Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVIII (1917)
- Issue
- Heft 10 (8.6.1917)
- Date
- 1917-06-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nf. 10: ״Attische *9!?lfRm«tt" Sette S Union smpfangen und ihnen nachstehende Erklätung abgegeben, die durch das Wolfschr Telegmphenbureau in der in- und ausländischeil Tagespreise verbreitet wurde: ״Ich habe keine amtliche oder offiziöse MeldunEvon einer Evakuierung des Bezirkes von. Jaffa »erhalten. Ich bin aber sicher, falls die Nachricht wahr ist, daß es nicht um eime von türkischen Regierung aus politischen Gründen verfügte und gegen die jüdische Bevölkerung gerichtete Anordnung handelt, sondern eine rein militärische Sicherheitsmaßnahme des Oberbesehkhabers der Armee in Syrien. Von solchen Maßnahmen wurden auch mohammedanische u. christliche Elemente betroffen. In ähnlicher Mise MiWL vor Kurzem, ebenfalls auf Veranlassung der militärischen Behörden, eine KüstenstM in einer anderen türkischen Provinz geräumt werden. Genauere Nachrichten über die Modalitäten der Evakuierung liegen nicht vor. Ich bin jedoch überzeugt, daß die Kaiserlich Türkische Regierung *für die Vermeidung aller unnötigen Härten und die tunlichste Einschränkung der Evakuierung Sorge tragen wird. Die Türkei hat der jüdischen Bevölkerung im Osmanischen Reiche immer wirkliche Sympathie und Betrauen entgegengebvacht und wird sicherlich auch bei dieser Gelegenheit ihrem traditionellem Wohlwollen treu bleiben." Die D. I. O. U. hat an allen zuständigen Stellen Schritteunternommen, damit die Wirkungen der Räumung tunlichst gemildert und weitergehendo Verfügungen dieser Art hintangehalten weroen. Der Botschafter Kakki-Pascha übermittelte eins Eigabe der -O.-U. an den Grotzvezir Dalaat Pascha, der gelegentlich seiner Anwesen, heit in Berlin das Präsidium her D.-J.-O.-U. in wohlwollendster Weise begrüßt hat. Die Konstatinopeler Aegenoe Telegraphique Milli meldet am 23. Mai: Die Räumung der Städte Jaffa und Ghaza hat sich durch die militoxischen Operationen, die sich in dieser Gegend abspielen, als unumgänglich!notwendig erwiesen. Wenn man bedenkt, das Ghaza zu wiederhottenmalen der Schauplatz wichtiger Kriegs- Handlungen gewesen ist und das Jaffa in der Nähe der Kriegszone liegt, wird man nur die Richtigkeit und Zweckmäßigkeit der militarischen Maßnahmen anerkennen, die damit getrofsen sind. Keine Heeresleitung hätte unter sol״ chen Umständen anders handeln können. Gleichwohl haben die ottomanischen Bchörden gelegentlich der Räumung! Me Maßnahmen getroffen, um die Bevölkerung mit Lebens- und Transportmitteln zu versorgen. Wir sind in der Lage zu erklären, daß die der Bevölkerung von den Behörden zuteil gewordene Hilfe und Unterstützung in jeder Beziehung von den Rabbinern und Notabeln der israelitischen Gemeinde anerkannt worden sind. Was Jersalem anbeliangt, so ist die.Räumung dieser Stadt niemals ins Auge gefaßt worden. ׳ ä Die Konferenz der hebräischen Organisation in Rußland. -ויו» mH Für den 10., 23. April wurde in Moskau .eine Konferenz der ״Gesellschaft zur Förderung der hebräischen Sprache" mit folgender Tages״ ordnung einberufen: 1. Unsere Aufgaben (Referent: Hillel Slatopolski), 2. Volk und Sprache <Ref. CH. N. Bialik), 3. Hebräische Privaterziehung (Dr. Jos. Klausner), 4. Die hebräische Presse (Dr. M. Glücksohn), 5. Organisierung d. Schriftsteller (I. Tschernowitz); 6. Das hebräi- .schs Theater(Zemach), 7. Der Verlag Hatchia <M. Slatopolski), 8. Das hebräische Seminar <Dr. I. Mohilewer), S. Die Fröbelschule (I. Altevmann und I. Halpevn), 10. Die hebräische Mittelschule (L. Semjatzki), 12. Finanzfragen <Sch. Persitz)- 13. Organisierung der Lehrer, provisorische Kurse für Lehrer, 14. Tätigkeilsbericht der Gesllschaft und Wahlen. Bo« de« jüdische« Arbeiterparteien i« Rußland. Konferenz der Poale-Zion. Am S., 23. April wurde in Moskau im Saal Poljakow eine Konferenz der jüdischen soziajdemockratischem. Arbeiterpartei ,Hoak-Zion" »eröffnet. Zugegen waren 67 Delegierte aus 30 Städten. Jns Präsidimn wurden gewählt: L. Derlinrauth (Arski), Rechtsanwalt N. Rafalkes <Nir) und W. Felix ׳(Adim). Vertreter der Zentralkomitees der Sejmiten und der Zionisten- Territorialisten (S. S.) überbrachten der Konferenz ihre GlücÖvünsche. Die Konferenz nahm, wie die ״RrHkija Wjedomosii" mitteilt, folgende f agesordnung >an: 1. Berichte der Ortsgruppe, Bericht des Zentralkomitees, 3. di« Stellung zur provisorischen Regierung, 4. die Jnternationale und der Krieg, 5. unsere nationale Forderungen, 6. der jüdische Kongreß in Rußland und die Demokratisierung der Gemeinden, 7. das gegenwärtige Palästinaproblem, 8. die Stellung zu den russischen Sozialistischen Parteien, 10. die Vorbereitungen zur Konstituante, 11. Organisation, Presse und Propaganda, 12. Wahlen zum Zentralkomitee. Die Konferenz wurde erst am 13. 26; April geschlossen. Der Wortlaut »der gefaßten Beschlüsse liegt noch nicht vor. Hungerkundgebuugen -er Newyorker Juden. Ueber Amsterdam meldet die Telegraphen- Union: Das ״Amerikan Jewish Chronickle" enthält einen Bericht über das traurige Los der Juden auf der Ostseite von Newyork. Es herrscht großes Elend, weil die Lebensmittelpreiso umgeheuer gestiegen sind, die Erhöhung der Arbeitslöhne jedoch damit keinen Schritt gehalten hat. Während die Löhne um 7 Prozent,gestiegen sind, sind die Lebensmittel 100 Prozent teuerer geworden. Hungevdemonstrationen sind an der Tagesordnung. Die ׳Erbitterung unter den Arheitsmassen ist sehr groß, namentlich, weil man überzeugt ist, daß der Grund nicht in der gewohnlichen Lebensmittelsteigerung liegt, sondevn in den Preistreibereien und in den Mißbrauchen des Großhandels. Tausende jüdischer Wärest und-^ Lebensmiittebkleinhändler wurden!brotlos. Der Mißstimmung hat man auf sehr eigenartige Weise Ausdruck gegeben. Bestimmte sozialistische Kreise haben beschlossen, die Kinder solange nicht mehr in die Schüle zu schicken, bis die Regierung für niedrigere Lebensmittelpreise Preise gesorgt hat. Diese traurigen Zustände haben dem ״Amerikan! Jewish Chronicle" zufolge, auch einen politischen Hintergrund. Es sei jammerschade, daß dieser Lebensmittelaufstand zuerst auf der Ostseite stattgefunden habe, da doch auch andere Kreise als die Juden unter der Lebensmittelteuerung litten. Man sei natürlich gern bereit, anzunehmen, daß diese Aufstände1 durch Geheimangenten der Mittelmächte (!) veranstaltet seien. So grundlos diese und andere Verdächtigungen seien, schreibt das ״Amerikan Jewish Chronicle", so könnten sie doch Verfolgungen Hervorrufen und den jüdischen Auswanderern, nicht nur in Newyork, sondern auch ijn ganz Amerika Schwierigkeiten in den Mg legen. Die Zahl der Juden. In den soeben erscheinenden Doppelheft (April-Mai) der Zeitschrift ״Der Jude" (R. Löwit-Verlag, Berlin) macht Dr. Arthur Ruppin interessante Mit- Heilungen über die Zahl der Juden im! allen Erdteilen. Nach den letzten Zählunen verteilen sich die Juden wie folgt: In Europa leben insgesamt 9,905.701 Juden, davon im europäischen Rußland (ohne Polen) 4,406.063, in Polen 1,533.716; m Oesterreich 1,325.537 (davon in Galizien 871.895): in Ungarn 932.458; in Deutschland 615.021; in Rumänien 266.652; in Großbritannien 240.000; in der europäischen Türkei .(vor dem Balkankrirg) 188.896 (inzwischen hat sich die Zahl durch Abtretung von Gebietsteilen an Griechenland und Bulgarien auf etwa 100.000 vermindert): in!den Niederlanden 106.409; in Frankwich 100.000: in Belgiern 50.000; in Italien 43.924; in Bulgarien mit Ostrumrlien (vor dom Balkankrieg) 8350 (jetzt 90.000); in Serbien 5997; in Dännemark 6164; in Irland 6101; in Spanien 4000; in Schweden 3912: in Gibraltar 1300; ln Luxemburg 1270: in Portugal 1200; in Norwegen 1045; auf Kreta 487: auf Malta 58. In Aw^ikg beträgt die Zahl der Juden insgesamt 2,6SY860. Davon leben in den Vereingten Staaten 2,600.000« und zwar im Staate! Newyork rund 1,400.000, in den Staaten Pensylvama je oa. 150.000, in Maffachusetts 100.000, der Rest iy den übrigen Staaten (etwa 850.000 in den Nord-, 250.000 in den Süd- und 100.000 in den West-Staaten). In Kamcha leben 74.564, in Ärgentinien 100.000, in Mexiko (unter Berücksichtigung .der Zuwanderung seit letzten Zählung im Jahvr 1896) 15.000, in Kuba und Brasilien je 6000, m Jamaica 2000, in den übrigen Staaten 4014. In Asien leben 630.335 Juden. Davon in Türkisch-Asien 290.000, und zwar in Palästina 100.000, in Klein-Asien und Svrien (außer Palästina) 90.000, in Mesopotaynen und Arabien mit Aden je 60.000. In! Russisch-Asien leben ,49.600, in Buchara 20.000, in Tukestan und Afghvnistan 18.316, in Indien 20.980, in Niederländisch-Jndi-en 8606, in China u. Japan 2143., In Afrika beträgt die Zahl der Juden insgesamt 614.463. Davon leben in Marokko 300.00, in Algier 70271, in Tunis 60383, in Südafrika (unter Berücksichtigung der natürlichen Zunahme und der Zuwanderung seit den Letzten Volkszählungen 1901 und 1904) oa. 60.000, in Aegypten 38.636, m Tripolis 18.660. In Australien wohnen 19416 Juden , davon 2128 in Neuseeland. Fünfunddreißigster Bericht der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, N. 24, Arteilleriestr. 14. Berlin. Druck von H. Jtzkowski 1917. Wie in "den vergangenen zwei Kriegsjahren liegt uns auch diesmal ein kaum 16 Seiten starker Bericht vor. Ins Kuratorium wurden wieder gewählt die Herren: Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. Hermann Cohen, Oberregierungsrat Dr. Paul Meyer und Geheimer Justizrat Dr. Albert Mosse. Hart betroffen wurde die Lehranstalt durch das Ableben des Seniors des Kollegiums Herrn Siegfried Brünn, des Herrn Prof. Dr. Martiin Philippson, des Herrn Assessors Dr. Eduard Sachs u. Sekretärs der Anstalt Dr. Moses Friedländer. Die Zahl der ord. Hörer betrug a) Sommersemester 1916: 25. Davon stammen 15 aus Deutschland, 6 aus Oesterreich-Ungarn, 2 aus Rumänien, 2 aus Palästina, b) im Wintersemester 1916,17: 24. Davon stammen 17 aus . Deutschland, 5 aus Oesterreich-Ungarn, 2 aus Palästina. Die Zahl der Hospitanten betrug im Sommersemester 1916: 23, tan! Wintersemester 1916,17: 22. Aus der Moritz Lazarus-Stiftung erhielt der Hörer oand. Phil. Löb. Rosenblatt für seine Arbeit ״Die Einheitslehre Bachjjas und ihre praktischen Folgerungen" die Preisstiftung. Die Bibliothek erhielt «men Zuwachs von 395 Büchern.. Zur Regelung der Gehaltsbezüge der Dozenten wurde von Fau Mosse 10.000 Mark gespendet, deren Zinsen dem Lehrpensionsfond zugeführt werden sollen. Me ׳alljährlich sind auch in diesem Jahre verschiedene Spenden für Stiftungen und Stipendien eingelaufen, die ihren Bestimmung!en zugeführt wurden. Zu Gunsten des Stipendienfonds wurden noch Montagsvorlesungen veranstaltet, 'deren Remerträgnisiin» diesem Jahre auch für die vom Krieg Betroffenen verwendet werden soll. ' M. R. Der jüdische Nationalfonds in Rußland. Eine Konferenz der zentralen zionistischen Körperschaften Rußlaichs, hat den Beschluß gefaßt, in Moskap ein besonderes Nationalfondsbureau für ganz Rußland zu begründen. Das Bureau, das bereits kürzlich eröffnet wurde, befindet sich unter Aufsicht von Herrn! Dr. Tschlenow, dem kmgjährigen Direktor des INF, und untersteht der Leitung einer Kommission, der G. Karel, Frau Schoschanah Pesitz, A. Podlischewski, und L.. Tscherikower. Das Bureau begann sofort eine energische Arbeit, trat mit den Provinzstädtsn in Verbindung, um ihrer in klarer und eindringlicher Weise die grüßen Aufgaben des Nationalfonds vor Augen zu führen. Jüngst wandte sich! das Bureau an. vre Vertrauensmänner mit einem telegraphischen Aufruf, zur Erinnerung an den 11. Nissan 5677, <3 April 1917, der Dag der Veröffentlichung des Emanzipationsdekretes für die russischen Juden, dieses denkwürdige Datum sowie die Mitglieder der provisorischen Regierung mit dem Betrage von mindest>ens dreihunderttausend Rubel ins Goldene Buch des JM einzutragen. ״Wir Zionisten sind überzeugt", heißt es |n dem Aufruf, ״daß jede Meußerung des Volks״ willens ihren,größten Wert und historischen Ginn erhält, wenn sie mit dern ewigen und unveränderlichen Bolksideal, mit Palästina, verbunden ist,. Das Goldene Buch des INF wurde zu einer Chronik der Freude und des Leidens im Leben unserer Brüder... Der künftige Histo-