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Jüdische Volksstimme · 1917-11-22 · Heft 17 (22.11.1917) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVIII (1917)
Issue
Heft 17 (22.11.1917)
Date
1917-11-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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dtttf נ. Nr. 17. Aufhellung der Geschichte des Volkes Israel die deutsche Forschung einen hervorragenden Platz einnimmt; wie sie sich dabei i!ns Einzelne versenk dafür möge die rege Arbeit angeführt sein, welche der hebräischen Metrik neuerdings Mgewcmd wird. Ja, daß die crttcn Heldengestalten bis in den jetzigen Krieg hinein, eine unmittelbare Wirkung auf die deutsche Seele zu üben vernrögen, das zeigt eine soeben erschienene Schrift des Tübinyer Prof. Hans Schmidt. Derselbe hat m Hochschulkursen, wel,che an der Westfront i׳m Spät herbst 1916 gehalten wurden, eine Reihe von Vorlesungen über den Propheten Amos geilten (Tübingen, Mohr), und diese Vorlesungen sprechen so ergreifend zur deutschen Seele, daß sick daraus eine unmittelbare Stärkung für die Auf gaben der Gegenwart ergeben kann. Kurz zusamimengefaßt, ist es die tiefe seelische Innerlichkeit und der starke ethische Ernst, welcher die jüdische und die deutsche Gedankenwelt einander nahe rücken und ein volles gegenseitiges Verständnis möglich machen. Wieviel mehr bedeutet ein solcher innerer Zusammenhang als alle Stimmungen oder auch Verstimmungen »des Augenblicks. Von solcher Ueberzeugungiaus wird sich leicht auch eine Beantwortung der Fragen ergeben, welche der Artikel von Prof. Strack behandelt. Man wird 1. für die Juden im ׳Osten unbedingt die volle Rechtsgleichheit fordern müssen, man wird freilich dabei nicht vergessen dürfen, daß die bloße Form der Gleichstellung keinesfalls genügt, sondern daß nuit ihr eine kräftige wirtschaftliche Hebung Hand in Hand gehen mutz. Zu Punkt 2 möchte ich den allgemeiner Gedanken vertreten, den ich sonst schon ausgesprochen habe, daß eine eine Milderung »des streng-nationalen Charakters des Staates überall da notwendig ist, wo eine größere Minderheit einer anderen Nation diesem Staate angehört. Ich finde es sowohl aus moralischen als aus politischen Gründen notwendig, daß auch dieser Minderheit innerhalb eines solchen Staates die Möglichkeit einer eigentümlichen Entwicklung u. selbständigen Mitwirkung! wird. Was aber den anderen Nationen recht ist, das müßte auch für die Juden!recht sein, sofern der heute die ganze Welt durchdringende nationale Gedanke auch sie ergriffen hat. Mrs 3. die zionistische Bewegung betrifft,s o. scheint sie mir Wohl berechtigt und in mancher Hinsicht eine glückliche Lösung; natürlich müßten dabei die Rechte der ge- ,genwärtigen anderen Bewohner Palästinas vollauf gewürdigt werden, und es dürfte der zionistische Gedanke nicht zu einem Druck für diejenijüdische Geistlichkeit her österreichischen schönen Literatur zum Unterschied von» der katholischen noch keinen wesentlichen Beitrag geleistet, da ist es recht und billig, daß der rabbinische Dichter trotz der Dornenwege Grillparzers, Schönherrs, Schnitzlers, sein Werk auf heute österreichischem Boden spielen läßt, obwohl ihm so viele in Oesterreich lebende Dram-crtiker,—ich brauche nur .Halm und Hebbel zu neuen ausgewichen sind. Welch anschauliches Bild gewinmit die reifere Jugend, und die mit jüdischen Studien sich bis heute—die von Dr. Grunwald geplanten Mäd!- chen und Frauenkurse sollen ,ja ׳da, Wandlung schaffen—wenig abgebenide Frauenwelt von den so hochinteressanten mittelalterlichen Leben einer deutschen Judenigasse, von dem Leben, in das Gal״ gen, Scheiterhaufen und Rad als tägliche Drohung winkten, und in dem nur das verbotene Ta! mudstudium und das Familienleben mit unetndich schönen,!aber unendlich traurigen Frauen einigen Reiz brachte, wo aber die Allsammlung großer Reichtümer, wie beim Juden Heli im Drama, großer Wissensschätze wie! beim Mbbi und Maynel bei der strengen Absperrung gleich unfruchtbar und wertlos bleiben mutzte. Wie leb- Wft tritt uns aber überhaupt das mittelalterliche Salzburg entgegen, die Wochselbeziehungen feiner wehrhaften Bürgerschaft und genialer aber tyrannischer Bischöfe, die Anlehnung an fremde Mächte —hie Bayern, hie Habsbürg,—die!Mönchsherrschaft, die Gährung der Hussitenkriege, das Leben Das Dvama, welches vorläufig noch nicht im Druck erschienen ist, besitzt genug dramansches Leben und Interesse, um in einer ähnlichen Aufmachung, wie etwa die Andreas Hoferspiele in Meran, weite Kreise zu interessieren'; es fei aber hauptsächlich der jüdischen, und der nationalen Jugend zu Festaufführungen bei Makkabäer oder Purim-Feiern׳ empfohlen; bei analogen Anlässen wo deutsche Studenten die Räuber oder die Her״ mannsschlacht aufführen, möge der jüdischen Jugend dies Bild aus grauser Vorzeit unseres Volkes empfohlen werden, das in dem ehrwürdigen Rabbi, der einzigen ungebrochenen Figur des Stückes, in der schönen und bereuenden Hanna zwei ungemein wirksame Bühnenfiguren und zahlreiche interessante Episodenrollen aufweist. Clotilde Benedikt. Die Stimme u. die Hände Jacob». Zum Abschnitt ״Toldokh". Von Dr. Max Steif, Raußnitz. In dem stillen Gemache, an das der altersschwache ׳und fast erblindete Jfak gefesselt ist, spielt sich ׳eines Tages, wie unser Schriftabschnitt zu erzählen weiß, ein dramatisch bewegter Aufder Christenheit. Wie immer, in dumpf gährein-k , ... . m .. .... . . der Zeit weiH ,ich die Volksstimmun״ qe«e!r WeW1"*' «« -»bgrundveft Kluft Mischen seinen ~ ־ - ״ - ׳ " " Söhnen auftut, die ersten, unhelldrohenden An- ‘. treten, die zum gen Juden werden, welche andere Wege juchen. Durchgängig wird gegenwärtig zu halten sein, daß es sich hier um! recht verwickelte Probleme handeilt, Me. sorgfältige Prüfung und ernste Ar- Leit verlangen, aber es besteht nicht der mindeste Grund zum Zweifel!daran, daß das deutsche Volk mit der ihm eigenen Gründlichkeit und, dem ihm innewohnenden Gerechtigkeitssinn dabei in keiner Weise hinter ainderen Völkern zurückstehen wird. Die Jüdin von Altsalzburg. Historisches Drania aus den! 16. Jahrhundert. Bon Rabbiner Dr. Adolf Altmann in Meran. Als ich unter der sachkundigen Führung des leider vom Weltkrieg dahingerrasften Kunst- Historikers Otto Pollak einmal den den׳ meisten Wienern—׳weU er sich zwei Sunden von Wien träumen last— unbekannten mittelalterlichen Märchentraum von Eggenburg durchwandelte und auf die Juden-gasse stieß, tauchte in mir der Plan zu einem im der Zeit des Mathias Corvinus Wielenden Dvama auf, in dem, wie in Altmänns Werk, die Begehrlichkeit, welche eine schöne Jübin erweckt, zum Verderben und zur Vernichtung der Gasse führen sollte. Wenn der gelehrte Kenner der Salzburger Altjüdischen Geschichte nach genauen Aktenstudien ein ähnlich motivirtes Drama vollendet hat, während mich Unvermögen und Vielbeschäftigung ohne genauere Vorstudien nicht über die erste Vorskizze hinüber kommen ließ, so zeigt es wemastenS, daß ,der Autor ein wahrer Dichter ist, indem er Stimmungen, die für dichterisch veranlagte, aber nicht schöpferische Naturen beim Besuch einer mittelalterlichen Ju densivdt in der Luft li har zu machen weih. Juden Luft zu machen, wozu der unglückliche Zufall eines Kirchenraubes in der noch bestehenden Aügustiüerkirche, den der Dieb auf der Folter den Juden zuschiebt, dazukommt. In bunter Rei he führen die Akte von der nicht mehr Vorhände nen Judeinschule in die so wohl erhaltenen Kernenaten der Hohensalzburg, in ihre dumpfen Kerker, in denen die ganze Gasse vor der Hinrichtung ein Jahr schmachtet, auf die Plätze und Gassen dev uns allen teurenschpnsten österreichischen Stadt. Die Begehrlichkeiten der Menge für die Reichtümer der Gasse, dis Notwendigkeit, ein Ausflußventil gegen angesammelten Haß und Unzufriedenheit zu finden, finsterer Aberglaube verschwören sich gegen die Juden, um den Bischof Eberhard von Neuhaus, den Bürgermeister, die beide mit voller Objektivität als nicht böse, nicht einmal judonseindlich nur schwach ׳dargestellt sind,' zum Verderberder Juden zu führen. Alle Leiden schäften werden aber von dem verschmähten Lieb״ Haber der Tochter des Rabbis und Gattin Maynels, der -sich im Kerker entleibt, um nicht auf der Folter falsche Geständnisse zu machen, entzündet und -entlodert, Konrad, den der Dichter vorsichtig einen Neffen des Erzbischofs nennt. Unbewußt mag Grillparzers Otto von Meran dem Meraner Dichter bei Gestaltung seines Wüstlings vorgeschwebt haben, aber ein schwächlicher, büßt er doch freiwillig seine Taten auf denselben Scheiter- Haufen, wie die. schöne Hanna, die sich auch als schwächlicher erweist als ״das zürnende Weib und die Ungarin" Grillparzers, indem sie inder dramatisch wirksamsten Szene des Stückes einer allerdings teuflischen Verführung Konrads erliegt, und uM die Gasse, vor allem ihrem verehr- - ״״- ten Vater, den Oberrabbiüer zu -retten, Konradsj Mletzucy: Geliebte und Christin wird. Erst im Kerker des Vaters findet sie sich nach einem Jahre und der Gebürt eines Kindes wieder,. mutig besteigt sie mit dem Kinde, daß für ein nachgeborenes ihres Gatten Maynel gehalten wird, den Scheiterhau fen, auf dem schon das ganze jüdische Salzburg ausgelitten hat. Daß ihr neben der tiefen Witwentrauer der Dichter eine romanttsche Neigung zu dem einzigen, der dem blutigen Drama entrinnt, dem jüdischen Rabbi und Minnesänger Simon Steinwaw aus Mainz, gegeben, ist zwar zu einer dramatischen wirksamen Szene ausgenützt, stört aber das Interesse an der Figur. Daß ein Mann des Buches und der Kmitzel, nicht deS Schwertes trotz seines verdienstvollen Feldrabbinates das Drama verfaßt, zeigt sich in den problematischen Naturen der meisten Figuren; denn selbst der Erzbischof ist eine durchaus von HauS aus liebenswürdige Natur und er spricht angesichts des freiwilligen Feuertodes seines Liebling Konrad so versöhnlich aus eine bessere ukunft für die Kämpfer des Geistes und die udon hindeutende Worte, wie wenige Jahre nach dem Feuertodle des Hutz sie kaum ein deutscher j Herzen, Erzbischof gesprochen. zeichen!einer Feindschaft , großen Teil er selbst, durch eigenes Verschulden heraufbesichworeu, dadurch, daß er seinen Väterlichen Segen demjenigen zukommen -ließ, für welchen er nicht von vornherein -bestimmt gewesen. — Und da will und kann es uns nicht recht einleuchten, wie ein Jsak selbst einer noch so geschickt vorgeßpielten Täuschung — bekanntlich ist auch gerade diese von übelvollendeter Seite als ein Beweis mehr für die Minderwertigkeit des Charakters Jacobs hingestellt worden, Während bei nur einigermaßen vorurteilsloser Prüfung der Stelle auch ׳nicht der leiseste Schatten eines betrügerischeu Vorgehens auf diesen fällt, — nicht sofort hätte auf die Spur kommen sollen. Zugegeben, seine Augen -waren trübe, er tonnte' nur mit Mühe die einzelnen Dinge um sich her deutlicher wahrnehmen, aber ׳er, als Vater, hätte es doch sogleich hevaushaben müssen, wer da vor ihm stand, und mochte dieser sich auch ׳noch so sehr un״ kenntlich gemiacht -haben! In der Tat legt die Art und Weise des ganzen Verhaltens Jsaks währeK dieses Auftrittes -die Vermutung nahe, daß in ihm doch gleich zu- Anfang eine leise Ahnung aufgestiegen sei, wer eigentlich der -vor ihm Erschieneue sei, -und daß er nicht auf Grund einer irrigen Voraussetzung sich zu einer Segensverteilung «m ihn! entschlossen^ Denn prüfen wir einmal genauer, was seine verfänglich aufsteigenden Bedenken und Zweifel zerstreute: Er läßt, so heißt es hier, den Jacob ganz -nahe zu sich heriantreten, befühlt und betastet lange dessen Kleider und Hände und mernt *הקיל קול יעקב והידים ידי עשו ״Die Stimme istj Jacobs Stimme, aber die Hände sind Esaus Hände!" Wie? Und auf Grund einer solchen Wahrnehmung, -die die Identität der erwarteten Person zumindest zweifelhaft erscheinen lassen muß. erfolgt trotzdem die Segenserterlung?! Hätte nicht im Gegenteile gerade erne solche Feststellung unseren Jsak eher hievon zurückschrecken sollen? Denn was hätte für ihn ausschlaggebender sein dürfen als die Stumm! Und diese Stimme, sie klang ganz kliar und deutlrch als Jacobs Stimme, sie wies in unOveweuttgster. Weise ׳auf ih renBesitzer hin! Und wenn er nun gleichwohl ויבדבדו ihm jetzt trotz aller aufsteigenden Bedenken seinen Segen gibt, so spricht dies gewiß auch dafür, daß Jsak mit bewußter Absicht, und mit vorbedachtem Mllen sich hiebei hatte leiten lassen. Die Frage drängt sich nur hier auf, was Jsak eigentlich zu dieser Plötzlichen SinneSänderunjg veranlaßt hat. Noch kurz zuvor eine gewisse Abneigung gegen seinen Sohn Jacob im Herzen, — und jetzt dieser Umschlag, dieser zartliche Ton, dieses Ueberströmen innig warmer. &&*

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