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Jüdische Volksstimme · 1917-05-24 · Heft 9 (24.5.1917) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVIII (1917)
Issue
Heft 9 (24.5.1917)
Date
1917-05-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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«M 4 mmm** «r. S Die Wahlresvltste in de« p-lnischen StadtrLten.׳ tags- und' Feiertagsruhe der Juden ühne Wirt In den polnischen Stadträten des deutschen Okkupationsgebietes sind die Wahlen in den Siadträten bereits abgeschlossen. Die Resultate der Wahlen sind bereits folgende: In dm Stadten AkLandrow, Mszczonow und Uniesow Uprrde kein einziger Jude in den Stadtrat gewählt. Dagegen boykottierte die polnische Bevölkerung die Wahlen in Tomaschow und Bendzin, wodurch die Stadträte ausschließlich aus jüdischen Ratmännern! bestehen. In Syolowiec wurden einer Vereinbarund der Polen und der Juden gemäß 12 Juden und 12 Polen in den Stadtrat gewählt. Nach Beendigung der Wahlen wurde aber di«e Wahl von 4 jüdischen Ratmännern annulliert, weil sie angeblich der polnischen Sprache nicht zur Genüge mächtig sind. An ihrer Stelle Wurden 4 Polen zu Ratmännern ermannt, so daß der Stadtrat jetzt aus 16 Polen und 8 Juden besteht. Nur in 7 Städten (in Lubjena, Zdnnska Wola, Naiftadt, Mmsk-Masowjez, Kowel, Kotzk und Blaschki), bilden die Juden die Mehrheit im Staütrat. In 4 Städten (Tykocin, Warka, Wyszogrod und Lomza) bilden die Juden die Minderheit. In anderen Städten, darunter auch in oielen, wo die Juden die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung ausmachen, gelang es nur eine kleine Anzahl von jüdischen Ratmännern zu wählen Di« Stadtratwahlen in Blaschki, die vor kurzem stattfanden, ergaben folgendes Resultat: Es wurden 6 Juden und 3 Nichtuden zu Ratmännern gewählt. In Brescin wurden von den 4 zu wählenden Ratmännern 2 Juden gewählt, und zwar die Herren I. Neumann und M. Selig. Die Wahlen in der 6. Kurie von Czenstochau, die vor kurzem staittgefunden haben!, ergaben wlgendes Resultat: von dem! 6 zu wählenden Kandidaten wurden drei Kandidaten der einzigen bei der Wahl figurierenden jüdischen Lifte der Sozialisterh-Territorialisten gewählt. Der ״Bund" und die Poale-Zion haben nach langen Wahlkämpfen auf die Ausstellung einer Kandidatenliste verzichtet. stliche Schädigung, die Beschäftigung Mi Mer Arbeiter fei allen städtischen Arbeiten und die Zulassung jüdischer Beamter zu allen stadti schen Aemtern gefordert wird. . Auch der bundistische Ratmann gab eine Deklaration ab. In den Magistrat wählte der Stadtrat zwei polnische und Mei jüdische Magistrate zu fammen mit dem Präsidenten des Magistrats eine Mehrheit bilden könnten. Einer der gewähl׳ ten Klinischen Magifträte hat aber aüf sem Amt verzichtet. Die durch die gewaltsame Boykottpolitik der Polen ׳herbeigeführte! Tatsache, daß der Bendziner S-adtrat nur aus jüdischer Ratmännern besteht, hat im. der polnischen Presse großen Un Willen hervorgerufen. Die polnische Zeitung ״Kurier Polski" spricht sogar von einem «Bend ziner Sanhedrin", ,-daß den Juden noch sehr bittere Früchte bringen könne, von denen die gesamte polnische Judenheit genießen wird." Das versteht die polnische Presse unter bürgerlichen Gleichberechtigung! Der Wahlkampf bei den polnischen Wahlen in der 6. Kurie Stadtrais- Der Stadtrat in Bendzin. Die jüdische Bevölkerung in Bendzin macht ungefähr 70 Prozent der gesamten Bevölkerung der Stadt aus. Zurzeit der Wahlen zum Stadtrat ׳erklärten sich die Polen nur unter der Bedingung bereit, an den Wahlen teilzunehmen, daß dis Polen im Stadtrat eine Maiorität erhalten. Bekanntlich wurden ,die Wahlberechtigten bei den Wahlen zu den polnischen Stadtverwaltungen in 6 Kuiren eingeteilt, von denen der ersten die Intelligenz, der zweiten die Großindustriellen, der dritten die Händler und Hand- Werker, der viertendie Hausbesitzer, der fünften die Wohnungssteuerzahlenden und der sechstem die Arbeiterschaft. Die bürgelichen Parteien, die den Wahlkampf in den erstem, fünf Kurien mitemander führten, stellten fast überall in der sechsten Kurie keine׳ Kandidaten auf. Die sechste Kurie wurde zum Kampfplatz der Arbeiterparteien, die heftig miteinander um den Wahlsieg rangen. In der jüdischey Arbeiterschaft spielte sich der Kampf zwischen dem ״Bund" und den ״Poale-Zion" cck. Besonders lebhaft wurde diese Arbeiterwahlk-ampagne im! Lodz, Siedlce, Wlozlawek, Bendzin und Czenstochau geführt. Von den Dimensionen dieser WMkampagne geben die Vorgänge ׳in Lodz eime Vorstellung. Die Poale-Zion veranstalteten im Verlauf der Wahlen in verschiedenen Stadtteilen 38 Wahl׳ Meetings, die durch 25.000 Wahlberechtigte besucht waren und auf denen 140 Redner sprachen. Plakate, Aufrufe und Programme der Poale- Zion wurden in einer Zahl von 145.000 Exem- Pilaren verbreitet. Keine .geringere Kampagne entfaltete der ״Bund". Ihm stand noch sein ״Lebensfragen" zur Verfügung. Er genoß ־ Das EntsegenkomMn d. Bendzin« Juden, 5!׳"?״T“ de« Polen die Halste der Sitze im Stadtrat zu b״ndiM!cbe Mbver Medein!am auS WariLan überlassen, wurde zurückgewiesen.׳ So sahen sich die Juden in Bendzin gezwungen, die Wahlen z. Stadtrat allein durchzuführen. Am 26. März wurde der Stadtrat von Bendzin, der -infolge der Nichtanteilnahme der Polen anden Wahlen aus 24 jüdischen R-atmännern besteht, eröffnet. Herr Gustav Weinzieher hielt die Eröffnungsrode, in der er im Namen des' Stadtrates sein Bedauern ausdrückte, daß die polnische Bevölkerung in den Stadtrat keine Delegierten entsandt hat. Zugleich gab er die Versicherung, daß der Bendziner Stadtrat für den Wohlstand der Einwohner der Stadt ohne Unterschied des Glaubens, der Nation und der politischen Anschauungen arbeiten wird. Nachdem׳ alle Ratmänner den Eid geleistet hatten, daß sie ihr Amt gewissenhaft erfüllen werden, verlas Dr. Salomon Weinzieher im Namen von 20 Ratmännern eine Deklaration, in der festgestellt wird, daß die jüdischen Rat männer von Bendzin im Bewußtsein ihrer 600 jährigen Zugehörigkeit zum Lande als treu- Bürger ihre Arbeit beginnen. Gleichzeitig enthält die Deklaration eine Begrüßung des Polnischen Staatsrats als des obersten Organs des Landes. Im Namen der Paale-zionistischen Ratmänner kam eine besondere Deklaration zur Verlesung, in der unter anderem-die Eröffnung von Schulen mit jüdischer Unterrichtssprache auf Stadtkosten, die durch die jüdische BevLlkerung selbst verwaltet werden sollen, die Gleichberechtigung für die jüdische Sprache in allen städtischen Institutionen, die Anstellung einer entsprechenden Johl von Beamten, die sich mit der jüdischen BÄdlkerung in jiddischer Sprache verständigen können, die Sicherung der Sams- Leistungen dieser Institution während des letzten Jahres seien folgende Angaben entnommen: Die' Schwierigkeiten, die die Juden in Wien und in den besetzten Gebieten Rußlands durch, zukämpfen haben, sind sehr groß. Drr Wohtätig. keitsinn der Juden der ganzen Mlt habe sich aber glänzend bewährt. Ueberall hat Man Geldsammlungen veranstaltet; namentlich ist Von Amerika eine Hilfsaktion, ausgegangen, die alle bi.herigen Leistungen in den Schalten stellte. Das Schulwerk im Orient konnte aufrecht erhalten werden. In Konstantinopel wurde eine Mädchenschule, die bereits 220 Schülerinnen zählt gegründet. Auch in 8erufalem konnte die Ausgestaltung -einzelner Anstalten erfolgen. 400.000 Mark wurden für die Schulen aufgewandt. Für Polen sind während des Krieges über ILeinhalb Millionen Mark Hilfsgelder verausgabt worden. In politischer Beziehung ist auch viel getan -worden, um die Lage der Juden in Polen günstiger zu gestalten. Ebenso in Rumänien. Dr. Paul Nathan, der itzltzt von einer Reise dorthin zurückg-ekehrt ist, berichtete über seine Verhandlungen rmüt leitenden rümänischen Politikern und früheren Ministern, die auch der Meinung sind, -daß zu einer Reform der Judengesetzgebung in Rumänien geschritten werden müsse. Nachdem der Zarismus in Rußl-and gestürzt wurde, ist zu hoffen, daß auch in Polen und Rumänien die Sonderstellung der. Juden!aushört. Der füchtbare Krieg wird es be-' wirken, daß die osteuropäische Judenfvage ein wesentlich anderes Gesicht zeigen wird, als vor׳ her. Es ist dem Siege der deutschen Truppen zu verdanken, daß Regierungen zusammengestürzt sind, die den Antisemitismus als Staatsweisheit proklamiert und propagiert haben. Dr. I. Simon berichtete über die Brief- Vermittlung zwischen Personen Mutral-er Staaten und Amerikas ihren Angehörigen,-in den besetzten Gebieten, wie die Ueberwieisung von Pri- Vatjgeldevn dieser Personen nach Russisch-Polen und Littauen. In mehr als -einer Million Fällen kannte die Verbindung hergestellt werden. An manchen Tagen gingen 1800 bis 2000 Briefe und A-nfvagen beim Hilfsvevein ein. An fünf Millionen Mark, die von Verwandten gesandt wurden, konnten nach den besetzten Gebieten an die Angehörigen weitergegeben! werden. Für die Vermittlungsabteilung sind ungefahr 100 Hilfskräfteangestellt׳ gewesen; die Kosten für diese Abteilung ׳belaufen sich bisweilen einschließlich Porti auf 100 Mark täglich u. im Jahve auf 200.000 Mark. Redner hebt mit besonderem Danke hervor, daß der Hilfsvürein der deutschen Juden bei den deutschsn. Militär- und Zivilbehövden jederzeit größtes Entgegenkommen und Förderung seiner Bestrebungen finde, Worin eine erfreuliche Anerkenmung der Tätigkeit des Hilfsvereines liege. Eine jüdische Tageszeitung in Petersburg. bundistische Führer Modem kam aus Warschau nach Lodz, um, persönlich den Wahlkampf zu leiten. Insgesamt bildeten die jüdischen Wähler 30 Prozent der Gesamtzahl der Wahlberechtigten in der 6. Kurie. Im besten Falle konnten daher die Juden nur 3 von den zu wählenden 10 Ratmännern durchführen. Den Sieg trugen die Poale-Zion davon. Ihre Liste zog 2600 Stimmen auf sich, während die bundistische Liste nur 1600 hatte. Seitens der Poale-Zion wurden zwei Ratmänner gewählt (Dr. Dawid Rosenzweig und A. K. Holondersky) und seitens des ״Bund" einer (Lehrer Lichtenstein). . Einen bedeutenden Sieg feierten die Poale- Zion in- Bendzin. Hier wuäen drei poale-zion. und ein bundi-stischer Ratmann gewählt. In Wlozlawek dagegen führten die jüdischen Arbeiter -rtur die Mchl eines Ratmannes und zwar eines Bundisten durch. In Czenstochau dereinigten sich die Bundisten mit den polnischen Sozialisten. Die Poale - Zion schlossen einen Block mit den Sozialisten-Derritovialisten <S. S.) Der «einzige Ort, wo die jüdischen Arbeiter-, Parteien keinen ihrer Kandidaten in der 6. Kurie durchführen konnten, war Siedlce. Hier Knd als «st« auf der List«. deS jMschen «ste '«schienen: ״Die״Herrm " KÜl'tuSvörstcher Demnächst -beginnt in Moskau unter der Redaktion der bekannt enSchriftsteller Jzchäk Grünbaum, S. Rosenfeld, Dr. Eljaschew und Benzion Katz eine große Politische Tageszeitung in jiddischer Sprache zu erscheinen. Einer der Führer der jüdischen Kaufmannschaft in Moskau, Herr I. I. Rabinowitsch, stellte der Redaktion ein Kapital von 100.000 Rubel zur Verfügung. Jahresbesprechung der ״Hilsskommission 1915" und ״Kriegsspitalhilfe für Palästina". Montag, den 14. d. M. wurde im Zeremoniensaal dev israelitischen Kultusgemeinde Wien, 1. Bez., Sertenstettengass-e 4, die Jahresbesprochiung der ״Hilfskommission 1915" und ihrer Zweiginstituion abgehalten. Außer den Mitgliedern des Ausschusses waren u.A. als Wahlkomitees der bekannte zionistische Jour nalist Hartglaß. Dank der Popularität dieses Kandidaten gelang es dom allgemeinen!u־ bischen Wahlkomitee, auch die 6. Kurie für seine Liste zu gewinnen. Vom Hilfsverein der deutschen Inden. Am 25. April fand die Generalversammlung des ״Hilfsverein" in Berlin statt. EinHn ausführlichsn Berichte über die Arbeiten «und Hofrat Dr. Löwner in- Vertretung der Wiener Kultusgemeinde und Redakteur «Dr. Szabolcsi aus Budapest als Abgesandter des ungarischen Landeskomitee für Palästina, das, vor zwei Jahren als Parallelaktion zu dem Wiener Unternehmen von Ministerialrat Dr. Lederer und Dr. Szabolcsi ins Leben gerufen, mit den Wienern in steter Fühlung geblieben ist. Rahbiner Dr. Gwnwald gedachte dos Hinschoidens wertvoller Mitarbeiter, wie des Kultuspräses Kr. Rosenbacher, Prag und Kultusvorstand

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