt werden. Auch Koresch, den die Bibel dein Gesalbten nennt, hat mit der Befreiung der Juden neben welcher ja auch die Ropatriierunig der Phönizier Hand in Hand ging, den Eigenzweck die Völker des neu unterjochten Reiches freundlicher zu stimmen. So wird die jüdische Geschichte auch diesmal die Namen der Anwälte der jüdischen Freiheit, ungeachtet ihrer politischen Nebenabsichten mit goldenen Buchstaben verzeichnein!. Gleichwohl ist es ein Gebot politischer Reife, der wir in diesen Zeiten mehr als je bedürfen, wenn wir ein feines Verständnis für den politischen Untertom einer jeden philozionisten Aeutzerung - oder Aktion pflegen und fördern. Amerika ist seit Langem der Schutzengel der unterdrückten Nationalitäten gewesen. Vor Jahrzehnten war es noch der ehrliche Nachklang der großen Freiheitsprinzipien, auf welche sich das bunte Staatenigebilde der Union aufgebaut hatte. Späterhin ward die Anwaltschaft für die Freiheit Polens, Ungarns oder Rußland eines der dankbarsten Mittel einer jeden WaWampagne. Camdidaten auf Richter-, Gouverneur- oder Mayor-Stellen wetteiferten an Begeisterung für die Freiheit der europäischen Nationalitäten und rissen auch, richtig ihre zahlreichen Polnischen, tschechischen, russischen Wähler mit sich. Feuilleton. Menachem Karchi. Die Mutter und ihre 7- Söhne. (Eine alte Chanukah-Geschichte.) Nachdem wir eine zeitlang den Lichtern, die im großen Chanukah-Leuchter angezündet waren, ihre geheimnisvollen Dialoge abgelauscht hatten, zogen! wir uns in den ״Großmutterwinkel" zurück, um uns von ihr eine ihrer zauber- und igespensterhaften Chanukatz-Geschichten erzählen zu lassen. Mancher unter uns kannte schon diese Geschichten vom Vorjahre her, umso neugieriger war er auf sie. Mit einemmale ward man flügge und man sah sich in eine andere Welt versetzt. Man lustwandelte auf den Jordansauen, man spielte auf der Morijah oder man kämpfte mjit den Makkabäernmit. Nach kleinem Widerstande mutzte Großmutter unserem Drängen nachgeben. Und also fing sie an: Als Gott unsere Eltern für ihre innere Unemigkeit und beständigen Zwist strafen wollte, da ließ er einen großen und mächtigen und grausamen König erstehen, der den stolzen Namen Antiochus Cphiphanus führte. Sk > - Seitdem die Vereinigten Staaten durch den furchtbaren Zweikampf Europas einen der ersten Plätze i׳n der Weltpolitik kampflos gewonnen haben und gewinnen konnten und sich im Rausche des mühelosen Erfolges die Rolle der Vorsehung angeeignet haben!, mischte sich ein neues, kräftigeres Motiv in die bisherigen Freiheitsgesänge. In United States greift ein wilder Rausch des Imperialismus um, sich. Amerika fühlt sich prädistiiniert fein Sternenbanner durch alle Lande zu tragen,, wie einst die französische Trikolore zur Fahne der ganzen Menschheit avancieren wollte und der ״Danke doodle" erhebt vielleicht Anspruch die über alle Landesgrenzen hallende internationale Hymne der Demokratie zu werden. Di!e lavinenartig!anschwellende Bewegung des jüdischen Kongresses in Amerika bot sich dem Präsidenten Mlson als ein willkommenes Instrumont um seine Lust zum Eingriffe in die inneren Verhältnisse der europäischen Staatein gerecht zu werden. Der jüdische Congreß bietet Mittel mn voir Newyork aus mit dem Brennspiegel nach Polen zu operieren und der politische .Ton von Palästina sollte in Amerika angeschlagen werden. Sofort War die Parole aus gegeben, daß Palästina unter amerikanischem Protektorat,gestellt werden möge, da keine euroväische Macht der anderen die Vorherrschaft in diesem Lande der großen Vergangeneit und der noch größeren Zukunft ׳gönnen werde. Das palästinenfische Dornröschen sollte vom Kusse der amerikanischen Milliardäre erweckt werden. Der englische Cousin scheint nicht ganz die Ansicht zu teilen/daß keine der europäischen Mächte die Vorherrschaft in Palästina besitzen dürfe. Wer ein feineres politisches Ohr besitzt, wird aus der Note Balfours und Rothschild deutlich heraushören, daß England!nunmehr gewillt ist, die Erlöserrolle in Palästina selbst weiterspielen zu wollen, um so eher als die englische Marinetvuppe den Boden Jaffas betreten haben, Dieser mächtige Herrscher unterwarf viele Länder und Städte und machte deren Könige zu Lehnsherren. Auch Erez-Jsrael entging nicht feinen Eroberungsgelüsten. Und als er nach langer Belagerung sich Jerusalems bemächtigte, da richtete runter den Verteidigern ein furchtbares Blutbad an, drang in den Tempel ein, richtete einen Zeusaltar im Allerheiligsten auf, opferte ein Schwein, sprengte das Blut auf den Zwischenvorhang und zwang die Priester das unreine Fleisch zu ,genießen. Und furchtbar böse Zeiten brachen für unsere Eltern heran. Die Hochschulen wurden geschlossen, das Thorastudium untersagt, das Hüten des Sabbates u. das Ausüben der jüdischen Sitten strengstens verboten. In allen Städten wurden Zeustempel erbaut und die Juden zum Götzenkult gezwungen. Ausgelassene Bakpantenfeste wurden eingeführt und die Jugend ist zu unmoralischen Spielen aufgefordert worden. Und als die Judäer sahen, daß sie der Uebermacht nichts anhaben können, daß sie der grausamen, eisernen Faust nicht widerstehen können, da entschlossen sie sich passiven Widerstand zu leisten. Da verkrochen sie sich in die Höhlen und Wälder, nährten sich von den Kräutern der Erde und den Früchten der Bäume.