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Jüdische Volksstimme · 1917-11-22 · Heft 17 (22.11.1917) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVIII (1917)
Issue
Heft 17 (22.11.1917)
Date
1917-11-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nf. 17 terlicher Gefühle! — Nun, man wird gewiß nicht Feh! gehen, auch Jstrk zu jenen Vätern zu zählen, die sich nicht die ernste Mühe nehmen wollen oder können, ׳das rechte Verständnis für die Eigenart ihrer Kinder aufzubringen, die Verschiedenheit der Anlagen in Rücksicht zu ziehem Und so war die einseitige Bevorzugung Esaus möglich, dxr es eben verstand, כי ציד ב6ין durch sein falsches einschmeichelndes Wesen, wie durch Hervorkehrung seines temperamentvoll energischen Charakters sich eine bevorzugte Stellung im Herzen des Vaters zu erobern^ besonders in teuere Jahren des Alters, wo jeder Hauch frischen, gesunden Lebens, in seine Kranbmstube hineingeweht, ihm wie eine Wolila׳ t erschien, während der stille Jacob, der als ein יושב אוהלים sich gerne abschloß, sich auch dem Vater zusehends entfremdete, und darum auch von ihm als ein jeder Leberestüchtigkeit Ermangelnder keinerlei liebevolles Entgegenkommen erfuhr. Jetzt aber, da Jacob vor ihn hintrat, erfährt er es zu seiner' fvoudigen Ueberraschung, daß dieser von ihm bis nun für schwach und verweichlicht gehaltene Sohn, wenn es nottut, sich auch zu einer Tat aufraffen, sich als Mann zeigen könne) einen Aufruf die jüdische Bevölkerung zum Schekelkauf aufforderte, gebrauchte nämlich die kurz vorhin sich in Erez Israel abgespielten Vorgänge (Evakuierung Jaffas und einige Kolonien) als besondere Aufmunterung zur Anschaffung von Schebalim durch ,die Zionisten in Polen. Nun aber findet Herr Frenk, und Wohl auch mit Recht, daß die Verfasser dieses Aufrufes damit einen ״!rationalen Mißgriff" begangen hätten, und meint, daß ״seiner Ansicht nach׳ die Vorgänge m gewissen Ortschaften Palästinas und die Hilfeleistung für die dadurch schwer Betroffenen mit dem Schekellösen nichts gemein hätten... Die Urheber des Aufrufes hätten nur nebenbei! zu bemerken gehabt, daß der gegenwärtige Krieg, der solch entsetzliches Unheil allenthalben über daß Wälzung ׳in Rußland, die uns Freizügigkeit und vermutlich rnehr oder weniger auch andere Rechte einräunwu werde, mit Reserve begrüßen und aufnehmen sollen, denn die endlich erlangte Gleichbercchtigung wird unter.den obwaltenden gimftt» gen lokalen Bedingungen zu einer Assimilationsbewegung fuhren, die, wenn ihr nichtu!!Verzuglich Schranken gesetzt werde,!!, ungeheuere Dimensioneu annehmon, würde: ״uns vermögen die zwei Juden im russischen Senat nur eine halbe Freude zu bereiten. Sie gehören eben auf daß Asfimilationskonto der Emanzipation".- Die beiden von mir eingehend besprochenen Zei'tstimmen laufen, wohl darauf hinaus, daß weder die!naterielle Not der Juden, nach das jüdische Volk gebracht lM, in uns auch den »״- W°l,lergehm mancher linserer Vvlk-«״oslen di« erschütterlichen Glauben kräftigen!nüsse, daß er, der Krieg, die tausendjährigen Leiden und Schmerzen unseres Volkes Wohl enhgiltig aus der Welt schaffen werde. Denn, wenn auch die Juden drüben in Palästina derzeit schön ruhig ihr Leben führen können, ״jeder unter seinen Weinstock und seinen Feigenbaum weilend", wie vor den! Krieg, Reinheit unserer nationalen Bestrebungen trüben dürfe, denn das Volksyanze muß vor Verzagtheit einerseits und vor materialistischer Versümpfung andererseits durchaus bewahrt werden. Leider war dies bislang, zumal im Zeitalter der Emanzipation im!westlichen Judentum nicht immer der Fall. — ״Weh uns, daß es uns schlecht hätten wir es doch wohl nicht unterlassen können? SA und .weh uns, daß es uns gut geht! Das - . * r •s. ä .. - . . . . unseren! Bestreben zur Schaffung einer gcsicherder eigentlich beides: mrt ferner קיל, seiner, tcn Heimstätte in Erez Israel, um sonrit endlich Stimme, seiner tieferen Gemütsanlage, Mich'auf unserer eigenou Scholle zu leben und natio- ידיי עשר die Tatkraft eines Esau verbinde, und! nale Selbstbestimninng zu erlangen, nachdrücksolche, in ihm aufsteigende Erkenntnis nötigt ihn Ausdruck zu verleihen." auch zur gebührenden Anerkennung, ויברבהי ' F^nk sucht dann die Leiter, die zwe!׳ verwilligen Herzens erteilter Jacob seinen Segen, iK^°n°Geb׳et<i nM mb bekrHtigt ihn «Ach später noch״,als in einer dj° m°n«ntan notwendi^Mwordene HiljckPung zedem Zweifel ausschlietzen!d!en Weise: גם ברוך ידידד? Und scheint nicht etwas von diesem Charakter Jacobs auch auf den jiid. Stammescharakter überhaupt übergegangen zu sein? Wohl ist auch! ^vhren (Jrbuw thechumim) will er dadurch rechtder Jude im Grunde mehr stillfriedlicham Leben' fertigen, HM ״die Urheber!des Aufrufes während zugeneigt, seine inmrste Natur drängt ihn höch-!'0er Abfassung desselben all zu sehr unter dem stens zum Wettstreit auf den Gebieten menischli-j ^'^"^rnden Emdrucke der Geschehnisse in Erez chen Fortschrittes. Aber wenn es auch solcher- AsEl ftunben und sich daher einer Erwähnung maßen zumeist ״Die Stimme Jacobs" gewesen? der schwer Betroffenen nicht enthalten konnten, die in der Welt >d«er Sittlichkeit und! wahrer!^ übrigen heißt es dann auch in dem m Rede Menschlichkeit sich hörbar gemacht, so hat man es! stehenden Aufrufe, daß ״ den SammlunMn für auch mehr denn einmal erfahren, daß der Jude unsere Bücher m Ewz Israel be! weitem nicht die Schlechte verdarb in-uns den Geist des Menschen, das Gute den Geist des Volkes" ruft mit tiefer nationaler Wehmut im Jahre 1889 Achüd-Ha-am aus. Daß ׳die ״nackte" Freiheit, das bloße Anstreben des Wohlergehens für das jüdis'he Einzel׳ iudividuum, innere ״Knechtschaft" in! Gefolge haben müsse, haben selbst!nanche W-estjudeu, die der Idee der jüdischen Regeneration ihn Lande der Väter fremd gegenüberstehen, zugeb ein müssen. ״Die äußere Lage der Juden (im Westen) hatte sich in ungeahntester Wvise binnen Wnglichen Bestand des jüdischen Volkes zu ac-! kürzester Zeit (etwa,seit der Märzrevolutioii vom währleisten Hut, dieses unverantwortliche Ver- Jahre 1848) zun, Guten aewondet. Aber anders für die Notleidenden in Palästina einerseits, mit der Entrichtung des Schekels andererseits, welch letztere nationale Tat doch den ewigen, un-vcrauch kraftvolle Hände besitze, daß er ein Held fein kann, namentlich dort, wo es die höchsten Ideale zu verteidigen gilt, und!, hat hiedurch gleichsam düs Wort unserer Alton bekräftigt: :אין השבינה שורח אלא על גבור ורבם insoferne auch ihn zu Zeiten der doppelte Sttahlenglanz des Geistes wie des Helden! tyrertums umflossen. Auch die schwere Zeit, in der wir gegonwärtig leben, zeigt es augenfällig wieder aller Wjelt, wie sehr Jacobs Nachkommen ihrem! Ahnherrn - gleichen, wie sie neben der ״Stimme", neben Bedeutung zukomme, die,dem Schekel gebühre, denn die Spenden würdan bloß die Tränen der Armen und Notleidenden trocknen und den! Elend teilweise cvbhelfen, während der Schekel dem .gesamten jüdischen Volke den Weg zur Kraft, zur ewigen Freiheit bahne". Zum Schluffe mein,t dann Front, daß eben und Märvermöge der unerreichbaren Tragweite des Schekels ihm fortan keine anderen Absichten, von welcher Bedeutung immer׳, unterschoben werden dürfen.- Der Plötzliche Zusammenbruch der riesigen Ghettomauern im Moskowiterreiche im März allen, sie wuszeichnenden sittlichen Eigenschaften,!^ laufenden Jahres. gibt Herrn B. Krupnik auch, wenn es sein müß,!die ״Hände Esaus" be׳ sitzen, dort vollauf ihren Mann stellen, wo es auf Unerschrockenheit, Mut und Tapferkeit cmkommt. Sollte darum die Hoffnung so ganz unbegründet sein., daß in voller- Würdigung dieser Tatsachen nunmehr alle bisherige Verkennung unserer wahren Wesensart einer gerechteren Beurteilung derselben weichen werde, um selbst unsere Gegner zu dem Zugeständnis zu drängen:??גם ברוך יהיה ׳ Judennot und Judentumsnot. Von Abraham Grünberg, dzt. in Prag. (Zwei Preffestimmen.) Mir liegen zwei ostjüdische Zeitstimmen über diese altnoue Frage u. zw. eine hebräische!in der Warschauer ״Hazefira" und eine zweite im ״Juden". Dieses in der jüdischen Literatur bereits häufig besprochene und erörterte Problem ist nun wiederum aufs Tapet gebracht und von wichtigen Vorgängen, angeregt, worden. Wenden wir uns zunächst der hebräischen Stimme zu. In der ״Hazefira" Nr. IT^Tamus, 677) bespricht der namhafte hebräische Schriftstellev und Publizist Fr(enk) im ״Na chder Schekelwoche" überschriebenen Leitartikel die Ergebnisse der Schekelsammlung im Monate Juni zu Warschau. Die zionistische Leitung׳, die durch Anlaß zu ernsten BetrachtunMn über die nun! mehr auch dort aufgetauchte ״Judentumsfrage" (im April-Mai-Heft des ״Jrlden" 1917, Perspektiven). Wir müssen nun unsere Theorien revidieren, unsere Tevm!inologie umprägen. Golus wird fortan einen anderen Sinn haben als bisher... Ein verfeinerter, wohlgesitteter Golus, ein Golus in Handschuhen hebt an" (in Rußland). — Ob der Pogrom von Kischinew dem Zionismus, d. h. der Idee und der Entfaltung unserer nationalen Renaissance Abbruch getan habe, wtie es Krupnik haben will, bleibt dahingestellt. Auch soll da unerörtert bleiben, ob der durch die entsetzlichen VorgälM in Kischinew geförderte Ugandaplan, der!in der Folge zu der Sezession der Derriitorialisten führte, tatsächlich hon großem Schaden für den Fortgang unserer nationalen Wiedergeburt gewesen war, da es bekanntlich im Schoße des Judentums seit jeher nicht auf die Zahl der nationalen Arbeiter, sondern leAglicht auf den Geist der nationalen Arbeit ankommt: Mosche. Rabenu. wiegt sämtliche׳ Söhne Israels auf und die 300 durchgesiebten und auserlesenen Helden Gideons machen die Anwesenheit des selbsüchtigen und wankelmütigen großen Haufen bei der Niederwerfung des midionistischen Bedrängers ganz überflüssig... Aber wir pflichten Herrin Krupnik vollkommen bei, wenn er meint, daß ״der philantropische Zug mancher Zionisten des Westens auf die (nationale) Idee hemmend ge? wirkt habe". — Nun aber gilt es nicht inehr, den östlichen Brüdern zu ׳helfen, sondern sich selber." Der Verfasser trifft nunden Nagel auf dien Kopf, wenn er uns anrät, daß wir die große Umsah es mit der inneren Gestaltung der deutschen Judenheit aus — und solche war doch eigentlich die Hauptsiache. Was uätzen äußere Errungenschäften, wenn die Gönieinsamkeit in ihrem tiefsten Wesen verkümmert oder vermorscht?" (Martm Philippsohn, Neueste Geschichte der Juden). Allein der jüngst verstorbene Historiker hat die Ursache der Verkümmerung und Vermorschung unter seinen engeren Volksgenossen, die doch ein- .zig und allein in deren wachsenden ״Judentumsnot" zu suchen war, nicht einschen wollen.. Weder Wilippsohn und die vielen anderen liberalen Juden von heute, noch ihre Vorläufer, Wie etwa die Teilnehmer der berühmten Augsburger Synode vom Jahre 1869 sind und waren gewillt, ihr Augenmerk auf den einzigen. Grund des Niederganges der deutschen Judenheit: auf deren geistige Wurzellosigkeit, auf deren nationales Luftidasoin zu richten. Wohl wüßten schon unsere Weisen, daß weder übermäßige irdische Wohlfahrt, noch tiefes Elend und Leiden dem Bestände des jüdischen Volkes förderlich seien!, allein bloß dem Drücke und der Zurücksetzung von außen haben wir wahrlich unser zweitausendjähriges Diasporaleben nicht zu verdanken, wie es nämlich Philiippsohn.anzunehmen geneigt wäre. Es heißt bei ihm an derselben Stelle: ״es schien als ob nur Druck, Ausschließung und Vereinsammung das uralte Gebäude des Judentums (in Westeuropa) aufrecht zu erhalten vermöchten, als ob es unter dem heftigen Wehen des freiheitlichen Geistes und unter den scharfen Strahlen der Kultursonne sich auflösen und zusamm!enbrechen müsse." Diese angeblich stichhältige Meinung, daß nur die anhaltende Unterdrückung der Juden ihre Nationalität durch die Jahrtausende Hindurch gerettet haben, müßten wir, die wir in der positiven ׳Volksüberlieferung aufgewachsen mit noch sehr zahlreichen Wurzeln in ihr stecken, eigentlich nicht einmal widerzulegen! So liegen nämlich die Verhältnisse durchaus nicht. Hätten die deutschen Juden nach ihrem Austritte aus,dem Ghetto nicht gleichzeitig all ihre angestammten National- und Lebenswerte preisgegeben, so wären wohl die äußerst trüben Erscheinungen der inneren Auflösung ganz oder wenigstens zum Teil bestimmt ausgeblieben. Viel leicht ist hier ein Wort eines namhaften deutschen Denkers, des David Friedrich Straun, am Platze. ״Die mittlere Instanz zwischen dem Einzelner! und der Menschheit ist die Nation. Wer von f-ei1־־ net Nation nichts wissen will, der wind damit nicht Kosmopolit, sondern bleibt Egoist. Zum Menschheitsgefühl rankt man sich nur am Nationalgefühl empor (Dr. Fr. Straun, Der alte und neue Glaube, 1, 74).

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