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Jüdische Volksstimme · 1917-06-27 · Heft 11 (27.6.1917) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVIII (1917)
Issue
Heft 11 (27.6.1917)
Date
1917-06-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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«ette 4. ״Attische Volk-stimme" «e. 1, Wien, Kommandant des Infanterieregiments König Alfons von Spanien Nr. 38, und trat als Generalmajor in den Ruhestand. Er war in der Armee sehr geschätzt und beliebt, und es hat seiner militärischen Laufbahn nicht geschadet, daß er dem Glauben! seine Väter treu geblieben ist. Heldentod in der Verteidigung Jerusalems. Von den sechs Söhnen des Kaufmanns Daniel G o n d a in Rakoszalata haben fünf zumeist schon seit Kriegsboginn an den verschiedenen Fronten gekämpft. Am weitesten geriet Ludwig Gouda, der mit einer österreichisch-ungarischen Batterie bis Konstantinopel und dann nach Jerusalem kgm. Bekanntlich mobilisierte England in letzter Zeit große Streitkräfte zur Eroberung von Palästina, und im März tobten bereits gro° ße Kämpfe zur Verteidigung Palästinas, beziehungsweise Jerusalems. In der ersten Schlacht bei Ghaza, am26 ׳. März, fand nun Vormeister Ludwig Gonda, von einem feindlichen Schrapnell getroffen, den Heldentod. Der Hilfsverein der deutschen Juden, der gemeinsam mit der Großloge für Deutschland 8 U. O. B. B. und dem Frankfurter Hilfskomitee für die notleidende osteuropäische Juden die Kriegshilfsaktionen durchführt, hat neuerdings für die Es Jaffa und Ghaza in Palästina evakuierten jüdischen Einwohner 60.000 Mark zur Verfügung gestellt, die vornehmlich dazu verwendet werden sollen, um in den größereu^Ansamm,lungsorten der Evakuierten Volksküchen einzurichten. Seit Kriegsausbruch ist für das Hilfswerk in Palästina insgesamt über eine halbe Million verausgabt wordm; weitere Geldsendungen die dringend notwendig sind, werden in kürzester Frist folgen. Aus der Zionistischen Bewegung. London. Der Präsident der Englischen ,Zionstten-Föderation, Prof. Dr. C. Weizmianm!, hielt ׳eine Vorlesung über die ״Zukunft des Heiligen Landes". Danach sprach — zum erstenmal in einer zionistischen Versammlung — James de Rothschild. Außer diesen beiden Re!dnern, sprachen noch Dr. E. W. Mastevmann und Canon Parfitt. Prof. Dr. Weizmann ׳bei einer Sitzung des Palästina-Komitees für die Förderung der Jüdilch-ökonomischen Interessen in Palästina. Folgende!Mitteilung des Palästina Komiees wurde bescholssen: ״ ׳Es ist zu -hoffen, -das dieses Komitee, das!sich!aus Geschäftsleuten, Ingenieuren und Wissenschastsmänner zusamimensetzt, im stände' sein wird, ,allen denen ׳nützlichen Rat und Hilfe zu erteilen, die an Palästiina interessiert sind oder die sich dies Interesse zu erwerben geneigt prob. Doch ist es nicht überflüssig zu betonen, daß dies Komitee für die zionistische Bewegung 'im! allgemeinen auch von großer Bedeutung ist. Der erste Schutz .gegen Fehlschlägo aller Art ist die Schaffung einer gesunden finanziellen und technischen Grundlage. Das Komitee, das danach streben wird, innere Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen, wird die Grundlagen aller Projekte kritisch prüfen und ganz besonders diejenigen, die mit öffentlichen Mitteln verwirklicht werden sollen. Schevemngeu. Hier fand eine Tagung des Belgischen jZionistenverbandes statt. Anwesend waren u. a. Jean Fischer, I. H. Kann, Julius Simon und Axonom I. Oettinger. Zionistische Bereingung für Polen. Am 3. Juni, wurde auf Antrag der Herren H. Farbstein, Dr. Portn-er und Seidemann die Legalisierung einer Zionistischen Vereinigung für Polen bestätigt. Gegenwärtig bestehen in Polen ungefähr hundert zionistische Vereine, die unter einem Zentralkomitee, das seinen Sitz 'in Warschau hat, vereinigt sind. Es wird nunmehr eine ausgedehnte Tätigkeit entfaltet werden um neue Vereine in den Städten und Städtchen zu organisieren, in denen es bisletzt nicht moglich war, solche Vereine zu gründen. Es wird ferner eine Konferenz vorbereitet, die in zwei bis drei Monaten stattfinden soll und auf der die Vertreter aller zionistischen Vereine des Lato«- des die aktuellen zionistischen Fragen behandeln sollen. Schiffs Anschluß au den Zionismus. Einer telegraphischen Mitteilung des Newyorker Korrespondenten der Petersburger Telegraphenagentur zufolge, erklärte Jakob S chi f f auf einer Versammlung die der Würdigung der Judene>manzipation in Rußland gewidmet war, daß er sich der zionistischen Orga, nisation anschließe, die ׳er bisjetzt bekämpft habe. Es müsse daher, erklärt er, ein neues gesichertes jüdisches Zentrum in Palästina geschaffen weroen, das seine geistige Wirkungen auf die gesamte Diaspora ausüben wird. Der Papst und der Zionismus. Der »Jewish Chronicle" meldet״ daß der Papst kürzlich das Mitglied des zionistischen Exekutivausschusses Sokolow in einer dreiviertelstündigen Audiemiz empfangen habe. Er hörte mit großer Aufmerksamkeit Sokolows Bericht an und bemerkte, daß es ihm auch sehr willkmnmen sei, von einem führenden Zionisten Aufschlüsse über die Bewegung zu erhalten, welche die Berichte des Kardinals Gaspari über denselben Gegenstand ׳ergänzen. Der Papst erklärte, daß er die Bemühungen der Juden zugunsten der Gründung eines nationalen Heims in Palästina mit Sympathie verfolge. Vom Standpunkte der -von ihm zu wahrenden reli-- giösen Interessen sei gegen den Zionismus nichts einzuwenden׳, seine Sorge gelte nur den heiligen Stätten, die jedoch, wie er erwarte, durch «eine besondere Abmachung in entsprechen׳ der Meise geschützt werden würden. Sokolow gab die Versicherung, daß die Juden das Eigentum der Christen -ebenso achten würden, wie!ihre Gefühle. Der Papst erwiderte, daß er diese Erklärung mit dem größten Vertrauen entgegennehme, und gab seinen besten Wünschen für die Verwirklichung des zionistischen Programms Ausdruck. Mit den Worten ״Wir werden gute Nachbarn sein," brachte er die Audienz zum Abschluß. Jüdische Wohltätigkeit. Eine Heilansttalt für jüdische Lungenkranke. Berlin. In der Repräsentantenveirs'mmmlung der jüdischen, Gemeinde bemerkte das Vorstandsmitglied Sanitätsvat Dr. Feilchenfeld anläßlich einer Spende d. Frau M Eisner von 2600 Mk. für Lungenkranke folgendes: Es bestehen in privaten Kreisen Bestrebangen zur Gründung einer Heilanstalt für jüdische Lungenkranke. Der Vorstand sei zwar grundsätzlich der Ansicht, daß die Begründung derartiger konfessionellen Anstalten wenig wünschenswert sei (Warum? D. Redakt.), doch liege hier eine Ausnahime vor. Gerade bei Lungenkranken, die für längere Zeit eine derartige Anstalt aufsuchen, sei es wichtig, eine zusagende Nahrung zu bieten und deshalb rituelle Wünsche zu befriedigen. Auch biete eine rein jüdische Anstalt die sichere Ruhe vor antisemitischen Neckereien oder Hetzereien, die gerade bei Lungen- und Nervenkrankheiten ein unbedingtes Erfordernis sei. Budapest. Die! neologe isr. Gemeinde erhielt von Leopold Taub, z. Zt. Montreux, 42.000 X mit der Bestimmung, von'deren Zinsen je 300 Kronen an arme Kränke für eine Kur in Karlsbah zu geben. Brockensammlung für jüdische Arme. Seit dem 1. April sind der Brockens cmmi? lung nachstehende Beträge zugegangen: 400 K von dsr Galicia, je 100 Kronen von Emil und August Lederer, Wilhelm Ritter von Ofenheim, O. Parn-es; je 50 Kronen vom Humanitären Frauenverein Josefstadt, von- Dr. Alfred L-anzer und Dr. Emil Krasny, Frau CH. Wortheim, Frl. Röschsn Schur, S. Trebitsch und Sohn, Philipp Kohn-, je 30 Kronen Müdes u. Co., Prag, Stefan von Auspitz, Leopold Haas;- je 25 Kronen: Dr. S. R. Landau, Heinrich Neurath, Jenny Mautner; je 20 Kronen: vo.n Horrmann Kunke, Dr. Viktor Rosenfeld, Pb׳ lipp von Gomperz, Bosel und RosenbäuM F. Bloch-Bauer, Com.-Ges. Vitali, G. Holzer, David Hartenstein, E. Czeezowicka, Olga Münch, Bernhard Rich. K. Kommerzienrat Ernst Klinger Samuel Taujtzig u. Sohn, Nellh von Gomperz, Frau Salo Kohn; je 10 Kronen sandte׳ Frau Luise Popper, Frl. Mras, Frau Sofie Stapler, Jg. Spielmann. H. Deutsch, Bevnhard Goldstein, Otto David, Hermann Pollaks Sohn, A. Jakobi. Malttine Trebitsch. I. Reichfeld, Paul Plowik, C. Löbl. H. Abeles. H. Aücksta' Altmann. Del-Ka Centrale, C. Schrämet. Jak. und Josef Kohn, Kai. Rat Lemberger, Com. Rat S. Rudlch, Alice Horch, M. Waller, Brüder Barber, EWer von Terramare, Regina Thenen. Große Nachfrage nach Kleidern, Wäsche und Schuhen Was entbehrlich bitten wir an unsere VerteilungsfteMe Alserstraße 42 zu senden. Der Vorstand der Brockensammlung fiir jüd. Arme. . . vn ׳ .? . . ר ״ Jttindfc&au. Der Antisemitismus der polnischen Studentenschaft. Iw Warschau hat sich ׳ein Studentenausschuß konstituiert das aus Vertretern der akad. Verbindungen und Vereine aller Hochschulen Warschaus besteht. Die jüdisch-akademischen Vereine und Verbindungen wurden zu diesem! Ausschujße -nicht zugelassen. Ihre Proteste sind dagegen von den Rektoren zum Teile zurückgewUesen teils überhaupt nicht angenommen worden. Als es jetzt aus polit. Gründen Anfangs Mai zu einem Stud-sntenstreike kam, verlangten die jüdischen Studenten neuerdings eine Vertretung:i!m allgemeinen Studenten-Ausschjuß, aber bei der Versamwllung in der der Streik Veschlossen wurde, wurden die jüdischen Redner über- Haupt nicht zugelassen und die jüd. Studenten mußten unter Rufen ״Haut die Juden", ״Hinaus mit den Juden," »Schlägt die Juden tot" die Versammlung verlassen׳. Als sich zum Schluß zeigte, daß ׳der Streik auf einer falschen politischen Basis basierte, wälzten die Polen die ganze Schuld auf die jüdische Studentenschaft. Die Juden hätten zum Streik gehetzt, sie hätten den Streik angeführt. — Das ist die Loyalität der Polen. Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums Dem Jahresbericht entnehmen wir folgendes: Die Zähl der Hörer betrug im Som׳ mersemester 26, im Wintersemester 24. Sämtliche Hörer hatten Reste. Von der Gesamtzahl von. 49 stammten 32 aus Deutschlcmd, 11 aus Oesterreich - Ungarn, 4 aus Palästina und 2 aus Rumänien. Di«e Zahl der Hospitanten betrug im Sommersemester 23, im!Wintersemester 22. Die Rechnung schließt in Einnahme und Ausgabe mit 116,195 Mk. ab. Das Hauptvebmiögen׳ der Anstalt Wuchs v. 1,300.603 Mk. auf 1.349.082 Mk. Eine Erklärung für Englands Judensympathien im Orient. Der Versuch Englands, durch die Propaigerung einer jüdischen Republik in Palästina -jetzt im Weltkriege eine Art Protektorat über die jüdische Bevölkerung-des Orients anzubahnen, reicht in seinen׳ Anfängen bis in die Zeit Lord Palm'erstons zurück, der als Mini׳ ster des Auswärtigen die Sympathien und den Einfluß der jüdischen Massen für England und — den englischen׳ Markt— erobern wollte. Lord Palmerston schlug damals vor, die Frage zu überlegen, ob England ״als Bibelvolk" die Juden in Syrien, Palästina und.dem Orient nicht in derselben Weise unter seinen Schutz nehmen solle, wie Frankreich sich zur Schutzmacht der römischen Katholiken dieser Länder aufgeschiwungen habe. Neuerdings scheint diess englischs ״Schutzrecht" aus der Rumpelkammer englischer Diplomatie hervorgeholt zu sein, und England, das seine JudensreundlWei-t als Verbündeter des zaristisch-absoluten und antisemitischen Rußlands so Wohl zu beherrschen und zu temperieren verstaind, kann jetzt, da so-, gar der östliche Bundesbruder an Menschen׳ liebe und Gerechtigkeit das ״freie Albion" Wertrifft, den Juden gegenüber einmal wieder ein neues Register aufziehen. Paris. Jean Longuet, ein Enkel von Karl Marx und Führer der sozialistischen Minderheit Frankreichs, sprach in einer Versammlung der Poale-Zion und trat hiebei für die Schaffung eines nationalen jüdischen Zentrums in Palästina ein. Moskau. Hier ist ein besonderes National* fondsbüro für ganz Rußland begründet worden und zwar unter Aufsicht von Dr. TWenow.

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