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Jüdische Volksstimme · 1917-10-19 · Heft 16 (19.10.1917) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVIII (1917)
Issue
Heft 16 (19.10.1917)
Date
1917-10-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ungarn, halbjährig Kronen 12׳— Mark 12 - Rabe! 16׳- Frank» 4— Redaktion: Wie« VIII. Lerchengaffe 6 a. Nebtcktton und >d«inistratto«: Brün«, Ldtttgaße g BuchhLnblerische Vertretung: Ott, KU«M» Mp»ig Inserate: die Sspalttge PetitzeÜe 00 U Unverlangte redaktionelle Beiträge werde« nicht hsno« riert. — Mannftripten ist Mckpart» beizufügen. Wien—Brünn. 1». OktolMr 1917. 3. March. 5977. Prag—Lemberg. Soeben erfchien: Hlckls Jüdischer Aus dem Inhalte: Brod Max. In der Fabrik . ... Benedikt ClotUde: Aus der weibl. Armenpflege Ben Josei: Kriegswaisen . Cohn Dr. Carl Altona: Judentum'und Freiheit . . . Feuchtwang Dr.: Brüder ganz Israel Färber Dr. R.: Unsere Israel. Militärseelsorge Gttnzig Dr. I.: Die Philosophie des Rabbi Beer Mezeritsch . ... Iniber S. J.: Frihling 1915 . . . . . Koh'ut Dr. Ad.: Allerlei Geschichten v. König Salomo König Elsig: Kriegspassah . Kurrein Prof. Dr. A.: Rabbi Israel Baal-Schem Müller Dr. E.: Prophetenworte .... Neusser Regine, Breslau: Fanny von Arnstein: Ein Qedenkblatt zur 100 Wiederkehr Ihres Todes Rothbllum Dr.: Großvaters Tod . Rawltsch Meilech: Aufotmen . . . Reifer M.: Pravoszitelstwo .... Schach Fablus, Hamburg: Weltschmerz Schach Fablus, Hamburg: Jüd. Kriegsaphorismen Scherlag Lorenz : Der Tod geht um Scherlag M.: Die Wolken . . . .. . Schmäht Grete, Wolf: Militärzug an der Grenze Schreiber Heinr. Dr.: Die Kultussteuer und der Krieg Zlocisti Theodor: Das Heilmittel ... Verein zur Errichtung von Volksküchen nach Israel Ritus .... 4 . Das allgemeine jüdische Krankenhaus in Jerusalem Ehrentafel für Gefallene ... . . ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Judentum und Freiheit. Vow Rechtsanwalt Dr. Carl Cohn, Altona (Elbe). ״Solch' ein« GewimMl möcht' ich sehn' Auf freiem Grund mit freiem Volk zu steh'n." Freiheit und Glück für die ganze Menschheit, bas ist das Ziel unseres Strebens. Glauben wir an das Judentum, glauben, wir .an dessen Ziel, das Glück Mer Menschen, so müssen wiir alles fördern, alles erstreben, was dieses Ziel näher zu bringen geeignet ist, mit aller Kraft und Be!- geisterrmtgsfähigkoijt.. Politische Arbeit mit dem Blick auf die Freiheit der Menschheit ist Arbeit am-Judentum, zur Verwirklichung des Judentums. Ich liebe dio Freiheit, weil ich Jude bin u. ich bin Jude, weil ich die Freiheit liebe. Juden- Lujm und Freiheit! Das Endziel des Judentums ist Glück und Freiheit. Sie sind am Ende der Zeiten etwas derart Selbstverständliches, daß jeder Mißbrauch ausgeschlossen ist; das jüdische Gesetz das die Priester der Menschheit im Golus vor dem Versinken in den Sumpf der Unfreiheit bewahren soll, ist dann vielleicht nicht mehr erforderlich. Kein Krieg wird nicht mehr!geführt, jedes Leid ist geschwunden, jede Träne getrocknet und Gewalttat hat keine Stätte auf Erden. Am Ende der Zeiten! Wann aber Wird dies sein? Ein Ausspruch talmn,bischer Weisheit gibt eine zweifache Ant- Wort: entweder die Menschheit ist aus eigener Kraft für die Freiheit reif geworden, oder die Erfüllung der Zeiten bricht herein Plötzlich wie ein Sturmwetter, sollte auch der Boden noch so unvorbereitet sein. -Evolution oder Revolution! Der gegenwärtige Krieg, der alle *menschliche Gesellschaftsordnrmg in ihren Grundfesten erschüttert und der uns in unbedingter Kriegsnotwendigkeit soziale Schöpfungen׳ gebracht hat, die wir in ruhigen Zeiten erst a.m- Ende einer langen allmählichen Entwicklungsreihe erwarten konnten, hat uns gezeigt, daß uns die sozialen Gebilde meßianischer Freiheit auch durch eine Plötzliche' Umwälzung aller bis dabin gültigen Werke beschert werden können. Nicht umsonst stellt disselbe Lalmudische Weisheit den, Kampf von Gog MÄ Mogog -an den Beginn des meUanischen Zeitalters. Dieser riesenhafteste Kampf, -den die Menschheit bis hahin je gesehen, wird sie für die harte Notwendigkeit einer Umwälzung im Sinne messianifcher Freiheit reif machen. Wir Juden find die geborenen Freiheitskämpfer. Der jüdische Tempel mußte in Flammen aufgehen, der jüdische Staat in Trümmer dahinsinken, um der Menschheit durch die Jahrtausende der Geschichte das Vorbild einer Gemeinschaft ohne Machtmißbrauch, ohne die Möglichkeit eines Machtmißbvauches zu zeigen: -eine Religion ohne Kirche, ein Volk ohne Staat. Erst wenn jede Kirchenorganisation, jeder staatliche Machtzwang vernichtet sein wird, kann der ewige Friede seinen Einzug auf Erden halten. ׳ Wenn die Entente wirklich für die Freiheit der Völker kämpft, wie sie vorgiebt, so muH sie zunächst ihre eigenen Staatsgrenzen und -organisaticmen beseitigen. Jode Staatsgrenze hat etwas Willkürliches. Erst wenn die Völker ohne Zwang ihre nationale Eigenschaften und Tugenden!entwickeln, können«, bricht der Freiheit Morgen an. Je mehr Völker, ,desto besser, desto bunter, reichhaltiger, schillernder wird das Bild der Kultur. Golustragik aper ist es, daß wir Juden im Kampf um die Freiheit uns sehhr oft selbst perloren haben. Der Kampf für die moderne Wirtschaftliche und politische Entwicklung brachte den Hoch-Kapitaliismus und mit ihm die Objekti- Vierung -des Geldes und den fKrnndelnd reißen«׳ den Wirtschaftskampf. Die Objektivierung, des Geldes verhinderte den! Juden, sein Wirtschaftliches Leben, sich, seiner jüdischen Gedankenwelt zu assimilieren; er wurde und wird assimiliert. Die Hast des Erwerbslebens raubte ihm überdies noch die Zeit zur Selbstbestimmung. Der Kampf für die Freiheit bringt als Nachfolge des Kapitalismus das Wirtschaftssystem des Sozialismus, der wiederum das Judentum Lötet, da eine Masse —!niemals Elemente in sich dulden kann, die in ihren Trun und Lassen anders sind als die überwiegende Mehrheit. Wir Juden Feuilleton. Ein Besuch im Erholungsheim der Chewra Kadischa in Baden. Ein heißer Spätsommer über. der kleinen, Hellen Bädarstadt. Schwerfällig rollen die gefüllten Trains der Elektrischen Bahn durch, die Kastanionalleen ihrem Ziele, der Endstation am Josefsplatz zu. Und gleich bei der Brücke, tu der ruhigem Breitnerstraße, die so liegt, als laufe sie nicht unmittelbar neben dem bewegten Zentrum des vielbesuchten Kurortes dahin, so still und versonnen ist sie, grüßt uns ein weißes, freundliches, reines Parterrehaus, das wie ein friiedliches Asyl sein Tor zu einem dichten grünen Garten öffnet. Hier geht es einem wie dem Be schauern von Bildern, der vor einem gewaltigen, berühmten Gemälde kalt bleibt, während ein kleines' Kunstwerk sein Herz wundersam zu ergrafen versteht. Nichts von Wohltätijgkeitsheimen, Armeninstitutionen und wie diese Einrichtuugen alle heißen,, zeigt sich an diesem Wichten Gebäude, das den Charakter, einer -großen Familienvilla trägt. Es ist ein gastliches Haus, das die Mühseligen! und Beladenen des kleinen Mittelstandes, verschämte Arme, die eine Erholung brauchen, liebevoll in seinen Mauern empfängt. Und so still und unbemerkt gehen jahrjährlich Menschen« ein und aus, die dort finden, worum sie geseufzt und geklagt haben. Einen Sommer Erholung!, Pflege für ihren Körper, Bäder in den Heilquellen Badens, und und den Frieden eines vierwöchentlichen, freundlichen Daseins, das ihnen die Kraft gibt, bis zum nächsten ׳Jahre auszuharren. Der Hausankauf erfolgte von der Chewra Kadischa anläßlich des Jubiläums seines 160jähr. Bestandes. Ein edler Wohltäter, den der Tod erst jüngst «dahingerafft hat, hat durch eine große Schenkung die dauernde Erhaltung des Heimes gesichert. Sein Name, keinem Wiener unbekannt, ist auf einer Gedenktafel verewigt: Salo Cohn, der langjährige hochverdiente Präsident der Chewra Kadischa. Ei,n«e freundliche Frau, hie Verwalterin, Frau Karoline Jawetz, die mit eiinsm Dienstmädchen die Versorgung des ganzen Heimes Ladet los durchführt, ist unsere Führerin. Neunzehn Zimmer, einbettige,, zweibettige, dreibettige, auch vierbettige, sind vorhanden. Manchmal kommen Ehepaare und wohnen dann gemeinsam in eiyem der hübschen, kleinen Gartenzimmer,׳ wo ׳einem ,die grünen Bäume zum Fenster hmeinschen. Es ist wie eine kleine Pension mit einemgewissen Anstrich von Luxus, ja manches Zimmer ist geradezu überraschend schön. Wohl kann man sich hier zufrieden fühlen, wo einem nichts daran erinnert, daß man eine Wohltat genißt, wo man friedlich, wie in ei,mm. idyllischen gutbürgerlichen Hause zusammen lebt. Im Hause befindet sich auch ein vollkommen eingerichtetes ärztliches Ordinationszimmer, ׳ in dem der Arzt Dr. M. Goldberger, ei«׳ liebenswürdiger freundlicher Herr wöchentlich einmal seine Ordination abhäli. Erkrankt jedoch einer der Heimbesucher fo ist Dr. Goldberger sofort zur Stelle und hilft unermüdlich und gütig, wo er nur kann. Von einer prächtigen Glasvevande in* der man sich bei schlechtem Wetter gemütlich aufhaltsn kann, führen ein paar Stufen in einen niedlichen gepflegten Garten. Dort, sitzen auf den Bänken, in kleinen Lauben, in Gruppen und Mein, Plaudernd oder lesend, die HeimLewohhner. Es sind diesmal 22 Frauen und nur 5 Männer, alle gut gekleidet, den besseren Bürgerständen.angehörend. Sie begrüßen uns freundlich, sehr erfreut über «die Störung und wir geraten bald in ein Gesprach mit ihnen. Alle ausnahmslos wissen das Heim, seine Verwaltung, den Aufenthalt, die Wirkung auf ihre Gesundheit nicht gmug zu

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