Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVIII (1917)
- Issue
- Heft 9 (24.5.1917)
- Date
- 1917-05-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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tttttr 1 ״Mische VsttAßi««* *־W jt wird schenken müssen, gehört auch die Neuerung. * Was geschieht von Aaatswegm für die Er* ziehung des Mischen Kindes? Düs jüdische Kind wird seliier nächsten Umgebung Mtrisien, sprachlich entfremdet und -grwaltsckn in ein chm und seinem Wesen fremdes Muten gedrängt. Er verliert nicht nur jedes jüdische Bewußtsein, jedes stolze Menschlichkeitsbewutztsein, jede Cha׳ rakterfestigkeit muß ihm hier verloren gehen. Hier ist jede Halbheit verderblich! Nicht die konfessionell-e die ״mosaische" Schule tut uns not! Die jüdische Schule, die Schule mit jüdischer (jiddisch) Unterrichtssvrache ist eine der wichtigsten Forderungen des jüdischen Volkes im politischen Kampfe. 1 Die Sonderstellung Galiziens und der Wiederaufbau her durch den Krieg zerstörten Gebiete werden bei den Beratungen des wiederauferstandenen Parlamentes einen besonderen Raum ein nehmen. An den Grenzen Galiziens haben vor der Sonderstellung, so geht die Mär', die österreichischen Stcvatsgrundgesetze ihre. Geltung verloren. In Lemberg bestimmt das Ge- Schüler-. Forderung" behandelt das «Lsmbergsr , Tagkeine Stelle vorhanden, bei der man sichbeklagen Blatt" das Verbot der jMfchen Schrift und klMnte. Jetzt aber ksmmf das Wrrament. Wir führt aus: - tMÜffen die RGierMr frGen, vMWNn die Voll- Mir wissen LiS -um heutigen Tage Nichts mM ztt solAn MaMMn" Weben wurde, wodurch sich daK hOräische Mphabet versiWigt die W " - - hch, daß die Regierung oder andere Behörden es für nötig befunden haben, die Benützung der hebräischen Schrift im brieflichen Verkehr zu verbieten. Wir wissen nur so viel, daß in ganz Ostgalizien, im größten Teil Mittelgaliziens u. in der Bukowina der Jude, der keine andere Schrist schreiben kann als die hebräische, keine Möglichkeit hat, in Familien- oder Handelskorrespondenz mit einem anderen Juden zu stehen, weil die Postzensur regelmäßig diese Korrespondenz mit der Bemerkung ״Jüdisch unzulässig" zurückstellt. Wir wissen auch, daß auf mehrmalige Anfragen von seiten verschiedener jüdischer Organisationen beim zuständigen Ministerium, ob ein derartiges Verbot herausgegeben, worden sei, und womit es motiviert wurde, das betreffende Ministerium niemals! eine Antwort zu geben wußte, so daß es bis! Herr M. M.: 4-1 W 01 AErfaffm-gsmätzigkett so verhalten wie die SchuNosWeit zur Konstitution. Die jüdischen Abgeovdnewn Straucher und Reizes werden das ganze Abgeordnetenhaus züm größten Staunen bringen durch -solche Illustrationen. Niemand wird glauben, daß das in Oesterreich möglich gewesen ist. Unsere erste Forderung muß sein: die Anwendung der Berfassungs- Mäßigkeit auch auf galitzische Juden..." Auch die ״Jüdische Rundschau" (Berlin) widmet der österreichischen jüdischen Politik einen Jubiläumsartikel ״Ein Jubiläum nationaler Politik." Anknüpfend an die ersten Wjahlen nach allgemeinem Wahlrechte (1907) und ihren^Erfolgen für die Zionisten schreibt ״Eine neue Epoche national-jüdischer Politik war mit diesem schönem Erfolg für diie Zionisten Oesterreichs angebrochen. Di׳e kvamphafttesten Anstrengungen ver Loewenstein und Konsorten konnten es nicht verhindern daß der jü- , , .״ - . _ r - ,heute bekannt ist, ob dieses Verbot für die jüdimemdestatut fünfzig Jahre nach der Gleichbe-? von einer Heeren Behörde oder von rechtlgung aller Konfessionen, daß nie mehr -als.^iner unteren Instanz ausgegangen ist. Niemand 20. Gsmemderate Juden sem dürfen, In ver-s weiß, wer das ganze Verbot veranläßt hat und an schwdenep Gewerbegenossenschaften werden trotz wen manfich um Aufklärung wenden soll. Inn......_.... w vw״ der Zwangsbestlmmungeu des Gewerbe^setztes,^ Mischen aber liegt der jüdische in irgend einem dische Volkswille unter idem Schutze eiines ge- Juden prinzlplell NUN ausgenommen.^Bev Be-.Schützengraben und kann kein Lebenszeichen rechten Wahlsystems sich diejenigen politischen setzung von Aemteru, bei Vergebung von Lie^-^^gch Hapse schicken. Der jüdische Soldat bleibt Vertreter wählte, zu denen er die vollste Zuferungen und Arbelten werden Juden prmziwochenlang ohne eine Nachricht von Frau und verficht hatte, daß sie die nationalen! Interessen piell nicht berucksrchtlgt. Sollen bei der Sonder-^ Mch, von Vater und Mutter, weil das Schickdes jüdischen Volkes stolz und kraftvoll verirestellung du Juden weiter den polnischen Macht- ןג)|ץ ,c§ gewollt hat, daß sie gerade aus Galizien!יten werden. So zogen die ziionistischen Abgeordhabern auf Gnade und Ungnade sind, wo das Jüdische ״unzulässig" ist. Jnzwi-, neten, erfüllt von heißer Liebe zu ihrem Volk w^den? Du Wiedraufbam und Schaidenser-^ch^ stockt der Handel und die schnelle Zufuhr und seinen Idealen und gestützt auf das vollhebungsaktron in Westgalizun hat bis wtzt. den Waren, die in den heutigen Zeiten für jekommiene Vertrauen ihrer jüdischen Wähler, Wiederaufbau-durch den Krieg zerstörter judi-,^^, Stadt Stadt eine Lebensfrage ist, weil der! ins Wiener Parlament. (zwar nicht gehindert.) aber scheu Mische Kaufmann in der Wli,Ischen Kleinstadt W, reiches Feld jüi>ische-!nationaler Poll- Von den Unteritüdunasaeldern werden die , anderen Schrift >m»t dm Kauftik erösfnete sich ihnen. Aus der profframmatiolfer Oesterreichs dabm das Lori. »zulässig ,st: die Postzensur laßt es ahne irgend, qaben gespannt hatten und mit welchem Ernste KLd-rns durch Wenn aber sich darin em sie m ihre Lösung gingen. »Der Jüdische Klub hebräischer Buchstabe befindet, so ist der Brief wird stets für die Rechte. Interessen und dis »unzulasiig geworden, selbst wenn er auch der Wohlfahrt d. jüdischen Volkes eintreten, die Anktzte Gruß eurer sterbenden, Fncm an ihren erkennung der jüdischen Nationalität und die Mann irgendwo ■un Feld sein sollte.' s faktische ,Durchführung der Gleichberechtisiung ״Mnn man׳ in Wiener Prcssekreisen er-, und Gleichwertigkeit der Juden energisch vor- Völker Oesterrei-chs haben * Wo aber sind unsere Vertreter -in Rate dev österreichischen Völker? Sind!es etwa ibicieniigen«, die auf Grund Drohobyczer Blutwahlen oder die die zufolge «der Machinationen einer Kaha-l-Klique (Lemberg, Czernowitz) dorthin gelan.t sind. Vertreter Stimme nicht uberhort dürfen! Aus der Presse. Nummer Zeile um Zeile der Zensur in Polni-, den abwehren. Im Sinne der jüdisch-nationalen scher oder deutscher Uebersetzung vorgolegt wer-, Parteiprogramms wird der ״Jüdische Klub" den muß, weil die in Frisdenszeiten geübte Genur eine freiheitliche, wahrhaft volkstümliche pflogenheit, einen vereidigten jüdischen Zensor Politik vertreten, geleitet von den Grundsätzen anzustellen, plötzlich aufgegeben wurde, so politischen und wirtschaftlichen Fortschritts, Die innerpolitische-Wandlung in Oest-rrwürde Wohl niemand glauben, daß solche Zusozialer Gerechtigkeit, individueller und natioreich hat auch bei der jüdischen Presse lebhaften stände mitten in Oesterreich möglich sind. | naler Gleichberechtigung und י Gleichwertigkeit Nachhall gefunden. In! einem von der Zensur! Solche Ausnahmsbestimmiungen dürfen aller Volksstämme. Der ״Jüdische Klub" wird hart mitgenommenen Aufsätze ״Unsere erste! wir keineswegs ruhig hinnehmen. Bis jetzt war, die Lösung der nationalen Fragen auf dem Wie- — war ins Lehrhaus gekommen und hatte eine Schüssel Grütze und ein Stückchen Brot auf den Tisch neben den Rabbi gestellt. Und -er sprach mit roher Stimme: ״R-eb Towil schickt dem Rabbi das Essen." Und dann wandte er sich zum! Ge- Heu und ries nach von der Türe zurück: ״Nachher werde ich die Schüssel abholen."? Die harte Stimme des Trägers hatte den Nabbi aufgerüttelt und aus den stillen Höhen göttlicher Harmonien herabgezerrt. Langsam u. schwer regte er sich empor, wie. -aus schwerem Traume, und ging in seinen großen Stiefeln mit schlürfenden Schritten zum Wasserbecken,!sich zu waschen. Noch im Gehen spann er seine Rede fort, doch leise nur glimmte ׳darin das heilige Feuer. Aber der Jüngling lauschte gespannt seine!n. Worten und dunkle -Glut lohte aus seinen! Auge und seliger Traum. Indes fuhr Reb Jekel mit trauriger Stimme fort: ״Mir war leider die Gnade nicht, die letzte Sufr zu erklimmen. Ich habe die Pforte!der heiligen Melodie nicht gefunden. Und der Rabbi lächelte und sagte: Sieh nur, die Kasteiungen und die Gebete, die dahin führen können, kenne ich! Ich will sie dich lehren! Wohl!noch heute..." Dem Jünger quolen Mer die Augen aus den Höhlen. Mit weit geöffnetem Mund; lauschte er jenen Worten, als wollte er sie verschlingen. dürren Händen der t aufsteigende sein knochiges Schüssel, zurück Doch der Rabbi wurde still. Er wusch sich,' trocknete die Hände, sagte das vor,geschriebene Geber. Dann kehrte -er zum Tisch zurück und sprach m>i׳t bebenden Lippen den Segenspruch — über ein Stückchen Brot, das er!dann mit Salz bestreute und ineinen zahnlosen Mund schob. Mit' seinen zitternden, erhob er die Schüssel, und Wanne Dampf umwallte Gesicht. Dann stellte er die nahm den Löffel in die rechte Hand und wärmte die linke an der Schüssel, indessen er mit den zahnlosen Kiefern den Rest des Brotes kaute. Nun drückte er die warm gewordene Hand an das Gesicht, zog die Stirn in krause Falten, spitzte die Lippen imd begann in die dampfende Speise hinemzublassn. Der Schüler war jeder Bewegung seines Meisters gefolgt. Als des Rabbi -dünne Lippen 'dem ersten Löffel Grütze entgegenhebten, packte! ein eigen Gefühl des Jüngers Herz, und er vergrub sein Gesicht m beide Hände.! Wenige Minuten später kam wieder ein ' Junge ins Zimmer und brachte wieder eine . Schüssel Grütze mit Brot: ״Reb Josef schickt dem > Schüler das Essen." Der Jünger blickt nicht einmal auf.! Aber der Rabbi erhob sich und ging auf den Schüler zu und sah ihm in die Augen — stolz ' und voller Liebe, und berührte seine Schulter. — Manhat dir zu -essen gebracht! Da hob der Schüler langsam seinen Kopf. Sein Antlitz war noch blasser geworden und Tränen glitzerten in den flammenden Augen. -Ich weiß es Rabbi! doch ich mag heut nicht essen! — Nun schon der vierte Fasttag, fragte der Rabbi, und nur für dich? Es klang wie -ein Vorwurf. -Es ist ein neuer Fasttag, antwortete der Jüngling. Es ist ein Fasten der Buße. — Was sprichst du? — Du und ein Fasten der Buße? — — Ja Rabbi... Ein Fasten der Buhe. Da ׳du vorher dein Mahl begannst, Hab' ich grsündigt in Gedarcken und das Gebot verletzt: »Du solst dich nicht gelüsten lassen! In selbiger Nacht, ganz spät, weckte der Jünger seinen Lehrer. Sie schlief-sn beide in der Klaus auf harten Bänken, einander gegenüber. Rabbi, Rabbi, rief der Schüler in tonloser Stimme. Der Rabbi sprang erschreckt empor und fragte: — Was ist? -Ich war jetzt hoch oben in den Sphären der Himmel. — Wieso? fragte der Rabbi, noch schlaftrunken