Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVIII (1917)
- Issue
- Heft 11 (27.6.1917)
- Date
- 1917-06-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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=y kv-,y . ״ י- •.י ־ Nr. 11. ״SLttscheV,ttrstr«Mt" s ' Jüdischer Nationalfonds. Im Monat Mai hat der jüdische Nationalfonds Mark 82.768 an Spenden vereinnahmt. Dieser Betrag verteilt sich auf folgende Länder: Oesterreich M. 39.076, Ves. GeV. 4997. Deutschfand M. 10464, Nordamerika M. 4657, Holland M. 2610, Bulgarien M. 2270, Ungarn 2027, "Griechenland Mark 1360, England M. 1344, Südslavische Länder M. 687, Egypten׳ M. 659, Belgien M.- 433, Frankreich M. 423, Südafrika M. 383 und Rußland M. 96. Gemäß ׳den letzten in der gesamjten Presse Veröffentlichten Mitteilungen über das durch die Evakuierungen in Palästina verursachte Elend wurde u. a. darauf hingewiesen, daß durch ArneliorationsavVeiten aüf den! Besitzun-!gen des jüdischen Nationalfonds die arbeitsfähigen Flüchtlinge Verdi enftmögliichkeiten halten und vor demütigenden Almosen bewahrt werden sollten. Orthodoxes jüdisches!Kriegswaifenhaus. Dem bekannten Rabbiner Siwiche Tum im Frankel aus Skowina wurde von der Statthalteret mitgeteilt, daß die Statthalt-erei wie die!österreichische Regierung bereit seien, für das Igaligische!Judentum ein streng religiöses Kriegswaisenhaus zu errichten. Die Regierung werde das Gebäude errichten und außerdem die laufenden Kosten tragen׳ nur die Mehrkosten des Thoraunterrichtes mußte von!jüdischer Seite geleistet werden. Vme offizielle Erkärung der russischen Regierung zur Judenfrage. Das jüdische Korvespondenzburoau im Haag wandte sich an die russische Regierung mit dem Ersuchen, ihre Haltung gegenüber auf die Friedenskonferenz gedichteten jüdischen Wünsche zu bestimmen. Darauf empfing das Bureau folgendes 'Telegramm, datiert V0M 24. Mai.: ״Die provisorische Regierung überläßt es dem jüdischen Volk, nach seinem Belieben zu bestimmen, ob es sich als konfessionelle Einheit oder Nationalität betrachten muß!. Dis Regierung wird sich beglückwünschen, sich die Mit- Wirkung dieser Nation an dem Werke der inter-!nationalen und sozialen Regeneration der Menschheit zu sichern. Anruf! Für die Evakuierten in PalSstinS. Tausende palästinensischer Juden, da-!runter zahlreiche Oesterreicher und Ungarn, bisher von Mangel an Seuchen heimgesucht, haben nun auch ihr Obdach verloren. Unsägliche Not herrscht unter diesen Unglücklichen, dem Flüchtlmgselend und verheerenden Krank- Herten Preisgaben. Nur sofort und kräftig ausgreifende Hilfe kann von den jüdischen Siedlungen ijm Heiligen Lande eine ernste Ge- .fahr abwenden. Wer zur Erhaltung dieses Kulturwerkes beiträgt, erfüllt eine Menschenpflicht, die nicht »nur nach Auffassung maßgebender jüdischer Kreise, sondern auch leitender Staatsmänner dringend geboten ist. Vor allem! hilft er Tausende wertvoller Menschenleben retten. Kopf und Herz gebieten es, die Hand zur Gabe zu öffnen. Die Hilfskommission 1916 für Palästina, Wen, 4׳. Brz., Frankenberggaffe 14. — Zahlstelle: Mährisches Landeskomitee für Palästina, Brünn!, Adlergaffe 16. — Erste Spende: E. F., Wien, K 1000 für die Evakuierten Palästinas Nach der Rede des Herrn Rabbiners Dr. Grün- Wald. ^ornfpontUnten. Re« Raußnih, 15. Juni 1917. (Heimgang HÄ Gemeindeältesten.) Unter herzlich warmer!DeilnMne der Ortsbevölkerung und betrauert Don einer Mlreichen Familie, geleiteten wir .heute den Aeltesten unserer Gemeinde, Herrn Hermann Lampl, der ׳das hohe Alter von 92 Jahren erreichte, zu Grabe. Mit diesem Manne sntsWand der letzte Angehörige jener Epoche, Ne den Glanz unserer altchrwürdigen Gemeinde lkn die Ferne stvchlte und deren Tradition ihn HM Leben lang mit Stotz und WWbewutzt-! sein erfüllt hat. Das war es «denn auch, was ihn bestimmte, seine Kraft und Zeit dem heiligen Dienste der Gemeinde zu weihen, in der er das Amt des Synagogenvorstehers und Obmannes der altehrwürdigen Chewra Kadischa mit Derständnis und hingebungsvollen Eifer Generationen hindurch überaus verdienstvoll bis ins Greisenalter versah. Was solch ein frommes Wirken zu bedeuten hat, wird derjenige am besten zu würdigen wissen, dem! die Satzungen altjüdischen Lebens noch innig vertraut find. Es gereicht dem Andenken des Verstorbsnenen zu umso grötzern Ruhme, als er als schlichter Kaufmann ohne Glücksgüter ein arbeitsreiches mühe- und sorgenbeladenes Leben führte und trotzdem mit Opeferwilligkeit und Freudigkeit seines ho- Heu Ajm'tios waltete. Zu besonderer Ehrung des Verstorbenen wurde der Sarg vor der Beerbt gung i׳n die Synagogenhalle getragen, wo. Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. M.!steif, ausgehend von dev i Kosche hodfchi—Hastara: ״Da wirst du vermißt werden:, weil dein Sitz leer stehen wird." Samuel 1. 20. 18.) Treffliche Worte ,pietätvollen Gedenkens sprach, die gleich den ergreifend vorgetragenen Psalmensängen unseres Altmeisters, Oberkantors Herrn Leopold Stoß! er, tiefen Eindruck ausübten. Unter den zahlreichen Trabergasten befand sich auch dessen Neffe, unser hochgeschätzter Ehrenbürger, Hof- und Gerichtsadvokat, Dr. Adolf S te i n aus Wien. Schreiber dieses beklagt in dem Dahinigeschiedenen den schmerzlichen Verlust,!eines liebwerten Landsmannos, dem er so manche hochinterffante Erzählungen aus der schönen alten heimatlichen Zeit verdankt. Am letzten Schowuothfeste, da ich Herrn Hermann Lampl noch zuletzt besucht u. gesprochen habe, erzählte mir der Kranke, aber 'noch geistesfrisch gewesene Greis״ er erinnere sich noch jenes Schrwnoth, da der Landesrabb. Nehemias Trebiitsch S. A. aus Nikolsburg hier feinen Schwiegersohn, Rabbiner Jakob Brüll s. A. (in Kojetein,gestorben) besucht und bei dieser Gelegenheit in der Neu-Raußnitzer Synagoge!eine aufsehenerregende Daraschah abgehalten hat. Mögen diese Zeilen als Zeichen der Verehrung dem Andeffken an Hermann Lampl gewidmet sein. Er ruhe in Frieden! A. L. Wien. Kaiser!. Rat Wilhelm An-n.inger hat infolge seiner geschwächten Gesundheit die Präsidentschaft der Oesters Israel. Union niedergetegt. Warschau. Wie in den andern Gemeinden Polens erweckte, wie der ״Israelit" in Frankfurt a. M. berichtet, ein im »Jüdischen Worte" erschiener Artikel, in dem die Wiedererrichtung des Tempels und Opferstätte auf Zion angeregt gewaltiges Interesse. Die Diskussion über diesen Gegenstand ist im' vollem Gange. Literatur. Jomtowbücher. Jüdischer Buch- und Kunstverlag Max Hickl, Wien — Brünn. Preis K 2.10. ArM und jung war die galizisch-jüdische Literatur auch in Friedenszeiten. Kaum das sich •ein oder zwei Lyriker durchdringen vermochten. Der einzige Jmber, der außerhalb der Landesgrenzen beaknnt ist. Sonst gibts ein Kommen u. Gehen lauter Dilletanten. Erst in den letzten Jahren schien es besser werden, zu wollen. Mestel, RawitM. Josef Lews, Grünberg und König ließen auf eine Lyrik hoffen, die ganz anders bewertet werden muß, als die Liebesgrüße ״freidenkerischer" Jeschiwcch-Bachurim und ״zionisierender Studenten." Noch mehr ließ die Prosa zu wünschen! übrig. Eine Sprach- Verwilderung und Verrohung sondergleichen kennzeichneten diese ״Prosa" schon rein äußerlich. Hier ist es auch in den letzten Jahren nicht viel besser geworden. Wenige all der wertlosen Feuiklettons sind eines kritischen Ernst würdig. NW wenig wird zu all dem die materielle Not beigetragen haben. NW einen Verleger weiß Galizien sein eigen zu nennen. Fühlt stn einer wirklich zur literarischen Laufbahn berufen, mutz er darum! auswandern (die Galizianer in Ajmtzrika.) Die Heilung allein bietet dem Schriftsteller unter dem Strich Unterschlupf u. daß hiev selten wertvolles Platz findet ist Leicht verständlich. Mit dem Kriege ist auch diese arme Quelle versumspft. Und nun muß ein ״Westler" den jungen ״Galizimrern" helfen. Daß Max Hickl es wagt in ׳der Zeit größter materiellem, Not sich unsever galizischen Literatur und Literaten anzunehmen, muß ihm als unschätzbares Verdienst angerechnet werden. - Die einfache und doch sehr schöne Ausstattung sowie das Autorenverzeichnis, daß die Namen der bedeutendsten ״Galizaner" enthält zeugen für Mühaufwand, den der »westliche" Herausgeber nicht .gescheut hat. Die Publizistik ist in diesem Sammelhefte durch Natan Birnbaum, Dr. Geier und I. Fränkel vertreten,! Birnbaum deutet ganz knapp seine neueste fürchterlich ernste Wandlung an. Geier setzt sich über den Inhalt des Judentums auseinander, während Fränkel die Stellung der ״Jungen" zum Chasstdismüs und zu Bubers' Neu-chassidischen Bewegung darlogt. Jin׳ literarischen Teile sind Mestel und E. König Sternheim mit Prächtigen Gedichten vertreten, während Schüßheim glänzende Tangebuchnotizen aus dem Felde liefert. Auch die Skizze aus dem Felde vorn Weinstock regt zu ernster Betrachtung an. Der junge Taubes trifft in seinem Gebete eine feme biblisch Volkstümliche Stimjmung, wie wir sie wieder bei Mtkower im dem biblischen Bildern. ״Unoichi" und ״Ruth" wiedevfinden. Silberbusch ״Jißrulik" ist besonders in sprachlicher Hinsicht ein Musterstück. Holder und Grünberg bringen gelungene Liebeslieder. Während die Hilfskommission ״Palästina" an Schawuoth -anknupft sehr warme Erinnerung an Palästina wachruft. — Im Ganzen und Großen ein guter Anfang, ein Heft, dem man man viele Leser wünschen möchte. Dr. Salomon Kassner: Die Juden in der Bnkowina. Wien, R. Löwit Verlag. Dadurch, daß dir Bukowina stets als Anhängsel Galiziens galt und heute noch vielfach im Westen gilt, konnte sich in diesem Lande nur schwer eine selbständige Geschichte entwickeln. Schon gar nicht zu redenvon einer Geschichte der Inden. Fast alle Historiker Galiziens, ich meine die spezifisch jüdischen, erwähnen auch die Juden in der Bukowina. Nur hie und da finden wir zerstreute Bemerkungen und oberflächliche Aufsätze über dir Bukowinaer Juden. Arbeiten, welche auf eine! genaue Quellenkunde fußen, sind trift: nur wenige bekannt und auch! diese gehören einer älteren Epoche an. Der Historiker der Bukowina Professor Dr. R. F. Kain dl ist meines Erachtens kein tiefer Forscher. Ein Mann, der sich auf alle Zweige der Geschichte, auf Archäologie, auf vergleichende Sprachforschungen wirft, ohne selbst ein Geniie zu sein, ist ein kleiner Mensch. Im übrigen ist Pie Kritik in der Gelehrtenwelt eine ähnliche. Ein jüdischer Historiker hat sich leider bis heute mit der Geschichte der Juden in der Bukowina noch nicht befaßt. Unser Autor ist Jurist und hat entsprechend der Heit eine zusammenhängende Arbeit geliefert, die auf meist bekannte Quellen fußt. Der Laie wird darin alles finden, Was er tzon den Juden in der Bukowina wissen soll. Der Historiker hingegen muß mit den Axeln zucken und sich sagen: diese Quellen sind auch mir bekanut. Der Autor hat uns nichts Neues gebracht. Der zukünftige Historiker dev Bukowina wird nach verläßlichen Quellen suchen muffen und diese wird er in Konstainitmopel, in Jassy und Bukarest, in Kiew, in Krakau und Lemberg finden. Außerdem muß er die Archive in den Kultusgemeinden durchstübern, Muß alte Doku- Mente bei altcmgeseffenen Familien sammeln und auf Grund eines solchen Materials kann er eine Geschichte der Bukowinaer Juden schreiben, die der Kritik eines Historikers standhalten kann. Die Quellen, die unser Verfasser uns anführt, sind schon an anderer Stelle bereits erwähnt worden. Eines steht über sicher fest, daß der zukünftige Historiker der Juden in der Bukowina auch Dr. Kassner Büchel als Quelle benützen wird. Besonders djas Kapitel 8. »Ent- Wicklung der Bukowinaer Judengemeinden." Der Abschnitt ״Ost- oder WMrchen" wird dem Leser im Westen! gewiß eine andere Meinung über die Juden in der Bukowina ibeibringen. Er wird aufrechte, selbststbewuUte Männer vorfinden, die Kulturmenschen sind ohne sich geistig ihrer UpMhung zu assimilieren׳. Das Büchlein ist flott geschrieben und trotz mancher Mängel lesenswert. . M. Reifer.