Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVIII (1917)
- Issue
- Heft 9 (24.5.1917)
- Date
- 1917-05-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9. »ammmam**#• v t« 9 Meinrlch Mmol. Wien und berichtete, daß der Mefamtbetrüg der. bisher gesammelten Httfs-! U" -geloer die eMe Million übeMritten hat. SS L Wurde deshalb dank dem Eingreifen Sr. Exyttlenz des Herrn Ministers des Aeutzern, unser :Konsulat in Jerusalem beauftragt 6.000 türki- -De Goldpfunde oarzukaufen. Nächst dem hohen Ministerium des Aeußern wurde den Mitarbeitern der Dank ausgesprochen. Vor allem -dem wackeen Landeskomitee in Prag (Geschäfts- ׳Mrer i. E. LandesadvokatDr. Th. Weltsch), Brünn (Herr Jonas Löw-Beer) und Lroppom <Herr Kultuspräses Dr. Sonnenschein), sowie chsn Budapeftern, die soeben einen namhaften Betrag für die . Kriegsspitalhilfe , eingesandt Hatten. Auch in Graz, Innsbruck, Lemberg, Linz pnd Trieft sollen ähnliche Zentren geschaffen Werden. Nur Dank ׳energischer Bemühungen war es der Hvlfskommiffion möglich ihre Mehl- Mion in Jerusalem, Safta und Liberias, dir die Waisenfürsorge, die Unterstützung der in Wien zurückgebliebenen bedürftigen Palästinenfer und verschiedener Wohlfahrtanstalten und Schulen in Palästina, weiterzuführen. Ebenso hat sie in Verein mit der .׳Kriegsspitalhilfe" .unserem Konsulate in Jerusalem Mittel zur Verfügung gestellt, in!dem dortigen unter österr. «ungarischen Schutze stehenden Rothschildsspital Betten für -Angehörige der Monarchie zu brlegen. Unser Komitee in Jerusalem, daß unter wohlwollendster Aufsicht des Herrn k. u. k. Korr suls Kraus von Herrn Rabbiner M. Groß in aufopfernder Mühewaltung mustergiltig ge- Leitet tüftb, hatte die besondere Freude, jüdische Soldaten aus dem österr.-ungarischen Detachement, das an der Sinaifrcmt mitkämpft, an Wischen Festen zu bewirten. -Die Hilfskom- Mission beschränkte sich bei ihren Beteilungen "nicht auf einen bestimmten Kreis, sondern bistct weitherzig nach Möglichkeit «allen Bsdürftigen und auch den Drohobyczern und Ungarn Hilfe, worüber der Vorsitzende Berichts der k. k. Konsulate zur Verlesung bringen läßt. (vtöftialr Eduard Urban) KftlsAr - *ran* •!omI• NE Nr. 11 von flaldarn zur güarir-«« Var* --,*י י־ ZlMUflgr. wffteB; ■?: lnuhd Virkatif van Lotan In ailan mögllohan —■*׳׳■■ ״־■.i ׳. KamblnaKanan. -.-.-. Dieser Bericht des Herrn Dr. Grunwald wurde mit Beifall ausgenommen und ebenso bas Referat des Herrn Hofrates Dr. Julius Schlag über die Leistungen der ״Kriegsspital- Hilfe" der es dank dem Entgegenkommen unserer Ministerien gelang für 10.000 Kronen Medikamente nach Palästina zu schaffen, wo es an den allernotwendigsten Heil- und ärztlichen!Hilfsmitteln gebrach. Die zustimmenden Gutachten Wiener und Berliner Hochschullehrer, die Herr Hofvat Dr. Schlag zur Velesung brachte, bestärken die ״Kri-egsspitalhilft" auf dem eingeschlagenem Wege, Unterstützung ärztlicher Institute in Palästina, Aussendung geprüfter Pflegerinnen usw. sortzufahren. Auch diese Ausführungen ernteten lauten Beifall, ebenso die von Herrn Kultusvorsteher Hofrat Dr. Loewner gegebene Anregung, mit der Wiener Kultusgemeindk gemeinsame Schritte zu erwägen, um den gesteigerten Anforderungen der Kalästimchilfe gerecht zu werden. Die Herren Rabbiner Steinberg. Feldrab- Liner Dr. Hausner und Bernhard Hofbauer bejfürworteten die Agitation bei den Kultusgemeinden Galtziens, die fraglos von Erfolg ge- DHnt sein würde, wenn die Wiener Kultusgerneinde ein umfassendes Zusammengehen aller österreichischen Kultusgemeinden in dieser edlen und unabweisbaren Angelegenheit inaugurieren Wollte.... Vorbereitende Schritte wurden in dieser Richtung von der Versammlung beschlossen. Herr Redakteur Szabolczi dankte für die ihm zuteilgewordene Begrüßung, berichtete über die iLeistungen des ungarischen Äandeskomitees und sprach in begeistert aklamierten Morten ׳der ^Wiener Hilfskommiffion" «die Anerkennung d.!ungarischen Freunde aus. Herr Oberrabbiner Reich-Baben und Herr fwfrat Dr. Schlag, letzterer in einem meisten asten hebräischen Hymnus feierten die Leitung und die bisherigen Erfolge, der Wiener Palästina׳Hilfsaktionen und Herr Pappenheim wünschte dem» Unternehmen den gleichen. Fortffchritt im neuen Arbeitsjahr.״ Flüchtlingsecke. Aus der Häuslichkeit der ״Wohltäter" Zur Charakteristik her ״Tätigkeit des KomiteeS zum Schutze der israelitischen Flüchtlinge dienen ihnen folgende Tatsachen und Beobachtuntzen. Die Flüchtlinge und ihre Wohnungen sollen auf ׳ihre Reinlichkeit überprüft werden. Die hiezu be stimimtsn Beamten sollen um 5 Uhr früh ihre Tätigkeit beginnen. Vom einem Organe Wird eine ganze Gaffe ׳(die Mundhgasft) als unrein und verlauft befunden. Sämtliche 30 FlüchLlmigsfamilien, die diese Gaffe bewohnen, Werden sofort kontumaziert. Nach 24 ständiger Kontupmz erscheint ein zweiter Beamte, erklärt die Kontumaz und die Desinfektion für Mer« flüffig. (ob dies gerade aus ״edlen" Motiven gegeschehen ist, ist mehr ials fraglich)'. - Also 30 Familienwerben leichtfertig in aller Qeffentlichkeit (da die Kontumazieru!n!g öffentliches Aufsehen erregt) blamiert oder ungerechtfertigter Weift der eventuell notwendigen Desinfektion entzogen. Da aber die Zahl der zu Desinfizierenden schon der städt. Desinfektionsanstalt bekanntgegeben waren, wurden wurden jetzt Flüchtlmige von der Gaffe eingefangen und zur Desinfektion eskortiert. Die Desinfektionsarbeit (unter ׳Eskorte") gehört überhaupt zum, schmutzigsten Kapitel der Brünner ״Wohltätigkeit". Fxauen und Mädchen wurden jedesmal über alle Straßen ins Bad ge׳ zerrt und oft wurde ihnen gegen ihren Willen das Haar geschnitten. Die ״Arbeit" einzelner Recherchenten charakterisiert folgender Fall: Es soll -erhoben werden ob eine Familie Strohsäcke hat. Der ״Recherchent" überfällt in der Nacht die Familie und schleppt von den Betten, in, denen Frauen schlafen, die Decken herunter. Einer Deputation angesehener Flüchtlinge (darunter ein Rabbiner), die über diesen Fall Beschwerde führt, erwidert der Vizepräsindent: ״Sie kennen nicht dieses Volk." Der Sekretär des «Schutz"-Komitees verspricht nach gepflogener Erhebung das betreffende Organ zu bestrafen und den Flüchtlingen angemessene Genugtuung zu leisten. Ms heute nach 4 Monaten) ist in der Sache alles 'beim ״Versprechen" geblieben. Beamten, die die! Flüchtlinge menschlich behandeln werden wegen Nachlässigkeit ׳ entlassen, dir ״Strengen" -erhalten Prämien. Vom Schulfond kriegen Flüchtlinge nur bei höchster Protektion 10—20 Kronen. Eine Angestellte der Zentrale dagegen, eine frühere Studentm, hat 100 Kronen für Lehrmittel erhalten. Auch die Verwendung der Hilfsfondsgelder! könnte schöne Bilder der Wohltätigkeit am. einzelnen Protektionskindern (darunter meist Angestellten) liefern. Aber ׳man scheut die Oeffentlichkeit. Bei hx Verteilung der staatlichen Unterstützungen gebaren sich die Herren und Da׳ men als Ware es ihr Eigentum und bängte das Leben jedes Flüchtlinges von ihre Gnade und Ungnade ab. Be: der Bekleidung krwgen Er-^...׳ס .. _^.. wachiene meist K in Ursachen, widersprochen Utp>(3Q Kronen monatlich) bezahlt wird, besteht aus vtiiU VwavKatt Kattit TVaHnt* ,trtsttt ftm umMvriH־ tft n!___..״V Gii'.X. den mDeutsHBrodachl seinen gewohnten Weg. Keines der erwähnten Daruckenlager nimmt einen so großen Raum «rin, ist so groß und räumlich gebaut, als das Lager DmtschGrod. Die vielen hohen und niederen Schlotten lassen daS Lager schon in dev weiten Ferne sichtbar werden und erwecken den Anschein, einer Stadt von tausenden Einwohnerin und zahlreicher Fabriken. Man muß «auch zugeben, äußerlich in seiner Einrichtung 1(5. B. das Bad, Wäscherei, Schulen, Spitäler, Bäckerei) ist das Lager Deutsch-Drod sehr schön und modern. Die innere Einrichtung, wie überhaupt das Leben der sechs bis sieben- Tausend Flüchtlinge, die hiev untergebracht sind, können keinen Vergleich mit dsm Leben der Flüchtlinge in den anderen Lagern vertragen: Während man in Pohrlitz und Nikolsburg drei, viermal der Woche Fleisch kriegt, kommt es hier einem meist einmal -in vierzehn Tagen vor die Augen. Dasselbe ist mit der Milch. Seit August vorigen Jahres besitzt das Lager einen' eigenen Friedhof, ,der heute 1000 Flüchtlingstote beher׳ bergt Es muß bemerkt werden, -daß die Judengemeinde Deutsch-Brod hier keine Schuld trägt. Als die Flüchtlinge zum erstenmale dorthin kamen, hat sich ein Flüchtlings-Fürsorgekomiteo. aus den vornehmsten Mitgliedern der Gemeinde mit Herrin M. Liling ander Spitze, gebildet. Aber gleich nach dem ersten Besuch des Komitees im Lager, ist dev Eintritt in dieses jedem Nicht- Bewohner strengstens. verboten und werden diesbezüglich keine Ausnahmen gemacht. Das Komitee muß sich deshalb auf die Unterstützung der Flüchtlinge der Umgebung beschränken. Die Flüchtlinge im Lager aber haben nicht die mindeste Verbindung mit der Außenwelt, an Hilfe nicht zu denken. Es fragen die Flüchtlinge hier: Womit häden wir es verschuldet, daß sich unser nicht einer errininert. Geht es uns wirklich so gut, daß Niemand auf uns achtet? Es Wäre wirklich lohnend, wenn sich einer unserer Politiker, einer unserer Wohltäter herbeiließe herzukotzmnen und di« Lebensweise 6 bis 7 Tausend galizisch-bukowi׳ naer Juden kennen zu lernen. Findet sich Niemand der es wagt, die Mauer zu überschreiten und den Barackenfchleier zü durchblicken? (Lemberger Tagblatt".) Aufruf! Das Flüchtlmgsfürsorge * Komitee in Ws-etin stellt an adle Menschenfreunde die in- «nigste Bitte zur Linderung der Not der in Wsetin weilenden Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina ihr Scherflein beizutragen. Die Not die unter diesen Armen ihres Habes und Gutes beraubten herrscht, ist unbeschreiblich. Die Sperr׳ den wollen gütmst an den Obmann des Fluchtlingskomitees Herrn Jakob Sax eingesendet werden und werden auf Wunsch in diesem Blatte veröffentlicht. Flüchtlingslos in Brünn. 1. Familie. Die Familie besteht aus Vater <62 Jahre). Mutter (59), zwei. Töchtern (37 und 33) und Fünf Enkelkindern 12, 9, 7, beinhalb und 2 Jahre alt). Ueberdies lebt noch eime alte ruthenische Bäuerin in der Familie. ,Wir konnten sie nicht zürücklaffen", sagt mir die jüngere Tockter, «sie hat niemanden zu Hause, keine Familie, keine Bekannte und ist schon seit 35 ^Jahren -bei uns bedienstet, sie war meine Amme." Die Wohnung, die von der Flüchtlings-Zentrale nicht werden, dem: bevor man sich umschaut ist man vor die Türe gesetzt. Im Frühling wurden Filzstiefel und Stoffschuhe verteilt. Von der Volksküche kölmten dieftlbrn Geschichten erzählt werden, wie von den Mazzos. Aber dies und anderes ein zweltesmal. Ein polnischer Jude. Flüchtlingsleben in Deutsch-Brod. Schon Monate lang beschäftigen sich spezielle Kommisionen mit der Verbessemng der Lebensverhältniffe iy den Barackenlagern für jüdische Flüchtlinge. Mehvrve Lager (Pohrlitz, Nikolsjurg, Gaya u. a.) find auch wirklich demzufolge aufgelöst worden. Nur das Flüchtlingsle- Zimmer, Kabinett und Küche, keine Kammer. In der Küche ersetzt eine große Bretterkiste den Küchentisch und einige Fetzen! stellen das Lager der ״Magd" dar. Wgesehen vom Geschirr, daß in den Winkeln umhrrsteht, herrscht große Sauberkeit. Im Zimmer stehen zwei Bettgestelle, ein großer Reiftkorb. ein kleiner Tisch «mit drei alten Rohrseffeln. Im Kabinett Zwei Betten. Ueberau hängen! an den Wänden KleidungsWcke. Der alte Vater hat noch dinen Sohn, seit November 1915 von der Ostfront dermißt. ״Werde ich ihn noch je Menf jammert mich der Alte. Die Schwiegersöhne! find ebenfalls beim Militär. Der ältere M August ISIS im Spital, an» der italienischen Front einen Lungenschuß geholt. ״Geht ihm jetzt Mn pt״‘