Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVIII (1917)
- Issue
- Heft 17 (22.11.1917)
- Date
- 1917-11-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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NW >Msßi««e kJ «ezngßprrisr: •־ 5) V V ־*— -——--- fj > Redaktion und Administration: BriE, Adlcrgaff» k : ftür Oesterreich-Ungarn, halbjährig ganzjährig.. Deutschland, ganzjährig. Ruhland, ganzjährig. Balkan, Frankreich ....... >- 20*6 Kronen . — 12 Kronen . —׳12 Mark . —׳16 Rubel . —׳4 Franks Rcdektion: Wien VIII. Lerchengasse O tt. Buchbändlerische Vertretung: Otto ftlemm ׳!-zig Juseratc׳: die 6-spaltige ffetitzcile 50 h. Nrrverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht ronm I riert. — Manuskripten ist Rückports ßeizufüg n. -<---0 Wien—Brünn. 22. November 1917. 7. Klaiew 5677. Prag—Lemberg. Hickls Jüdischer M-Klllenijer 16. Jahrg. Preis K 3• Aus dem Inhalte: 'Reift! k‘1״i1׳t sind sie sich alle Gleich, nennensie sich Zio* <yvm|ic nisten irn-b Nationaljuden oder KaW, Assnn^ m ״״sf « s - 1 - lauten und ״Khal-Jisruel"-Politiker. Fürs Volk Die Grundlagen des osterrerchnchen Ltiaates^der wird es höchste Zell, sich all dieser ״Verlorwerden. Den Völkern, dre his g^r" und Vertreter zu entledigen. Es muß ׳eine setzt rechtlmo waren, soll durch Sc^l׳ffung vonl Na-, ffert6en>eguug für die realen 'Forderungen tlounlrtatenrechten eine rechtliche Basis mr StaaG entstehen, die in Versannnlungen, Masseupetitivleben geschaffen werdcm Dieser Umbau üst - - ׳ *• - -׳ ' ein. Resultat derzeitigen zulänglichkeiit allein herigen Verfassung gerüttelt, von Jahr zu Jahr erwies sich ihre: Unzulänglichkeit mehr.Die ein- -zelneir Völker traten an> den Staat mit Forderungen heran, (beiten er nicht gewachsen war. Der Kampf zw-ischen Tschechen und Deutschen, Polen und Ruthenen hat oft den Staat zu erschütter 1i gedroht. Aber auch die kleineren Völker, die Slovenen, Jtalieiier, Nuniänen und Kroaten haben oft die Aufmerksamkeit der politischen Welt auf sich zu lenken gewußt, iinfoetn sie zur rechten Zeit an Staat mit Forderungen herantraten, die: ihre unmittelbaren Tagesinteressen betrafen und hinter denen das Volk mit feisten jüdischen Schule basieren. Erst sie können der Platonischen ״Anerkennung" Wirklichkeitswerte derleihen. Notns. Zur Stellung des Judentums im gegnwärtigen Weltkamps. Von Professor Dr. Rudolf Eucken, Jena. Brod Max. In der Fabrik. Benedikt Clotilde: Aus der weibl. Armenpflege Ben Josef: Kriegswaisen . . . . Cohn Dr. Carl Altona: Judentum und Freiheit Feuchtwang Dr.: Brüder ganz Israel . Färber Dr. R.: Unsere Israel. Militärseelsorge Günzlg Dr. I.: Die Philosophie des Rabbi Beer Mezeritsch . .... Iniber 8. J.: Frihling 1915 . . ... KoinurDr. Ad.: Allerlei Geschichten V. König Salomo König Elsig: Kriegspassah .... Kurrein Prof. Dr. A.: Rabbi Israel Baal-Schem Müller Dr. E.: Prophetenworte .... Neusser Reglne, Breslau: Fanny von Arnstein: Ein Gedenkblatt zur 100 Wiederkehr Ihres Todes Rothbllum Dr. : Großvaters Tod. Rawltsch Mellech: Aufotmen . . . Reifer M.: Pravoszitelstwo Schach Fabius, Hambifrg: Weltschmerz Schach Fabius, Hamburg: Jüd. Kriegsaphorismen . Scherlag Lorenz : Der Tod geht um . Scherlag M.: Die Wolken . . . . , Schmäh! Grete» Wolf: Militärzug an der Grenze Schreiber Helnr. Dr.: Die Kultussteuer und der Krieg Zloclstl Theodor: Das Heilmittel . . . Verein zur Errichtung von Volksküchen nach Israel Ritus .. Verein Kurfürsorge im Kriege. Das allgemeine jüdische Krankenhaus in Jerusalem Ehrentafel für Gefallene . . . . . Illustrationen. Wenn die jüdische Welt ihr Verhältnis zu verschiedenen Organisationen und Korporiatiouen! den kämpfenden Völkergruppen ab messen will, so in seiner ganzen Macht stand. Diese Völker kön-, dürfte sie sich dabei nicht an mehr oder weniger neu jetzt u.icht übersehen und nicht übergangen zufällige Strömungen der Oberfläche' und am werden. Sie haben die Einsicht über die Unzulänglichkeit der rechtlichen Verhältnisse orzwun gen, darum bilden sie das Objekt der ״Neuorientierung im Staate." Wie aber ist das Verhältnis der jüdischen Oeffentlichkeit zur Frage de!v Verfassungsreform? Voller Freude stellen idie Einen fest, hier und dort hätte sich ein Journalist, ein Gelehrter, ja ein Univevsitätsprofessor über di>e Juden lobend geäußert, diese oder jene Zahlen vermögen den Nachweis zu erbringen, daß die Juden keine Drückeberger, ja auch keine .Preistreiber wären. Die Anderen bringen mi tJubel die Äußerungen der nichtjüdischen Presse bezüglich der jüdischen Forderungen aus Palästina. Unsere Presse bringt spaltenlange Berichte über die.politische Tätigkeit der russischen, Polnischen und amerikanischen für gefallene jüd. Soldaten. ♦++++++++++++++++ Täglich worden neue Aufrufe für die notlei׳ denden Juden ׳in Palästina ׳veröffentlicht. Unendliche Klagerufe über den Brand eines Tempel werden laut. Von allen Seiten werden, die gezählt, die «den Tod am Schlachtfeld erlitten. Man sucht nachzuweisen, daß wir dem Staiate, den anderen Völkern nützlich sind, bmfr unsere Forderungen gerecht sind. Als ob wir nicht durch unsere Existenz allein schon berechtigt wären an oen Staat, an die Mitmenschen Forderungen zu fiellen. Man versucht zu erbetteln, zu erbitten, zu überreden und zu überzeugen dort wo es sich um Machtfragen handelt. Als wenn nicht Recht erkämpft werden wüßte. Als wenn schon irgendwo auf der Welt jemand ein Recht erlangt hätte, nur durch bk Ueberzeugung des Anderen. Und jietzt, während der Kämpfe um die Verfassungsreform sucht man zu überzeugen, «daß wir wirklich eine Nation sind und fordert die Anerkennung als Nation. Als wäre uns mR der platonischen Asterkennung schon geholfen, als gäbe es im politischen Leben überhaupt nur einen Kampf um den Namen. Nichts weiter fordert man, als daß der Staat auch uns Nation nenne, und daß «er höchstens noch den Religionsunterricht um zwei' Hebräischstunden in der Woche verlängert und noch langwelliger werde. Keine Versammlung» keine Massenpetition wird «angeregt. Jeder Politiker unterhandelt im Namen des jüdischen Volkes, jeder Scribler schreibt im Namen der Juden, wenigsten an schöne Worte halten, sondern sie sollte vor allem erwägen, in welchem Verhältnis die Tiefe ihres eigenen Geistes zum Geiste anderer Völker steht. Hier aber läß sich behaupten, daß nirgends ein Volk mit solcher Liebe und zu solcher Tiefe in «das Schaffen des jüdischen Geistes eingedrungen ist, wie es das deutsche Volk getan hat. — Mit dem alten Testamente haben sich als einem Stück der christlichen Gedankenwelt ja alle christlichen Völker befaßt, aber schwerlich sind die Helden wie die Probleme des alten Bundes einem anderen Volke so vertraut, ja ein Stück seines eigenen Lebens geworden׳, wie dem deutschen. Es hat dazu Wohl gang besonders Luthers Bibel- Uebersetzung gewirkt, wel!che den alten Gedankengang her deutschen Volksseele so innig verband, aber wie hat Luther auch selbst in seinen ergreifendsten Liedern, vor allem in dem ״Eine feste Burg ist unser Gott" engsten Anschluß an das alte Testament gefunden. Solche Wirkung aber reicht weit über die Religion hinaus auch in,«das geistige Schaffen. Ein Leffing verkörperte sein Menschheitsiooal in der Gestalt eines ״Nathan": Herder schrieb sein Hauptwerk über den ״Geist der hebräischen Poesie", u. Goethe wurdein feinem Schaf״ fen fortwährend von Gestalten des alten Bundes begleitet. Denken wir nur an den, Beginn des Faust mit seiner Parallele zu Hiob! Auch sonst aber verstand er es wunderbar, jene Gestalten ins Reinmenschliche und Allgomeingültige zu wenden: daß z. B. in Aegypten ein König vufkam, dev nichts mehr von Joseph wußte, das wird ihm ein Zeichen der Vergänglichkeit alles menschlichen Ruhmes: wenn ferner Saul, ״der Sohn Kis", auszog, um seines Vaters Eselmen zu suchen und ein Königreich fauid, ״so sieht er darin ein Beispiel dessen, «doiß der Mensch oft nicht findet, was er erstrebt, daß er. aber im Mißlingen weit mehr findet, als er zu Anfang erstrebte". ז .«•;־ ״ .־ : ׳ Dieses Vermögen, andem Gehglt des altjüdischen Lebens tiefe eigene Gedänksn ustd Gefühle zu entwickeln, zeigt b^ndersMchKL Mpsik, dieser tiefste Ausdruck dSs deutschen »stns. Dnken wir nur an Händel mit seinen gewaltigen dramatischen Werken! Das ließe sich nach nach verschiedenen Richtungen weiter ausfühym, doch sei hier nur nych das erwähnt, daß tn per geschichtlichen Erforschung des «ultjüdischen Levens^ in der