Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVIII (1917)
- Issue
- Heft 12 (20.7.1917)
- Date
- 1917-07-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ו*«» r. ״Mische VsttSstr««E״ Rr. 12. behaupten. Wenn wir in Oesterreich weiterhin weit sie van der europäischen Kultur tangiert als Bürger zweiter Klasse behandelt werden sollwerden, ein recht gutes. Es ist geradezu n«erklen, dann wird sicher unser Stammesgefühl mit, würdig, dah die im Natursiande noch lebenden dem Patriotismus in Konflikt geraten. Wir Völker, wenn sie der europäischen Kultur zugekchmpfen gegen Italien, wo die Juden alle Rechte haben, wo ein Jude sogar Premierminister war, wir kämpfen gegen Frankreich, das zuerst die mittelalterlichen Feste! den Juden löste, wir kämpfen gegen England, das den Juden ein eigenes Territorium! überlasten. wollte, wir kämpfen gegen Amerika, dem Eldorado der Juden, wir kämpfen gegen Rußland, dah sechs Millionen Juden die Freiheit schenkte, wir kämpfen und fragen uns endlich : wofür? Wird die Regierung endlich einsehen, dah auch wir den Lohn für unsere Arbeit haben müssen, wird die Regierung die alten Vorurteile fallen lasten und das Gesetz der Gleichheit aller Bürger im Staate in Praxis auch an den Juden anwenden, werden unsere Wünsche, als Juden zu gelten und als solche behandelt zu werden, berücksichtigt werden, dann wollen wir weiter kmit Leib und Seele uns dem Staate führt werden, sie sofort die schlechten Seiten der selben abgucken und sie nacyahmen. Das Schöne and Erhabene hingegen übersehen. ״Alles Hohe ist eben so schwer als selten." (Spinozas -Ethik"). Die Tracht der bucharischen Juden «unterscheidet sich nur ganz wenig von der ihrer Wirtsvölker. Das Schaufädsnikleid und die Kopfbedeckung lasten neben dem semitischen Zug den Juden sofort erkennen. Die Männer tragen lange, bis an die Knöchel reichende Mäntel (Chalate), die an Werktagen gewöhnlich von schwarzen, am Sabbath und an Feiertagen hingegen von bunter, grüner und roter Farbe sind. Rohseidene Chalate zählen nicht zu Seltenhei ten. Die reichen umschließen den Mantel mit einem mit Diamanten und andern Edelsteinen besetzten Gürtel. Auffallend ist auch dlie breite Plundevhose. Als. Kopfbedeckung trägt der hingeben, dann wollen wir cckles daransetzen um ׳ eine mit Pelz verbräunte Plüschkappe, Oesterreichs Macht zu stärken und zu befestigen. HoffMich kommen die maßgebenden Faktoren noch rechtzeitig zur Vernunft und geben uns, was uns gebürt, denn genug wurde unsere Geduld Mißbraucht. M. R. t£ Aus dem Leben und Wirken der bucharischen Juden. Bon M. Reifer. III. Ebenso verhält,es sich mit den «afgcmischen der Reiche bereits den großen Weißen Turban. An den Füßen tragen die Männer Stiefel, die Frauen leichte lederne Schuhe ohne Absätze. Ueber die Stiefel resp. Schuhe tragen! sie eine Art von Ledersandalen oder Galoschen. Die. Schuhe sind mit Wolle ausgenäht und sehen zierlich aus. «halten. Solche Wlle kommen Za!nur ganz sporadisch vor. Die Sprache der bucharischen ligenz spricht im Hause und im Geschäftsleben nur hebräisch, ebenso der Mittelstand. Die ärmeren Volksschichten sprechen den sogenannten pharsischen Jargon, ein Gemisch von per- Idiome«. Dis heute haben wir!noch keine genaue Statistik über die buckarischen Juden, deren Zahl man schätzungsweise auf 10—15.000 Familien annimmt, ebenso die persischen-, Afganischen-, kaukasischen- und kurdischen Juden. Letztere leben, fasten noch in einem wilden Zustände und führen eine den. Kurden ähnliche Lebensweise. Mit der hebräischen Sprache kann man! sich mit all diesen gmannten Juden sehr gut verständigen?. Unser jiddisch verstehen sie überhaupt nicht. In Turkestan geben die bucharischen Juden eine Zeitung in hebräischer und kleiine Flugschriften, in pharsischer Sprache heraus. Im übrigen abonieren sie alle großen, moderne hebräischen Zeitschriften. In Teheran erscheint die! hebräische Zeitung ״Schalom", welche von der Alianoe Jsraelite Universelle subventioniert wird. Auch besitzen sie einige Schulen vom bekannten Aliancesystem. Die große jüdisch-nationale Bewegung ging auch an die bucharischen Juden nicht spurlos vorüber. Die jüdische Moderne rieß auch sie mit. Der zio- «nistische Gedanke ist ihnen heute nicht mehr fremd. Viele bucharischen Judenkinder werden in den Die Schläfelocken, wie man sie bei den S; ‘ ä t*ä‘ Stdf&n Ifc? fand sich,?,ei *״ habsn it* «gen Anteil an der palästinenfischen Kolonistion genommen. In Buchara unterscheide!^ sich fast m( haben sie in ihrem Viertel die Gasten nach K^S}? nnew.‘?etm dem Namen, der bedeutendsten Kolonien bew*en te mt* ^^ch^n,!^annt. So gibt es eine Rechoboth-, eine Bi- Körper umgckt ^ch^^ Lezion-, eine Sichron-JakoLgaste. Zum ^lke, Parandascha genannt, die am n Zionistenkongreß entsandten sie in der Per- Wcn und bis zu den Schuhen des Dr. Kaputkin (Samarkand) einen De- . . Ihr Aermel pendelt ganz frei herum u., Regierten. Die bucharischen Juden geben! einen und Persische Juden. Ein Unterschied, auf den tragt em buntes, lose- Kleid, eine Art von Poixsschlag ab, auf den wir große Hoffnungen uns schon Josyphus FbavuE rm alten jüdischen Empire -. Kle!,derp׳ Die moderne bucharlsche können. Unter den neugeodnetsn Verhält- Reiche aufmerksam macht. Die strammen, der- Mm kleidet sich vw feme, ״dem europäischen misten in Rußland wird es möglich sein, eine b«en Junglmge rm Berglande von Galiea und Kleide ähnliche, seidene Gewänder. Sie geht m rgoßzügige Propaganda für den Zionismus die mehr verweichlichten, speculatw veranlag- Begleitung ihres Mannes unverhullt auf die - ־ ״ “ ■־'־־־ — ־ ten Jerusalemer. Die bucharischen Juden be- Straße. Den Kopf bedeckt ein zierliches anschäftigten sich!nur wenig mit Ackerbau, weil sie mutig geknüpftes Tuch, welches auch den Uninfolge der Verfolgungen von Seiton. ihrer terkiefer verhüllt. Die Gesichtszüge treten um Machthaber stets ihre Wohnsitze wechseln mußso markanter hervor. Doch wehe der buchäriw ten. Unter der russischen Herrschaft begannen scheu Jüdin, wenn ihr Mann die Schatten-! Sache zu verwerten. Die bucharischen Juden sie auch Ackerbau zu treiben«. Von außerordentli-. H'iten der europäischen Kultur m sich auf nimmt.'toerfcen faen n,euen großen palästinensischen cher Schönheit sind die bucharischen. Jüdinnen. Er legt moderne Kleider an, rasiert seinen Bart (5$ew an aufnehmen und sind unsere zu- Schönheit scheint kem seltenes Erbe bei den Töch-weg, gibt sich dem Luxus und der Swelgerei ־ tern Israels zu sein! Sie sind die Blumen von hin, besucht Kafeehäuser verbringt die Nächte Saron und die Rosen von Jericho. Die Frauen inverrusene Restaurants und lebt für jederman sind schlang gewachsen, schwächlich gebaut — chös nur nicht für seine Frau. Er findet am Ausbloß bei den ävmeren Bevölkerungsschichten —, Wurf des europäischen Weibes Gefallen und 1 11t SfUtPtt haben schöne ausgeprägte Formen, schwarzes vernachlässigt sein keusches, braves Weib. Oft,x)ITUcN1lsU)c <\W\Wl\fi gu langes Haar in zahlreichen dünnen Zöpfchen mußt auch Schläge erdulden. Sie bekommt von geflochten, kohlschwarzes, großes, hellleuchtenihm kein Geld, darf in seiner Wohnung nicht des Auge und einen feinen rosig anghauchten! beten und mußt mit den Kindern hungern und Teint. Die Mädchen werden früh reif und gehen, derben. Da die Ehescheidung, nicht in ihrer schon im 14. Lebensjahre in den Ehebund ei!m' Hand gelegen ist, so muß ein jammervolles Da- Dieses Jung-Verheiraten ruft oft Krankheiten sein an der Seite ihres Gatten fristen. Zum hervor und beeinträchtigt die Entwicklnung des, Glücke hat diese europäische Kultur noch nicht Körpers Das Familenglück ist hei ihnen, inso- Ihren Einzug unter den bucharischen Juden ten. Aus den Fenstern der Rabbinerwohnung Schmerz gesättigtes Lied herbei, ein einsames weht eine schwarze Trauer: ein matter Kerzen-! Lied, ganz für sich, als wollte «es sich nicht mit all glanz fließt heraus: , es scheint, als ob dort auf dem vereinigen, was hinter ihm liegt dem Boden, mit einem schwarzen Tuch bedeckt,' 0'-־—י׳• ein Verstorbener liege. Ein Jude von zarter Gestalt, mit sehr breitem Bart, der aussieht, als wäre er an sein blei- 'ches, eingefallenes Gesicht absichtlich an geklebt, steht auf den zur Bethaustür führenden Stufen und beobachtet die Straßenbuben, wie fröhlich sio.tem Glanz die Scheiben der Bethausschule. In! bei ihnen zu entfalten. Die besten Ägitat oren werden wohl die Söhne selbst abgebsn, die Absolventen des Jaffaer Gymnasiums. Aber auch unsere russischen Zionisten werden das Ihrige tun, um dieses großartige Material für unsere künftigen Männer der großen Tat, Der 44. Jahresbericht dieser Vereinigung, deren 44. General-Versammlung qm 25. Juni stattgefunden, liegt uns vor. Wir entnehmen der sorgfältig gearbeiteten Publikation das segensreiche Wirken dieser hervorragenden jüdischen Organisation, deren Hilfeleistung für unsere durch den Weltkrieg so überaus bedrängten sind! Der Rabbiner tritt aus dem Hause: den Kopf zu Boden gesent, mit dem Ausdruck von Kummer, Sorge und Trauer im Antlitz, begibt er sich, in Strümpfen über die spitzen Steine schreitend, zur Bethausschule, um dort Trost zu suchen. Ueber die Straße kehrt Maciej mit seiner!Herde von der Weide zurück und spielt fröhlich auf der Flöte, wie gestern,׳ wie vorgestern. Nacht. Das Gäßchen, in welchem sich das Bethaus befindet, ist in tiefe Stille und Dunkel versunken; die Türen der Häuser u. die Feinsterladen sind fest verschlosten; der Mond, der ganz Mein ander dunklen Himmelskuppel umherirrt, schaut traurig auf die Gaste hinab und schweigt. Aus der Ferne fließt ein von Sehnsucht und Seine Töne fließen in die Ferne, hinter das Rathaus u. ziehen über den Weg zur ״Stadt der Toten!" Durch die Spalte des Femsterladens vor der Wohnung des Rabbiners dringt ein Licht, das für die ״Seele einer Seele" brennt. Im Innern Schweigen. Der Mond überflutet mit kal- Innern ists dunkel-es bewegt sich dort etwas in der Stille. Auf den Stufen der Bethausschule liegen dunkle Gestalten — — sind es Lebendige oder Tote? Die Gesichter an die Erde gedrückt, die Hände krampfhaft gefaltet..., und der Mond streut, über ihren Häuptern dahinziehend, einen kalten Glanz über sie aus. Der Rabbiner ist in seinem Zimmer iin! einem Winkel niedergekauert und hat das Antlitz zwischen die Bücher im Schrank verborgen. Ein Wind erhebt sich, ein schwarzer Schatten scheint über die Mnde des Zimmers zu gleiten. Auf dem Tisch brennt in einem' mit Sand gefüllten Mörser eine Kerze. Die Kerze schmilzt, ihre Tropfen fallen im Takte herab, gleich wie die stillen Tränen aus den Augen des Rabbiners. Bei dem Rabbiner hat sich eine Schar vor! Frauen versammelt, um die Psalme Jeremias' zulesen. Sie haben sich im Kreise auf den Fußboden niedergesetzt, ihre schlafenden Kinder in den Armen haltend, horchen sie mit andächtiger Aufmerksamkeit, wie «die Rabbinersfrau, auf einem Schemmel sitzend, ein verstaubtes Buch auf den Knien haltend, mit weinerlicher, schluchzender Stimme erzählt. , Die Straße ist immer noch m tiefe Stille, in tiefes Schweigen versunken. Der Mond irrt am Himelszelt und sendet seinon! kalten Blick in die Gasse hinab. Alles ringsumher ist einen feuchten Nebel versunken. Sind nicht etwa jene zwei großen Tränen Gottes in das Städtchen hinabgefallen und haben sie nicht alles ringsumher in sich aufgenommen? Es scheint, als -ob über die zum jüdischer Friedhof führende Straße, vqm« Mondesglanz überflutet, Jeremias dahinschreitet..... Er begibt sich zu den Gräbern der Patriarchen, Abra- Ham, Isaaks und Jakobs, und weckt sie aus hartem Schlaf: Steht auf! Steht aus! Eure Kinder sind in Gefangenschaft! Und es scheint, als wsre die Mutter Rahels ihrer Gruft entstiegen und als führe sie mit Gott.einen großen Streit. Die Häuser ringsherum horchen und schweigen. >fü■ ,,ni