Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVIII (1917)
- Issue
- Heft 12 (20.7.1917)
- Date
- 1917-07-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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***** *• _ ״Zttifche ®«(»fHmwe12 ״ Kunöfikau. Auszeichnung. Dem Militär-Verpflegsakzessistcn i. d. R. Paul Ascher, einem Sohne,des städt. Oberlehrers Hermann Ascher, wurde das goldene Verdienstkreuz,mit der Krone am Bonde der Tapferkeits- Medaille in Anerkennung vorzüglicher Dienstleistung vor dem Feinde verliehen. Er erhielt schon früher das goldene VerdienstkreLtz. Jüdische Woltätigkeit. Ein ungenanmt sein wollender Woltäter hat der Chewra-Kiadischa m Wien für ihr in Baden Braitnerstrasze 23, befindliches Erholungsheim einen Betrag von 10.000 Kronen als Beitrag für eine Erweiterung dieses Heimes gewidmet. Die Arbeit der Sammelvormuudschast der Jüdischen Gemeinde zu Berlin soll durch die Airstellung ei.n>er besoldeten Pflegerin einen Ausbau erfahren. Zurzeit wird die Pflegetätigkeit von elf Damen ausgeübt, die sich ehrenamtlich zur Verfügung gestellt haben. Diese Ehrenbeamlinnen! sind zum Teil überlastet. Das Amt soll darum einer pflegerisch vorgcbildeten Dame anvertraut werden, der sich damit ein sehr segensreicher Wirkungskreis erschließt. Das amerikanisch-jüdische Hilfswerk. Der 10 Million«» Dollar-Fonds, der für die vom Kriege betrofenen Juden in den Kriegs- ׳ zonen in Amerika durch das American Jewish Relief-Konnte aufgebracht werden soll, ist durch die Spende von dem Chicagoer Philantrophen Julius Nosenwald, der sich verpflichtete, 1 Million! Dollars zu geben, bereits fundiert worden. Die Bedingung, die Herr Julius Rosenwald an diese hochherzige Spende knüpft, besteht darin, daß er für je 1 Million, die gesammelt wird, selbst 100,000 Dollars spendet, das heW also, die elfte Million bereitstellt, falls.die Judenheit Amerikas bis zum Noveknber 1917 die geplanten 10 M illi an,en aufgebracht hat. H«rr Henry Morgenthau verlangt in einem Aufrufe von. jder amerikanischen Judenschaft, daß diese 10 Millionen bis zum 1. Juni des Jahres aufgebracht werden, wenn die 3 Millionen Juden in der östlichen Kriegszone vom Hungertode gerettet werden sollen. Um diesen früheren! Termin möglichst zu realisieren, hat sich ein neues Komite .gebildet, das sich mi׳t der Propagierung für die schnelle Aufbringung der 10 Millionen beschäftigt, und das außer Herrn Morgan,thau, die Herreu I. H. Schiff, Oberrichter L. D. Branders, Daniel Guggenheim, Nathan Straus und Herbert H. Lehmann umfaßt. Bon der neuen orthodoxen Partei. Die i-n Moskau vor kurzem gegründete orth. Partei .׳Tradition u. Fveiheit", an deren Spitze die Rabbiner Nurok, Mitau, Gvaubard, Staschew, und Herr R.-A. Gotz stehen, nahm ein Programm an, dasinallgemein-politischen Fragen weitgehende demokratische Reformen, auf dem Gebiete der Arbeiter- und Agrar-Gesetzgeibung verlangt. Hinsichtlich der Jüdischen Frage!stellt die Partei die Forderung einer ״religiösnationalen Autonomie". ״Die hebräische Sprache", heW es in dem Programm^ ״hat in der!Schule eine dommierende Stellung einzuneh-, men und soll, falls dies möglich ist, auch Unterrichtsspräche werden." Ferner will die Partei, die Bestrebungen zur Verwirklichung der historischeu Hoffnungen auf ein unabhängiges religiös- Nationales Leben in Palästina tunlichst unter- Wtzen. ' . Vom jüdischen Kongreß in Amerika. Di« organisatorischen Vorbereitungen für den Kongreß, der bekanntlich auf den 2. September festgesetzt wurde, .sind in vollem Gange. Bei der bereits kürzlich mitgeteilten Nominierung von Delegierten zumi Kongreß war die Mehrheit der Gewählten Zionisten. Die Stadt Newyork wählte von 200 Nominierten ungefähr 150 Zionisten, Boston wählte von 16 vorgeschlageuen Kandidaten 14 Zionisten. Man ist jetzt damit beschäftigt, für ׳den Kongrest Material über die Lage der Juden i!n> den einzelnen Ländern zusammenzustellen. Für diesen Zweck sind vor längerer Zeit besondere Kommissionen eingesetzt worden. Mn jüdischer Kongreß in England. Die zion. Federation Englands hat beschlossen, im Vereine mit anderen jüdischen Organisationcn des Landes einen Kongreß der englischen Judenheiit einizuberufen, der die Formulierungen ׳der Juden Englands gegenüber der Friedenskonferenz formulieren soll. Die Bombenwürfe auf Jerusalem. Mehrere englische Flieger haben in der letzten Woche mehr als 70 Bomben auf die Stadt Jerusalem geworfen. Es gab weder Menschen- Verluste noch bedeutende Schäden. Die Beschädigungen einiger heiligen Stätten sind desgleichen nicht sehr bedeutend. Wir überlassen der öffentlichen Meinung das Urteil über dieses Vorgehen, das mit allen Grundsätzen der Zivilisation und der Menschlichkeit in schreiendem Widerspruch steht. Zeitschriften-Revue. Eine Attacke des Generals v. Gebsattel. Dem ״Berliner Tagblatt" entnehmen wir folgenden Artikel: »Alldeutsch — all,jüdisch." General v. Gebsattel, der stellvertretende Vorsitzende des Alldeutschen Verbandes, hat sich bereits durch seine Drohung mit einer Revolution in dem bekannten Brief an den Reichskanzler einen gewissen Namen gemacht. Di« .bei dieser Gelegenheit erlittene Abfuhr ließ es ihm, offenbar wünschenswert erscheinen das Kanchsgebiet zu wechseln. In der alldeutschen ״Deutschen Zeitung" veröffentlicht Herr v. Gebsattel einen Artikel ״Alldeutsch — vielleicht ׳alljüdisch?", der wol die antisemitische Wandlung des Alldeutschen Verbandes eiinleiten soll. Zunächst macht sich der exzellente Verfasser die Sache in-sofern leicht, als er den Begriff ״alldeutsch." mit ״deutsch" und ״national" identifiziert. Diesem leuchtenden Alldeutschtuni! setzt er dann einen rein materialistischen Kreiis gegenüber, der ״in friedlicher Eintracht Haase-Scheidemann-Mosse-Sonnemann Erben umfajßt." Nachdem auf diese Weife zwischen den Mächten ׳des ״Lichts" und der ״Finsternis" reinlich geschieden! worden ist, .geht Herr v. Gebsattel auf die für seinen Verband sehr Peinliche Behauptung ein, daß -die ,alldeutsche Bewegung mit schwer industriellem Gelbe gemacht werde uud auf diese Art geradezu in: Dienste der durch den Krieg Profitierenden Rüstungsindustrie stehe." Er bestreitet das — auffälligerweise gerade in der ״Deutschen Zeitung" —, aber er stellt doch vorsichtig die Gegenfrage: ״Gibt esk kein! anderes Geld als die angeblichen Millionen der Schwerindustrie? Und: Hat man noch nicht gehört, daß gewisse Parteien bei Wahlen u. auch sonst ihre Kasse!;. von Seiten gefüllt bekommen, die dem ״Berliner Tageblatt" u. der ״Frankfurter Zeitung" sehr nahe stehen? Aus welchen menschenfreundlichen Gründen geben diese Herrschaften ihr Geld gerade an diese Partei?" — Man sieht schon aus diesen Sätzen, daß Herr v. Gabsattel sich nicht .gerade durch Klarheit des Ausdruckes auszeichn«et. Zunächst spricht er von »gewissen Parteien", die ihre Kassen von ״Seiten" gefüllt bekommen, die dem ״Berliner Tageblatt" und der ״Frankfurter Zeitung" nahestehen; dann macht er diesen Herrschäften — welchen Herrschaften? — zum, Vor- Wurf, dast sie ihr Geld ״gerade an diese Partei" — welche Partei? — geben. Dg wir nicht Zeit noch Lust haben, die Göbsattelschsn Rätsel zu raten, so möchten wir ihn schon bitten, etwas deutlicher zu werden. Nachdem Herr v. Gebsattel noch in «ebenso unbegründeten wie wahrheÄs» widrigen Andeutungen vyn dem «Jnsevatenmo- «wpol des Hauses Mosse" gesprochen und auf di« angebliche ״Herrschaft der Juden im Theaterwesen" usw. hmgewiesen hat, kommt er zu dem Schluß: ״Beide Seiten müssen meines Erachtens darüber klar sein: wenn die Frage ״alldeutsch— alljüdisch" erst einmal im vollen Ernst« aufgeworfen wird, muß sie irm vollen Ernste behandelt und gelöst werden." Das bedeutet also, daß Herr v. Gebsattel den Alldeutschen Verband zu einem Organ, der Judenhetze ausgestalten will. Man darf ihm zugeben, daß er damit nur den bewährten Bahnen des Panslavismus mit seiner Kogromtaktik folgen würde. Sollen dazu auch die ״Millionen der Schwerindustrie" ׳dienen? Die P. T. Herren Feldrabbiner werden dringend ersucht, Ihre Adressen Herrn Redakteur Max Hickl Wir«. VIII. Bezirk. Lercheugaffe Nr. ka. mitzuteilen. Korreßionäenren. Prag. Di« Schulkanzlei zur Organisation u. Beaufsichtigung des Schulwesens für Kriegsflüchtlinge aus Galizien und der Bukowina hat bis zum heutigen Tage 58 Schulen gegründet, 7 Schulen in Verwaltung übernommen und 3S Religionsstati!on«n ins Heben gerufen. Di« Lek« Lung der Schulkanzlet veranstaltet am 28. u. 82.