Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVIII (1917)
- Issue
- Heft 16 (19.10.1917)
- Date
- 1917-10-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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r«»t« 2 ״ILvisHe mm#***» Sir. 16. unterscheide»!* uns aber infolge!unserer religiösen Lebensführung — Sabath Heiligung, Speisegedote usw. — von der Mehrheit. Die Masse wwd den Juden notwendiger Weise assimilieren. Diese Golustvagik ist die Folge mißverskmdener Freiheit. Freiheit ist nicht gleichbedeutend Mt schrankenlosem Sichausleben. Freiheit ist die frei gewollte Uuherordnrung unter die für die Volksgesamthsit, der man angehört, geltenden Regeln zur Förderung her Zwecke des Volksganze»n. Der Zweck des einzelnen ist das Volk — der Krieg hat diele Wahrheit jedem Gehirn eingehämmert —, der Zweck ׳des Volkes dije Menschheit. Auch hier ist der Jude berufen, der Welt ein Beispiel zu geben. Freiwillige Unterordnung unter die jüdischen Relijgionsvorschriften zur Förderung der Zwecke des jüdischen Volkes, insbesondere zur Herbeiführung der messicvniischen Freiheitsideen. Stelle dijch!auf den Boden der jüdischen Religionsvorschriften, sei ganzer Jude, erfülle dich von doni Gedanken an das Wissen und den Zweck der jüdischen Gesatmjtheit in! Gegenwart und Zukunft und!du wirst Kämpfer für Freiheit und Glück der Menschheit, für Religionsfreiheit ohne die Zwangsjacke kirchlicher Hierarchie, für Völkerglück ohne den Büttel!staatlicher Unterdrückung. Judentum und Freiheit! Clara pacta.... (Wegen Pliahmangel verspätet.) In!der letzten Zeit haben sich in den jüdischeu Flüchtlingskolonien der Sudetenländer gewisse Ereignisse ׳abgespielt, die für die Stimmung der Bevölkerung den Flüchtlingen beredtes Zeugniis legen. Es ist nun, charakteristisch für die gesamte österreichische Oeffentlichkeit, ׳halft von diesen Ereignissen nirgends Notiz genommen wird. Man! schweigt sie tot, also existieren sie nicht! Es ist dies die in Oesterreich übliche Art, Geschehnisse und Tatsachen zu verleugnen. Aber auch die jüdische Oeffontzlichkeitt — mit rühmlicher Ausnahme der Ortsgruppe! Brünn >des jüdischen Handelsangestelltonverbandes dieser Ereignissen mit einzigem Schweigen vörübergegcmigen, wijewohl die Judonheit von ihnien schwer betroffen wurden. Nun hat die ״Ostdeutsche Rundschau" das Schweigen gebrochen. In einer Reihe vo,n ArtEeln und Berichten aus der schlestsch-mährischen Provinz beschäftigt sie sich mit der Flüchtlingsfrage (freilich in ihrer Art!), beichtet über Aus׳ schveitungen gegen die Flüchtlinge in Lundenburg und anderen Orten und ruft natürlich in Me Welt hinaus ״Befreiet uns von der Flüchtlings- Nun die ״Ostdeutsche Rundschau" bleibt sich treu. Diese Radau-Politiker, dennen, jeder Andersgesinnte, von Andersgläubigen, nicht zu rjeden, eine ״niedrige Kanaille" ist, dennen Gelehrte wie Oswald, Häckel, F. W. Förster u. a. nichts als Juden-Söldlinge sind, die« an den Bäu-mjen der!ganzen Welt zu wenig Galgen haben, die Me Nicht-Deutsche Wie ״tolle. Hunhe' preisen, keiner hat Grund zur Klage, alle fühlen sich wie zu Hause und rühmen die taktvolle Güte, mit der sie hier behandelt!werden. Insbesondere Lp ihr Herz von Dank erfüllt, wie liebevoll ihnm der Eintritt in dieses Haus bereitet wurde. Am Tage ihrer Ankunft — drei Gruppen ziehen nach- Mander im Juni, Juli und August ein — empfing sie, wie ein guter Gastgeber, ein Vorsteher der Chewra Kadischa, gewöhnlich ׳ist es Herr Carl Lemberger, der dem Heim viele Mühe opfert, -immer -mit dem rührigen Sekräher, Herrn Wil- Helm Freistadt, um die Einteilung und Versorgung selbst vorzunehmen. Und bei Nennung dieser Namen sM auch der Ehvendamen Marie Kann u. Louise SPiegler, die in hingebungsvoller WeW um das Heim bemüht sind, dankbar gedacht werden. Herzlich wird jeder bewillkommt, alle Wün׳ sche werden angehürt und -nach Möglichkeit berücksichtigt und beim Absch.eLerhält jeder Gast ein Couvert mM einem Geldgeschenk für die klioi-- neu Ausgaben. Das Frühstück wird im Hause eingenommene wenn schön, im Garten. Dann gehen die Bewoh- -ner aus. fast alle hmützvn die Badner Quellen \u gesundheitsstärkenden Bädern, die die Gemein- Baden den Schützlingen des Heims kostenlos & niederknMen möchten (es aber vorziehen recht weit vom Schutzs zu bleiben, um Andere der Drückebergerei zu zeihen), sieHWen es ia längst auf die Juden abgesehen, freilich auf die armen und schwachen. Denn das Geld der reichen Juden, stecken sie gerne ein, als Subventionen und Beiträge für ihre Schulvereine, Wähl- und andere Fonds, wie auch als Jnsevatongelder und dgl. Wie sollten sie sich -nun die armen Flüchtlinge entgehen lasten? Bedürfen Wut und Unwillen der Bevölkerung doch eines Sündenbockes, da die ganze Welt nicht zum geringen Teile ob dieser Maulaffen blutet! Wer steht denn wirklich ein großer Teil der Bevölkerung hinter diesen ״immer feste druff"-Deutschon? Wie sonst ist die Mißstimmung der Bevölkerung gegen die Flüchtlinge zu erklären? Wie di!6 Ausschreitungen gegen die Flüchtlinge in den verschiedensten Gegenden? Die Bevölkerung ist unwillig Über die großon Entbehrungen, die der Krieg ihr auferlegt. Zu beschränkt um die Lieferen Ursachen dieser Entbehrungen zu erkennen ist sie duch politische Verhetzung und Unbildung seit jeher gewöhnt jedes Ereignis auf persönliche Machenschaften zurückzuführon. Jur selben Zeit, als die allgemeine Not einsetzt, kommt ein Menschenschlag ins Land, der!ihm fremd ist in Sitten und Bräu chen, fremd in Sprache und Glauben!. Wie leicht ist hier ein Zusammenhang zu konstruieren? Zwar sind die Flüchtlinge arm und Gevatter Tod hauftt unter ihnen schrecklich, wäh rend die einheimischen Großkaufleute, Fabrikat ten und Gutsbesitzer von Tag zu Tag offenbarer Reichtümer häufen und in Ueberfluß prassen, Wer sie, die letzteren, stehen ihn! doch durch gemeinsame Sitten und Bräuche, Sprache und Glauben nahe, was also liegt näher als bie Flüchtlinge als Urheber aller Not und alles Elend's zu verschreien. Ueberjdies sind die, in der Zeit >Mge»m!e!n׳er Verarmung Reichtümer Häufenden unddie zur Zeitz höchster Entbehrungen Prassenden, große und mächtige Leute, denen faßt das gesamte öffentliche Leben, die gesamte Presse untertan ist. Und wie sollen sie, die auf Kosten des W'eltzmunterganges reich und stark werden der Wut des Volkes entgehen? An Agvarprodukten herrscht großer Mangel Mas tut's, daß die Agarier schon in Friedenszeiten das Verbrennlen und Vorderbenlasten. eines Teiles ihrer Produlation zum Zwecke der ״Preisregulierung" praktizierten? Hat doch irgendwo ein Flüchtling seinem hungernden Sohne in die Stadt!ein Brod geschickt! Also halten die jüdischen Flüchtlinge das Getreide und Mehl dersteckt. Was tut's, daß die Großgrundbesitzer tag- ׳lich ihren Besitz ׳erweitern!, ihre Realitätenlasten spielend decken, und die ländlichen Sparkassen mit Geldern überflutet werden, hat mm! doch irgendwo einen Flüchtling aufgegriffen der zehn oder gar zwanzig Tausend Kronen Bargeld bei sich hatte! Klar ist doch, daß die Flüchtlinge im Kriege reich geworden sind! Daß diese lumpigen Groschen den Erlös der!ganzen Habe der sonst splitternackten, wahrscheinlich sehr zahlreichen Familie darstellen, die trotz!des ״Vermögens" am Bettelstäbe ist, dies zur erwägen ist doch nicht Das Mittagesten aber wird gemeinsam in einem ganz mahegelegenen, reizenden, rituellen SpeGehaus Hermine Eichner in der Rolleigaste genossen, wo die Mrtin für das leibliche Wohl der Heimschützlimige wie für eigene Kinder sorgt. BejmKht indieser schweren Zeit Unmögliches zu leisten, hilft sie der notwendigen Erholung durch ihre gewissenhafte Fürsorge nach. Die Jause wird wieder im Hause serviert. Friedlich rollen hier die Tage vorüber. Vier glückliche Wochen für Menschen, die das Leben sonst nicht allzuzart angefaftt hat. Nach dem Kriege gedenkt die Chewra Kadi׳ scha das Gebäude zu vergrößern, die Küche anzubauend den Speisesaal im Hause zu eröffnen, die Zahl der Zimmer zu vergrößern. Dann wird dieses Heim, welches ein wirkliches Heim Erholungsbedürftiger ist, einer grö-tzeren Ayzahl Männer und Frauen dienen können. Wer heute schon war uns dieser Besuch ein lebendiger Beweis für die unversiegbare Kraft der Güte dejüdischen Herzens, die am Werks ist, ohne Aufsehen und freundlich die Leidenden zu kräftigem., die Traurigen zu erheben im «einsten und edelsten Gefühle der Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft, Th. B—M Jedermanns Aufgabe. Danken (mit ״fürstlichen" DerwalLungsräten) logen ihre Millionen in Warenlager am kaufen auf einzelnen Gebieten die gesamte Produktion auf, was tut's? Hat man doch einen polnischen Juden aufgegriffon, der an Seife oder Kerzen paar Kronen verdient hat, also heißt es ״der Talmudschüler als Preistreider." An Wesen Gedankenbau hat die gesamte österreichische Presse mitgewirkt. Die, die von den deutsch-freiheitlichen Kultusgemeinden und ihren großbourgeoisen ״Machern" bezahlt werden, genau wie die von armen Arbeiterkr-euzern erhaltenen. Die einen zum Teil bewußt, um den Unmut dev Bevölkerung von seinen Drotgedern (und Inserenten) abzulenken, die anderen zum Teile aus unverzeilicher Oberflächlichkeit. Sie alle von der ״Neuen Freien" bis herab zum Organ des deutsch freisinnigen Khal's in Brünn (״Tagesbote"), von der ״Arbeiterzeitung" bis zu den sozial-demokratischenKoPsblättevnder Pro vinz, tragen schuld am Verbrechen, an den Fluchtlingen! Was aber die Kahalgewaltigen, die ortsansässigen Juden.getan, um den Voraussetzungen der Ausschreitungen und Mißstimmung gegen, oi!e Flüchtlinge entgegenzutreten? Haben sie nicht selber zur Verbreitung der verschiedensten 8H!» schuldi-gungon gegen die Flüchtlinge beigetragen? Mas hat sich die nichtjüdische Bevölkerung von den jüdischen Flüchtlingen denken müssen, alS!man׳ in Brünn Flüchtlinge unter polizeilicher Assistenz in's Bad eskorti erte? Haben nacht die Israeliten, aus den .׳Hilfskomitees" in Brünn und in anderen Orten! Flüchtlingsfrauen gewaltsan! das Haar abschneidsn lasten? Ist nicht bei verschiedenen Anlässen sogar der Eintritt in den Den!pel den Flüchtlingen verwehrt worden? Hüben nicht die vielfachen Hausbesitzer unter den -einheimischen Juden (ja auch die aus der Mitte der ״Hilfskömitee's") den Flüchtlingen keine Wohnungen vermieten wollen? Wieviele ׳der einheimischen Juden haben bei den Erweiterungen ihrer Geschäfte und Betriebe jüdische Flüchtlinge angestellt? (Zugestanden: Einzelne Wenige baben dies getan). Wieviele haben versucht ihre Betriebe den Gewohnheiten der Flüchtlinge (Sabbatruhs udgl.) anzupassen, um ihnen Arbeitsgelegenheit zu geben? Wieviele dagegen haben die Flüchtlinge als Lohndrücker verwendet i 2 und 3 K täglich betragen die Löhne, die die meisten jüdischem! Fabrikanten den Flüchtlingen zahlen (d. h. insoweit sie solche überhaupt beschäftigen), während der übliche Taglohn heute nirgends tiefer als K. Und wie scheu m!eidsn sie, die ״Hilfskomitees", die Persönliche Berührung mit den Flüchtlingen! (Man achte nur in Brünmn z. B. das persönliche Benehmen des H. Vizepräsidenten oder der Ko׳ mitee ״Damen" den Flüchtlingen gegenüber!) י Sie sind!es, ein!großer Teil (der kleinere Teil hat sich unser wacker angenommen׳!) Unserer ״westlichen Brüder", die die Voraussetzungen der Jerzabek-Pogromstimmung geschaffen haben׳! Sie HWon in Zeiten höchster Not an uns herumzubessern gesucht, sie HWen uns im größten Elend unsere ״Fehler" vorgeworfen, unsere Sitten verspottet, unsere Bräuche verlacht! Nichts an uns war ׳ihnen heilig genug, unsere persönliche Ehre HWen sie in den Kot!gezerrt, uns selber dem öffentlichen Spotte und der allgemeinen Berachtuug Preisgegeben. . Deshalb schweigen sie was jetzt tu best Ge* genden, wo Flüchtlinge angesiedelt sind,״ vorgcht. Schuldbeladen wollen sie ihre Verbrechen durch Totschweigen ungeschehen mjachen! fugavus. P. S. Diese Notiz war schon geschrieben, als im Mener Staidtvate der liberale Israelit, StWtrat Steiner, im Vereine mit den Christlich- Sozialen die Flüchtlinge anpöbelte. Man sieht, die freiheitlichen MMiten und die Deutschrad!!- kalen, die Kulturgewaltigen und Christlich-SoMalen sie sind alle eines Sinnes! Die Wsststhe Revolution und der Zionismus. . Mi tdem Wsbruch der siegreichen Eschen Revolution und mit der Beseitigung des zansn׳ schen Regims ist die letzte Schranke des strotzten mittelalterlichen Ghettos gefallen. Millionen