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Jüdische Volksstimme · 1917-07-20 · Heft 12 (20.7.1917) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVIII (1917)
Issue
Heft 12 (20.7.1917)
Date
1917-07-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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bt. 12. ״Mische V-N-Mm««« SMrS Glaubensbrüder eine solch gigantische Höhe er-) reichte, daß sie in den Annalen jüdischer Woltä-'. tigkeit wol als unerreicht bezeichnet werden muß? Allerdings verdanken wir edises glänzende Re-, sultat dem großzügigen Woltätigkeitssinne unserer Amerikanischen Glaubensbrüder, welche' vom Kriegsbeginne an bis Ende Dezember 1916 der ״Allianz" Spenden in der Höhe von K 10,318.290.— überwiesen haben, von denen vom Mai 1916 bis Mai 1917 über K 6,50.000.׳- zur Verteilung gelangt sind. Mit lebhaftem In-! teresse lesen wir, wie geschickt die Wege einge-j schlagen! wurden, ,um! die Schwierigkeiten djes durch den Gang der Politik gestörten Verkehrs zu überwinden und j-e eher in den.Besitz der amerikanischen Gelder zu gelangen. Große Verdienste erwarb sich nach dieser. Richtung das leitendje Mitglied des Newyorker Komites, Herr Dr. I. L. Magnes, der, die Mühen und Gefahren einer Organisation nicht scheuend, im September v. I., Men besuchte und mit der Leitung der ״Allianz" die Art der Hilfsaktion persönlich eingehend besprach. Nach Kronländern vertreilip sich die Zahl der jüdischen Flüchtlinge auf: Böhmen mit Mähren mit Oesterr.-Schlesien mit Steiermark mit Ober-Oesterreich mit Salzburg mit Wien u. Niederösterr. cca. Ungarn mit cca. 72.253 Personen 35.682 Personen 12.782 Personen 3.767 Personen 10.000 Personen 1.815 Personen 40.000 Personen 20.000 Personen Gesamtzahl rund 200,000 Flüchtl., welche iw v. I. mit der Sume von K 3,225096.— unterstützt wurden, im Jahre 1915 mit R 565948.— in den letzten zwei Kriegsjahren׳ also mit K 3,791.044.— Die Gelder, die für Galizien zur Verteilung gelangten, beziffern sich auf R 1,718722.90 im vorletzten Jahre auf K 87,6766.— zusammen: R 2,595.488.90 An Subventionen in den okkupierten- Gebiete von Russisch-Polen wurde durch die Hilfs- Komites Lublin, Radom, Kielce und Petrkow die Summe von K 1,632.470.— verteilt. Der Not der jüdischen Bevölkerung in Rumänien und Serbien wurde gleichfalls durch Verabreichung von Unterstützungsgeldern zu steuern! getrachtet. Desgleichen zielte das Bestreben auf eine Milderung der kriegsnotleidonden jüdischen Bevölkerung in Palästina. Mt Worten besonderen Dankes schließt der Bericht an den Wiener Vertreter des Newyorker Komites, Hrn. M. Paul Schiff, der seit dem Jahre 1915 die schwierige Realisierung der bedeutenden amerikanischen Gelder durch seine Persönliche Bezie- Hungen so wirksam und erfolgreich zu fördern bemüht, war we an die Herren des Spezialkomites in den verschiedenen Orten des In- und Aus-landes, die die Geldverteilung umsichtsvoll bewerkstelligt haben. Mit tiefer Ergriffenhheit betrachten wir die dem Jahresberchte ׳beigefügten Abbildungen: a) Kaddischbetende KrieMvaisen im Kinderheim zu Lemberg, b) Schützlinge des Kinderasyls in Lamberg, c) Schützlinge»des Kriegswaisenheimes in Gliniany und verstehen so recht den eindringlichjen Appell der ״Allianz" an alle vermögenden Glaubensgenossen im Jnlande jetzt, wo die ameriSanischen Hilfsquellen versiegen, das Herz sprechen zu lassen und opferfreudig reichliche Gaben darzubringen dem Vorb'ilde unserer amerikanrschen Brüder gleich, damit die Charitas nicht erlahme und Not und Elend des grausigen Krieges Erbarmen und Linderung fnden mögen. A. L. I, L rtui MMM fffii Mil (vormals Eduard Urban) Kals8r»Fr8ns•lOMf• VHats Nr. 18• Obaniabme von Qaldero zur günstigen Varzlnaung Liebesgabenzentrale für jüdische Soldaten. Bon M. P. Ein wichtiges Kapitel der Kriegsfürsorge sollte stets der Seelenzustand des Soldaten bilden, darauf wird auch seitens der Heeresleitung großes Gewicht gelegt. Für den jüdischen Soldaten ist es geradezu unerläßlich, daß für sein geistiges Wohl gesorgt werde. Ob er jetzt im Felde oder im Spitale sich befindet überall braucht er ditz für den täglichen Gebrauch wichtigen Ritualien, die da bestehen aus Gebetbuch, Zizzes, Talles, Tephilin und Chumiisch. Dazu kommen! noch die Ritualien für die Festtage. Es ist anzunehmen, daß fast jeder jüdische Soldat mit diesen Gegenständen Versehen ist, 'wenn er ins Feld geht. Dort aber finden sich so rasch Gelegenheiten, daß er von diesen Kleinodien, wenn er sie noch so behütet, welche verliert, oft werden sie in Spitälern׳ abgcnommen und gehen verloren. Auf diese Umstände haben die Herren Feldrabbiner wiederholt aufmerksam gemacht, doch fehlte es bis heute an Initiative, einen Geldfand zu gründen, der die ,,Liebesgabenzentrale für jüdische Soldaten" bilden soll. Von dieser Zentrale aus sollten die Herren Fcldrabbiner mit allen diesen notwendigen Ritualien beteilt werden, die sie für ihre Soldaten brauchen. Wie schwer ist es manchem jüdischen Solbaten im, Schützengrabe zumute, wenn er beten möchte und kein Gebetbuch hat oder ihm Tophilin fehlen. Wie erleichtert fühlt sich ein kranker oder verwundeter Soldat wenn ihm die Möglichkeit.geboten wird, seine seelischen Bedürfnisse zu stillen. Diese Liebesqabenzen träte ist fast noch wi!chtiger als die koschereKost, die Physische Nahrung für jüdische Soldaten, die übrigens nach ungari׳ schem Muster -in Oesterreich schon sehr gut eingeführt hätte sein können. So sollten sich beherzte Männer und Frauen finden, die jetzt die Grundsteine legen helfen für ein Werk, das Segen bringen kann für ganz Israel. Wirf' das Brot aufs Wasser, es finden! es die Deinen. Der ״Allgemeinen jüdischen Zeitung" möge ׳es gegönnt sein, die ersten Spenden für diesen Fond verzeichnen zu können, um dann weitere Schritte zur Erlangung des ganzen Zweckes ein׳ leiten zu könen. So möchte ich schließen mit den Worten aus der Heiligen Schrift: ״Wie schön sind deine Zelte Jaob, deine Wohnungen Israel!" Unsere jüd. Soldaten, die jetzt da draußen ihre Wohnungen aufgeschlagen haben, laßt sie uns ihnen durch ihre Gebete wohnlich erscheinen, bis es der grten Vorsehung gefällt uns die Hilfe zu senden, die uns ׳alle m ein glückliches Land, in eine Zeit des Segens zusammen führt. Au- und Varkauf von Lotan In alias möglloben Kamblaatfonan• Das jüdische Archiv. Wien, 2. Bez., Praterstraße 43. muß uns die Waffen liefern, mit denen wir uns wehren wollen gegen die An-griife des Antisem-itismus. Kein Zweifel! Der Feind rüstet. Und wehe wenn wir!nicht vorbereitet sind. Wir!haben in vollem Umfange unsere Pflicht gegen das Vaterland!erfüllt. Verblendet, .von, Haß erfüllte Judengegner arbeiten aber in größtem Maßstabe daran, unsere Verdienste nicht etwa zu verleinern, nein, vielmehr unsere über allen Zweifel erhabene staatstreue Gesmnung zu verdächtigen. Den Verläumduntzen können wir nur entgegentreten, wenn wir auf ein reichhaltiges, zuverlässiges Tatsachenmaterial verweisen können. Ditz amtlichen Quellen werden, noch lange geschlossen bleiben. Mr aber haben keine Zeit, zu warten. Es muß Private Arbeit den Stoff liefern, dessen Kenntnis wiir nicht entbehren können, um den phantastischen, bis in die Einzelheilen erlogenen Berichten der Antisemiten den Boden zu entziehen. Juden! Haltet diese Angelegenheit nicht für gering. Es gilt Euer Sein. Unsere Aufgabe ist nicht leicht. Helft uns, sie zu erfüllen. Wo immer Ihr seid, verschafft uns die Daten Eurer Geschwister, Freunde und Bekannten m Kriege. Jeder verständige uns unverzüglich über die Zahl der Eingerückten, Freiwilligen, Kämpfenden, Verwundeten, Gefallenen und Ausgezeichneten in Familie, Haus u. Gememdel Fragekarten stehen jedermann, der sich für diese Volkssache interessiert, kostenlos zur Vevfügung. Die Stunde der Gefahr ist da. Versäumt nicht Euere Pflicht! Zm Kaffeehaus. Um den Tisch bei grellen Lichtern Im Kaffeehaus hocken wir. Unsre Augen flocken: irr. In den fahlen Angesichterl:. Wo ist unser Stolz verschwunden Und die frühere Lebenslust? Alle Freude unterbunden Ruht in grauem Sorgenwust. Sorgen, aus der Angst geboren! Regnet es nicht Aschenstaub? An die Scheiben scheu, verloren, Pocht im Fall das müde Laub. Hinter ei!:em grauen Schleier Schemen gar auch wir zu schweben. Rüstet nicht zur Todesfeier Das zu tiefst erzürn teLebtzn? M. Scherlag. Eine Kuriosität der Brünner israelitischen Kultusgemeinde. Der hiesige Kultusvorstand hat einem deutschen Studentenverein, eine Subvention gewährt und gleichzeitig -er hies. Ortsgruppe des jüdischen Wanderbundes ״Blau-Weiß" eine solche versagt. Die Abwesenheit des jüdisch-nationalen Vertreters, Herrn Dr. Philipp Schreier, wuvde dazu benützt, diese Angelegenheit so zu erledigen, daß sich kaum einer der Vorstands-Mitglieder daran erinnern kann, daß dieser Fall in der betreffenden Sitzung, überhaupt behandelt wurde. Herr Gustav Tandler und die anderen Herren scheinen also.der Meinung zu sein, daß die deutschen Vereine für das Judentum von größerer Bedeutung sind, als die modernen jüdischeu, unter.denen der ״Blau-Weiß eine ganz besondere, von allen berufenen Faktoren aner׳ kannte Stellung emnimmt. Sie scheinen es nicht zu wissen und sich auch darum nicht zu kümmern, daß die Bestrebungen des ״Blau-Weiß" auch die Billigung des k. u. k. Kriegsmmisteriums und der Schulbehörden finden!. Das Macht alles nichts! Es ist ja eine Organisation, die unsere Jugend zum lebenden Judentum erziehen will, die sie zu chavakterfesten und guten Menschen macht. Das findet der Kultusvorstand keiner Unterstützung wert. Der Krieg wird nicht ewig dauern! Wir werden die Herren, die jetzt die ״Zeichen der Zeit" so wsniiig verstehen zur Verantwortung ziehen, sie werden uns Rede stehen müssen, warum sie diese Angelegenheit, hie ihnen in einer einwandfreien und wirklich vornehmen Meise vorgebracht wurde, so erledigt haben, daß die gesamte Brünner Judenschaft darüber empört :st. Mögen die Herren, die an einem lebenden Judentum kein Interesse haben — daß sie an dem toten Judentum auch keines haben!, haben sie wiederholt bewiesen — abtreten und anderen Platz machen, die ihren Aufgaben sehr leicht werden besser erfüllen können. Mögen sie dies rechtzeitig tun,, bevor sie dazu durch das Urteil -er Brünner Judenschaft gezwungen werden.

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