Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVIII (1917)
- Issue
- Heft 9 (24.5.1917)
- Date
- 1917-05-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9. »98*W« VCttt 9 ge der nationalen Autonomie, für den Austau der Verfassung auf weitester demokratischer Grundlage unter Schutz der Minoritäten, für oi!o Demokratisierung der Verwaltung» für die kräftigste Förderung der industriellen und kommerziellen Hntwicklung. Oesterreichs unter charfev Bekämpfung der reaktionären Gewerbe׳ ,»ositik, für den Ausbau der sozialpolitischen Ge : etzgebung» namentlich für weitestgehenden Ar »eiterschutz, Koalitions-, Preß- und Versammungsfreiheit wirken." Das war in der Tat das Programm -einer weitschauenden und weitausgreifenden jüdisch-nationalen Politik. In ihrem Mittelpunkt steht die Forderung der Anerkennung der nationalen Rechts des jüdischen Volkes als einer nationalen Minorität des Staates. Der unermüdlichen Tätigkeit des ״jüdischen Klubs" war es vergönnt, auf dem Wege nationaler Politik den jüdischen Massen Galiziens und der Bukowina viele Erleichterungen zu erkämpfen, drohende Gefahren von ihnen abzuwenden und!gegen maßlose Angriffe und Beleidigungen zu schützen. Jedesmal, wenn es das jüdische Ansehen und die nationalen Interessen des Volkes von dein Feinde bedroht wurden, sprangen sie •tot die Bresche und verteidigten Ehre und Recht der Nation. Anerkennung und Dank gebührt diesen treuen Vorkämpfern des jüdisch-nationalen Gedankens." Na, ist man in Berlin nH so naiv! rung eine Erklärung für den Frieden ohne An-, griffenen politischen Gruppe, dir sich ״Demokraitundfcftau. e - r Der ״Bund" Vom 1./14. bis 6./19. April tagte in Petersburg die erste öffentliche Konferenz des ״Bundes" ״)׳Jüdischer Sozialdemokratischer Arbeiterbund in Rußland, Polen M,d Littauen") an der 72 Delegierte teilnahmen. In der Eröffnungsrode schilderte das Mitglied des Zentralkomitees Herr Weinstein die Geschichte der Partei und ihre Bedeutung für die Revolution. Dis Konferenz sandte an den nach Rußland zunerionen abzugeben habe. Bis zum Eintritt des Friedens müsse aber der Arbeiter die gegenwärtige Regierung unterstützen Md das Land schützen. Die Opposition dagegen erklärte jede Fortsetzung des Krieges als Gefahr für die Aussichten der Revolution. Dis im Anschluß an diese Debatte gefaßte esolution wendet sich an die jüdische Arbeiterschaft, die gegenwärtige! Regieruna zu unterstützten, solange sie dem Wege der Festigung der Errungenschaften der Revolution treu bleibe. t % Die nächsten Sitzungen hatten die Fragen der national-kulturellen Autonomie zum Gegenstand der Beratungen. Als Referenten sprachen!׳de Herren Heilikmann, I. Gißar und Dv. M. Rafetz. Die beiden ersten befaßten sich nruit der prinzipiellen Begründung dieser Fovdorung, während Rasest die Wiege zur Realisierung dieser Forderung untersuchte. Die Frage der Be׳ teiligung an dem bevorstehenden Jüdischen Kongreß in Rußla,nd Md an der Gemeindearbeit wurde-nach langen,Debatten bejaht. Die Konferenz beschloß, die Forderung! der nationalkulturellen Autonomie als die politische Losung des Tages zu erklären. Dementsprechend muffen in den Stadion sofort die Organe der künftigen Autonomie konstituiert werden. Die provisorische Regierung wurde aufgefordert, einen Erlaß über die Einreihung der jüdischen Schulen in das allgemeine Schulnetz und über die Berechtigung des Jiddischen als Unterrichtssprache zu veröffentlichen.. ״Die letzten Sitzungen befaßten sich mit der Taktik des ״Rates der Arbeiter- und Soldatendeputierten", über dessen Tätigkeit Herr G. Ehrlich berichtete. Die Konferenz war auch von den gegenwärtig in Petersburg weilenden Delegierten der französischen. und englischen Sozialisten besucht, oie Begrüßungsreden hielten. Das Zentralkomitee der Sozialdemokratischen- Partei in Finnland berichtete in seiner Bsgrüßungsdepesche, daß es Schritte zur Abschaffung der Judenbeschränkungen in Finnland unternommen habe. In das Zentralkomitee wurden gewählt: Wladimir Modem, Rein (Abramowitsch), Frau Frumkin (Esther), M. I. Goldmann (Liber), ArbeiterdeputierLen", die Bundisten des okku-! ■S?״ pi'erten Gebietes, an deren Spitze Wladimir! Solotarew, Bermann, Medern steht, und an dis an, der Front stehenden Bundist enBegrüßungen ab. Der erste Tag der Beratungen war den inneren Fragen der russischen Politik gewidmet. Der Berichterstatter M. I. Glodmann (Liber) begründete die Ansicht, daß die russische Regie- In mir hörte ich ein Singen! Da fetzte sich der Rabbi auf und sah fragend an. Aber der Schüler sprach und seine Stimme klang schwach und. leise: Ich weiß es selbst nicht, Rabbi. Ich konnte nicht schlafen, und da zog es mich hinein in das Geheimnis eurer Rede... Ich hätte so gern die Melodie gehört. Und in meinem Schmerze, daß ich den Sang noch׳ nicht kannte, begann ich zu weinen. Laut weinte es in mir. Jedes Glied weinte in mir vor Gott dem Schöpfer. Dann betete ich den Spruch der Läuterung, den Ihr mir anvertraut hattet, und seltsam! nicht meine Libyen sprachen die .Worte. Sie sprachen sich allein; und dann wurde es licht um niich. Ich schloß die Augen. Und doch blieb ss licht in mir, so licht, so Helle leuchtendes Licht. Der Rabbi beugte sich vor, als müsse er besser horchen. Aber der Schüler fuhr fort: Und dann wurde mir von all dem Lichte so wohl, so leicht... Und mir war, als wäre ich kein Körper mehr voll ir׳ bischer Schwere. Mir war, als ich emporschwebte in ein glühendes Land! Und eine süße Wärme durchrieselte mich... die wundersame Luft des Lebens und jubelnder Freude. Keine Fiber in meinem Antlitz hat sich be wegt. Starr waren meine Lippen. Und doch habe ich gelacht, so innig, so herzig und voller Lust wie ein Kind. Oh! rief der Rabbi erregt. — Das waren die himmlischen Freuden! -י• -- Und dann klang es in mir, und mir war, als ob eilt Lied in mir erwüchse. . Epstein und Lurj-e. Bon der ״Demokratischen Bereinigung" Am 12./25. März wurde in Petersburg die Gründungsversammlung einer in Bildung be׳ . Der Rabbi sprang von seiner Bank empor ihu und stellte sich vor den Schüler. — Und dann??.' Und dann?! -Und dann hörte ich, wie in mir ein Singen begann... Ich fühlte, daß alle meine Sinne sich schlossen... Aber innen, innen sang es. So muß es Wohl sein.. .ganz ohne Worte.so .ja . .so. »» — — Ich kanns nicht sagen.. Vorhin wußte ich es noch.. Und dann wuchs das Singen zu einer Zauberweise, als spielte in meiner Seele eine Fiedel oder als säße Jona, der Kleßmer, in mir und spielte wie beim seligen Rabbi am Tisch gottgeweihte Lieder.. Und doch., viel zarter hat es in mir gespielt, viel wundersamer, wie erdentrückte Seligkeit. Und immer ohne Worte, ohne Stimme. Nur Seele,.. nur Seele. — Wohl dir! Wohl dir! mein Schüler. Voll Trauer aber schloß der Schüler: Nun ist alles dahin. Di? Smne sind mir wieder ge öffnet. Und ich bin so müde, daß ich .. Da aber schrie er Plötzlich laut auf und griff sich gegen das pochende Herz. -Rabbi, sprich mir das Sterbegebet!.. Sage mit mir das Sündenbekenntnis!. ♦ Ich hör; ein Rufen von der Höhe nach mir. Sie rufen den Sänger. Ein Engel bin ich mit Weißen Flügeln! Rabbi! Rabbi!.. Schma Jis.. Er starb. Und alle im Städtchen wünschten sich einen solche:! Tod. Nur der Rabbi war nicht ganz zufrieden. Noch ein paar Fasttage, klagte er, und im Kusse Gottes wäre er verschieden. tische Bereinigung" nennt, abgehalten. In der Eröffungsvsde berichtete Herr I. S. Tschernichow (ehemaliger Sozialift-Territorialist), daß disse Organisation bereits ein Jahr u. vier Monate bestehe. Bisher habe sich ihre Tätigkeit auf den Kampf für die jidische Sprache in den jüdischen Bildungs- und Kulturorganisationen beschränkt, jetzt aber gedenke sie auch sine politische Tätigkeit zu beginnen. Die Grundprinzipien dieser neuen politischen Arbeit wurden in programmastischsn Reden von Jefroykin und N. I. Stift (ehemalige Sejmisten) dargelegt. Der erstere unterzog die! Programme der bestehenden bürgerlichen und sozialistischen Parteien einiet Kritik. Die bürgerlichen Parteien kennzeichnets der Redner als Ghetto-Partsien, für die die allgemeine Politik des States wenig Interesse habe. Die linksstehenden jüdü schien Parteien aber seien durchwegs -sozialistisch, was den inneren wirtschaftlichen Verhältnissen der Juden, bei denen der Lohnarbeiter nur eine kleiine Minderheit bildet, nicht entspreche. Dis Arbeiterparteien zeigten daher — führte der Redner aus — wenig Interesse für die Lebensfragen der Judenheit und konnte nicht Volks- Parteien werden. Die ״Demokratische Veveiniugng" WW die allgemeine Demokratisierung erstreben, die wirtschaftlichen ׳ und nationalen Interessen der jüdischen Volksmaffen schützen und für die Europäisievung,und Entwicklung der jüdischen Kultur in jidischer Sprache sorgen. N. I. Stiff sprach sich gegen den Zionismus aus, den er als Ghetto-Ideologie bezeichnete. die das Volk seinem Wohnland und den jüdischnationalen Aufgaben in diesem Lande entfremde. Er ging dann näher auf die Aufgaben sin, die der ״Vereinigung" obliegen (Beteiligung an den kommunalen Einrichtungen, Bildüng von Genossenschaften, Uebernahme der jüdischen Regierungsschisten in jüdische Verwaltung, Hilfsarbeit, Organisierung der Gemeinden etc.).t Auf der Versammlung schlossen sich der ״Vereiiniigung" 200 Personen an. Bon der ״Poale Zion" Wie sine telegraphische Nachricht aus Mos׳ kau mitteilt, wurde dort die erste öfentliche Konferenz der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei ״Poals-Zion" in Rußland abgehalten. Ein ,genauer Bericht über diese Tagung liegt noch nicht vor. Bon den Sozialisten-Territorialisten (S. S.) Auf einer Petersburger Versammlung der ״Sozialisten-Territorialisten" (S. S.) berichteten Churgein und Anin über dis Tätigkeit des »Rates der Soldaten und Arbeiterdeputierten", M. I. Magidsohn über die Konferenz der sozialistischen Parteien der unterdrückten Nationalitäten und I. Chersonski über die nationalen Forderungen der Partei. Bekanntlich enthält das Programm der Sozialisten-Territorialisten bis jetzt noch keine Forderung der Autonomie. Usber die gleiche Frage berichtete auch Herr Sokolowski auf einer Moskauer Versammlung der S. S. Alle Beteiligten waren mti! dem Redner einig, den Autonomismus in das Partei- Programm aufzunehmen. Es wurde auch die Frage einer Vereinigung mit den Sejm,isten, die ihre Konferenz in Moskau abhielten, zur Diskussion gestellt. Befreiung der galizischen Geiseln. In Sibirien und einer Reihe anderer rufst׳ scher Gouvernements befinden sich bekanntlich zahlreiche Juden, die von der russischen Okkupationsmacht in Galizien» als Geiseln verschleppt wurden. Ein Erlaß der Provisorischen Regierung, unterzeichnet vom Ministerpräsidenten Fürsten Lwow und dem Kriegsministsr Gutschkow verordnet die sofortige Freilassung aller Verschleppten, ohne Unterschied der Nationalität und d. Glaubens. Sämtlichen Befreiten soll die Möglichkeit der Rückkehr in ihre Heimat gegeben werden. Die Unbemittelten sollen von den. Behörden die Kosten für ihre Reise und ihren Unterhalt erhalten. Eine spezielle Mi litärkom- Mission wird eingesetzt, die die Aufgabe hat, die einzelnen Fälle zu Mtersuchen. in denen die Rückkehr nicht gestattet Werdern soll.