Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVIII (1917)
- Issue
- Heft 10 (8.6.1917)
- Date
- 1917-06-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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«w t 2. ^JUHffche BaNSstimme- 'Mt. 10. einen beträchtlichen Zuwachs. Die radikale Presse wurde konfisziert und fast allwöchentlich mit großen Geldstrafen bestraft. Die Ermordung des Rasputin gab wieder Anlaß zur freien Meinungsäußerung. Die Zensur verbot m den ersten Tagen nach der Tat den Namen ״Rasputin" zu erwähnen. Es hieß immer: ״der geheimnisvolle Mord einer hochstehenden Persönlichkeit in Petersburg". Das ״Utro-Rossije" erwähnte den Namen »Rasputin" und wurde mit 3000 Rubel bestraft. EMich mußte die Zensur unter dem Drucke der Verhältwisse nachgeben. Der geniale Schriftsteller Jablonowski schrieb ijm ״Ruskoje Slowo" die schärfsten Artikel. In einem hieß es: ״Dies ״Mänchlein," dieser Pferdedieb, die Eheschänder leitete die Geschicke Rußlands, setzt ein- und ab Minister, ist die einflußreichste Persönlichkeit am Hofe. Dieser ungebildete, rohe Mensch, dieser Analphabet sitzt am Staatsruder und ist der Krebsschaden, des Vaterlandes." In ähnlicher^ Weise kritisierte Miljukow in .seinem Organ ״Rjecz" die Verhältnisse. Die Gärung wuchs von Tag zu Tag. Als infolge von Der Prozeß des M. Mcmiffewicz, der noch bei Stolipyn in Diensten ׳stand, der Privatsekretär des gewesenen P-^miens-ekretärs Stürmer war, der Mitglied der Ochrana (Geheimpolizei) war und wenn man will sogar ein Provokateur, der dte höchsten russischen Orden besaß, so daß nur der Zar ihn verurteilen konnte, dieser Mann betrieb im Verein mit den höchsten Staatswürden- Wägern die schmutzigsten Geschäfte und erpreßte überall große Summen, besonders bei den Preistreibern. Freiheitlich gesinnte Männer blicken mit Verachtung auf eme solche Regierung und geißelten scharf das Ministerium des Fürsten Goliczin. Als die Kriegserklärung zwischen Oesterreich und Rußland erfolgte, flohen viele russische Revolutionäre, die in Wien ihr geistiges ZeNtrum hatten, teils in dieSchweiz, teils nach Rumänien. Jassy wurde ein zweites, wenn auch ungastliches Wien für die Führer der russischen Nihilisten. Von Jassy wurden zahlreiche Bücher, Broschüren, Flugschriften und Zeitungen nach Rußland eingeschmuggelt und verfehlten, auch nicht ihre Wirkung. In den Putilowwerken in ז Petersburg brach ein Streik in Februar aus, TransportschwierigkLitrn'wobei nicht weniger als 76.000 Arbeiter die Ar beit einstellten. Die Arbeiter in den anderen Fa׳ briken taten dasselbe. Der Kommandant der Stadt Petersburg die Hungernot in den Großstädten sich bemerkbar machte, da zetlerte alles gegen den Acker׳ baumiinister Rittich. Die Frauen,demonstrierten in allen Städten und plünderten die Läden der Kaufläute. Noch mehr erregte die Gemüter die Nachricht in d. Zeitungen, daß ganze Züge mit Lebensmittln gestohlen werden. So hieß in dem nicht in den Schützengräben. Rsgierungsbba-t ״Nowoja Wjkgm-ja": Ein Zug, beitseinstellung wird ein Volution ist nicht das Werk eines Tages, sondern einer jahrelangen intensiver Arbeit. Als die Regierung für die gerechten Forderungen des Volkes kein Derständis zeigte und den Volks׳ Vertretern kein Gehör schenkte,- vielmehr die Duma auflöste, fco brach der Sturm los. Es brdurfte eben nur eines Funkes und das ganze Gebäude in Flammen zu bringen. Die Kadetten und Sozialisten übernahmen die Durchführung der Revolution. Das Militär ging zu den R-rvolutionären über. Es wurde der Göttin der »Freiheit" geopfert. Miljukow, Kerenski und Tscheidze wurden die Führer des neuen Rußland. Der Zarismus wurde gebrochen, die langersehnte Demokratie hergestellt. Großen Anteil an der gewaltigen Umwälzungen nahm der ״jüdische Bund", der schon bei der 1906er Revolution grandioses geleistet hatte. Die jüdische Arbeiterschaft stand in den ersten Reihen der Kämpfer für die Freiheit und Demokratie. Die meisten eingeschmüggelten Broschüren und Flugschriften stammen von ,der Feder jüdischer Journalisten. Dr. Rattner, .der liüngst in Jassy als ein von Rußland Verbannter starb, hat nicht unwesentlichen Anteil an der Revolution. Aber auch die jüdische Intelligenz arbeitete rastlos an der Neugestaltung Rußlands; ich meine die Intelligenz, welche nicht dem ״Bund" erließ einen Aufruf an die Arbeiter beiläufig angehört. Dr. O. O. Grusenberg, der bekannte folgenden Inhaltes: Arbeiter! Nehmet wieder Verteidiger im Bsilisp-rozeß, hat immer den euere Arbeit auf. Verratet nicht euere Brüder Mann gestellt und wußte jeden günstigen Mo- Durch euere Arment auszunützen. Er hat gewiß wesentlichen Munitionsmangel Anteil an der Erlangung der Gleichberechtigung der von Odessa nach Moskau Getreide führte, eintreten. Ihr unterstützet den Feind und derder Juden Rußlands genommen. Das Mitglied wurde׳gestohlen," oder ״ein Zug der von Baku ratet das Vaterland. Ich lade Euch zur Erdes A.-C. Tschlenow hat zur Aufraffung der Petroleum.nach Twer führte, ging spurlos ver- Öffnung der Duma, ,(22. Februar alten Stils) russischen Zionisten viel beigetragen, so daß ׳auch Men," oder ״die Regierung hat im Altay!wo ihr euere Forderungen stellen könnet. Sollsie an die neue Regierung mit Forderungen 4,000.000 Pud Fleisch angekauft, welches aus Maugel an Waggons nicht Herbeigeschaft werden ׳kann und welches schließlich, da kein Salz zum einsalzen vorrätig war, in Verwesung überging." In allen Zeitungen wurde der Ackerbauminister Rittich scharf kritisiert. Das sozialistische. Organ tet ihr aber meinen Rat nicht befolgen, so wisset, herantreten konnten. Da der große Teil daß mir Truppen zur Verfügung stehen und der spezifisch jüdischen Presse für die tausende Müschinengewehre. Der Aufruf hatte Kriegsdauer konfisziert wurden, so arbeiteten eine entgegensetzte Wirkung hervorgerufen. In die Juden im Geheimen um so wirksamer für die allen Fabriken wurde die Arbeit eingestellt. Bei Revolution. Die jüdischen Studenten waren der Dumaeröffnung zogen tausende van. Arbei ,/Praza", ging etwas zu weit in der Kritik und! torn durch die Straßen Petersburgs und schirren: wurde für die ganze Kriegsdauer konfisziert. ״Brot und Frieden wollen wir." Es kam schon Die Preistreiberei griff über Hand. Es wurde damals zu Ausschreitungen, wobei die Jnfander sogenannte «Städtebund gegründet, der in terietruppen dem Befehle, auf die Menge zu nähere Beziehungen zu den ״Semstwos" (Landschießen, nicht Folge leisteten. 1 tagen) treten und Nahrungsmittelfrage regeln י In der Duma kritisierten fast alle Redner, sollte. Als die Vertreter der Städte nach Moskau mit Ausnahme der Rechten, die Regierung, zu einer Besprechung sich einfanden, da verbot Die Kadetten und die Linken verlangten ganz Wohl dis ersten. die die rote Fahne schwangen. Die Geschichte über die russische Revolution wird ihnen und den jüdischen Arbeitern so manches Ruhmesblatt widmen müssen. Kunäfckiau. der Minister des Innern Protopopow die Ab- Haltung der Versammlung und löste den ״Städteoffen «einen Kabinetwechsel. Tscheize kündigt die Revolution an, wenn die Regierung. 1n.icht nach-1 Berlin, Zu den in. letzter Zeit durch die Aus- Hund" auf. Statt der Vermehrung der Lebensgeben wird. Inzwischen wurden auch die Trup-. landspresse verbreiteten Nachrichten über angebmittel, vermehrte Potopopow das Kontigent der Gendarmerie und der Polizei. Fast die ganze russische Presse trat gegen die Regierung auf. Maxim Gorki sagte eine ueue Zeit voraus, eine schönere und glücklichere, wenn sie «auch mit Mensichenblut erkämpft wird. Baum. Und Haus auf Haus. Und die Häuser rücken aneinaicher, übereinander — bis sie Gaum unh Wald und Blatt und Gras verdrän- «gen. Und wie ein Jüngling seine Bvaut, so umarmt die Sonne die Stadt, wirft ihre Strahlen von Kuppel zu Kuppel, von Dach zu Dach. Und es brennen die Dächer, und es glühen die Kuppeln in Gold und in Silber. Es strahlen die!Himmel und Kuppeln ihr Licht zu. Und Dächer und Fenster tauschen den Glanz. Es küssen sich die Spitzen der Moscheen im Licht. Und aus den vereinigten Gluten wird dein ״Goldenen Horn" ein gleißender Morgen geboren. Wie ein stilles «Gebetet gleitet das Schiff aus dem schmalen Bosporus in die breiten, Hellen Gewässern des mittelländischen Meeres hinaus. Ein Meer? Nein. Hi׳m«mel, Wolken und Tau zu einem leisen li«chiten Kuß verwoben. Still wölbt sich über dem Wasser der Himmel. Unter!Himmel und Meer nicken ein, träumen van Licht und Glanz und von dem Schiff, das sie auf hie schimmernden Wogen gelockt haben. Hüllen!sich in dir Hellen, durchsichtigen Nebelschleier, hüllen Licht und Luft mit ein. Und still und träumend gleitet das Schiff, von Welle zu Welle, von Schleier zu Schleiier. Bis plötzlich Nacht und Sternenlicht auf Meer und Schiff fallen. Aus ge- Heimen Versteck kriecht ein Schattenschiff hervor und schleicht uns nach, wie ein Traum. Die Wellen führen seinen Mast durch die Nacht. Angst umschauert ums. Vor dem unheimlichen Schatlen, der uns verfolgt, vor diesem schwarzen Un- ,Pen in den Kasernen bearbeitet. Es trieben sichtliche Judenverfolgung in Palästina erhält Hilfsschon lange revolutionäre Elemente mit den!verein der deutschen Juden in Berlin von einem Soldaten umher, welche zunächst -eine Verschwö-\ seiner Vertreter in Palästina das nachstehende rung gegen die Offiziere anzettelton. In Fa-!Telegramm: briken gingen die Studenten als Urheber undj Der Bezirk Jaffa ist von der ganzen Be° organisierten dies Proletariat. Die russische Revölkerung aus militärischen Gründen geräumt Tfl",t, :1 .ף■■״■»■־ ־ ־־ י־-:■ ■־־־•־־״T- •1!-ו worden, wobei jedoch der Landwirtschaft treigetum, aus Meer und Finsternis emporgestie-j benden Bevölkerung der Verbleib gestattet wur׳ 9en. ( ( j de. Ausder Stadt Jaffa selbst mußten die Be- So irrt unser Schiff um das Mittelländiwohner darunter auch etwa 7000 Juden aussche Meer, an den griechischen Inseln vorbei, die! auswandevn«. die zunächst in der 18 Kilometer m Nacht und Sternenlicht getaucht, wie weltver-j nördlich gelegenen Kolonie Petachtikwah Aufloren!daliegen. Die Götter sind aus ihrem Schlaf j nähme fanden und von dort aus allmählich erwacht und haben sich mit ihren Sehern und weitergezogen sind. Da die Leute bei dem Mangel Seherinnen ms Innere der Insel zurückgezogen. Dort baden sie, von Menschentaugen nicht ge sehen, ihre nackten Leiber in Weihrauchduft, der von kleinen w;Wn Altären aufsteigt. Und tanzen samt ihren Sehern um die Altäre und sehnen sich nach den Menschen. Und die Menschen nach ihnen. Und sie können einander nicht sinden: die Menschen und die Götter. Und ei>n leiser Sehnsuchtssang der Götter, vom Winde beslügelt, zieht über das Meer, bis an alle seine Küsten, zu allen Schiffen, die es befahren, zu allen Menschen auf den Schiffen, und trägt überall die Sehnsucht hin, bis zu den Sternen hinaus, von denen sie auf Nacht und Welt zurückstrahlt. Wie ein Stilles Gebet gleitet unseres Schiff an den griechischen Inseln vorbei, weicht ihrem Weihrauch und Sehnsuchtssango aus, bahnend sich wie eiin Wvarzbeflügelter Vogel den Weg durch die leichten, sehnsuchtSsrfüllten, liederbehauchten Wellen. Sein Ziel: eine ferne Küste, ein fernes Land. Sein Sehnen ist Gott — ihn zu suchen und ihn zu finden. Ein Sehnen, ein Suchen! Und doch zwei verschiedene Menschen auf dem Schiffe: der Jude und der Ruffel an Transportmitteln nur wenig von ihrer Habe mitnehmen konnten, und Pa vereinzelte AusschreitungelN vorgekommen sind, herrscht unter ihnen begreifliche Not, welche hohe Anforderungen an die Wohltätigkeit der jüdischen Kolonien und Organisationen stellt. Der türkische Oberkommandierende Djemal Pascha hat zu helfen gesucht, in dem er mehrere Tausend Pfund als Darlehen gab. Er hat auch die Bitte die Durchführung wegen des Passahfr-stes um zwei Tage verschoben. Da die Leute teilweise zu Fuß gehen und im Freien übernachten mußten, sind infolge Erschöpfung, Seuchen und Unglücksfällen vereinzelte Todesfälle — vier Fälle sind bisher bekannt geworden — vorgekommen. Weitere übertriebene Nachrichten sind unrichtig. Die Räumung Jerusalem ist nicht angeordnet Worden. Zur Räumung von Jaffa. (Die türkische Regierung und die Juden.) Anläßlich der Evakuierung van. Jaffa hat Türkische Botschafter in Berlm, Hakki-Pafcha, Prof. Dr. Israel und Dr. Alfred Noffig als Vertreter der Deutsch-Israelitisch Osmanischen